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Franz Joseph Hermann Michael Maria von Papen (* 29. Oktober 1879 in Werl, Westfalen; † 2. Mai 1969 in Obersasbach, Baden-Württemberg), Erbsälzer zu Werl und Neuwerk, war ein katholischer deutscher Politiker (Zentrumspartei) und 1932 Reichskanzler. Er war seit 1905 mit Martha von Boch-Galhau (1880-1961) aus Mettlach an der Saar verheiratet, einer Tochter aus der bekannten Keramikdynastie.

Leben im Kaiserreich


Franz von Papen als Hauptmann.jpg Franz von Papen entstammte einer traditionsreichen Familie in Werl in Westfalen, die durch Salzgewinnung zu Reichtum und Adelstitel gekommen war. Er erwarb eine militärische Ausbildung zum Kavallerieoffizier und durchlief eine Generalstabsausbildung. In dieser Zeit lernte er unter anderem Kurt von Schleicher kennen. Danach erhielt er einen diplomatischen Posten als Militärattaché an der deutschen Botschaft in den USA (zuständig für die USA und Mexiko), den er vor allem den guten Beziehungen seines Vaters zum deutschen Kaiser zu verdanken hatte, mit dem jener gemeinsam studiert hatte. Während des Ersten Weltkrieges kam dem Doppelposten Washington-Mexiko/Stadt eine Bedeutung zu, der von Papen nicht gewachsen war. Er sollte in den USA subversiv tätig werden und eine deutschfreundliche Haltung in Mexiko sichern. So meldete er Abfahrtzeiten und Ladung us-amerikanischer Schiffe nach Berlin und wird auch in Zusammenhang mit der Versenkung der RMS Lusitania gebracht. Insgesamt unterliefen ihm dabei aber so viele Missgeschicke, dass er im Januar 1916 des Landes verwiesen wurde. Im Ersten Weltkrieg diente er zunächst als Bataillonskommandeur an der Westfront. Später war er Generalstabsoffizier im Nahen Osten, danach Major in der osmanischen Armee in Palästina. Während seiner dortigen Tätigkeit im Stab von Erich von Falkenhayn lernte er Joachim von Ribbentrop kennen, eine Bekanntschaft, die für die politischen Vorgänge in Deutschland Anfang 1933 noch große Bedeutung haben sollte. Erst durch von Ribbentrops Fürsprache bei Adolf Hitler zugunsten von von Papen gelang es, dessen zunächst feindselige Haltung gegenüber dem Aristokraten auszuräumen und ihn einem Zweckbündnis gewogen zu machen. Auf der Heimfahrt nach Deutschland machte von Papen eine weitere wichtige Bekanntschaft, nämlich die mit Paul von Hindenburg.

Leben in der Weimarer Republik


Nach der deutschen Niederlage nahm von Papen im Frühjahr 1919 als Oberstleutnant seinen Abschied aus der Reichswehr. Mit dem Zusammenbruch der Monarchie in Deutschland wurde er zeitlebens nicht fertig und so wollte er auch nicht in einer republikanischen Armee dienen. Franz von Papen ließ sich im selben Jahr in Dülmen im Münsterland nieder und bewohnte bis zum Jahr 1930 Haus Merfeld. Er fing an, politisch tätig zu werden, und engagierte sich im konservativen Deutschen Herrenklub in Berlin. Von 1921 bis 1928 und von 1930 bis 1932 war er Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses für die katholische Zentrumspartei. Dort vertrat er deren rechten, monarchistischen Flügel. So versagte von Papen bei der Reichspräsidentenwahl 1925 dem Kandidaten seiner eigenen Partei Wilhelm Marx die Unterstützung und trat stattdessen öffentlich für die Wahl Paul von Hindenburgs ein, was der ihm nie vergaß. Das Zentrum wollte ihn daraufhin ausschließen, jedoch war von Papen im Sommer 1925 Aufsichtsratsvorsitzender der Parteizeitung "Germania" geworden und verfügte damit über einen publizistischen Sperriegel.

Zeit als Reichskanzler


Am 1. Juni 1932 wurde von Papen auf Betreiben seines alten Freundes Kurt von Schleicher durch den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg und als Nachfolger von Heinrich Brüning zum Reichskanzler ernannt. Er stand einem Kabinett aus überwiegend parteilosen Fachministern vor, von denen aber manche der DNVP nahestanden. Um seinem eigenen Ausschluss aus der Zentrumspartei vorzubeugen, trat er aus dieser am 3. Juni aus. Am 4. Juni löste von Hindenburg den Reichstag auf, setzte Neuwahlen an und am 16. Juni hob von Papen das von Brüning verhängte Verbot der SA und der SS auf. Die von der NSDAP für beide "Vorleistungen" in Aussicht gestellte Tolerierung seines Minderheitskabinetts kam aber nicht zustande. Auf der Konferenz von Lausanne vom 16. Juni bis 9. Juli erreichte von Papen das Ende der durch den Versailler Vertrag auferlegten Reparationen.

Nach Unruhen in Altona setzte von Hindenburg am 20. Juli die nach den Landtagswahlen vom 24. April praktisch nicht mehr regierungsfähige preußische Regierung unter Otto Braun (SPD) ab und ernannte von Papen zum Reichskommissar in Preußen (Preußenschlag). Mit dieser Reichsexekution, einem verfassungsmäßigen Instrument, das auch bereits vom Reichspräsidenten Friedrich Ebert angewendet worden war, sollte den nationalsozialistischen und kommunistischen Umtrieben im Land ein deutliches Warnsignal des Staates entgegengesetzt werden. Als der neugewâhlte Reichstag am 12. September zusammentrat und von Papen seine Regierungserklärung abgeben wollte, beantragte die KPD die Änderung der Tagesordnung und die sofortige Aussprache des Misstrauens gegen die Regierung. Reichstagspräsident Hermann Göring, der zuvor einträchtig von NSDAP und der demokratischen Mitte gewählt worden war, "übersah" daraufhin geflissentlich die Wortmeldung des Reichskanzlers und ließ über diesen kommunistischen Antrag abstimmen, der eine überwältigende Mehrheit fand. Die Abstimmung war jedoch ungültig, weil von Papen während derselben die Auflösungsorder des Reichspräsidenten auf Görings Pult gelegt hatte und somit Neuwahlen auszuschreiben waren.

Die Reichstagswahlen vom 6. November brachten schwere Verluste für die NSDAP und Gewinne für die DNVP, der einzigen Partei, die den Reichskanzler unterstützte. Da aber auch die KPD zulegen konnte blieb deren Sperrmajorität zusammen mit der NSDAP erhalten. Der Reichstag war also weiterhin lahmgelegt. Daraufhin schlug von Papen dem Reichspräsidenten bei einer Besprechung am 2. Dezember den Staatsstreich vor. Das heißt, er wollte mit Hilfe der Reichswehr gegen Nationalsozialisten und Kommunisten vorgehen und somit das wiederholen, was er bereits in Preußen bewerkstelligt hatte. Der Reichstag sollte für ein halbes Jahr ausgeschaltet, die Verfassung im autoritären, monarchischen Sinne geändert und nur aufgrund der Vollmachten des Reichspräsidenten regiert werden. Von Hindenburg stimmte dem Plan zunächst zu, doch da hatte bereits Reichswehrminister von Schleicher das Reichskabinett dahingehend beeinflusst, solchen Plänen dezidiert abzuschwören und stattdessen eher auf eine Spaltung der NSDAP zu hoffen. Einem solchen Plan neigte es eher zu, so dass sich von Papen bitter enttäuscht über diese Intrige seines einstigen Freundes und Förderers zeigte. Daraufhin musste auch von Hindenburg schweren Herzens und tränenreich seinen "Lieblingskanzler" am 3. Dezember 1932 fallen lassen und durch von Schleicher ersetzen. Während seiner gesamten Amtszeit regierte von Papen mit dessen Notverordnungen und war - Kennzeichen jedes Präsidialkabinetts - von seiner Zuneigung abhängig. Die von seinem Kabinett auf den Weg gebrachte Wirtschaftspolizik der Initialzündung, die ein bescheidenes Arbeitsbeschaffungsprogramm in Gang gebracht hatte und einen ersten Ausweg aus der Talsohle wies, führte zu einem beginnenden Rückgang der Arbeitslosenzahlen. Die Pläne zum verstärkten Autobahnbau mussten aber vorerst in der Schublade verweilen, da deren Umsetzung bis zum Dezember 1932 aufgrund von Beschränkungen des Versailler Vertrages nicht möglich war. Kein Wunder, dass Hitler auf das alles leicht aufbauen konnte.

Leben im Dritten Reich


Am 4. Januar 1933 traf sich von Papen insgeheim mit Adolf Hitler im Haus des Bankiers Kurt Freiherr von Schröder um über die Regierungsbeteiligung der NSDAP zu beraten. An einem späteren Treffen am 22. Januar nahmen auch Staatssekretär Otto Meißner und Oskar von Hindenburg teil. Allen drei Vertrauten von Hindenburgs wird zugeschrieben, dass sie in den letzten Januartagen den Reichspräsidenten zur Ernennung Hitlers zum Reichskanzler überzeugten. Von Papens Plan war es, Hitler „einzurahmen“, ihn und seine Stimmen zu kaufen und in Wirklichkeit selbst die Macht auszuüben („In zwei Monaten haben wir Hitler in die Ecke gedrückt, daß er quietscht", soll er gesagt haben).

Von Papen war vom 30. Januar 1933 bis zum 7. August 1934 Vizekanzler unter Adolf Hitler. Sein Rücktritt erfolgte nach seiner berühmten Marburger Rede, in der er mahnte, "Deutschland darf kein Zug ins Blaue werden". Während des "Röhm-Putsches" stand er unter Hausarrest. Im Zusammenhang mit dem Tod von Hindenburgs bemühte er sich vergeblich um ein Testament aus dessen Hand, in dem öffentlich die Wiederherstellung der Monarchie empfohlen werden sollte.

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Im Juli 1933 war er Bevollmächtigter der Reichsregierung beim Abschluss des auch heute noch gültigen Reichskonkordats, mit dem das Verhältnis zwischen dem deutschem Staat und der katholischen Kirche geregelt wird. Schließlich war er auch Mitglied des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Nach der Ermordung des österreichischen Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß am 25. Juli 1934 durch Nationalsozialisten entsandte Hitler von Papen als Sondergesandten nach Wien.

1936 stieg von Papen zum Botschafter auf und bereitete die Annexion Österreichs durch die Nationalsozialisten vor. 1939 wurde er dann Botschafter in Ankara und erreichte den Abschluss eines deutsch-türkischen Freundschaftsvertrags am 18. Juni 1940. Die diplomatischen Beziehungen zur Türkei wurden erst 1944 abgebrochen. Am 24. Februar 1942 überlebte Papen ein von zwei sowjetischen Geheimagenten verübtes Attentat. Während des Krieges erwog die NS-Regierung, ob sie von Papen als Botschafter zum Heiligen Stuhl schicken sollte. Der Bischof von Berlin, Konrad von Preysing, verhinderte dies.

1946 wurde er in den Nürnberger Prozessen gegen die Hauptkriegsverbrecher freigesprochen, im sogenannten Spruchkammerverfahren (Entnazifizierung) zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt. Kurz danach wurde ihm 1949 jedoch Amnestie eingeräumt. Ab 1949 bewohnte er für einige Jahre das Schloss Benzenhofen in der oberschwäbischen Gemeinde Berg und versuchte erfolglos, seine politische Karriere weiterzuführen.

Kirchliche Ehren


Franz von Papen war 1923 zum päpstlichen Geheimkämmerer von Papst Pius XI. ernannt geworden. 1959 wurde er von seinem Freund, Papst Johannes XXIII., zum Geheimkämmerer ein zweites Mal ernannt. Außerdem war er Ritter des Malteserordens.

Das Kabinett von Papen: Juni - Dezember 1932


Das Kabinett von Papen, ein Präsidialkabinett, wird scherzhaft und umgangssprachlich auch als "Kabinett der Barone" bezeichnet. Von Schleicher hatte für das Kabinett ausschließlich Parteilose mit konservativer Gesinnung oder Mitglieder der DNVP ausgewählt, die zumeist adliger Abstammung waren oder akademische Titel besaßen. Von Papens Kabinett bestand vom 1. Juni 1932 bis zum 3. Dezember 1932 und wurde von Kurt von Schleichers Kabinett abgelöst.

Änderungen:

Veröffentlichungen


  • Appell an das deutsche Gewissen. Reden zur nationalen Revolution. Stalling, Oldenburg, 1933
  • Der Wahrheit eine Gasse, Paul List Verlag, München 1952
  • Europa, was nun? Betrachtungen zur Politik der Westmächte. Göttinger Verlags-Anstalt, Göttingen 1954
  • Vom Scheitern einer Demokratie. 1930-1933, von Hase und Koehler, Mainz 1968

Literatur


  • Karl-Dietrich Bracher: Die Auflösung der Weimarer Republik. Eine Studie zum Problem des Machtverfalls in der Demokratie. 5. Aufl. Villingen 1971, ISBN 3-7610-7216-3
    (Klassische Studie zu v. Papens Aufstieg und Fall als Reichskanzler, seinen Intrigen gegen Schleicher und seine Rolle während der letzten Tage der Weimarer Republik vor der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler; mit Verweisen auf Quellen und Archivmaterial.)
  • Larry Eugene Jones: Franz von Papen, the German Center Party, and the Failure of Catholic Conservatism in der Weimar Republic. In: Central European History 38/2005, S. 191-217
  • Hans Mommsen: Die verspielte Freiheit. Der Weg der Republik von Weimar in den Untergang 1918 bis 1933. Berlin 1990, ISBN 3-548-33141-6
  • Joachim Petzold: Franz von Papen. Ein deutsches Verhängnis. München u. a. 1995, ISBN 3-372-00432-9 (Eine Biographie)
  • Diana Preston: Wurden torpediert, schickt Hilfe. Der Untergang der Lusitania 1915. München 2004, ISBN 3-421-05408-8
  • Karl-Heinz Roth: Franz von Papen und der Deutsche Faschismus. In: Zeitschrift für Geschichtswisenschaft. (ZfG) 51/2003. S. 589–625.
  • Wilhelm von Sternburg (Hg.): Die deutschen Kanzler. Von Bismarck bis Schmidt. Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-596-24383-1

Weblinks


  • http://www.preussen-chronik.de/person.jsp?key=Person_Franz+von_Papen

Mann | Deutscher | Reichskanzler (Weimarer Republik) | Vizekanzler (Weimarer Republik) | Zentrum-Mitglied | Politiker (3. Reich) | Geboren 1879 | gestorben 1969 | Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem

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