Franz Vranitzky (* 4. Oktober 1937 in Wien) war von 1986 bis 1997 österreichischer Bundeskanzler und von 1988 bis 1997 Bundesparteivorsitzender der SPÖ.
Franz Vranitzky heiratete 1962 Christine (geborene Christen). Aus der Ehe gingen zwei Kinder, Sohn Robert und Tochter Claudia, hervor.
Seine berufliche Laufbahn begann er 1961 in den Siemens-Schuckertwerken. Noch im selben Jahr wechselte er in die Österreichische Nationalbank. 1969 promovierte er zum Doktor der Handelswissenschaften. 1970 wurde er wirtschafts- und finanzpolitischer Berater von Finanzminister Hannes Androsch in der Regierung von Bundeskanzler Bruno Kreisky.
Ab 1976 war Vranitzky in leitender Funktion in verschiedenen österreichischen Banken beschäftigt (1976-1981: stellvertretender Generaldirektor der CA-BV, 1981: Generaldirektor der CA-BV und stellvertretender Generaldirektor der Österreichischen Länderbank, 1981-1984: Generaldirektor und Vorstandsmitglied der Österr. Länderbank), bis Bundeskanzler Fred Sinowatz (SPÖ) ihn 1984 als Finanzminister in die Regierung berief.
Während des Wahlkampfs zur Bundespräsidentenwahl 1986 war Bundeskanzler Sinowatz vehement gegen den Kandidaten der ÖVP, Kurt Waldheim, aufgetreten. Als dieser am 8. Juni gewählt wurde, trat Sinowatz in Folge der Geschehnisse der so genannten „Waldheim-Affäre“ zurück und empfahl Franz Vranitzky als seinen Nachfolger. Dieser nahm an und setzte zunächst die Koalitionsregierung (Kabinett Vranitzky I) mit der FPÖ fort.
Als am 13. September 1986 Jörg Haider mit Hilfe des deutschnationalen Flügels der Partei an Stelle des gemäßigten Norbert Steger zum Bundesparteiobmann der FPÖ gewählt wurde, beendete Vranitzky die Koalition am 14. September und der Nationalrat wurde aufgelöst.
Aus den folgenden Nationalratswahlen am 23. November 1986 ging die SPÖ wieder als stärkste Partei hervor und Vranitzky bildete 1987 ein neues Koalitionskabinett mit der ÖVP als Koalitionspartner (Kabinett Vranitzky II). 1988 folgte er Fred Sinowatz auch in der Funktion des Bundesparteivorsitzenden der SPÖ.
Außenpolitisch sah er sich mit der andauernden Diskussion um die Kriegsvergangenheit des Bundespräsidenten Kurt Waldheim und der daraus resultierenden internationalen Isolation Österreichs konfrontiert. So übernahm er im Ausland auch wiederholt Repräsentationsaufgaben, die ansonsten dem Bundespräsidenten zugefallen wären. Es gelang ihm, das Verhältnis sowohl zu den USA, die Waldheim im April 1987 auf die „watch list“ gesetzt hatten, wie auch zu Israel, das seinen Botschafter nach der Wahl Waldheims abgezogen hatte, zu normalisieren.
Innenpolitisch achtete er darauf, Abstand zu Jörg Haider und dessen Politik zu wahren, was von diesem als „Ausgrenzung“ beklagt wurde.
Bemerkenswert war Vranitzkys Rede vor dem Nationalrat am 8. Juni 1991. Darin relativierte er nicht nur die, bis dahin auch von offizieller Seite hochgehaltene, These von Österreich als erstem Opfer der Machtentfaltung des Deutschen Reiches unter Adolf Hitler (siehe auch „Anschluss“) sondern bekannte auch die Mitschuld der Österreicher am zweiten Weltkrieg und dessen Folgen:
Schwerpunkte seiner Außenpolitik waren, insbesondere nach dem Zusammenbruch des „Ostblocks“, die Intensivierung der Kontakte mit den osteuropäischen Staaten, sowie die Vorbereitung und Durchführung des Beitritts Österreichs zur Europäischen Union, wobei er eng mit dem damaligen Außenminister und Vizekanzler Alois Mock (ÖVP) zusammenarbeitete. Nach der Volksabstimmung am 12. Juni 1994, bei der sich 66,64 % der Österreicher dafür aussprachen, erfolgte am 1. Januar 1995 der Beitritt Österreichs zur Europäischen Union.
Ende 1995 kam es, nachdem die Regierungskoalition (Kabinett Vranitzky IV) auseinandergebrochen war, zu vorgezogenen Neuwahlen. Erneut ging die SPÖ als stimmenstärkste Partei aus der Wahl hervor. Im März 1996 wurde das Kabinett Vranitzky V angelobt, eine weitere Koalitionsregierung mit der ÖVP unter Führung Wolfgang Schüssels, welcher bereits den vorhergehenden Koalitionsregierungen seit 1989 als Wirtschaftsminister und seit Mai 1995 als Vizekanzler und Außenminister angehört hatte.
Im Jänner 1997 trat Vranitzky sowohl als Bundeskanzler, wie auch als Bundesparteivorsitzender zurück. Sein Nachfolger in beiden Ämtern wurde Viktor Klima.
Nach dem Ausscheiden aus der österreichischen Politik wurde er zunächst von März bis Oktober 1997 OSZE-Sonderbeauftragter für Albanien.
Danach kehrte Vranitzky wieder ins Bankwesen zurück und wurde politischer Konsulent der WestLB. Im Dezember des selben Jahres wurde er Aufsichtsratsmitglied in Frank Stronachs Konzern Magna International. Weiters ist Franz Vranitzky Aufsichtsratsmitglied der TUI AG und Aufsichtsratsvorsitzender der Magic Life der Club International Hotelbetriebs GmbH.
Mann | Bundeskanzler (Österreich) | Finanzminister (Österreich) | Karlspreis | SPÖ-Mitglied
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