Franz Kafka (* 3. Juli 1883 in Prag, Österreich; † 3. Juni 1924 in Kierling bei Wien) war einer der bedeutendsten Schriftsteller der deutschen Sprache. Sein Werk gehört zu den einflussreichsten der Weltliteratur des 20. Jahrhunderts.
Kafka lebte in einem Vielvölkerstaat, in dem sich die Zugehörigkeit nicht über Sprache definierte. Teile Österreichs waren mit Teilen der Schweiz und Deutschlands in einem gemeinsamen Sprachraum vereint. Kafka selbst bezeichnete sich in vielen Briefen als Deutscher, worin aber kein Bekenntnis zur Staatsangehörigkeit, sondern zu einer der Sprachgruppen im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn, dem Mikrokosmos Prag und seiner familiären Herkunft zu sehen ist.
Bereits in seiner Jugend beschäftigte sich Kafka mit Literatur. Wann er zu schreiben begann, lässt sich nicht mehr rekonstruieren, doch mit Sicherheit vor dem 15. Lebensjahr. Sein umfangreiches Frühwerk ist jedoch verschollen, vermutlich hat er es selbst vernichtet, ebenso die frühen Tagebücher. Kafkas Freunde waren unter anderem Rudolf Illowy, Hugo Bergmann, Ewald Felix Pribram sowie Oskar Pollak. Die Ferien verbrachte Kafka gern bei seinem Onkel Siegfried, einem Landarzt aus Triesch. Als er die Matura im Jahre 1901 mit befriedigend bestand, reiste er zunächst nach Norderney und Helgoland.
Kafka fühlte sich der mütterlichen Familie stärker verwandt als der väterlichen. Die Wesensmerkmale „Empfindlichkeit, Gerechtigkeitsgefühl, Unruhe” betrachtete er als das Löwy-Erbteil und auch sein eigenes. Vom Kafkaschen „Lebens-, Geschäfts- und Eroberungswillen” des Vaters hingegen distanzierte er sich entschieden. Dennoch folgte er weitgehend dessen Wünschen für seine Lebensplanung. Das betraf vor allem sein Studium, was er von 1901 bis 1906 an der k.k.deutschen Karl-Ferdinands-Universität zu Prag absolvierte. Kafka begann zunächst mit Chemie, wechselte nach kurzer Zeit in die dem Vater genehme juristische Richtung, versuchte es dann (neigungsgemäß) etwa ein Semester mit Germanistik und Kunstgeschichte, erwog sogar die Fortsetzung in München – um dann im zweiten Anlauf doch beim Studium der Rechte zu bleiben. Programmgemäß schloss er es nach 5 Jahren mit der Promotion bei Prof. Alfred Weber ab, worauf verpflichtend ein jeweils halbjähriges, unbezahltes Rechtspraktikum am Zivil- und am Strafgericht folgte.
Kafka arbeitete Bescheide aus und brachte sie auf den Weg, wenn es alle fünf Jahre galt, die Betriebe in Gefahrenklassen einzureihen. Von 1908 bis 1916 wurde er immer wieder zu kurzen Dienstreisen nach Nordböhmen geschickt, besonders häufig war er bei der Bezirkshauptmannschaft Reichenberg. Dort besichtigte Kafka Unternehmen, referierte vor Unternehmern und nahm Gerichtstermine wahr. Bevor er als Prosaautor in Erscheinung trat, hatte er schon als „Versicherungsschriftsteller“ Beiträge für die jährlich erscheinenden Rechenschaftsberichte der Anstalt verfasst. Kafka war sofort gefordert, arbeitete sich schnell ein und wurde als „vorzügliche Konzeptskraft” erkannt. In den Folgejahren wurde er 4 Mal befördert, vom „Aushilfsbeamten” bis zum „Vizesekretär”.
Auch wenn, unter sozialen Gesichtspunkten, die äußeren Bedingungen gar nicht so ungünstig erscheinen mögen, so waren es doch die inneren Bedingungen, unter denen Kafka gelitten hat. „Über die Arbeit klage ich nicht so, wie über die Faulheit der sumpfigen Zeit“, schreibt schon der 24jährige Kafka in einem Brief. Der „Druck“ der Bürostunden, das Starren auf die Uhr, der „alle Wirkung“ zugeschrieben wird, die letzte Arbeitsminute als „Sprungbrett der Lustigkeit“ waren grundsätzliches Aspekte, unter denen Kafka sein Büroarbeit sah (Wagenbach, Kafka, rororo, S. 67). In einen Brief an Milena Jesenska schreibt er."Mein Dienst ist lächerlich und kläglich leicht...ich weiß nicht wofür ich das Geld bekomme".
Negativ empfand er auch sein gefordertes Engagement in den elterlichen Geschäften (in jüdischen Familien erwartete man das von den Kindern auch im Erwachsenenalter), zu denen 1911 die Asbestfabrik des Schwagers hinzugekommen war, die allerdings ewig kränkelte und die Kafka mit noch größerem Nachdruck zu ignorieren versuchte, da er sich zu ihrem stillen Teilhaber und in einem unbedachten Moment sogar zu ihrem Fürsprecher hatte machen lassen.
Zu der „niederen” Arbeit, die Kafka also an mehreren Orten kennen lernte, gehörten natürlich auch die einfachen Arbeiter selbst. Es ist verbürgt, dass Kafka sich für sie menschlich interessierte und einsetzte; sein ruhiger, persönlicher Umgang hob sich wohltuend ab vom Chefgebaren seines Vaters. Noch näher konfrontiert mit den Sorgen und Leiden der einfachen Leute wurde er im 1. Weltkrieg: zunächst, als Prag von Tausenden ostjüdischen Flüchtlingen überschwemmt wurde, dann im Rahmen der „Kriegerfürsorge”, bei der er sich um die Rehabilitation und berufliche Umschulung von Schwerverwundeten kümmern musste. Dazu war er von seiner Versicherungsanstalt verpflichtet worden; zuvor hatte ihn diese allerdings als „unersetzliche Fachkraft” reklamiert und damit (gegen Kafkas Intervention!) vor der Front geschützt, nachdem er 1915 erstmals als militärisch „voll verwendungsfähig” eingestuft worden war. Die Kehrseite dieser Wertschätzung erlebte Kafka dann 2 Jahre darauf, als er an Lungentuberkulose erkrankte und um Pensionierung bat: Die Anstalt sperrte sich und gab ihn erst nach 5 Jahren endgültig frei.
Kafka hatte in Prag einen relativ engen, aber konstanten Kreis etwa gleichaltriger Freunde, der sich während der ersten Universitätsjahre konstituierte. Die wichtigste Person war ohne Zweifel Max Brod, der ebenfalls Jura studierte; wenig später gesellten sich der Philosoph Felix Weltsch und der Schriftsteller Oskar Baum dazu.
Brod erkannte die literarische Bedeutung Kafkas. Durch seine Vermittlung kam es auch zum Kontakt mit dem jungen Leipziger Rowohlt Verlag und zu Kafkas erster Buchpublikation (Betrachtung, 1912).
Unter den zeitweiligen Freundschaften Kafkas ist vielleicht die zu Jizchak Löwy noch erwähnenswert, einem aus einer orthodox-chassidischen Warschauer Familie stammenden Schauspieler, der vor allem durch seine Entschiedenheit, mit der er seine künstlerischen Interessen auch gegenüber seinen Eltern durchsetzte, für Kafka zum bewunderten Vorbild wurde.
Nach Ansicht seines Biographen Stach ist festzustellen, dass Kafka „keinesfalls sozial isoliert war”, sondern „nur psychisch”. Wer Kafkas Werke kennt, mag ermessen, was in dem Wörtchen „nur“ verborgen liegt.
Die engste Beziehung in der Familie hatte Kafka zu seiner jüngsten Schwester Ottla. Sie war es auch, die Kafka 1917 zeitweise bei sich und ihrer Familie aufnahm, als er Erholung benötigte.
In Mittelpunkt der Betrachtungen zu Kafkas Beziehungen zu Frauen stehen Kafkas Briefe an seine Verlobte Felice Bauer, einer Berliner Angestellten, die Kafka am 13. August 1912 in der Wohnung Max Brods kennengelernt hat.
Die Briefe haben im Wesentlichen Kafkas Ringen und seiner Zweifel um die Richtigkeit der Verlobung und seiner Angst ums Schreiben zum Inhalt, die er in aller Offenheit und in all seinem sprachlichen Vermögen in seinen Briefen niederschrieb, weswegen sie auch in literarischer Hinsicht so reizvoll zu lesen sind. Nach rund 300 Briefen (zeitweise bis zu 3 täglich) sowie sechs weiteren, relativ kurzen Begegnungen kam es knapp 2 Jahre später, am 1. Juni 1914, zur offiziellen Verlobung in Berlin, und ganze 6 Wochen darauf zur Entlobung.
Das Urteil, dass Kafka der „Junggeselle der Weltliteratur” sei (Stach), hat er sich dann erst in den Folgejahren, schwer genug, „erkämpft”.
Es kam zu zwei weiteren Verlobungen, die wieder gelöst wurden: zunächst noch einmal mit Felice Bauer (1917), dann mit der Prager Sekretärin Julie Wohryzeck (1919). Die erste führte – nach Kafkas Empfinden direkt – zu seinem „Blutsturz”, d.h. zum Ausbruch der Lungentuberkulose im August 1917; die zweite, nach Intervention seines Vaters gegen das Verlöbnis, zur Generalabrechnung mit ihm im Brief an den Vater, den er allerdings nie abschickte.
In seinem Verhältnis zu der selbstbewussten, freisinnigen Journalistin Milena Jesenská wiederholte Kafka dann 1920/21 das Muster der brieflichen Annäherung, der später wachsende Selbstzweifel und der Rückzug folgen. Erst in den letzten Monaten seines Lebens war ihm eine ausgefüllte Beziehung vergönnt, die zu der Kindergärtnerin Dora Diamant.
Der Zeitpunkt von Kafkas eigentlicher Geburt als Schriftsteller lässt sich auf die Stunde genau bestimmen. Sie erfolgte nur 2 Tage, nachdem er die Korrespondenz mit Felice Bauer eröffnet und damit erstmalig die Werbung um eine Frau begonnen hatte: In der Nacht vom 22. zum 23. September 1912 gelang es Kafka, die Erzählung Das Urteil in nur 8 Stunden in einem Zuge zu Papier zu bringen. Im späteren Urteil der Literaturwissenschaft hat Kafka hier mit einem Schlag thematisch und stilistisch zu sich selbst gefunden. Kafka hingegen elektrisierte zunächst der noch nie so intensiv erlebte Akt des Schreibens („Nur so kann geschrieben werden, nur in einem solchen Zusammenhang, mit solcher vollständigen Öffnung des Leibes und der Seele”), sowie die unverminderte Wirkung der Geschichte auch nach wiederholtem (eigenem) Vorlesen – nicht nur auf die Zuhörer, sondern auch auf ihn selbst.
Das Urteil leitete Kafkas erste längere Kreativphase ein; die zweite folgte rund 2 Jahre später. Damit deutet sich zugleich ein Problem an, das auch mit seinem künstlerischen Durchbruch nicht behoben war, ja sogar noch schärfer hervortrat: zwischen den Phasen literarischer Fruchtbarkeit litt Kafka unter – zumeist längeren – Perioden der Dürre; in diesem Fall volle eineinhalb Jahre. Allein schon deshalb blieb für ihn eine Existenz als „bürgerlicher Schriftsteller”, der mit seinem Schaffen sich – und gar noch eine eigene Familie – nähren kann, zeitlebens in unerreichbarer Ferne. Seine beruflichen Verpflichtungen können als Schreibhindernisse nicht unbedingt in Anschlag genommen sein, hatte Kafka seine kreativen Hochphasen oft gerade in Zeiten äußerer Verschlechterungen (z.B. im 2. Halbjahr von 1914 durch den Kriegsausbruch). Überdies wusste Kafka mit seiner Strategie des „Manöver-Lebens”, was hieß: vormittags Bürostunden, nachmittags Schlafen, nachts Schreiben, seinen Freiraum auch zu verteidigen.
Einer anderen gängigen These zufolge war Kafkas Leben und Schreiben nach der Entstehung des Urteil dadurch gekennzeichnet, dass er das Eine dem Anderen opferte, dass er also dem gewöhnlichen Leben entsagte, um es ganz dem Schreiben zu widmen. Für diese Stilisierung liefert er selbst in Tagebüchern und Briefen reichlich Material.
Wie quälend allerdings das Schreiben für ihn häufig war, gibt folgende Tagebuchaufzeichnung wider: "Kein Wort fast, das ich schreibe, paßt zum anderen, ich höre, wie sich die Konsonanten blechern aneinanderreihen und die Vokale singen dazu wie Ausstellungsneger. Meine Zweifel stehen um jedes Wort im Kreis herum, ich sehe sie früher als das Wort, aber was denn! Ich sehe das Wort überhaupt nicht, das erfinde ich."
Im September 1917 wurde bei Franz Kafka eine Lungen- und Kehlkopftuberkulose festgestellt. Wegen dieser Krankheit trat Kafka im Herbst 1918 einen Erholungsaufenthalt in Schelesen an, wo er Julie Wohryzeck kennen lernte. Im Winter 1923 / 1924 verschlechterte sich Kafkas Gesundheitszustand zusehends, auch ein Aufenthalt in einem Sanatorium brachte keine Besserung. Kafka verlor zeitweise die Fähigkeit zu sprechen und konnte keine feste Nahrung zu sich nehmen. Infolge der fortschreitenden Krankheit und des wegen schlechter Ernährung geschwächten Allgemeinzustands starb Franz Kafka am 3. Juni 1924.
Ob Brod wirklich gegen Kafkas „letzten“ Willen handelte, indem er dessen Werk dann doch publizierte, wird heute nicht mehr diskutiert: Allgemein besteht Einigkeit darüber, dass Brods Entscheidung richtig war. Einen nicht näher zu bestimmenden Teil seiner Texte hat Kafka allerdings noch zu Lebzeiten selbst vernichtet. Literaturkennern wie Walter Benjamin oder Kurt Tucholsky war Kafka bereits in den zwanziger Jahren ein Begriff. Weltweit bekannt wurde Kafkas Werk jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg, zunächst in den USA und Frankreich, in den fünfziger Jahren dann auch im deutschsprachigen Raum.
Wie in einem Albtraum bewegen sich seine Protagonisten anonymen Mächten ausgeliefert durch ein Labyrinth undurchsichtiger Verhältnisse. Das Schloss wie auch die Gerichtsgebäude in Der Process bestehen aus einem weit verzweigten Gewirr unübersichtlicher Räume, und auch in „Der Verschollene“ (von Brod unter dem Titel Amerika veröffentlicht) sind die seltsam unverbundenen Schauplätze – ein Schiff, ein Hotel, das „Naturtheater von Oklahoma“, sowie die Wohnung des Onkels von Karl Roßmann, dem Helden – gigantisch und unüberschaubar.
Insbesondere bleiben aber auch die Beziehungen der handelnden Personen ungeklärt. Im Schloss erzeugt Kafka mit subtilen literarischen Mitteln Zweifel an der Stellung des Protagonisten K. als „Landvermesser“ und dem Inhalt dieses Begriffes selbst und schafft so Interpretationsspielraum. Nur bruchstückhaft erfährt K. und mit ihm der Leser im Laufe des Romans mehr über die Beamten des Schlosses und ihre Beziehung zu den Dorfbewohnern. Die allgegenwärtige Macht des Schlosses über das Dorf und seine Menschen wird dabei immer deutlicher. Trotz all seiner Bemühungen in dieser Welt heimisch zu werden und seine Situation zu klären, erhält K. keinen Zugang zu den maßgeblichen Stellen in der Schlossverwaltung, wie auch der Angeklagte Josef K. im Process niemals auch nur die Anklageschrift zu Gesicht bekommt.
Nur im Roman Amerika, der wie das Schloss als unvollendet gilt, bleibt die vage Hoffnung, dass Roßmann im fast grenzenlosen, paradiesischen „Naturtheater von Oklahoma“ dauerhaft Geborgenheit finden kann.
Auch in fast allen Erzählungen Kafkas, z. B. Der Bau, Forschungen eines Hundes, Kleine Fabel ist das letztliche Scheitern und das vergebliche Streben der Figuren das beherrschende Thema, wobei das nicht immer ganz ernst sondern oft durchaus mit einer gewissen Ironie dargestellt wird.
Allerdings ist es der Stil Kafkas, der ihn von Expressionisten am meisten unterscheidet, und mit dem Kafka die unglaublichsten Sachverhalte aufs deutlichste und nüchternste beschreibt. Dies tritt vor allem in seinen Erzählungen zu Tage. Die kühle minutiöse Beschreibung der legitimierten Grausamkeit In der Strafkolonie oder die selbstverständliche Verwandlung von Mensch zum Tier und umgekehrt, wie in Die Verwandlung oder Ein Bericht für eine Akademie sind kennzeichnend. Dieser Stil ist dafür verantwortlich, dass Kafka hier nicht einfach ein Lebensgefühl nachgeformt hat, sondern eine eigene Welt mit eigenen Gesetzen geschaffen hat, deren Unvergleichlichkeit sich nicht zuletzt durch die Schaffung des Begriffs des „Kafkaesken“ bewahrheitet.
Dass die Deutungslust der Interpreten dann nach 1945 ganze Bibliotheken füllte und alle Rekorde schlug, liegt vielleicht daran, dass seine Texte offen und hermetisch zugleich sind, d. h. dass sie einerseits leicht und andererseits schwer zugänglich sind: leicht durch Sprache, Handlung, Bildhaftigkeit und relativ geringen Umfang; schwer dadurch, dass man die Tiefe zwar fühlt, aber kaum auszuloten und einzelne Schichten nur bruchstückhaft zu beschreiben vermag. Albert Camus meinte: „Es ist das Schicksal und vielleicht auch die Größe dieses Werks, dass es alle Möglichkeiten darbietet und keine bestätigt.“
Verschiedene Interpretationen von Kafkas Werk (abgesehen natürlich von der textimmanenten) weisen u. a. in folgende Richtungen: psychologisch (so wie man dies z. B. mit Hamlet, Faust oder Stiller tun kann), philosophisch (vor allem zur Schule des Existenzialismus), biographisch ( z. B. durch Elias Canetti in „Der andere Prozess“), religiös (ein dominierender Aspekt der frühen Kafka-Rezeption, der heute eher als fragwürdig angesehen wird, u. a. von Milan Kundera) und soziologisch (d. h. den gesellschaftskritischen Gehalt untersuchend).
Ungeachtet der jeweiligen Interpretationen hat sich der Begriff des Kafkaesken eingebürgert, der die Merkmale der Welt Kafkas modellhaft in sich fasst, und der laut Kundera, „als der einzige gemeinsame Nenner von (sowohl literarischen als auch wirklichen) Situationen sehen ist, die durch kein anderes Wort zu charakterisieren sind und für die weder Politologie noch Soziologie noch Psychologie einen Schlüssel liefern.“...
"Franz Kafka ist der Dichter, der unser Jahrhundert am reinsten ausgedrückt hat."Canetti
Unter den zeitgenössischen Schriftstellern bezieht sich vor allem Leslie Kaplan (Frankreich) in ihren Romanen und in Aussagen zu ihrer Arbeitsweise ständig auf Kafka, um die Entfremdung des Menschen, die mörderische Bürokratie, aber auch den Freiheits-Spielraum, den vor allem das Denken und Schreiben eröffnet, darzustellen.
Verbürgt ist der große Einfluss Kafkas auf Gabriel García Marquez. Insbesondere von Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ hat Marquez nach eigener Bekundung den Mut für die Ausgestaltung seines „magischen Realismus“ genommen: Gregor Samsas Erwachen als Käfer, so Marquez selbst, habe seinem „Leben einen neuen Weg gewiesen, schon mit der ersten Zeile, die heute eine der berühmtesten der Weltliteratur ist“. Kundera erinnert sich in seinem Buch „Verratene Vermächtnisse“, S.55) an eine noch präzisere Auskunft von Marquez zu dem Einfluss Kafkas auf ihn: „Kafka hat mir beigebracht, dass man anders schreiben kann.“ Kundera erläutert: „Anders: das hieß, indem man die Grenzen des Wahrscheinlichen überschreitet. Nicht (in der Art der Romantiker), um der wirklichen Welt zu entfliehen, sondern um sie besser zu verstehen. Er hat eine Bresche in die Mauer des Wahrscheinlichen geschlagen; die Bresche, durch die ihm viele andere gefolgt sind.“
Die Jahreszahl in runden Klammern bezieht sich auf den Erstdruck und Jahreszahlen in eckigen Klammern geben das Entstehungsdatum an.
Bei kursiv gedruckten Titeln handelt es sich um Bücher, die gesammelte Prosatexte enthalten. Die in einer Sammlung enthaltenen Werke sind im Artikel zum Sammelband aufgeführt.
Kafka schrieb von 1909 bis 1923 Tagebuch.
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Geboren 1883 | Gestorben 1924 | Kafka
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