article

FranzBoas.jpg Franz Boas (* 9. Juli 1858 in Minden; † 22. Dezember 1942 in New York) war ein bedeutender Ethnologe und Ethnosoziologe.

Boas stammte aus einer jüdisch-deutschen Familie. Sein Onkel war der Kinderarzt Abraham Jacobi, der wegen seiner Aktivitäten bei der demokratischen Revolution von 1848 nach Amerika auswanderte. Franz Boas studierte an der Universität Heidelberg. 1899 wurde er Professor an der Columbia University. Er wurde in den USA zum Wegbereiter für eine neue Richtung der Anthropologie, die „Ethnosoziologie“.

Boas' Kulturrelativismus


Bekannt geworden ist Boas durch seinen Kulturrelativismus: Jede Kultur ist relativ und nur aus sich selbst heraus zu verstehen.

Er entwickelte einen historischen Partikularismus: Jede Kultur habe ihre eigene Geschichte und Entwicklung. Man solle nicht versuchen, ein allgemeines Gesetz zu machen, wie sich Kulturen entwickeln. Damit konterte er dem Evolutionismus von Lewis Henry Morgan. Boas und seine Schülerinnen und Schüler (wie Alfred Kroeber und Ruth Benedict) änderten die nordamerikanische Anthropologie nachhaltig.

Bekannt ist er für seine Forschungen von Wildbeutergesellschaften der Indianer an der Nord-Nordwestküste der USA geworden. Er forschte bei den Kwakiutl. Als er diese studierte, fiel ihm die Unstimmigkeit von Morgans Theorie auf. Der Evolutionismus beschreibt Wildbeutergesellschaften (Jäger und Sammler) immer als unterste Entwicklungsstufe mit einem harten Leben, ohne Luxus, wo nur der tägliche Kampf ums Überleben herrscht. Boas fand aber bei den Kwakiutl eine ganz andere Situation. Diese sind zwar Wildbeuter, aber trotzdem sesshaft. Sie hatten ein angenehmes Leben mit reichlich Nahrung durch den Lachsfang an der Küste. Sie besaßen reiche Töpferwaren und ein ausgeprägtes Kunsthandwerk und sogar Kriegsgefangene von Nachbarstämmen als Haussklaven. Und sie hatten so viel, dass sie es verschenken oder gar zerstören konnten - nämlich beim Potlatsch. Seine Forschungen zu dieser Geschenkaustauschzeremonie sind von Thorstein Veblen (Theorie des demonstrativen Konsums) und Marcel Mauss (Theorie des Geschenks) ausgiebig genutzt worden.

Boas' Erfahrungen bei den Kwakiutl beschäftigten die Anthropologie über viele Generationen.

Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus in Deutschland fing er an, sich gegen Rassismus und gegen jede Form von Intoleranz auszusprechen. Er schrieb und lehrte immer in großer Opposition zum Nationalsozialismus.

Werke


  • „The Central Eskimo“ (1888)
  • „Growth of Children“ (1896-1904)
  • „Changes Inform of Body of Descendant of Immigrants“ (1911)
  • „The Mind of Primitive Man“ (1911, 1938)
  • „Kultur und Rasse“ (1913)
  • „Primitive Art“ (1927)
  • „Anthropology and Modern Life“ (1928-1938)
  • „General Anthropology (with others)“ (1938)
  • „Race, Language, and Culture“ (1940)
  • Dakota Grammar“ (mit Ella Delora) (1941)

Über Franz Boas: Volker Rodekamp (Hrsg.): „Franz Boas 1858-1942. Ein amerikanischer Anthropologe aus Minden“. Bielefeld 1994, ISBN 3-89534-116-9

Weblinks


  • http://www.mnsu.edu/emuseum/information/biography/abcde/boas_franz.html
  • http://www.burschenschaft.de/pdf/girtler_franz_boas.pdf

Mann | Deutschamerikaner | Ethnologe | Geboren 1858 | Gestorben 1942

Franz Boas | Franz Boas | Franz Boas | Franz Boas | Franz Boas | Franz Boas | פרנץ בועז | フランツ・ボアズ | Franz Boas | Franz Boas | Franz Boas | Franz Boas | Franz Boas | 法蘭茲·鮑亞士

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Franz Boas".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld