Franz (František) Maria Alfred Graf von Harrach (* 26. Juli 1870 in Traunkirchen am Traunsee, Oberösterreich; † 14. Mai 1937 in Iglau) war ein böhmischer Adeliger. Berühmtheit erlangte Harrach als Begleiter des Erzherzogs Franz Ferdinand d'Este bei dessen Reise nach Bosnien und die Herzegowina im Juni 1914, während der der Erzherzog bei einer Fahrt durch Sarajewo im Wagen des Grafen einem Attentat serbischer Nationalisten zum Opfer fiel. Archduke car.jpg
Harrach war der Sohn von Alfred Karl Graf Harrach (* 9. Oktober 1831 in Prag; † 5. Januar 1914 in Opatija *) und Anna z Lobkowicz (* 5. April 1847; † 25. November 1934) und Erbe des Schlosses Velké Meziříčí in den Böhmisch-Mährischen Höhen. Während des k.und k. Kaisermanövers im September 1909 wurde dort das Hauptquartier der Manöverleitung untergebracht. An dem Manöver nahmen neben dem österreichisch-ungarischen Kaiser Franz Josef I., auch der deutsche Kaiser Wilhelm II. und der österreichsiche Thronfolger Franz Ferdinand d'Este teil, die auch im Schloss Logis bezogen. Zu dem letzteren entwickelte der Schlossbesitzer während seines Aufenthalts eine freundschaftliche Beziehung. So kam es, dass Graf von Harrach den Thronfolger als dessen Adjudant im Juni 1914 auf eine Repräsentationsreise, die diesen unter anderem zu Manövern bei Sarajewo führte, begleitete.
Auf der Hinfahrt zum Rathaus entlag des Appelkai, der Uferstraße der Miljacka, einem Fluss der Sarajewo durchfließt, verübte der bosnische Nationalist Cabrinovic einen ersten Anschlag auf das fürstliche Paar mit einer Wurfbombe (10.26 Uhr). Die Bombe verfehlte ihr Ziel jedoch - wohl aufgrund der geistesgegenwärtigen Reaktion des Chauffeurs Loyka, der, als er die Bombe durch die Luft auf sich zuwirbeln sah, den Wagen beschleunigte, und aufgrund einer Reflexreaktion des Kronzprinzen der die Bombe mit der Hand abwehrte - so dass sie zunächst auf das heruntergezogene Verdeck von Harrachs Wagen fiel und dann auf die Straße kullerte: sie explodierte schließlich unter dem nachfolgenden Fahrzeug, wobei zwei Angehörige des erzherzögliche Trosses verletzt und das Vehikel unbrauchbar gemacht wurden. Der Erzherzog ließ seinen Wagen anhalten und Harrach nach den Verletzten sehen. Als dieser ihm Meldung erstattet hatte, setze man die Fahrt zum Rathaus fort, wobei Harrach sich auf das linke Trittbrett des Wagens, seitlich des Erzherzogs stellte, um seinen Freund durch seinen Körper vor neuen Anschlägen abzuschirmen. Dies verhinderte gleichwohl nicht die Ermordung Franz Ferdinands durch Gavrillo Princip, ein weiteres Mitglied der Attentätergruppe, bei der Rückfahrt vom Rathaus entlang des Appelkais in Richtung des sarajewinischen Garnisonshospitals als Harrachs Chauffeur infolge eines Missverständnisses am sogenannten "Schillereck" zum Halten kam.
Einige Historiker, wie Gordon Brook-Shepherd oder Friedrich Würthle, vermuten, dass Gavrilo Princip, Harrachs Schutzmassnahme bemerkt hatte und deshalb seinen ursprünglichen Standort vom Bürgersteig an der Uferseite des Appelkais bei der Latinerbrücke über die Miljacka an die gegenüberliegende Häuserseite verlegte: er habe dies in der Annahme getan, so der Schluss der Historiker, dass der Erzherzog, bei einer weiteren Fahrt über den Appelkai, vom Rathaus kommend, von dieser Seite (seiner Rechten Seite) nicht gedeckt wäre, während ein erneuter Angriff von der linken Seite durch den schützenden Körper Harrachs erschwert sein würde. Nach dem Attentat überlieferte Harrach der Nachwelt die letzten Worte des Erzherzogs; das Batisttaschentuch mit dem Harrach dem sterbenden Franz Ferdinand das Blut von den Lippen abwischte bewahrte er auf. Es wird heute im Schloss Velké Meziříčí ausgestellt, so dass Besucher "das erste im ersten Weltkrieg vergossene Blut" ansehen können.
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