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Der französische Fußballpokal (die Coupe de France auf Französisch) ist neben der französischen Meisterschaft einer der beiden wichtigsten nationalen Herrenfußballwettbewerbe für Vereinsmannschaften in Frankreich.

Er wurde 1917 auf Initiative von Henri Delaunay ins Leben gerufen; er hieß anfangs Coupe Charles Simon, seit 1920 Coupe de France und war der erste landesweite, verbandsübergreifende Wettbewerb in Frankreich (siehe Genaueres unter Fußball in Frankreich#Anfangsjahre). Bei seiner ersten Austragung nahmen 48 Vereine teil, in der Spielzeit 2005/06 rund 6.400. Dass sich nicht mehr der insgesamt etwa 20.000 Vereine dazu anmelden, liegt daran, dass zahlreiche kleine Klubs nicht über einen vom Fußballverband FFF anerkannten Sportplatz verfügen.

Austragungsmodus


Regularien

Heutzutage wird der Wettbewerb ab der ersten landesweiten Runde nach dem "klassischen Pokalmodus" ausgetragen; das heißt insbesondere, dass die jeweiligen Spielpaarungen ohne Setzlisten oder eine Vorsortierung der Vereine aus sämtlichen noch im Wettbewerb befindlichen Klubs ausgelost werden und lediglich ein Spiel ausgetragen wird, an dessen Ende ein Sieger feststehen muss (und sei es durch Verlängerung und Elfmeterschießen), der sich dann für die nächste Runde qualifiziert, während der Verlierer ausscheidet. Auch das Heimrecht wird für jede Begegnung durch das Los ermittelt, seit wenigen Jahren allerdings mit der Einschränkung, dass Klubs, die gegen eine mindestens zwei Spielklassen höher spielende Elf anzutreten haben, automatisch Heimrecht bekommen.

Pokalüberraschungen

Die bis heute meistzitierte Überraschung in der bald 90-jährigen Pokalgeschichte trug sich am 4. Februar 1957 in Toulouse zu; in der Runde der letzten 32 Mannschaften traf dort der SCU El Biar, ein bescheidener Amateurverein aus der algerischen Division d'Honneur, im Bergland südlich Algier beheimatet, auf das seinerzeitige Spitzenteam von Stade de Reims. Zwar hatte El Biar in der vorangehenden Runde mit AS Aix bereits einen Zweitligisten aus dem Weg geräumt, aber Reims war denn doch ein völlig anderes Kaliber: ein halbes Jahr zuvor hatte es sich im allerersten Finale des Europapokals der Landesmeister nur knapp den "Königlichen" Madrilenen geschlagen geben müssen und trat auch gegen den absoluten Außenseiter mit Ausnahme des zum Wehrdienst abkommandierten Just Fontaine in Bestbesetzung an. Nach vier Minuten führte El Biar durch einen Freistoß seines Spielertrainers Guy Buffard (der selbst Mitglied des Stade-Fanclubs "Allez Reims" war) 1:0, erhöhte noch in der ersten Halbzeit durch Roland Almodovar auf 2:0 und überstand den anschließenden 50-minütigen Sturmlauf des Favoriten mit Einsatz, Glück und einem an diesem Tag über sich hinauswachsenden Torhüter namens Benoit ohne Gegentreffer. – Im folgenden Achtelfinale schied El Biar sang- und klanglos aus, aber dieses eine Pokalspiel und seine wackeren Protagonisten sind noch Jahrzehnte später in Frankreich ein Begriff wie in Deutschland der VfB Eppingen.

Zwei weitere Amateurvereine, die den "Großen" besonders erfolgreich die Stirn zu bieten vermochten, haben ebenfalls nachhaltig Pokalgeschichte geschrieben:

  • Die US Quevilly, aus der Nachbarschaft von Rouen, hatte 1927 gegen Olympique Marseille sogar schon einmal im Finale gestanden – aber da gab es offiziell ja noch keine bezahlten Fußballer, und somit fehlte das ewige Motiv des Pokaldramas ("David gegen Goliath"); 1968 hingegen warf Quevilly zunächst Olympique Lyon aus dem Rennen und musste sich schließlich erst im Halbfinale, dazu auch erst nach Verlängerung, den Girondins de Bordeaux beugen.
  • Calais RUFC marschierte im Jahr 2000 nach Siegen über AS Cannes, Racing Strasbourg und Girondins Bordeaux sogar bis ins Finale durch und unterlag dort nur durch ein Elfmetertor in letzter Sekunde 1:2 gegen den FC Nantes.

Wesentliche Änderungen

In der Vergangenheit ist auch in Frankreich wiederholt mit dem Austragungsmodus experimentiert worden.
  • In den ersten Jahrzehnten wurden alle Spiele, die auch nach Verlängerung noch unentschieden standen, wiederholt; das letzte Endspiel nach dieser Regelung fand 1965 statt. Danach wurde eine Entscheidung durch Münzwurf bzw. etwas später durch Elfmeterschießen unmittelbar nach Ende des einzigen Spiels herbeigeführt, in einem Finale erstmalig 1982 so praktiziert.
  • Nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1960er Jahre fanden die Hauptrundenspiele (mit Ausnahme des Finales) grundsätzlich auf neutralem Platz statt, was angesichts der damaligen Ausdehnung des französischen Herrschaftsgebietes gelegentlich dazu führte, dass eine nord- und eine südfranzösische Mannschaft ihr Achtelfinalspiel in Algerien oder sogar in der Karibik austrugen.
  • Von 1952/53 bis 1964/65 wurde ein zusätzlicher Pokalwettbewerb, die Coupe (Charles) Drago, ausgespielt, an dem alle vor dem Viertelfinale ausgeschiedenen Profimannschaften teilnahmen; dieser Wettbewerb, der der einfachen Pokalregel geradezu widerspricht, wonach eine Niederlage das Aus bedeutet, war nie sonderlich populär, brachte den oft wirtschaftlich bedrängten Klubs aber Zusatzeinnahmen. Der FC Sochaux und der RC Lens gewannen die Coupe Drago je dreimal.
  • Schließlich wurde die Coupe de France ab 1969 bis einschließlich 1989 in den landesweiten Hauptrunden (mit Ausnahme des Finales) in Hin- und Rückspielen ausgetragen, was zwar zur Erhöhung der Einnahmen, aber auch zu Attraktivitätsverlusten geführt hat, wenn Mannschaften sich im Auswärtsspiel lediglich eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel sichern wollten und entsprechend defensiv "auf Ergebnis" spielten.

Endspielorte


Von Anfang an wurde das Pokalfinale in Paris oder im unmittelbar angrenzenden Umland (frz.: Banlieue) ausgetragen.
  • In der Stadt Paris
    • Stade de la Légion Saint-Michel: 1918
    • Stade Bergeyre: 1920
    • Stade Pershing: 1921-1924
    • Parc des Princes: 1919, 1938, 1940, 1944, 1965-1967, 1972-1997 (außer 1992 - kein Endspiel), zudem die Wiederholungsspiele 1943 und 1963
  • Im Ballungsraum um Paris

Seit 1927 ist es üblich, dass der Staatspräsident dem Endspiel beiwohnt und anschließend den Pokal übergibt.

Die Endspiele


n.V. = nach Verlängerung; E: = Ergebnis des Elfmeterschießens
Hinweis:Vereine werden, außer bei geänderten Namen, nur bei ihrer jüngsten (= obersten) Erwähnung verlinkt.
  • 2006 Paris Saint-Germain FC - Olympique Marseille 2-1
  • 2005 AJ Auxerre - CS Sedan Ardennes 2-1
  • 2004 Paris Saint-Germain FC - La Berrichonne Châteauroux 1-0
  • 2003 AJ Auxerre - Paris Saint-Germain FC 2-1
  • 2002 FC Lorient-Bretagne Sud - SC Bastia 1-0
  • 2001 RC Strasbourg - Amiens SC 0-0 n.V., E: 5-4
  • 2000 FC Nantes Atlantique - Calais RUFC 2-1
  • 1999 FC Nantes Atlantique - CS Sedan Ardennes 1-0
  • 1998 Paris Saint-Germain FC - RC Lens 2-1
  • 1997 OGC Nice Côte d'Azur - En Avant Guingamp 1-1 n.V., E: 4-3
  • 1996 AJ Auxerre - Nîmes Olympique 2-1
  • 1995 Paris Saint-Germain FC - RC Strasbourg 1-0
  • 1994 AJ Auxerre - Montpellier Hérault SC 3-0
  • 1993 Paris Saint-Germain FC - FC Nantes Atlantique 3-0
  • 1992 Wettbewerb nach dem "Drama von Furiani" abgebrochen (18 Tote, über 2.000 Verletzte, als beim Halbfinalspiel Bastia-Marseille eine Zusatztribüne im Stade Furiani zusammenbrach)
  • 1991 AS Monaco - Olympique Marseille 1-0
  • 1990 Montpellier Hérault SC - Matra RC Paris 2-1 n.V.
  • 1989 Olympique Marseille - AS Monaco 4-3
  • 1988 FC Metz - FC Sochaux-Montbéliard 1-1 n.V., E: 5-4
  • 1987 FC Girondins Bordeaux - Olympique Marseille 2-0
  • 1986 FC Girondins Bordeaux - Olympique Marseille 2-1 n.V.
  • 1985 AS Monaco - Paris Saint-Germain FC 1-0
  • 1984 FC Metz - AS Monaco 2-0 n.V.
  • 1983 Paris Saint-Germain FC - FC Nantes 3-2
  • 1982 Paris Saint-Germain FC - AS Saint-Étienne Loire 2-2 n.V., E: 6-5
  • 1981 SC Bastia - AS Saint-Étienne 2-1
  • 1980 AS Monaco FC - US Orléans 3-1
  • 1979 FC Nantes - AJ Auxerre 4-1 n.V.
  • 1978 AS Nancy Lorraine - Olympique GC Nice Côte d'Azur 1-0
  • 1977 AS Saint-Étienne Loire - Stade de Reims 2-1
  • 1976 Olympique Marseille - Olympique Lyonnais 2-0
  • 1975 AS Saint-Étienne Loire - RC Lens 2-0
  • 1974 AS Saint-Étienne Loire - AS Monaco 2-1
  • 1973 Olympique Lyonnais - FC Nantes 2-1
  • 1972 Olympique Marseille - SC Bastia 2-1
  • 1971 Stade Rennais UC - Olympique Lyonnais 1-0
  • 1970 AS Saint-Étienne Loire - FC Nantes Atlantique 5-0
  • 1969 Olympique Marseille - FC Girondins Bordeaux 2-0
  • 1968 AS Saint-Étienne Loire - FC Girondins Bordeaux 2-1
  • 1967 Olympique Lyonnais - FC Sochaux-Montbéliard 3-1
  • 1966 RC Strasbourg - FC Nantes 1-0
  • 1965 Stade Rennais UC - UA Sedan-Torcy 2-2 n.V., 3-1
  • 1964 Olympique Lyonnais - FC Girondins Bordeaux 2-0
  • 1963 AS Monaco - Olympique Lyonnais 0-0 n.V., 2-0
  • 1962 AS Saint-Étienne Loire - FC Nancy 1-0
  • 1961 UA Sedan-Torcy - Nîmes Olympique 3-1
  • 1960 AS Monaco - AS Saint-Étienne 4-2 n.V.
  • 1959 Le Havre AC - FC Sochaux-Montbéliard 2-2 n.V., 3-0
  • 1958 Stade de Reims - Nîmes Olympique 3-1
  • 1957 Toulouse FC - Angers SC de l'Ouest 6-3
  • 1956 UA Sedan-Torcy - AS Troyes-Savinienne 3-1
  • 1955 Lille Olympique SC - FC Girondins Bordeaux 5-2
  • 1954 Olympique GC Nice Côte d'Azur - Olympique Marseille 2-1
  • 1953 Lille Olympique SC - FC Nancy 2-1
  • 1952 Olympique GC Nice Côte d'Azur - FC Girondins Bordeaux 5-3
  • 1951 RC Strasbourg - US Valenciennes 3-0
  • 1950 Stade de Reims - RC Paris 2-0
  • 1949 RC Paris - Lille Olympique SC 5-2
  • 1948 Lille Olympique SC - RC Lens 3-2
  • 1947 Lille Olympique SC - RC Strasbourg 2-0
  • 1946 Lille Olympique SC - Red Star Paris 4-2
  • 1945 RC Paris - Lille Olympique SC 3-0
  • 1944 Auswahlmannschaft Nancy-Lorraine - Auswahlmannschaft Reims-Champagne 4-0
  • 1943 Olympique Marseille - FC Girondins Bordeaux 2-2 n.V., 4-0
  • 1942 Red Star Paris - FC Sète 2-0
  • 1941 FC Girondins Bordeaux - SC Fives 2-0
  • 1940 RC Paris - Olympique Marseille 2-1
  • 1939 RC Paris - Lille Olympique SC 3-1
  • 1938 Olympique Marseille - FC Metz 2-1 n.V.
  • 1937 FC Sochaux-Montbéliard - RC Strasbourg 2-1
  • 1936 RC Paris - Olympique FC Charleville 1-0
  • 1935 Olympique Marseille - Stade Rennais UC 3-0
  • 1934 FC Sète - Olympique Marseille 2-1
  • 1933 Excelsior AC Roubaix - RC Roubaix 3-1
  • 1932 AS Cannes - RC Roubaix 1-0
  • 1931 Club Français Paris - Sports Olympiques Montpelliérains 3-0
  • 1930 FC Sète - RC Paris 3-1 n.V.
  • 1929 Sports Olympiques Montpelliérains - FC Sète 2-0
  • 1928 Red Star Paris - CA Paris 3-1
  • 1927 Olympique Marseille - US Quevilly 3-0
  • 1926 Olympique Marseille - AS Valentigney 4-1
  • 1925 CASG Paris - FC Rouen 1-1 n.V., 3-2
  • 1924 Olympique Marseille - FC Sète 3-2 n.V.
  • 1923 Red Star Paris - FC Sète 4-2
  • 1922 Red Star Paris - Stade Rennais UC 2-0
  • 1921 Red Star Paris - Olympique de Paris 2-1
  • 1920 CA Paris - Le Havre AC 2-1
  • 1919 CASG Paris - Olympique de Paris 3-2 n.V.
  • 1918 Olympique de Pantin - FC Lyon 3-0

Statistik


Häufigste Pokalsieger (Vereine)

  • Olympique Marseille - zehnmal bei 17 Finalteilnahmen
  • Paris Saint-Germain - siebenmal bei 9 Finalteilnahmen
  • AS Saint-Étienne - sechsmal bei 9 Finalteilnahmen
  • Red Star Paris - fünfmal bei 6 Finalteilnahmen
  • Racing Club Paris - fünfmal bei 8 Finalteilnahmen
  • Olympique Lille - fünfmal bei 8 Finalteilnahmen
  • AS Monaco - fünfmal bei 8 Finalteilnahmen
  • AJ Auxerre - viermal bei 5 Finalteilnahmen
  • RC Strasbourg - dreimal bei 6 Finalteilnahmen
  • Girondins Bordeaux - dreimal bei 9 Finalteilnahmen
  • OGC Nizza - dreimal bei 4 Finalteilnahmen
  • Olympique Lyon - dreimal bei 6 Finalteilnahmen
  • FC Nantes - dreimal bei 8 Finalteilnahmen

Häufigste Pokalsieger (Spieler)

Je fünfmal gehörten zur siegreichen Finalelf:

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