Franz Alfred Six (* 12. August 1909 in Mannheim; † 9. Juli 1975 in Bozen) war SS-Brigadeführer, NS-Funktionär und Mitarbeiter der Organisation Gehlen bzw. des Bundesnachrichtendienstes.
Auch innerhalb der NS-Hierarchie machte er rasch Karriere. 1937 war er de facto Chef des Sicherheitsdiensts (SD). 1939 wurde er zum SS-Standartenführer (Oberst) befördert. Er war damit einer der sieben ranghöchsten Führer im gesamten SD-Hauptamt. Six trug maßgeblich dazu bei, dass sich der SD in der Juden- und Rassenpolitik des Dritten Reiches eine Monopolstellung erarbeiten konnte. Er war auch an der Entwicklung der Logistik für die Judenverfolgung mitbeteiligt. Seine Rolle am Holocaust wurde nach dem Krieg völlig unterschätzt bzw. bewußt ausgeblendet. Im Gegensatz zu seinem Untergebenen (!) Adolf Eichmann fehlt der Name Six in den einschlägigen Personennachschlagewerken über das Dritte Reich.
Six war zusammen mit Gestapo-Chef Heinrich Müller auch mit der Durchführung der "staatspolizeilichen Vorbereitungen" des Überfalls auf Polen beauftragt, und war als Mitglied des "Stabs Heydrich" umfassend in die Pläne Hitlers, Himmlers und Heydrichs zur Liquidierung der gesamten polnischen Führungsschicht eingeweiht. Am 22. Juni 1941 übertrug ihm Heydrich die Leitung des Vorkommandos Moskau (VK Moskau / SK 7c) in der von Arthur Nebe geführten Einsatzgruppe B. Deren Aufgabe war es, "Partisanen, Saboteure, kommunistische Funktionäre im rückwärtigen Heeresgebiet" zu erfassen. Am Ende des Krieges war Six zum SS-Brigadeführer (Generalmajor) und Chef des Amtes VII (Gegnerforschung) des Reichssicherheitshauptamtes aufgestiegen. Er war zuständig für weltanschauliche "Forschung" und Auswertung und wollte einen "wissenschaftlichen Nationalsozialismus" entwickeln, einen Think Tank, dem die verschiedenen Nazi-Wissenschaftler in diversen Instituten zuarbeiteten. In seiner "Auslandswissenschaftlichen Fakultät" liess Six Themen wie die Kriegs-Lageberichterstattung, den Nazi-Expansionismus als "Großraumgestaltung" und die "Ostsiedlung" in den Mittelpunkt stellen.
Six' Funktion als Inhaber einer Schaltstelle für das künftige SS-Europa zeigt seine kleine Schrift Die Bürgerkriege Europas und der Einigungskrieg der Gegenwart, die 1943 auch in das Französische übersetzt wurde, um Kollaborateure zu werben ("Les Cahiers du groupe 'Collaboration' en Allemagne"). Der Nazikrieg wird als Einigung Europas bezeichnet, die Abwehrkämpfe in den besetzten Ländern gegen die deutsche Herrschaft als "Bürgerkrieg".
Zu seinem Pech wurde er dort wiederum von einem ehemaligen SS-Kollegen, der ebenfalls für die Westalliierten arbeitete, erkannt und an die CIC - Konkurrentin der OSS - ausgeliefert, sodass er sich 1948 im Nürnberger Einsatzgruppenprozess für seine Verbrechen verantworten musste. Six beteuerte seine Unschuld und völlige Ahnungslosigkeit. Er wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt, aber bereits im Oktober 1952 vom US-Hochommissar für Deutschland, John McCloy, begnadigt und aus der Haft entlassen. Six trat nur einige Wochen später seinen Dienst beim Bundesnachrichtendienst in Pullach wieder an. Hierbei machten sich seine alten Kontakte aus seiner SD-Zeit, z. B. zu Reinhard Höhn bezahlt. So fungierte Six auch als Dozent an der „Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft“, einer der größten europäischen Managerschulen, die auch gerne von Gewerkschaften, SPD-Funktionären und dem Offizierskorps der Bundeswehr besucht wurde.
1961 war mittlerweile seine Reputation wieder so weit fortgeschritten, dass er im Prozess gegen Adolf Eichmann in Israel als Zeuge fungierte. Zu der Zeit arbeitete er allerdings nicht mehr für den Bundesnachrichtendienst, sondern war Manager bei Porsche.
Am Ende seines Lebens zog er sich nach Südtirol zurück, wo der NS-Architekt Hermann Giesler für ihn ein Haus gebaut hatte.
Mann | Deutscher | Reichssicherheitshauptamt (Person) | Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD (Person) | NSDAP-Mitglied | SS-Mitglied | Geboren 1909 | Gestorben 1975
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