= Französische Literatur =
Das mittelalterliche Französisch, das Altfranzösische, war dialektal stärker differenziert als das heutige Französisch, und zwar nicht nur, was die Sprechsprache betraf. Auch die Schriftsprache, wie sie von Autoren und Kopisten ab etwa 1100 mehr und mehr (neben dem noch lange Zeit vorherrschenden Latein) verwendet wurde, war jeweils stark dialektal geprägt. Bis ins 14. Jh. hinein konkurrierten insbesondere das Pikardische und das Anglonormannische mit dem Franzischen, d.h. dem Dialekt der Île de France. Dieser setzte sich erst langsam in dem Maße durch, wie sich die politische und kulturelle Rolle von Paris als Hauptstadt festigte.
Die okzitanische Literatursprache, die um 1200 den Höhepunkt ihrer Ausdrucksmöglichkeiten erreicht und eine reiche Literatur hervorgebracht hatte, wurde ebenfalls nach 1300 vom Franzischen verdrängt, auch wenn die okzitanischen Dialekte noch bis ins späte 19. Jh. zumindest auf dem Land lebendig blieben.
Die französische Sprache des späten Mittelalters, d.h. des späten 14. und des 15. Jh., wird als Mittelfranzösisch bezeichnet. Diesem folgt ab dem Anfang des 16. Jh. das Neufranzösische.
Der älteste in franz. Sprache erhaltene Text ist die franz. Version der Straßburger Eide (Serments de Strasbourg). Sie wurden 842 abgelegt auf Altfranzösisch und auf Althochdeutsch von dem ostfränkischen König Ludwig dem Deutschen und dem westfränkischen König Karl dem Kahlen sowie ihren Unterführern, und zwar beim Abschluss eines Bündnisses dieser beiden Halbbrüder gegen ihren ältesten Bruder, Kaiser Lothar. Die Eidestexte sind überliefert als Zitate in der lateinisch verfassten Chronik des Nithard (9. Jh.), die ihrerseits in einer Abschrift aus dem 10. Jh. vorliegt. Der franz. Text zeigt deutlich die Schwierigkeiten, die Nithard bzw. der erste Aufschreibende hatten, die Wörter, die er gehört hatte, zu verschriftlichen, denn er hatte, wie damals üblich, Lesen und Schreiben nur anhand lateinischer Texte gelernt. So etwas wie eine eigene franz. Schriftsprache gab es noch nicht, weil bis weit über das Jahr 1000 hinaus alles, was für aufschreibenswert gehalten wurde, von lateinkundigen Spezialisten, meist theologisch gebildeten Klerikern, in Latein (dem sog. Kirchen- oder Mittellatein) abgefasst wurde.
Kennzeichnend für die französische Literatur des Mittelalters sind die volkstümlichen Chansons de geste (Heldenepen), der höfische Roman und die höfische Lyrik der Troubadours bzw. Trouvères.
Eine andere Art der christlichen Literatur waren die Heiligenlegenden. Bereits im 6. Jhdt. entstand die Legende über die Wunder des heiligen Martinus, aufgeschrieben in Latein von Venantius Fortunatus, der zuletzt Bischof von Poitiers war. Die älteste französischsprachige Heiligenlegende (verfasst in assonierenden Achtsiblern) dürfte die Eulalia-Sequenz (Séquence de Sainte Eulalie) von etwa 880 sein, aufgeschrieben von einem Mönch der Abtei von Saint-Amand. Besungen wird hier das Martyrium der heiligen Eulalia, die 304 in Merida (Spanien) den Tod fand. In der gleichen Abtei wurden im 10. Jh. die Homélie sur Jonas (= Jonasfragment) in einer Mischung aus Französisch und Latein redigiert.
Zu dieser Gattung zählen des weiteren:
Eine weitere vielgenutzte Quelle war der Alexanderroman, den Anfang des 12. Jhdts. Albéric de Pisançon für seine französischsprachige Fassung verwendete. Es folgte Alixandre en Orient von Lambert le Tort und das anonym verfasste Mort Alixandre. Die drei Werke stellen das Leben und Sterben von Alexander der Große dar, ein Thema, welches Alexandre de Bernay in seinem Roman d'Alexandre ebenfalls anwendete. De Bernay brachte hierbei ein metrische Neuerung hervor, die sog. Alexandriner. Der gesamte Text umfasst ca. 15.000 Verse und ist in vier Abschnitte unterteilt: Jugend - Eroberung von Tyrus bis zur Niederlage des Darius - Kämpfe gegen Darius und Porus, Asienreise, Begegnung mit den Amazonen - Krönung, Ermordung, Begräbnis.
Weitere Werke dieser Gattung sind:
Hauptvertreter dieses Genre ist Gautier d'Arras, der lange Zeit am Hofe von Blois lebte. Er verfasste Eracle (zwischen 1176 und 1181, 6593 paarweise gereimte Achtsilber) und Ille et Galeron (~1178/79, 6592 paarweise gereimte Achtsilber). Eracle vereinigt chanson de gester und Liebesromantik in sich, mit der Gattin eines Kaisers die ihn betrügt als Hauptperson.
Als weitere Werke können angesehen werden:
Das Papsttum sank im Ansehen der Bevölkerung, das machtpolitische Streben und die öffentlich werdende moralische Dekadenz des Klerus gerieten stärker ins Blickfeld und damit auch in die Kritik. Jacques Lefèvre d’Etaples war einer der Vorkämpfer, der für Reformen eintrat und ähnliche Ansätze wie Luther in Deutschland verfolgte. Fortgesetzt wurde dieses Gedankengut von Jean Calvin, nach dem der Kalvinismus benannt wurde. Aus Italien kommend breitete sich, verbunden mit den Namen Petrarca, Boccacio und Bruni, der Gedanke des Humanismus aus und fand seine Fortsetzung u.a. bei Desiderius Erasmus, Clément Marot und François Rabelais. Neue Kontinente wurden entdeckt, es entstanden französische Kolonien in Nordamerika.
Der Aufschwung des Buchdrucks, der im ausgehenden 15. Jahrhundert in Frankreich noch verboten werden sollte, führte im 16. Jahrhundert zu einer größeren Verbreitung von französischsprachigen Werken. Von 1501 bis 1585 stieg die Zahl von 7 auf 245 Büchern, was letztlich mehr als die Hälfte aller gedruckten Titel entsprach.
Franz I., der zweite französische König des Renaissancezeitalters, veranlasste den Bau von der Sorbonne unabhängiger Kollegien (=Collège), die mit Laienprofessuren arbeiteten. Hier wurden klassische Sprachwissenschaften (Hebräisch, Griechisch, Latein), Philosophie, orientalische Sprachen, Medizin und Bibelwissenschaft gelehrt. Insgesamt entstanden im 15. Jahrhundert 12 solcher Universitäten.
Im Süden Frankreichs entstand ein Kreis namens "Lyoner Dichterschule". Hierzu zählte als ihr geistiger Führer Maurice Scève – 1560, der sein Hauptwerk Délie, objet de plus haute vertu (449 Zehnzeiler) im Jahr 1544 im Stil eines Petrarca verfasste. Mitglieder waren Louise Labé – 1565 (Le débat de Folie et d’Amour, 1555) und Pernette Du Guillet – 1545 (Rymes de gentille et vertueuse dame D. Pernette Du Guillet, Lyonnaise, 1545).
Eine andere Gruppe von Dichtern war die "Pléiade". Hierzu zählten einige bedeutende Autoren der damaligen Zeit:
Die dichterischen Grundsätze wurden in dem Text Deffence et illustration de la langue françoyse (1549) manifestiert. Sie wandten sich dabei von der mittelalterlichen Dichtung ab und sahen die Ode, Ekloge, Hymne und das Sonett aus der Antike oder des Italienischen als Vorbild. Zudem widmeten sie sich der Pflege der französischen Muttersprache. Bis ungefähr 1580 blieb die Pléiade eine große Konstante in der Dichtung, geriet dann aber zunehmend in Vergessenheit. Die zweite Generation dieser Gruppe (u.a. Binet, Héroët, Magny, Tahureau) erreichte nicht mehr das gewohnte Niveau.
Die Grand Dame der Renaissance war Marguerite de Navarre – 1549 (Herzogin von Alençon, Königin von Navarra in der Ehe mit Henri d’Albret, Schwester von Franz I., Großmutter Heinrichs IV.). Sie hinterließ ein umfangreiches Werk, das sich auch mit der Philosophie, Metaphysik und der reformatistischen Bewegung beschäftigte (Dialogue en forme de vision nocturne, 1525; Miroir de l’âme pécheresse, 1531). Ferner schrieb sie Lyrik (Les Maguerites de la Marguerite des princesses, 1547) und Novellen (L’Heptaméron des nouvelles, 1540 – 1549) die an Boccaccios Dekameron angelehnt waren.
Der bedeutendste Autor dieser Zeit war François Rabelais – 1553. Sein Hauptwerk ist ein Romanzyklus mit den Einzeltiteln:
Erzählt wird Geburt, Kindheit, Jugend und Abenteuer des Riesen Pantagruel und seinem Vater Gargantua. Rabelais entnahm die Idee dem 1532 erschienen Buch unbekannten Verfassers Grandes et inestimables Cronicques du grant et énorme géant Gargantua. Der Name Pantagruel wurde erstmals in einem Misterienspiel des Simon Greban verwendet. In den Bänden 3 – 5 nahm Rabelais immer mehr zeitgeschichtliche Vorkommnisse satirisch auf.
In der Spätrenaissance sind Pierre de Bourdeille 1540 – 1614 und Béroalde de Verville - ~1623 zu nennen.
Aus dem Kreis der Pléiade folgten Étienne Jodelle – 1573, mit Eugène (1552) und den Tragödien Cléopâtre captive (1553), Didon se sacrifiant (~1555) und La Rencontre (~1553) und Jean de La Taille 1535 - ~ 1617 (Saül le furieux, ~ 1562; Les Corrivaux, 1562).
Ein viel gelesener Tragödienautor war Robert Garnier – 1590 mit seinen Römerdramen Porcie (1568), Cornélie (1574) und Marc-Antoine (1578) sowie dem biblischen Werk Les Juives (1583). Er war einer der ersten, der ein Werk für die Mischgattung Tragikomödie (Bradamante, 1571-1573) verfasste.
Weitere Theaterautoren des 16. Jahrhunderts:
Mit Dafne von Jacopo Peris entstand 1596 die erste französische Oper, die Musik dazu ist nicht überliefert.
Vor allem das Theater hatte in der Klassik seine größte Ausdehnung. Berühmte Autoren wie Pierre Corneille (Le Cid), Molière (Dom Juan, Tartuffe, Le malade imaginaire) und Racine (Phèdre) waren gern gesehene Gäste am französischen Königshof in Versailles und genossen dort auch hohes Ansehen durch ihre Stücke.
Doch auch die Literatur hatte ihre Blüte. Montaigne mit seinen essays und auch Jean de la Fontaine mit seinen berühmten Fabeln lieferten ihren Beitrag zum französischen Kulturgut.
Die wohl wichtigsten Vertreter der französichen Aufklärung, sind die Schriftsteller des "siècle des lumières", die Licht in die dunkle Zeit des Barocks und der absolutistischen Monarchie Frankreichs brachten. Sie kritisierten die absolutistische Monarchie und auch die katholische Kirche, forderten die Menschen dazu auf, ihrem eigenen Verstand und der Wissenschaft mehr zu vertrauen. Zu nennen wären hier Jean-Jacques Rousseau (Les nouvelles Héloises), Voltaire (Candide ou l'Optimisme), d'Alembert und Denis Diderot (L'encyclopédie) sowie Montesquieu (Les lettres persanes). Die Schriftsteller des "siècle de lumière" gelten auch als Wegbereiter der französischen Revolution, so sollen die Revolutionäre angeblich gerufen haben: "Es ist wegen Voltaire!".
Bis 1830 dauerte die Ende 18. Jahrhundert anfangende Romantik weiter an. Danach kam der bis ca. 1880 andauernde Realismus. Er war sehr durch die industrielle Revolution und die dadurch neu entstandene Gesellschaftsordnung geprägt (Bourgeoisie und Proletariat). Die Bourgeoisie und ihre Werte wurden dadurch natürlich zu einem wichtigen Thema. Berühmte Autoren waren Stendhal, Flaubert und Balzac. Von 1875-1900 gab es zwei grosse Richtungen. Einerseits den Naturalismus, dessen Hauptausage war, dass der Mensch ein Produkt seines (genetischen) Erbes und seines Umfeldes oder Milieu ist. Daraus entstand auch soziale Kritik. Zola kann als der bedeutendste Vertreter betrachtet werden. Die Zweite grosse Stilrichtung ist der Impressionismus und Symbolismus. Sehr wichtig war die Athmosphäre, der Traum und das Fantastische. Die Wirklichkeit wurde als voll mit Symbolen empfunden. Baudelaire, Verlaine und Rimbaud waren bedeutende Dichter. Ausserdem gab es noch als Stilrichtung den Jugendstil, der gegen Ende des Jahrhunderts auftrat.
Im 20.Jahrhundert gab es mehere wichtige Strömungen in der französischen Literatur. Von ca. 1900 bis 1935 beispielsweise der Expressionismus oder auch Surréalismus. Themen waren der Verlust von Werten, die Anonymität der Grosstädte, aber auch die Religion. Ausserdem wurde auch viel mit neuen Stilen und Formen experimentiert und gebräuchliche Konventionen fallen gelassen. Bedeutende Autoren waren Marcel Proust, André Gide, der Dichter Paul Claudel. Von 1935-1950 sind zwei wichtige Strömungen die Literatur der beiden Kriege mit Vertretern wie Céline oder Saint-Exupéry und natürlich der Existenzialismus. Die bekanntesten französischen Vertreter des Existenzialismus sind Sartre und Camus. Von 1950-1975 war ein Haupthema in den Büchern vieler bedeuteder Schriftsteller Kritik an den sozialen Zuständen. Das Konsumzeitalter wurde kritisiert, der Zerfall der Familien und das Leben der Unterpriviligierten,auch Soziologie und Psychologie. Wiederum gehören Sartre und Camus zu den bedeutesten Autoren, sowie Vian. Eine spezielle Art der sozialen Kritik war das "théâtre absurde",um dass sich Beckett und Ionesco verdient machten.
Eine Aufstellung französischer Autoren in zeitlicher Ordnung findet sich unter Liste französischer Schriftsteller.
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