Französisch als Fremdsprache wird von 24% der deutschen Schüler erlernt (Englisch 94%). Als Lehrfach hat es sich an Schulen und Hochschulen im Laufe des 19. Jahrhunderts etabliert.
Französisch wird in Deutschland seit dem Mittelalter unterrichtet, zu dieser Zeit hauptsächlich von Hauslehrern an Höfen, die die jungen Adligen auf ihre Rittertouren vorbereiteten. Ein besonderer Aufschwung ist im 17. Jh. (Ludwig der XIV.) und im 18. Jh. (Aufklärung und Französische Revolution) zu verzeichnen. Eine Eingliederung in die Hochschule und in die Gymnasien findet aber erst gegen Mitte des 19. Jahrhunderts statt; Hintergrund war die wirtschaftliche Entwicklung und der Bedarf an französischkundigen Vertretern deutscher Ideen und Produkte.
An der Universität wurde Französisch zunächst von Lektoren, allmählich auch von philologisch ausgebildeten Professoren unterrichtet. Dies führte zu einer Verwissenschaftlichung des Faches und einer Entfternung von der praktischen Anwendung. Die romanischen Sprachen wurden vorwiegend auf deutsch und abstrakt (Grammatik und historische Philologie) behandelt. Parallel wurde Französisch nach wie vor in Privatschulen gelehrt, in denen die Praxis im Vordergrund stand und die Sprache durch Sprechen erlernt wurde (direkte Methode). Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Französisch an Gymnasien verstärkt angeboten. Die im Unterricht vorherrschende Vermittlungstechnik war die Grammatik-Übersetzungsmethode. Eine erste, entscheidende Wende fand mit der Rezeption des Behaviorismus in den 1960er Jahren statt. Nicht mehr Grammatik und Übersetzung standen im Mittelpunkt, sondern die Nachahmung und Wiederholung (Imitation und Repetition) mit dem Ziel einer reflexartigen Handhabung von Sprachstrukturen. Als Reaktion darauf entstand die kommunikative Wende, eingeleitet in Deutschland durch Hans-Eberhard Piepho (1974). Hier wurde der Akzent auf die Authentizität des Diskurses gelegt (kommunikative Kompetenz nach dem Modell von Jürgen Habermas). Diese Perspektivenverschiebung lenkte den Blick auf den Lerner und leitete eine Bewegung ein, deren Höhepunkt heute mit der Lernerautonomie erreicht wird.
Bildungstheoretisch orientierte Didaktik: Grammatik-Übersetzungsmethode
Die im Unterricht angewandten Methoden hängen eng zusammen mit den Zielsetzungen, die im jeweiligen historischen Kontext vorherrschen. Die Dominanz der Grammatik-Übersetzungsmethode am Ende des 19. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 20. lässt sich auf dem Hintergrund des Neuhumanismus begreifen: Wie auch Griechisch und Latein wurde Französisch in erster Linie wegen des klassischen Bildungsideals unterrichtet. Der Zögling sollte mit den kulturellen Produktionen Frankreichs vertraut werden und durch die Begegnung mit den in der Romania entstandenen hervorragenden Kulturgütern selbst wachsen. Die Lehrwerke zeigten entsprechende Merkmale:
Lernerorientierte Didaktik: behavioristische Wende
Im Anschluss an die in den USA entwickelten Lernprogramme sollten die Lerner mit "sets of habits" ausgestattet werden und im Sprachlabor Sprachautomatismen erwerben. Insofern stand nicht mehr der Stoff, sondern der Lernende im Mittelpunkt. Er sollte mit sprachlichen Reflexen ausgestattet werden, um in Alltagssituationen im Zielland zu bestehen. Die Lehrprogramme zeigen entsprechende Merkmale:
Kommunikative Didaktik
Mit der kommunikativen Wende blieb der Lernende im Mittelpunkt, allerdings nicht mehr als reflexartig Reagierender, sondern als aktives Subjekt, das Wünsche (Sprechintentionen) realisiert. Die Lehrwerke zeigen entsprechende Merkmale:
ldl-wortschatz-2.jpg Eine Radikalisierung der Lernerorientierung erfolgt mit der konstruktivistischen Didaktik. Aus deren Sicht kann Wissen nicht von außen direkt vermittelt werden, sondern der Lerner konstruiert sein Wissen auf der Grundlage des vorgefundenen Materials selbst. Lehrer und Lehrwerke müssen dem Lerner helfen, sein Wissen aufzubauen. Eine interessante Variante des konstruktivistischen Unterrichts ist die Methode Lernen durch Lehren (LdL), die von ihren Vertretern (bes. Jean-Pol Martin) als Integration aller bisher diskutierten Ansätze verstanden wird. Bei LdL
Die Frage der Motivation
Wenn schon Konstruktion, dann stellt sich die Frage der Inhalte. Vor allem in höheren Klassen scheint es, dass die alleinige Vermittlung von Sprachstrukturen und Sachwissen nicht ausreicht, um Schüler dauerhaft zu motivieren. Aus der Sicht einiger Fachdidaktiker sollte sich der Französischunterricht, der bezogen auf die Schülerzahlen in der Krise steckt, stärker an der pädagogisch-anthropologischen Reflexion orientieren. Alle Untersuchungen weisen darauf hin, dass Menschen, darunter auch die Schüler, für ihr Tun einen Sinn brauchen, der über sie hinausweist. Gerade das Fach Französisch bietet die Möglichkeit, über Sinnfragen zu reflektieren und Projekte durchzuführen, die eine Europäische Dimension aufweisen. Eine intensive Beschäftigung mit den Problemen und Chancen der Globalisierung sowie das Angebot von Projekten, die in Hilfe einmünden (beispielsweise in frankophonen afrikanischen Ländern) könnte dem Fach eine neue Modernität und Attraktivität verleihen (vgl. Martin 2002 - siehe Weblink).
Das Französische wird meist als Zweit- oder Drittsprache angeboten und gelernt; es wird daher faktisch nur von wenigen gesprochen; der kulturelle Austausch mit dem Nachbarland ist daher begrenzt, der kulturelle Einfluß der angloamerikanischen Welt auf Deutschland einerseits und Frankreich andererseits verstärkt sich.
Auch stellt sich die Frage nach dem politischen Wollen, wenn Französisch in Deutschland von 24 % der Schüler erlernt wird, im europäischen Durchschnitt aber von 33 % der Schüler (Quelle: Weißbuch Lehren und Lernen der Kommission der EU, 1995).
Seit den 1963 finden mit OFAJ die verschiedensten Austauschprogramme statt.
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