Franzferdinand1.jpg | Franz ferdinand.jpg Franz Ferdinand von Österreich-Este (* 18. Juli 1863 in Graz; † 28. Juni 1914 in Sarajevo, ermordet), war österreich-ungarischer Erzherzog und Thronfolger. Er war Sohn von Karl Ludwig von Österreich und Prinzessin Maria Annunziata von Neapel-Sizilien und der Neffe von Franz Joseph I. Das Attentat von Sarajevo, bei dem der Thronfolger und seine Frau ums Leben kamen, gilt als Auslöser des Ersten Weltkriegs.
Von 1892 bis 1893 unternahm er auf ärztlichen Rat mit einer Gefolgschaft eine Weltreise auf dem Torpedorammkreuzer „Kaiserin Elisabeth“. Die Reise führte ihn von Triest nach Indien, Indonesien, Australien, Japan, Kanada und Nordamerika. Seine so entstandenen Eindrücke und Erfahrungen beschrieb er im Buch „Tagebuch meiner Reise um die Erde“ (Wien, Alfred Hölder, 1895).
In den Wintern 1895 und 1896 unternahm er Kuraufenthalte in Ägypten und erholte sich entgegen vielen Erwartungen von seiner Krankheit. Nach dem Selbstmord seines Cousins Kronprinz Rudolf in Mayerling am 30. Januar 1889 und dem Tod seines Vaters Karl Ludwig am 19. Mai 1896 wurde Franz Ferdinand österreichischer Thronfolger.
Mehrere Versuche, ihn standesgemäß zu verheiraten, unter anderem mit der verwitweten Kronprinzessin Stephanie oder der sächsischen Prinzessin Mathilde, schlugen fehl.
Am 1. Juli 1900 heiratete Franz Ferdinand Sophie Gräfin Chotek, Hofdame und Tochter eines böhmischen Grafen, die anlässlich der Hochzeit zur Fürstin von Hohenberg und erst 1909 zur Herzogin von Hohenberg erhoben wurde. Trotz ihrer Herkunft aus dem böhmischen Uradel galt sie als den Habsburgern nicht ebenbürtig, außerdem wurde sie von ihr übel gesonnenen Höflingen als schlicht, herb, selten lächelnd, dienstwillig, hausfräulich, bescheiden und buchstabengetreu gottesfürchtig wahrgenommen. Da sich Kaiser Franz Joseph I. nicht dazu überwinden konnte, ihre Familie in die Liste der ebenbürtigen Geschlechter aufzunehmen, erlaubte er nach langem Widerstreben nur eine morganatische Heirat, unter der Bedingung dass Sophie nicht „die künftige Kaiserin-Gemahlin“ sondern nur „Gemahlin des künftigen Kaisers“ werde, und die späteren Nachkommen des Paares, die den Familiennamen von Hohenberg trugen, keinen Anspruch auf den Thron haben.
Die Hochzeit mit Sophie brachte Franz Ferdinand in einen großen Konflikt mit seinen Verwandten. Franz Ferdinands jüngere Brüder Otto und Ferdinand Karl erscheinen nicht zur Hochzeit, ebenso wenig die Schwester Margarete Sophie. Nur seine Stiefmutter Maria Theresa kam mit ihren beiden Töchtern Maria Annunziata und Elisabeth Amalie. Ausgerechnet der brüderliche Moralapostel Ferdinand Karl heiratete später eine Bürgerliche und wurde deswegen aus dem Hause Habsburg ausgeschlossen.
Der Ehe von Franz Ferdinand mit Sophie von Hohenberg entsprossen drei Kinder: Sophie, Maximilian und Ernst. Die Familie hatte ihren Sitz auf Schloss Belvedere in Wien, ihre Sommerresidenz war Schloss Konopiště in Böhmen.
Obwohl er offiziell nie an der Führung der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn beteiligt war, wirkte er aktiv in der kaiserlichen Politik mit. Dazu residierte er mit einem Beraterstab im Belvedere. Nach seiner Thronbesteigung hätte er den Namen Franz II. gewählt. Er forcierte den militärischen Aufbau der Streitkräfte und plante unter anderem, die Doppelmonarchie durch den „Trialismus“ zu reformieren.
Die Reformen hätten den Zusammenschluss von Kroatien, Bosnien und Dalmatien zu einem eigenen Reichsteil zur Folge gehabt, was mit dem Interesse Serbiens konkurriert hätte, ein südslawisches Königreich unter serbischer Führung zu gründen. Diese Pläne und die angeheizte öffentliche Diskussion schürten den Hass der Serben gegen Franz Ferdinand und die Habsburger. Umgekehrt gab es beim österreichisch-ungarischen Bürgertum und Adel einen antiserbischen Hass („Serbien - muß sterbien“), der von den amtlich kontrollierten Zeitungen emsig genährt wurde.
Der „Trialismus“ war als ein Schritt in Richtung der von Aurel Popovici lancierten Vereinigten Staaten von Groß-Österreich gedacht. Auf jeden Fall hätten diese Pläne die staatsrechtliche Auflösung der Union von Ungarn und Kroatien zur Folge gehabt, was Franz Ferdinand die Feindschaft der Ungarn zugezogen hätte.
Franz Ferdinand entwickelte sich dadurch zu einem gefährlichen Gegner aller Kreise bei Hofe, die durch seinen Herrschaftsantritt aus ihrer Beschaulichkeit gerissen worden wären, der ihm verhassten Ungarn und vor allem der serbischen Nationalisten.
Franz Ferdinand sorgte auch dafür, dass der 1911 wegen der Verfolgung von Präventivkriegsplänen gegen Serbien von seinem Onkel entlassene Generalstabschef Franz Graf Conrad von Hötzendorf 1912 in sein Amt zurückkehren konnte. Allerdings galt er als Gegner unüberlegten militärischen Dreinschlagens und wollte einen Krieg mit Russland vermeiden, damit der Zar und der Kaiser von Österreich sich nicht gegenseitig vom Thron stürzen und der Revolution den Weg freimachen.
Trotz seiner Reformpläne und seiner morganatischen Ehe ist er nie zu einer populären Figur geworden, was wohl auch an seinem als wenig gewinnend beschriebenem Wesen liegen dürfte. Karl Kraus, der mit ihm sympathisierte, formulierte es so: Er war kein Grüßer. Sein bis ins Reaktionäre gehende Unverständnis gegenüber allen neuen kulturellen Entwicklungen trug zusätzlich zu einem schlechten Nachruhm bei.
Im Alter von 12 Jahren nahm er den Namen Este an, weil das eine Bedingung für die Annahme des reichen Erbes des letzten Herzogs von Modena (Franz V.) war.
Hauptartikel: Attentat von Sarajevo
Der 28. Juni gilt in Serbien als Nationaltrauertag. Es ist der Tag, an dem die serbische Armee 1389 auf dem Amselfeld von den Türken geschlagen wurde. Für die Serben war es deshalb eine Provokation, als der Erzherzog genau an diesem Tag das vor kurzem von Österreich-Ungarn annektierte Bosnien und seine Hauptstadt Sarajevo besuchen wollte, um einem Manöver der k. u. k. Truppen beizuwohnen. Die Untergrundorganisation „Mlada Bosna“ plante mit Hilfe von Mitgliedern der serbischen Geheimorganisation „Schwarze Hand“ für den Anlass ein Attentat in Sarajevo. Nach einem fehlgeschlagenen Bombenattentat tötete der 20jährige Schüler Gavrilo Princip den Erzherzog und seine Frau mit zwei Pistolenschüssen.
Mann | Österreicher | Österreich-Este | historische Thronfolger | Militärperson (Altösterreich) | Geboren 1863 | Gestorben 1914
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