Als Franquismus (span. franquismo *, dt. auch Franco-Regime) bezeichnet man das System und, soweit vorhanden, die ideologische Untermauerung der autoritären Diktatur Francisco Francos in Spanien von 1936 bis zu den ersten freien Wahlen 1977.
Terualsiege.jpgFrancisco Francos Herrschaft nahm 1936 mit dem Spanischen Bürgerkrieg in den von der nationalspanischen Koalition kontrollierten Teilen Spaniens ihren Anfang. Ausgangspunkt war ein Putsch gegen die wenige Monate davor gewählte Regierung der Zweiten Republik, die aus einem Volksfront-Bündnis hervorgegangen war. In Burgos, der Interimshauptstadt, entstand bereits in der ersten Woche des Bürgerkriegs eine provisorische Junta, welche umgehend alle Gewerkschaften und Parteien sowie Streiks verbot und die Autonomierechte der Regionen aufhob.
Dem seit seiner Rolle bei der Niederschlagung des asturischen Bergarbeiteraufstandes von 1934 bei der spanischen Rechten angesehenen Franco gelang es, in dieser Junta eine Führungsrolle zu übernehmen. Am 1. Oktober 1936 wurde die Junta Técnica del Estado zum Zweck der Einrichtung eines provisorischen Staatswesens begründet. Im Oktober 1936 wurde Franco von dieser Junta zum Generalísimo aller Streitkräfte ernannt und war von da an unumschränkter Herrscher der nationalspanischen Bürgerkriegspartei. Mögliche Rivalen wie die Generäle José Sanjurjo und Emilio Mola kamen während des Bürgerkriegs (am 20. Juli 1936 bzw. am 3. Juni 1937) durch Flugzeugabstürze ums Leben.
Die Teilnehmer auf nationalspanischer Seite (als frente nacional, nationale Front, bezeichnet) kämpften, anders als es oft vereinfachend dargestellt wird, nicht lediglich im Zeichen und für Ziele des Faschismus, sondern auf der Basis eines recht allgemeinen kleinsten gemeinsamen Nenners: des ihnen gemeinsamen, von einem rigiden Antikommunismus herrührenden Wunsches nach einem anderen Spanien sowie ihrer Abneigung gegen die Demokratie im allgemeinen und der herrschenden Volksfrontregierung (Frente Popular) im besonderen. Die angreifende Seite des spanischen Bürgerkriegs war vielmehr eine verhältnismäßig heterogene Koalition verschiedenartigster radikaler, aber auch gemäßigt rechter Parteien, Bewegungen und Sympathisanten, von den Großgrundbesitzern und der rechtsrepublikanisch-katholischen Partei CEDA und der akademisch-katholische Laienbewegung Acción Católica über Monarchisten und Carlisten bis hin zu der faschistischen Falange Española de las JONS. Überhaupt wurden im Spanischen Bürgerkrieg in erster Linie alte Konflikte der mindestens seit der Zeit der napoleonischen Kriege unversöhnlich entzweiten spanischen Gesellschaft offen ausgetragen, die oft nur oberflächlich mit den politischen, ideologischen und sozialen Konflikten des damaligen Europas zu tun hatten.
Die Putschisten hatten (wie bereits beim vereitelten Putschversuch Sanjurjos von 1932) ohne vorherige klare Vorstellungen von ihren politischen Zielen gehandelt, und noch auf Monate hinaus gab es auf nationalspanischer Seite über einige Schlagworte und einer Anzahl von Vorstellungen davon, was man nicht mehr zu sehen wünschte, hinaus kein Konzept für die angestrebte politische Ordnung nach dem Kriege. Im Detail waren die politischen Ziele der Teilnehmer vielfach fast völlig unvereinbar. Franco sah, dass es mit der Einigkeit dieser bunten Koalition und damit vermutlich auch mit seiner Macht allerspätestens nach Ende des Bürgerkriegs, sehr wahrscheinlich aber bereits früher, vorbei sein würde, und strebte deshalb danach, die auf nationalspanischer Seite am Bürgerkrieg teilnehmenden Kräfte möglichst umgehend unter seiner eigenen Führung zu vereinen und die Deutungshoheit über Sinn und Zweck des Kampfes gegen die Republik selbst auszuüben.
Am 19. November 1936 wurde der Anführer der Falange, José Antonio Primo de Rivera, Sohn des früheren spanischen Diktators Miguel Primo de Rivera, durch die spanische Republik nach einem Gerichtsverfahren hingerichtet und die Partei damit führerlos. Franco ergriff die Gelegenheit und bemächtigte sich an Stelle des vorläufigen Führers der Falange, Manuel Hedilla, handstreichartig der geschwächten und zerstrittenen falangistischen Bewegung als Caudillo (span. – Anführer). Er hatte zuvor der Falange nicht angehört und ihr auch politisch nicht nahe gestanden. Dieser Erhebung Francos zum Caudillo wohnt etwas Zufälliges inne; hätte sich eine andere Bewegung mit vergleichbarer Verfassung und ähnlicher Eignung für die Herrschaft über einen autoritären Staat angeboten, hätte Franco sich wohl ebenso gut dieser anderen Bewegung bedient.
Die 1933 gegründete Falange Española hatte sich 1934 mit den ihr weltanschaulich nahe stehenden JONS (Juntas de Ofensiva Nacional Sindicalista, zu deutsch „Vereinigungen der Nationalsyndikalistischen Offensive“) zur „Falange Española de las JONS“ vereinigt. Sie propagierte in einem aus 27 Punkten bestehenden Parteiprogramm aus dem Jahr 1934 unter anderem die Abschaffung der Demokratie und einen „nationalen Syndikalismus“. Unter dem letzterem Schlagwort war die Erfassung der Bevölkerung in ständischen Organisationen zu verstehen, wobei sich der Falangismus jedoch im Wesentlichen auf die Erfassung aller Arbeitsfähigen in Zwangssyndikaten beschränkte. Ferner wurden auch die Verstaatlichung des Bankenwesens und eine radikale Agrarreform gefordert. Primo de Rivera der Jüngere glorifizierte ähnlich wie Mussolini das Soldatentum und Ramiro Ledesma, der Anführer der JONS, war ein offener Bewunderer der faschistischen Squadren, die Italien in den Jahren um den „Marsch auf Rom“ herum mit Terror überzogen. Der Einfluss dieser Partei mit ihren etwa acht- bis zehntausend Mitgliedern war während der gesamten Zweiten Republik vernachlässigbar gewesen, und sie hatte auch nicht zu den Urhebern des pronunciamiento im Juli 1936 gehört: obwohl man bei der Falange von den Putschplänen wusste, hatte sie keinen Einfluss darauf.
Ironischerweise hatte Primo de Rivera junior aus der Zelle heraus seine Anhänger ermahnt: „‚Passt auf die Rechte auf... Die Falange ist keine konservative Kraft.‘ Sie sollten sich nicht als Außenseiter an einer Bewegung beteiligen, ‚die nicht zur Errichtung des national-syndikalistischen Staats führen wird.‘ Offensichtlich wusste er, dass ein solcher Versuch bevorstand Nur wenige Tage vor Ausbruch des nationalistischen Aufstands, am 12. Juli, schrieb er an einen Freund: ‚Eines der schrecklichsten Dinge würde die nationalrepublikanische Diktatur sein. Ein anderer falscher Versuch, den ich befürchte, ist... die Herrschaft eines falschen, konservativen Faschismus ohne revolutionären Mut und junges Blut.‘ [... Was er befürchtete, war genau das, was eintrat.“Francis L. Carsten,Der Aufstieg des Faschismus in Europa, Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt/Main 1968, S. 237
Die Falange unter Franco stellt den in der Geschichte eher seltenen Fall einer (faktisch) gleichgeschalteten faschistischen Bewegung dar. Denn Franco zeigte bald darauf, dass er sich der Falange hauptsächlich zu dem Zweck bemächtigt hatte, um sich ihrer als Vehikel zur Macht und als Sammelbecken für die Parteien und Bewegungen der frente nacional zu bedienen. Mit ihren Zielsetzungen identifizierte Franco sich wenig, obschon er gewisse Punkte und Forderungen ihres Parteiprogramms zum Gegenstand seiner Politik machte – wenngleich keineswegs alle; und die wenigen Punkte, die Franco umsetzte, setzte er oft nur so lange oder insoweit, wie es ihm opportun erschien oder nicht im Sinne der Falange um.
Als eigentliche Geburtsstunde des franquistischen Staates ist jedoch der Zusammenschluss der revolutionär-antimonarchistischen Falange mit der monarchistisch-absolutistischen und daher im Spektrum der rechten Bewegungen genau entgegengesetzten carlistischen Comunión Tradicionalista zur Einheitspartei Falange Española Tradicionalista y de las JONS am 19. April 1937 anzusehen. Diese eigenartige Vereinigung einer revolutionären mit einer reaktionären Bewegung kam auf das Betreiben von Francos Schwager Ramón Serrano Súñer zustande, welcher selbst weder der Falange noch den Carlisten, sondern der CEDA angehörte. Serrano hatte Franco die Vereinigung vorgeschlagen, da seiner Ansicht nach keine der an der nationalspanischen Koalition beteiligten Fraktionen den "Anforderungen des Tages" entsprach. Er selbst wurde auf Wunsch Francos der erste Generalsekretär der neuen Partei und befasste sich damit, die verschiedenen Teile der neuen Bewegung zu koordinieren. Dies gelang ihm aber nicht vollständig, da nicht alle Falangisten sich dem neuen Kurs anschließen wollten. Ansonsten ließen die Beteiligten die Vereinigung geschehen, da Franco sie für die Zeit nach Abschluss des Bürgerkriegs mit der Beteiligung an der Macht lockte.
Durch diese Vereinigung der beiden sehr ungleichen Partner – bald darauf wurden auch die legitimistischen Monarchisten der Bewegung angeschlossen, andere Organisationen wie die CEDA waren zu diesem Zeitpunkt schon aufgelöst – hatte Franco das franquistische System in seinen Grundzügen angelegt: aus einer lockeren Koalition war eine Bewegung unter Francos alleiniger Führung geworden. Die Organisation „F.E.T. y de las JONS“, genannt „Movimiento Nacional“ legte in vieler Hinsicht Ideologie und Zielsetzungen der „alten“ Falange ab: konservative und monarchistische Zielsetzungen traten in den Vordergrund, und von einer Bodenreform war keine Rede mehr. Andererseits wurden zentrale falangistische Programmpunkte wie der Syndikalismus beibehalten. Die F.E.T. y de las JONS war, bedingt durch ihre Heterogenität, ein Kompromiss, der allen etwas bot: den spanischen Antimonarchisten ebenso wie den Königstreuen, der alten Rechten ebenso wie den sozialistisch angehauchten Falangisten.
So wurden nach und nach alle politischen Kräfte der nationalspanischen Seite unter Francos Führung zusammengefasst, während umgekehrt das politische Spektrum auf Seiten der Republik immer uneiniger wurde und (wie in Barcelona im Frühjahr 1937) sogar Bürgerkriege innerhalb des Bürgerkriegs austrug. Auch im wenngleich erzwungenen einigen Vorgehen liegt – neben den italienischen und deutschen Waffenlieferungen – ein Grund für den Sieg der nationalspanischen Sache.
Mit dem Sieg über die Republik 1939 herrschte Franco und mit ihm das franquistische System über ganz Spanien.
Es wird vermutet, dass die Zahl der politischen Häftlinge sich nach dem Bürgerkrieg auf 1,5 Millionen Menschen belief. Sie und ihre Angehörigen wurden beispielsweise bei der Zuteilung von Lebensmittelmarken systematisch benachteiligt, hatten ständige Demütigungen hinzunehmen und lebten auch nach Entlassung aus der Haft stets in Angst vor einer erneuten Inhaftierung. Nach seiner Konsolidierung ging das Regime allmählich zu weniger offen gewaltsamen Repressionsmaßnahmen über. Doch die letzten Konzentrationslagervgl. z. B. http://www.3sat.de/kulturzeit/themen/72582/index.html (Bild von einem Lager bei Barcelona - Prisioneros republicanos en un campo de concentración cerca de Barcelona), von denen es in Spanien über einhundert gegeben haben soll und in welchen nicht nur Parteigänger Republikspaniens, sondern während des Zweiten Weltkriegs auch einige zehntausend Flüchtlinge aus ganz Europa interniert worden sein sollen, wurden erst 1962 geschlossen.
KZ Mauthausen.jpg 400.000-500.000 Menschen (Bernecker zufolge ist dies die Obergrenze der Schätzungen), darunter allein 150.000 Basken, verließen nach 1939 Spanien, um vor allem in Frankreich, aber auch in Mexiko an der Seite der spanischen republikanischen Exilregierung, das Exil anzutreten. Hierbei handelte es sich um die größte Auswanderungswelle der spanischen Geschichte. Es ist von 13.000 "Rotspaniern" die Rede, die nach der Besetzung Frankreichs durch Hitlers Truppen aufgegriffen wurden und den Weg in deutsche Konzentrationslager nahmen, wo nicht weniger als 10.000 von ihnen ums Leben gekommen sein sollen – 7.000 davon allein im KZ Mauthausen. Etwa die Hälfte aller Exilanten soll nach einer Anzahl von Straferlassen aber in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wieder heimgekehrt sein. Eine Generalamnestie wurde niemals ausgesprochen, und so kehrten sehr viele Exilanten erst nach Francos Tod nach Spanien zurück.
Als Oberhaupt der Staatspartei F.E.T. y de las JONS hatte Franco lange keine Opposition zu fürchten – abgesehen allenfalls von einigen Freischärlern in den ersten Jahren nach dem Bürgerkrieg und (im Falle einiger davor im Maquis aktiver Republikspanier) nach dem Zweiten Weltkrieg, sowie einigen mit seinem Kurs nicht einverstandenen Falangisten. Bedrohlicher für Francos Herrschaft waren in den ersten zwanzig Jahren seiner Herrschaft hingegen diejenigen Krisen, welche sich auf die Versorgungslage und die Lebensbedingungen der Bevölkerung auswirkten. Außenpolitisch war das Franco-Regime direkt nach dem Krieg fast völlig isoliert: Spanien wurde als Verbündeter der Achsenmächte angesehen.vgl. hierzu in Wikisource: Die Beziehungen der Mitglieder der Vereinten Nationen mit Spanien, 1946 (engl., span.) Im Dezember 1946 zogen nach einer UN-Resolution fast alle Staaten ihre Botschafter aus Madrid ab. Frankreich schloss zudem seine Pyrenäengrenze. Franco überstand diese Krise durch Geduld und durch umfangreiche Weizenlieferungen des mit ihm sympathisierenden argentinischen Diktators Juan Perón.
Bald schon änderte sich die außenpolitische Lage wieder zu Francos Gunsten: mit Beginn des Kalten Kriegs konnte es sich die NATO nicht mehr leisten, das strategisch wichtige Spanien weiter auszugrenzen. Obwohl eine Mitgliedschaft Franco-Spaniens für die NATO nicht in Frage kam, konnte Franco durch ein Stützpunktabkommen mit den USA (Tratado de Amistad y Cooperación, Vertrag über Freundschaft und Zusammenarbeit) einen fast gleichwertigen Status herbeiführen, wenngleich Spanien kaum greifbare Gegenleistungen von den USA erhielt. Mit diesem Abkommen und dem Abschluss eines Konkordats mit dem Vatikan im Jahr 1953 war die außenpolitische Isolation aufgebrochen. Von da an hatte das Franco-Regime zwar noch immer wenige Freunde, wurde aber respektiert. Die Aufnahme in die Vereinten Nationen folgte zwei Jahre später.
Mit der allerdings erst spät einsetzenden wirtschaftlichen Gesundung Spaniens und dem daraus folgenden zunehmendem Wohlstand breiterer Schichten der spanischen Bevölkerung konsolidierte Francos Herrschaft sich weiter - hierzu hatte es aber einschneidender Maßnahmen angesichts eines drohenden wirtschaftlichen Kollapses Ende der 50er Jahre bedurft, welche von einem Technokratenregime umgesetzt wurden.
Die relative Entmachtung des Militärs und des Movimiento geht zeitlich mit der Entspannung der außenpolitischen und wirtschaftspolitischen Lage des franquistischen Regimes einher und kann als Ausdruck dafür angesehen werden, dass das Regime sich zum einen von außen als nicht länger bedroht und zum anderen innenpolitisch stabilisiert ansah. Darum wurde ein Paradigmenwechsel hin zu einer Entpolitisierung des öffentlichen Lebens zugelassen und gefördert, indem die öffentlichen Angelegenheiten immer weitgehender in die Hände modernerer Eliten wie dem Opus Dei gelegt wurde. Vom Beginn der sechziger Jahre an bemühte sich Franco um ein Assoziierungsabkommen mit der EG. Erst 1966 begannen die Verhandlungen, die sich vor allem wegen politischer Vorbehalte der damals noch sechs Staaten bis zum Abschluss eines ersten Abkommens im Jahr 1970 hinauszögerten.
Der Franquismus endete in einem Staat, der eine autoritäre Diktatur geblieben war, aber seine Bürger im Alltag weitgehend in Ruhe ließ – wenngleich in den letzten Jahren des Franquismus die Repression wieder anstieg, bedingt durch die Aktivitäten der ETA und weiterer oppositioneller Gruppen. Die innenpolitische Situation, welche davon geprägt war, dass dem Volk demokratische Freiheiten und die Koalitionsfreiheit weitgehend vorenthalten wurden, änderte sich dennoch bis zuletzt nicht wesentlich. Franco behielt sich jederzeit sämtliche Instrumente politischer und gesellschaftspolitischer Repression zur Anwendung nach eigenem Ermessen vor und zögerte nicht, seine Interessen nötigenfalls durch den Einsatz von oft harten Maßnahmen bis hin zum Einsatz physischer Gewalt durchzusetzen. Ebenso blieben die staatlichen Institutionen von der Staatspartei Movimiento Nacional bis zu den ständischen Organisationen der Sindicatos verticales bis zuletzt Instrumente der persönlichen Machtausübung des Caudillo. Wie praktisch alle autoritären Diktaturen räumte der franquistische Staat der Polizei (einschließlich der Guardia Civil) und den Sicherheitsdiensten erhebliche Macht ein. Die Sicherheitskräfte waren in vieler Hinsicht besser ausgerüstet und organisiert als die spanische Armee selbst. Besonders die Guardia Civil bekämpfte jahrzehntelang alle Versuche, unabhängige, partikularistische oder oppositionelle Parteien und Gewerkschaften zu bilden oder entsprechende persönliche Meinungen zu äußern, wobei sie häufig mit großer Brutalität vorging.
Der franquistische Staat ließ sich nach dem Ableben Francos 1975 binnen weniger Jahre im Rahmen einer Transition (spanisch transición) beispielhaft friedlich – mit der Ausnahme des Putschversuchs in den Cortes am 23. Februar 1981 – in eine parlamentarische Demokratie umformen.
Historisch zog der franquistische Staat einen Schlussstrich unter mehr als hundert Jahre politischen Kampf und Instabilität in Spanien und erwies sich als erstes stabiles politisches System seit den napoleonischen Kriegen. Der Umstand, dass sich der Franquismus fast vierzig Jahre lang halten konnte, wird nicht zuletzt darauf zurückgeführt, dass sich Franco nach dem Sieg im Bürgerkrieg in einer Position sah, welche ihm praktisch absolute Macht einräumte und ihm erlaubte, sein Herrschaftssystem nach seinem Gutdünken zu gestalten. Auf lange Sicht hatten außer Franco selbst alle Teilnehmer des Bürgerkriegs verloren, und zwar nicht nur die Republik und ihre Volksfront, sondern auch die Parteien der nationalspanischen Koalition.
Francos System bestand vereinfacht gesagt - wie Hugh Thomas und Bernecker übereinstimmend feststellen - aus einem Kompromiss zwischen Militär, Movimiento Nacional und katholischer Kirche, wobei er alle diese innenpolitischen Gruppierungen, die ihn stützten oder die er nicht ignorieren konnte, fortwährend gegeneinander ausspielte. Daneben gab es, wie Bernecker ausführt, mit den Latifundisten und der Großfinanz weitere Gruppierungen, die zahlenmäßig weniger bedeutend waren, aber deren Einfluss in Spanien unübersehbar war. Außerdem sind in dem Zusammenhang die Acción Católica und nicht zuletzt das erst in späteren Jahren einflussreiche Opus Dei zu nennen. Im Zusammenhang mit dem Aufbau des franquistischen Staats sind ferner die Zwangskorporationen, die Syndikate, zu nennen.
Francos Griff nach der Macht in den Jahren 1936 und 1937 war in einem politischen Umfeld erfolgt, das sich aus einer grundlegenden oppositionellen Haltung heraus in einen Bürgerkrieg verstrickt hatte, ohne dass die ausgesprochen heterogene nationalspanische Seite sich darüber einig gewesen wäre, was konkret an die Stelle der verhassten Republik gesetzt werden sollte. Aus diesem Grund war abzusehen, dass die einzelnen Gruppen der nationalspanischen Koalition früher oder später ihre Waffen gegeneinander richten würden. Franco löste dieses Dilemma, indem er die unter seiner Führung kämpfenden politischen Gruppierungen teils gewaltsam, teils durch Überredung unter seine Kontrolle brachte, ihre politischen Energien auf Flügelkämpfe im Rahmen des Movimiento Nacional richtete, und indem er vielen vieles versprach. Das ideologische Vakuum füllte Franco absichtlich bis zuletzt nicht aus: Basis und Legitimationsquelle seiner Macht war neben dem traditionalen Katholizismus im wesentlichen die im Bürgerkrieg erworbene Macht an sich, welche Franco nach dem Prinzip „teile und herrsche“ aufrecht erhielt.
Francos System war auf seine Person ausgerichtet, wie uncharismatisch sie auch immer gewesen sein mag. In der Tat war Charisma keine hervorstechende Eigenschaft Francos (obwohl der kleinwüchsige Generalísimo, dessen Fistelstimme „seinen Kommandos den Klang eines Gebets“H. Thomas, Der Spanische Bürgerkrieg, S. 78 gab, seinem Charisma durch die etwas bemühte Inszenierung eines Personenkults etwas aufzuhelfen hoffte). Das System war auch darauf ausgelegt, dass Charisma zur Führung nicht notwendig war: Franco, der sich in Naturell und Temperament von Mussolini oder Hitler wesentlich unterschied, war alles andere als ein Mann der Tat, sondern verdankte sein politisches Überleben bis zuletzt seinem Organisationstalent und seiner beeindruckenden Fähigkeit, Probleme auszusitzen und nie etwas zu überstürzen. Auch darin, dass Franco eher reagierte als agierte, sich allzusehr zu exponieren vermied und vermeidbaren Risiken aus dem Weg ging, zeigt sich der "Unterschied zwischen Franco und dem imperialistischen, eroberungssüchtigen Diktatoren des eigentlich faschistischen Typs"Hugh Thomas, Der Spanische Bürgerkrieg, S.472: Franco wusste, wann man aufhören muss. Dieser Feststellung stehen auch Francos Forderungen anlässlich seines einzigen persönlichen Zusammentreffens mit Hitler in Hendaye 1940 nach der Niederwerfung Frankreichs nicht entgegen, als er vom deutschen Diktator als Gegenleistung für eine Beteiligung am Weltkrieg unter anderem den französischen Teil Marokkos forderte. Francos gesamtes Betragen bei dieser Gelegenheit (er ließ Hitler zunächst eine volle halbe Stunde antichambrieren, bis er seine Siesta abgehalten hatte, und kam in einem darauf folgenden neunstündigen Gespräch Hitlers Begehren um Unterstützung so wenig entgegen, dass Hitler - Hugh Thomas zufolge (Der Spanische Bürgerkrieg, S. 472) - anschließend äußerte, sich lieber drei Zähne ziehen zu lassen, als eine solche Unterredung nochmals zu führen) legt eher den Schluss nahe, dass Franco mit dieser Forderung lediglich den Preis für seine Unterstützung unannehmbar hoch treiben wollte. Notizen zum Ablauf des Treffens zwischen Franco und Hitler in Hendaye 1940 (engl.); einige Bilder von dieser Zusammenkunft: *" target="_blank" >*
Obwohl Franco nicht in vergleichbarem Maße wie andere zeitgenössische Diktatoren in Erscheinung trat, war seine Stellung im Staatsganzen in vieler Hinsicht unabhängiger als diejenige anderer Diktatoren. Dies war darauf zurückzuführen, dass Franco über einige wenige Leitlinien und Schlagworte hinaus nie eine zusammenhängende Ideologie formulierte und somit auch kaum durch eine solche in seiner Entschlussfreiheit beschränkt war. Hinzu kam, dass nicht eine der verschiedenen Fraktionen des Movimiento Nacional (nicht einmal die Falange) und auch nicht eine der anderen Stützen des Regimes wie die katholische Kirche und sogar das Militär wirklich für sich in Anspruch nehmen konnte, dass Franco einer der Ihren sei. Franco herrschte, indem er alle seine Stützen gegeneinander ausspielte und es vermied, sich zugunsten einer von ihnen endgültig festzulegen. Der Diktator hielt sich im Hinblick auf seine eigene Haltung zu Fragen der Staatsführung und gesellschaftliche Politik häufig bedeckt und behielt sich die Rolle des Schiedsrichters vor.
Dies ging so weit, dass nicht wenige Institutionen des franquistischen Staats und viele der Elemente des franquistischen Ideologiegebäudes häufig weniger auf Franco selbst als vielmehr auf das Betreiben der Säulen von Francos Macht – wie insbesondere den durch die Falange dominierten Movimiento Nacional und die Kirche – zurückzuführen waren. Der Franco-Staat ist zwar nicht ohne die Verflechtung mit diesen Machtzentren, doch in vielem ohne die Konzessionen vorstellbar, welche Franco diesen Stützen des Systems machte (und die er dennoch, sobald es ihm zum Machterhalt geboten erschien, ohne weiteres wieder kassieren konnte). Einzelne Punkte der ideologischen Ansätze stellten sich zudem als verhandelbar heraus, wenn es Franco für seine Zwecke opportun erschien. Salvador de Madariaga stellt Franco sogar überhaupt in Abrede, jemals Ideale gehabt zu haben:
Dieser Einfluss des Militärs sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Francos Herrschaft – jedenfalls nach Ende des Zweiten Weltkriegs – keine Militärdiktatur im eigentlichen Sinne war, wie sich am anhaltend niedrigen Anteil der staatlichen Rüstungsausgaben nach 1945 und daran zeigt, dass das Militär bei wichtigen politischen Weichenstellungen keine entscheidende Rolle spielte und auch kaum gefragt wurde.
Es war nach Francos Tod jedoch das Glück der jungen spanischen parlamentarischen Demokratie, dass die Loyalität des Militärs zum Caudillo sich mit der Zeit wandelte und das Militär – das vor dem Bürgerkrieg für seinen Prätorianismus berüchtigt war, was sich daran zeigt, dass es allein während des 19. Jahrhunderts zu mehr als 50 pronunciamientos kam – der transición keine Steine in den Weg legte, da sie sich auf legaler Basis und nicht in der Form eines Umbruchs entwickelte, welchen die Streitkräfte nicht mitgetragen hätten.
fetydelasjons2.gif (oben) und der Comunión Tradicionalista wurden zusammen von der F.E.T. y de las JONS fortgeführt. Üblicherweise wurden von 1936 bis 1977 beide Flaggen aufgezogen, zwischen ihnen die Flagge des spanischen Staats - ebenso, wie üblicherweise als so genannter Triple Himno zusätzlich zur Nationalhymne Marcha Real (auch genannt: Marcha de Granadera) die falangistische Parteihymne Cara al Sol und die carlistische Marcha de Oriamendi intoniert wurden.]] Die Macht des Movimiento Nacional, zuvor als „F.E.T. y de las JONS“ bekannt und nach ihrer lange Zeit dominierenden Teilfraktion oft einfach „Falange“ genannt, war während des Bürgerkriegs und in den ersten Nachkriegsjahren (welche Bernecker als die „Blaue Periode“ bezeichnet) groß, als Franco zwischen den Parteien des Zweiten Weltkrieges die Balance zu wahren und nach Ende dieses Kriegs die Isolation in der Welt zu bewältigen hatte, und ihr Anteil an der ideologischen Verfassung des Franco-Staates war entscheidend. Franco führte jedoch während seiner gesamten Amtszeit den Einfluss des Movimiento immer weiter zurück; man spricht sogar - soweit der ideologische Zustand dieses rechten Sammelbeckens das rechtfertigte - von einer „Entfaschisierung“ des franquistischen Staats durch Franco selbst. So kosteten die Regierungswechsel von 1957 und 1969 den Movimiento jeweils erhebliche Macht, welche anderen Gruppierungen wie vor allem dem Militär und später dem Opus Dei übertragen wurde. Da zahlreiche Altfalangisten (camisas viejas, Althemden) den Kurs Francos ablehnten, der auf ihre Zurückdrängung abzielte, gab es im franquistischen Spanien sogar so etwas wie eine rechte Opposition.
Ab 1958 erwähnen die offiziellen Texte des Staats die Bezeichnung „Falange“ nicht mehr, und ab 1970 wurde die Bewegung auch offiziell in Movimiento Nacional umgetauft. Der Movimiento füllte die Funktionen einer Staatspartei je länger desto eingeschränkter aus und ließ bereits während des Bürgerkriegs einen Vergleich mit den Parteiorganisationen totalitärer Regimes nur eingeschränkt zu. Ihre ideologische Ausrichtung war wegen der Verschiedenartigkeit der in ihr zusammengefassten Organisationen bereits während des Bürgerkrieges unklar und wurde nach einem beachtlichen Zustrom im Jahr 1939 noch diffuser, als sie es zuvor schon war. Diese Partei, die sich ausschließlich aus Flügeln zusammensetzte, weil ein ideologisches Zentrum schwer zu definieren gewesen wäre, war wegen ihrer Heterogenität weit entfernt von der Geschlossenheit eines Partito Nazionale Fascista oder gar einer NSDAP. Waren die Fraktionen des Movimiento selbst auch von der direkten Macht ausgeschlossen, die von Franco ausgeübt wurde, so waren sie deshalb nicht machtlos. Ihre Anführer wurden durch Franco auf Basis eines Vertrauensverhältnisses eingesetzt, was dazu führte, dass keine dieser Gruppen gänzlich oder auf Dauer übergangen wurde.
Der Movimiento bewirkte aufgrund seiner unübersichtlichen Zusammensetzung aber immerhin, dass im autoritären System Francos in der Praxis ein sehr eingeschränkter PluralismusSo Bernecker unter Hinweis auf die Ausführungen von Juan J. Linz. möglich war, welcher in totalitären Systemen (man denke in Hinblick auf den deutschen Nationalsozialismus nur an Gregor Strasser oder Ernst Röhm) undenkbar gewesen wäre. Ideologisch deutlich divergierende Gruppen wie etwa die carlistischen, monarchistischen, altrechten und falangistischen Flügel innerhalb der heterogenen Staatspartei F.E.T y de las JONS konnten sich gerade aufgrund des für den franquistischen Staat charakteristischen Fehlens einer positiv formulierten Staatsideologie bilden und ihre mitunter sehr verschiedenen Auffassungen zu tagesaktuellen und selbst grundsätzlichen Fragen artikulieren. Franco verwendete allerdings große Sorgfalt darauf, dass dieser sehr relative Pluralismus der einzelnen Fraktionen nicht etwa in oppositionelle Haltungen umschlug. Als der Prätendent der carlistischen Bewegung, Francisco Javier (I.), Verständnis für baskischen und katalanischen Separatismus äußerte und sein Sohn Carlos-Hugo seinen Vater wegen dessen Haltung, den Anhängern der carlistischen Bewegung im Zuge des Plebiszits von 1966 über das Staatsorganisationsgesetz (Ley Orgánica del Estado) eine Zustimmung zu Francos Nachfolgeregelung zu empfehlen, sinngemäß als Opportunisten bezeichnete, ließ Franco sämtliche Prinzen der carlistischen Dynastie aus Spanien ausweisen.
Die amorphe und hochbürokratisierte F.E.T. y de las JONS übte nicht, wie die ideologisch straff geführten und monolithischen Organisationen Deutschlands oder Italiens, das Monopol der Machtelitenrekrutierung aus, allein schon weil Franco sich in der Zusammensetzung seiner Regierungen gerne auf Kleriker und Militärs stützte, die mit der Staatspartei nichts zu tun hatten. Somit war der Movimiento nur ein Element in der Architektur des franquistischen Staats, mit dessen Elitencharakter es nicht sehr weit her war. Vielmehr war der Movimiento - Bernecker zufolge - ein „innenpolitisches Instrument Francos“, welches er dazu verwendete, die rechten Kräfte in Spanien gegeneinander auszuspielen. Mit dem Antimonarchismus der falangistischen Fraktion etwa war es, wie Bernecker weiter ausführt, möglich, ein Gegengewicht gegen die monarchistischen Gruppen wie vor allem die Carlisten zu schaffen. Aus demselben Grund war die Falange wegen ihres sozialistischen Einschlags gegen die Konservativen und die alte Rechte nützlich. Auch Teile des Militärs, welche mit der Falange sympathisierten, ließen sich gegen andere Fraktionen innerhalb des Militärs ausspielen.
Der Movimiento behielt jedoch bis zuletzt eine nicht zu übergehende Stellung im franquistischen Staat durch die ständestaatliche Organisation des Staatswesens, durch seine Vertretung in den Cortes sowie durch seinen Einfluss auf das Universitätswesen und auf die Massenmedien: Radio und Fernsehen waren gänzlich, die Presse zu einem beträchtlichen Teil von der Staatspartei kontrolliert.
Der Estado Nuevo zeigt zwar zwar deutliche Ansätze einer korporativen Gliederung, welche allerdings nicht konsequent durchgezogen wurden und sich im wesentlichen mit der Schaffung berufsständischer Syndikate begnügten, ohne wirklich die gesamte Gesellschaft umfassen zu wollen.
Die Syndikate gingen auf José António Primo de Rivera zurück. Dieser hatte bereits 1935 die Umwandlung der Gewerkschaften und Arbeitgebervereinigungen in solche Organisationen gefordert, welche nach Produktionszweigen gegliedert Arbeitnehmer und Arbeitgeber in einer einzigen Organisation unter Aufsicht und Leitung des Staates zusammenfassen sollten. Andere Organisationen mit gewerkschaftsähnlichen Funktionen wurden aufgelöst und mit einem Verbot der Neubildung belegt. Dieses Verbot wurde jedoch nicht lückenlos durchgesetzt, da die Hermandades Obreros de Acción Católia (HOAC) sich weiter betätigten und sich offen als Alternative zu den Sindicatos verticales darstellten, bis ihr immer schärferer Konfrontationskurs Anfang der sechziger Jahre zur Absetzung der HOAC-Führungsmannschaft auf Druck des Regimes führte.
Die Syndikate hatten eine politische und eine repräsentative Funktion. Ihre Macht stand allerdings im wesentlichen auf dem Papier, und erst 1958 wurden die 1947 eingerichteten Betriebsausschüsse mit der Befugnis ausgestattet, die Interessen der jeweiligen Arbeitnehmerschaft bei betrieblichen Abkommen zu vertreten. Wie Bernecker ausführtSpanien-Lexikon, S401 f., wurden trotz dieser relativen Stärkung der Kompetenzen in den Folgejahren die „Kritik an der mangelnden Repräsententivität der Syndikatsführung, der Unverantwortlichkeit der Befehlslinie und der Abhängigkeit der Syndikate von der politischen Führung geübt.“
Das Syndikatssystem bestand im wesentlichen unverändert bis zu Francos Tod, wurde allerdings von illegalen Interessenvertretungen wie den Comisiones Obreras (CC.OO) zuletzt bis fast zur Bedeutungslosigkeit unterwandert und ausgehöhlt.
Die Herrschaft Francisco Francos gab sich – nicht zuletzt unter dem Einfluss seiner geradezu fanatisch katholischen Ehefrau Carmen – betont katholisch und suchte die Nähe der kirchlichen Institutionen, von welchen sie Legitimation beanspruchte. Auch in dieser Hinsicht unterscheidet sich der Franquismus vom mussolinischen Faschismus und vom Nationalsozialismus: anstelle einer Sakralisierung des Politischen (eines recht typischen Kennzeichen einer totalitären Säkularreligion) unternahm der Franquismus umgekehrt eine Politisierung des Sakralen. Eine für das Franco-Regime bezeichnende Geste war es, der Muttergottes den Rang eines Ehrengenerals der spanischen Armee einzuräumen, und nicht zufällig hatte Nationalspanien im Bürgerkrieg, den Franco als cruzada (Kreuzzug) bezeichnete, für sich in Anspruch genommen, stellvertretend für die ganze Christenheit zu kämpfen und die westliche Zivilisation zu verteidigen.
Während etwa der ersten zwei Jahrzehnte der ausgeprägt klerikalistischen Herrschaft Francos war im Gegenzug die katholische Kirche eine der effektivsten Stützen des franquistischen Staats. Sie erhielt die Vorrechte zurück, welche ihr die Zweite Republik genommen hatteDie Verfassung von 1931 bestimmte in Tít. Prel. Art. 3, dass der spanische Staat keine offizielle Religion habe. Die Wiedereinführung der Trennung von Kirche und Staat war bei der Redaktion der Verfassung von 1978 höchst umstritten, wurde jedoch durchgesetzt, wenngleich sich Art. 16 entnehmen lässt, dass der spanische Staat die religiöse Orientierung der spanischen Gesellschaft zu berücksichtigen und entsprechende Beziehungen zur katholischen Kirche zu unterhalten habe ., und im „Grundgesetz der Spanier“ von 1945 wurde ihr als einziger Konfession die Abhaltung öffentlicher Zeremonien und Kundgebungen ermöglicht. Die Kirche war in den Cortes direkt repräsentiert. Ihr wurde (was für sich genommen in einem katholischen Land und zumal in Spanien noch nicht allzu ungewöhnlich war, wenngleich das Ausmaß dennoch erstaunte) das spanische Bildungs- und Erziehungswesen weitgehend übertragen - was ferner insoweit zur Typisierung des Franco-Regimes beiträgt, als ein totalitärer Staat diese zentrale Kompetenz kaum aus der Hand gegeben hätte. Zu dieser Erziehungstätigkeit gehörte andererseits, dass der Unterricht in nichtkastilischen Sprachen abgeschafft wurde und allein noch der Unterricht in „christlicher“ (kastilischer) Sprache zulässig war. Im Sinne eines so genannten nacional-catolicismo kam es so im Ergebnis zu einer Verschmelzung von Kirche und Staat. Erst 1968 kam es im Rahmen eines Kultusfreiheitsgesetzes (Ley de libertad de cultos) zu einer Besserstellung der nichtkatholischen Konfessionen, welche allerdings bei weitem keine Gleichberechtigung bewirkte.
Zudem waren Kleriker auch in politischen Spitzenpositionen vertreten. Wenn sich hier Antisozialismus und Klerikalismus die Hände reichten, geschah dies jedoch nicht zuletzt deswegen, weil die spanische Linke sich vor und während des Bürgerkriegs in sehr vielen Fällen durch explizit gegen Religion und religiöse Gefühle gerichtete Gewalthandlungen wie dem Anzünden von Kirchen und zahlreichen Morden an Klerikern hervorgetan hatte – was sehr viele kirchentreue Spanier und am meisten die Priester und Bischöfe nicht vergessen konnten. Diese Übergriffe, angesichts derer sich die Kirche in einem Kampf auf Leben und Tod wähnte, mögen neben diesseitigen Hoffnungen, in die alten Rechte wieder eingesetzt zu werden, der Grund gewesen sein, weshalb im Jahr 1937 alle spanischen Bischöfe bis auf zwei in einem an alle Bischöfe der Welt gerichteten Hirtenbrief den Bürgerkrieg als „Kreuzzug“ und „nationale Bewegung“ rechtfertigten.
Im Jahr 1953 schloss Franco mit dem Vatikan ein für den Heiligen Stuhl sehr vorteilhaftes Konkordat ab, in dessen Rahmen die Kirche neben weitgehender Steuerfreiheit und einer Entschädigung für staatliche Enteignungen während der Zweiten Republik die Zusage erhielt, dass der spanische Staat für die Erhaltung der Priester und der Kirchengebäude aufkommen würde. Weitere Punkte des Konkordats befassten sich mit der Abschaffung der zivilrechtlichen Scheidung, der zivilrechtlichen Wirkung der kirchlichen Trauung – was bis 1979 zivile Trauungen ausschloss – und mit der Gestaltung des Schulunterrichts in vollem Einklang mit der katholischen Dogmatik und Morallehre. Im Gegenzug erhielt der Staat ein Vorschlagsrecht für die Besetzung der spanischen Bischofsstühle und damit die Möglichkeit der Einflussnahme auf die Spitzen der spanischen Kirche. Der Abschluss dieses Konkordats steht allerdings auch im Zusammenhang mit den Bemühungen des Franco-Regimes, die internationale Ächtung zu durchbrechen. Aus diesem Grund hatte der Vatikan auch lange mit dem Abschluss einer solchen Vereinbarung gezögert. Erst die Verhandlungen der USA über den Abschluss eines Stationierungsabkommens mit Spanien beendeten die Hinhaltetaktik des Heiligen Stuhls. Paradoxerweise war es später die Kirche, welche auf eine Revision des Konkordats drängte, weil ihr die Nähe zum Regime und die enge Verflechtung mit ihm auf Dauer als Belastung erschien. Nachdem der Vatikan Franco vergebens aufgefordert hatte, auf sein Mitbestimmungsrecht bei der Investitur von Bischöfen zu verzichten, ließ er Bischofssitze vakant und ernannte lediglich Weihbischöfe, ein Amt, zu dessen Besetzung Franco Mitbestimmung nicht zustand. Zu ersten Änderungen des Konkordats kam es nicht vor 1976 und vor allem 1979, als etwa zwei Drittel der Bestimmungen des Konkordats gestrichen wurden.
Ab etwa dem Jahr 1960 griff indessen an der kirchlichen Basis eine andere, oppositionelle Einstellung zum Regime um sich. Es ist ein altes, nicht auf Spanien beschränktes Phänomen, dass der Klerus vieler Religionen (wie zum Beispiel auch der islamische Klerus im Iran des Schah) in autoritären Staaten praktisch die Funktionen von Korporationen wie etwa Gewerkschaften oder Parteien ausfüllt, welche dem Volk vorenthalten werden. Die Kirche wurde – zuerst im Baskenland – zu einer Keimzelle und Zuflucht für die Opposition gegen das Regime und rückte von ihrer ihr zuerkannten Rolle ab, das Regime zu legitimieren. Dies war ein schleichender Prozess, welcher lange Jahre in Anspruch nahm. An der Kirchenbasis handelten in diesem Sinne die so genannten curas rojos und (als Kommunisten verschriene) Arbeiterpriester. Zusammen mit Institutionen wie der Acción Católica und vor allen ihrer Arbeiterbruderschaft HOAC bot die spanische Kirche an ihrer Basis denjenigen Menschen in Francos Staat, denen es versagt war, sich öffentlich zu artikulieren, die nötigen Freiräume. Die Staatsmacht reagierte auch auf diese Betätigung, welche dem Buchstaben des Konkordats zuwiderlief, mit der üblichen Repression und nahm Priester ohne Zustimmung ihrer Bischöfe fest, um sie einem besonderen Gefängnis für Geistliche (bei Zamora) zuzuführen. Solche Maßnahmen führten auch an der Kirchenspitze zu einem Umdenken und zu einer zunehmenden Distanzierung von Franco, was nach dem II. Vaticanum dazu führte, dass die Spanische Bischofskonferenz Franco die Forderungen der katholischen Weltkirche vortrug.
Hinzu kam das Engagement der Kirche für die nichtkastilische Bevölkerung, die einen Höhepunkt erreichte, als der Erzbischof von Bilbao, Antonio Añoveros, auch um den Preis eines ernsten Konflikts mit Franco um 1974 das Recht der Basken auf eigene Sprache und Kultur postulierte. In diesem Zusammenhang bekannt ist auch das Kloster Montserrat, in welchem die Messen in der verbotenen katalanischen Sprache gelesen wurden.
Den Großgrundbesitzern - die bereits seit langem die wesentlichen Träger des caciquismo genannten Klientelsystems gewesen waren, welches das Wahlverhalten der Landbevölkerung kontrollierte -, die Franco von Anfang an ideell und vor allem finanziell unterstützt hatten, dankte es der Diktator mit staatlich garantierten Abnahmepreisen.
Eng mit den Latifundisten war die Finanzbourgeoisie verflochten: die bestehenden Banken erhielten bis 1962 eine gesetzlich durch den status quo bancario von 1936 garantierte Monopolstellung, wobei Franco unbedenklich das Parteiprogramm der Falange von 1934, welches die Verstaatlichung der Banken forderte, ein weiteres Mal überging. Dieses Bankenoligopol wurde mit einem Verbot der Neugründung von Banken verbunden. Die Folge davon war ein starker Konzentrationsprozess auf dem Banksektor, in dessen Zuge sich die Zahl der Banken durch Übernahmen und Fusionen fast halbierte, während sich sieben Großbanken etablierten.
Der Machtzuwachs des Opus, der sehr auf Kosten des falangistischen Einflusses auf die spanische Politik ging, fällt in das Ende der fünfziger Jahre, als die Autarkiepolitik des franquistischen Regimes dieses an den Rande einer wirtschaftlichen Katastrophe führte und Francos Macht ernstlich gefährdete. Franco warf im Jahr 1957 das Ruder herum und berief ein Technokratenkabinett. Die Schlüsselressorts Handel und Finanzen gingen an Alberto Ullastres beziehungsweise Navarro Rubio – zwei Männer, denen die Mitgliedschaft im katholischen Laienorden des Josémaría Escrivá de Balaguer, eines Bewunderers Francos, gemeinsam war, des Opus Dei.
Das Opus Dei ist in Hinblick auf das Wirken seiner Mitglieder im Sinne der Ideale ihres Bundes in Alltag und Beruf und der Verschwiegenheit über seine Angelegenheiten gelegentlich mit der Freimaurerbewegung verglichen worden. Seine Mitglieder, unter welchen Laien weit überwiegen, bilden keine Konvente, sondern bleiben in der Welt und in ihren Berufen tätig. Das Opus ist eine Bewegung akademisch gebildeter Eliten. Wie bei so vielen anderen gleichartigen Organisationen überzeichnen allerdings auch im Falle des Opus Dei Verschwörungstheorien die Realität. Ähnlich wie Freimaurer- oder studentische Bünde ist das von spanischer Spiritualität durchdrungene Opus Dei zunächst ein wenngleich vergleichsweise straff geführtes und hierarchisch aufgebautes inkorporiertes Netzwerk Gleichgesinnter. Dieses Netzwerk sorgte nach dem jähen Sturz der Falange nun dafür, dass Gleichgesinnte in führende Positionen nachrückten, was zu einer beachtlichen wirtschaftlichen und politischen Konzentration von Macht und Mitteln in den Händen dieses Netzwerks führte.
Ideologie und Handeln des Opus Dei charakterisiert Manfred Tietz dahin, dass diese sich häufig als militanter Katholizismus, autoritärer Konservativismus, klerikaler Integrismus und gesellschaftspolitischen ElitismusSpanien-Lexikon, S.312 darstellten. Das Opus Dei ermöglichte es Franco, Spanien einem umfassenden Modernisierungsschub auszusetzen, ohne dass der Kongregation daran gelegen wäre, zugleich eine politische Liberalisierung herbeizuführen.
Somit war das Opus vorrangig auf wirtschaftlichem, weniger hingegen auf politischem Gebiet vertreten. Der unmittelbare Einfluss des Opus Dei auf die spanische Politik sollte daher nicht überschätzt werden, und wirklich gehörten von 116 durch Franco während seiner Regierungszeit ernannten Ministern gerade acht dem Opus Dei anFrankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 2. April 2006, S. 59. Hinzu kam allerdings eine Anzahl von Personen in führenden politischen Positionen, welche dem Opus zwar nicht angehörten, aber ihm nahestanden und ihn förderten, wie vor allem Luis Carrero Blanco.
In Spanien zeigte sich das Umfeld für das Opus besonders günstig. Zum einen waren in Spanien der Zeit nach dem Bürgerkrieg Studenten aus den höheren gesellschaftlichen Schichten, welche sich weder von der Falange noch von traditionellen Orden angezogen fühlten, keine Seltenheit. Zum anderen konnte das Netzwerk der Mitglieder des Opus durch die historische Chance, welche sich ihm 1957 bot, sich erst im Bankenwesen und schließlich in weiten Teilen der spanischen Industrie etablieren, wo sie der falangistischen Autarkiepolitik und Staatsdirigismus dadurch ein Ende setzten, dass sie die Wirtschaft nach wirtschftsliberalen Gesichtspunkten neu organisierten. Hierin erzielten sie beachtliche Erfolge: das so genannte „spanische Wirtschaftswunder“ nach langen Jahren der Stagnation war wesentlich auf ihre Reformen zurückzuführen.
Bis über das Ende des Franco-Regimes hinaus übte das Netzwerk des Opus Dei starken Einfluss auf die spanische Wirtschaftspolitik vor allem im Bereich des Bankwesens und im Bildungssektor aus. Allerdings ging der direkte politische Einfluss des Opus nach dem Matesa-Skandal von 1969, der Affäre um einen Steuer- und Subventionsbetrug unter Beteiligung des führenden Opus-Dei-Mitglieds Juan Vilá Reyes, unter nachhaltiger Beschädigung des Glaubens an die Integrität der Kongregation stark zurück. Mit dem Tod Luis Carrero Blancos im Jahr 1973 wurden dem Opus seine Möglichkeiten zur direkten Einflussnahme auf das politische Tagesgeschäft im wesentlichen genommen.
Neben dem Opus stellte auch die Acción Católica vor allem nach der Zurückdrängung der F.E.T. y de las JONS ab 1957 zahlreiche Mitglieder in führenden Positionen, insbesondere im Außenministerium und im diplomatischen Corps. Dieser Bewegung war im Konkordat, als einziger Laienorganisation, das Recht auf Betätigung eingeräumt worden. Doch auch hier wendeten sich im letzten Jahrzehnt der Franco-Diktatur zahlreiche Mitglieder von dem franquistischen Regime ab.
Teile der Bewegung, nämlich die Hermandades Obrera de Accion Católica (Arbeiterbruderschaften der Katholischen Aktion, HOAC), entwickelten teils neben, teils zusammen mit der illegalen freigewerkschaftlichen Bewegung der CC.OO Züge einer Gewerkschaft, während allerdings die gewerkschaftliche Betätigung außerhalb der Sindicatos verticales verboten war.
Im Umkreis der HOAC wurde Anfang der sechziger Jahre ferner die illegale unabhängige Gewerkschaft USO (Unión Sindical Obrera, „Arbeitergewerkschaftsbund“) mit einem linkskatholischen Programm errichtet, die sich vorübergehend mit der ebenfalls illegalen freien Gewerkschaftsbewegung der CC.OO verbündete. Gil Robles, der 1980 verstarb, versuchte sich nach Francos Tod an der Gründung einer christdemokratischen Partei, welcher allerdings in den Wahlen von 1977 kein Erfolg beschert blieb.
Eine zutreffende weltanschauliche Einordnung des Franquismus anhand seiner Ideologie sieht sich dem Problem ausgesetzt, dass das System Francisco Francos ideologiearm war und die Anschauungen, aus welchen sich seine Ideologie zusammensetzte, zumeist aus Negationen verstand. Am sinnvollsten erscheint eine Darstellung anhand eines Vergleichs mit der Ideologie, welcher der Franquismus am ähnlichsten erscheint, dem Faschismus - nicht zuletzt auch deshalb, weil die Vorstellung, dass es sich um den Franquismus um den „spanischen Faschismus“ gehandelt habe, bis heute verbreitet anzutreffen und auch offensichtlich nicht bar jeder Grundlage ist. Diese Vorgehensweise kann allerdings aus mehreren Gründen nur eine Annäherung versprechen.
Erstens erweisen sich Charakteristiken dieser Art bei näherer Betrachtung für eine zutreffende Typisierung des Regimes nicht unbedingt und für alle Phasen des Regimes auch als tragfähig, da der Franquismus sich außenpolitisch und wirtschaftspolitisch als ausgesprochen wandlungsfähig erwies.
Infolge der erheblichen Unterschiede, welche es zwischen den einzelnen Bewegungen gab, die gemeinhin als „faschistisch“ bezeichnet werden, fällt es zweitens auch im Fall des Faschismus keineswegs immer leicht, den kleinsten gemeinsamen Nenner und damit „die“ faschistische Ideologie festzustellen. Es gibt kein „Faschistisches Manifest“, keinen Marx und keinen Engels des Faschismus. Zudem gaben die faschistischen Bewegungen sich oft keine besondere Mühe, ihr ideologisches Gebäude widerspruchsfrei zu formulieren. So propagierte etwa Mussolini eine "Ideologie der Tat", die seinen Anhängern die Last des Theoretisierens bis zu einem gewissen Grad abnahm. Dies ändert im Ergebnis nichts daran, dass es sich bei den faschistischen Ideologien in aller Regel um Systeme handelte, deren Lehren einen gewissen inneren Zusammenhang aufwiesen und zu bestimmten Schlussfolgerungen gelangten, und denen eine gewisse Einheit von Lehre und Praxis innewohnte.
Drittens sind Einstellungen und Handlungsweisen, in welchen die faschistischen Bewegungen sich besonders hervortaten, für sich alleine genommen nicht unbedingt auch ein Beleg für den faschistischen Charakter eines Regimes. So waren Antikommunismus und Antiliberalismus Haltungen, welche allen faschistischen Bewegungen gemeinsam waren und von ihnen mit Nachdruck vertreten wurden. Allerdings teilten üblicherweise - gerade auch in Spanien - weite Teile des rechten Spektrums diese Einstellungen ebenso. Auch die oben erwähnten Gräueltaten während des Bürgerkriegs und sodann vor allem der ersten Jahre tragen kaum zur Typisierung bei, da Grausamkeit beileibe keine Eigenart nur faschistischer Regime ist; hieraus ergibt sich andererseits, dass sich mit der Einordnung des Franco-Regimes als faschistisch oder nicht-faschistisch kein moralisches Werturteil verbindet. Ziel einer Typisierung ist vielmehr, das Regime weltanschaulich einzuordnen.
Schließlich wird die Typisierung eines Regimes als „faschistisch“ in der Forschung verbreitet vermieden, obwohl andererseits ein Bedürfnis besteht, die verwandten und sich auch häufig als verwandt empfindenden politischen Erscheinungen der zwanziger und dreißiger Jahre unter einem aussagekräftigen Oberbegriff zusammenzufassen. Die Beobachtung zeigt allerdings in der Tat, dass dieser Begriff häufig polemisch-akkusatorischen Zielsetzungen und darum nicht immer einer zutreffenden Einordnung des betreffenden Regimes dient. Deshalb sollte eine Typisierung des Franco-Regimes als „faschistisch“ zurückhaltend erfolgen und, wenn und soweit sie Verwendung findet, sich auf eine Gegenüberstellung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu den verschiedenen faschistischen Bewegungen der Zwischen- und Weltkriegszeit stützen können.
Unter Berücksichtigung der genannten Einschränkungen sollen einige Axiome formuliert werden, welche die Ideologie des Faschismus - notwendigerweise oft schlagwortartig - umreißen und der Theorie und Praxis des Franquismus gegenübergestellt werden sollen.
Faschismus zielt auf eine Einheit von Staat und Gesellschaft ab und verneint das Individuum, welches in Kollektivismen aufgehen soll. Dies geschieht dadurch, dass er auf ein totalitäres System abzielt, das - schlagwortartig formuliert - die Leitung durch einen oft heiligmäßig verehrten charismatischen Führer, Massenbewegung und korporative Gliederung des Volkes vorsieht. Korporative Gliederung besagt, dass im Prinzip jede Gruppe im Sinne einer Gleichschaltung in das faschistische Staatswesen eingliedert werden und sich nur in diesem Rahmen organisieren und artikulieren darf.
Wie beschrieben vereinte Franco in Spanien verhältnismäßig mehr Macht in seinen Händen als mancher zeitgenössischer Diktator. Ferner wird der Movimiento Nacional als einzig zugelassene politische Organisation und Einheitspartei angeführt, welche Parolen wie derjenigen von der „Einheit zwischen Staat und Gesellschaft“ oder dem „totalen Staat“ ausgab und nach dem Grundgesetz von 1958 den Anspruch erhob, in alle Teile der Gesellschaft wirken zu wollen.
Eine Gleichschaltung wurde auf vielen Gebieten versucht. Neben allen anderen Parteien wurden - wie an gegebener Stelle erwähnt - auch die Gewerkschaften verboten (ersetzt durch die sindicatos verticales, denen alle in den jeweiligen Produktionszweigen wirtschaftlich Tätigen angehören sollten), und auf zahlreichen anderen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens wurde eine Gleichschaltung angestrebt, etwa indem abgesehen von den Werktätigen auch die Studenten und die Konsum- und Produktionsgenossenschaften (Cooperativas) in Syndikate gezwungen wurden.
Soweit die Theorie - doch die Praxis sah anders aus. Wenngleich der franquistische Staat fraglos durch ein autoritäres System gelenkt wurde, war er demnach nicht totalitär. Zwischen Totalitarismus und einem „lediglich“ autoritären System wird gerne schlagwortartig danach unterschieden, dass der Totalitarismus vorschreibe, was man zu tun (oder gar zu sein), und der autoritäre Staat, was man zu lassen habe. Das Franco-Regime war sehr weitgehend ein Regime des letzteren Typs. Franco verfügte auch nicht über eine kohärente, nicht in erster Linie aus Negationen zusammengesetzte Ideologie, die sich für einen Totalitarismus geeignet hätte.
Eine wie auch immer geartete „Einheit zwischen Staat und Gesellschaft“ kam in der Praxis über Propagandafloskeln dieses Inhalts nicht hinaus, und auch von einem „totalen Staat“ konnte keine Rede sein. Eine Euphorisierung der Massen oder ihre permanente Mobilisierung durch Aktionen und Feindbilder aller Art wie in Deutschland oder der Sowjetunion fand nicht statt, stattdessen herrschten in Spanien (Bernecker, passim) entweder passive Zustimmung, apolitische Einstellungen oder gar kollektive Apathie vor. Der uncharismatische Franco versuchte sich ohne allzuviel Erfolg an einem inszenierten Kult um seine Person, und er hatte nicht die Fähigkeit, große Menschenmassen in Begeisterung und Ekstase zu versetzen. Der Movimiento Nacional bestand wie erwähnt praktisch nur aus Flügeln und hatte ein unscharfes Profil. Im übrigen wurde er im Laufe der Zeit von Franco immer weitgehender entmachtet - ein Vorgang, welcher als „Entfaschisierung“ bezeichnet worden ist.
Ein faschistisches System hat, wie unvollkommen und widersprüchlich auch immer, eine revolutionäre Ideologie.
Unter einer Ideologie ist - nach François Furet - „ein System zur Erklärung der Welt“ zu verstehen, „das dem politischen Verhalten der Menschen eine vorherbestimmte Richtung gibt, die jedoch frei von göttlichem Einfluss ist“. Gegenstand dieser Ideologie ist (nach Matthew Lyons) im wesentlichen, dass "Verfallserscheinungen" wie Individualismus und des Materialismus zu verzeichnen seien, weshalb es einer "spirituellen Revolution" bedürfe, wobei im Zuge einer solchen „konservativen Revolution“ andersartige Gruppen und Ansichten auszuschalten seien, die vermeintlich diese Erscheinungen fördern. Hieraus folgt wiederum, dass der Faschismus typischerweise ein Feindbild pflegt. Dieses Feindbild äußert sich in Antikommunismus und in den meisten Fällen in Antisemitismus, und die Individuen, in welchen diese Feindbilder sich verkörpern, werden durch staatliche Repression und unter Einsatz physischer Gewalt bekämpft.
Der Faschismus ist revolutionär, weil er trotz zahlreicher Referenzen auf glorreiche, teils im Nebel der Vorzeit verschwimmende Vergangenheiten eine neuartige Gesellschaftsordnung propagiert. Demgegenüber möchte eine reaktionäre Bewegung die politische Entwicklung im eigenen Herrschaftsbereich aufhalten, wo nicht das Rad der Geschichte zurückdrehen. (Dieses Axiom ist allerdings deswegen besonders problematisch, weil die Praxis oft zeigt, dass diese scheinbaren Gegensätze sich häufig berühren.)
Selbst wenn man in Hinblick auf Vollständigkeit und Folgerichtigkeit bescheidenere Maßstäbe an die franquistische Weltanschauung anlegt, existierte eine verbindliche Ideologie des Franquismus - im weiteren Sinne eines Gedankengebäudes, welches die Herrschaft des Regimes legitimiert und das politisch die Richtung weist über einige Schlagworte sowie einige untereinander lose zusammenhängende ideologische Elemente hinaus (wie einer konservativ-traditionalistischen Grundhaltung, des Gedankens der Hispanidad, des Antikommunismus, der Verachtung für das nach Francos Ansicht zu Chaos führende Parteienwesen und des Wunsches Francos und der franquistischen Eliten nach Machterhalt) nicht. Francos Staatsmodell und seine Ideologie waren eher introvertiert und im wesentlichen aus Negationen zusammengesetzt. Schon in Francos Manifest zu Beginn des Bürgerkriegs eröffnete der spätere Diktator - neben der Aufzählung einer Reihe von umzusetzenden Maßnahmen wie der Auflösung aller Gewerkschaften und der Bildung einer Regierung von "Fachleuten" - kaum ideologische Perspektiven, abgesehen von recht allgemeinen Formulierungen wie der Einführung der "strengsten Grundsätze der Autorität" oder der Herbeiführung "vollständiger nationaler Einheit". Hinzu kommt - wie oben bereits erwähnt - in den ersten Jahren des Regimes der massive Einsatz von Terror zur Einschüchterung der Zivilbevölkerung.
Der Franquismus war, wenngleich oder gerade weil er der katholischen Kirche und katholisch-traditionalistischem Gedankengut die Eigenschaft eines staatstragenden Elements einräumte, selbst keine Säkularreligion mit determiniertem Geschichtsbild wie der Nationalsozialismus oder der Kommunismus. Franco erklärte niemandem die Weltgeschichte oder nach bestimmten Schemata ablaufende gesellschaftliche Entwicklungen; er interessierte sich auch kaum für derartige Themen, sieht man davon ab, dass er dazu neigte, die Verantwortung für Misserfolge regelmäßig der „internationalen Freimaurerei“ in die Schuhe zu schieben.
Der Franquismus als revolutionär-reaktionäre Mischform propagierte von der Falange her zwar einige im faschistischen Sinne revolutionäre Elemente wie den nationalen Syndikalismus, wobei aufs Ganze gesehen aber die konservativen und die reaktionären Elemente bei weitem überwogen. Die klaren Vorstellungen von der künftigen Staatsform, welche die Falange vor Ausbruch des Bürgerkriegs zum Programm gemacht hatte, wurden von Franco vollkommen ignoriert, ihre sozialrevolutionären Programmpunkte wurden mit dem Traditionalismus vermengt, und von einer Kontrolle des Bankensektors, einer Bodenreform oder der Verstaatlichung der Industrie war keine Rede mehr.
Auch obgleich Franco vordergründig mit der Einrichtung der Sindicatos verticales einer zentralen Forderung der Falange nachkam, zeigt direkter Vergleich zwischen dem faschistischen und dem franquistischen Ständewesen einige Unterschiede in der Zielsetzung. Die Ansichten Francos und der Falange über die Funktion dieser Syndikate unterschieden sich beträchtlich: während die Falange die Syndikate nach Art etwa der Deutschen Arbeitsfront als Werkzeug zur Ideologisierung und zur sozialen Revolution heranziehen wollte, hatte Franco mit der Stabilisierung, Überwachung und Ruhigstellung der Bevölkerung das ziemlich genaue Gegenteil im Sinn. Da sich die Falange auch hier nicht durchsetzen konnte, wandten sich die ideologiefesten Falangisten, die so genannten camisas viejas (Althemden) von Franco ab.
Franco erscheint weit eher als an einer konservativ-katholischen gesellschaftlichen Renaissance als an einem totalitären Staat nach faschistischem Muster interessiert. Zutreffender kann Francos Herrschaft als konservativ-autoritärer und katholischer Paternalismus klassifiziert werden. Franco interessierte sich nicht sonderlich für staatsrechtliche Fragen. Der Franco-Staat erhielt - wie unten noch gezeigt werden wird - im Wege allmählich und über die gesamte Dauer seines Regimes hinweg erlassener Grundgesetze erst nach und nach eine Art Verfassung.
Der Franquismus hatte eher wenige nachdrückliche Anklänge an das gemeinhin als faschistisch angesehene Leitmotiv einer auf Rasse oder Nation fußenden Gemeinschaft, die über allen anderen Loyalitäten zu stehen hat. Allerdings wurde von Franco der in vieler Hinsicht vergleichbare Gedanke der so genannten Hispanidad („Hispanität“) – eine Spanien verherrlichende Lehre von der Größe, Sendung und Auserwähltheit des Landes, auf Spanisch mit der Bezeichnung la vocación imperial (Berufung zum Imperium) umschrieben – hochgehalten und zu einem der Hauptziele der Außenpolitik erhoben. Diese Vorstellung ging (in Hinblick auf den schon seit über hundert Jahren als wenig zufriedenstellend empfundenen politischen und gesellschaftlichen Zustand Spaniens) häufig mit dem ebenso (nach Matthew Lyons) als "typisch faschistisch" angesehenen Schluss einher, dass "Verfallserscheinungen" wie Individualismus und des Materialismus zu verzeichnen seien, weshalb es einer "spirituellen Revolution" bedürfe, wobei im Zuge einer solchen "konservativen Revolution" andersartige Gruppen und Ansichten auszuschalten seien, die vermeintlich diese Erscheinungen fördern.
Die Gruppierungen, auf welche der Franquismus sich stützte, verfolgten den Gedanken der Hispanidad in unterschiedlicher Ausprägung und Intensität. Doch selbst die antimonarchistische und in Teilen ihres Programms deutlich sozialistisch inspirierte Falange entlehnte ihre Symbole – Joch und Pfeilbündel – der Zeit der Reyes Católicos, welche auch sie als Spaniens größte Zeit betrachtete, und sie propagierte den Gedanken der Hispanidad ausdrücklich in ihrem Programm vom Oktober 1934.
Außenpolitisch zielte der Gedanke der Hispanidad auf einen Führungsanspruch Spaniens in der spanischsprachigen Welt ab. Dieser Führungsanspruch ist allerdings weniger im Sinne eines aggressiv nach außen wirkenden Nationalismus zu verstehen. Franco-Spanien träumte nicht von einem „Groß-Spanien“, trachtete nicht nach fremdem Gebiet und es setzte seine Nachbarn nicht unter Druckabgesehen von Gibraltar, welches Spanien allerdings auch heute noch beansprucht, und abgesehen von den Ethnien an den Rändern des Staates wie den Basken und Katalanen, wobei allerdings der besondere politische Druck auf diese Gebiete weniger durch die Hispanidad als vielmehr durch den franquistischen Zentralismus veranlasst war. Es gibt, wie unten noch gezeigt werden wird, Argumente dafür, dass an dieser Feststellung wohl auch das viel zitierte Treffen mit Hitler in Hendaye 1940, in welchem Franco die tatkräftige Unterstützung der Achsenmächte unter bestimmten Bedingungen wie insbesondere territorialer Gewinne für Spanien in Aussicht stellte, nichts Wesentliches ändert.. So wandte sich der Gedanke der Hispanidad vornehmlich nach innen als Wunsch nach einer Wiedergeburt Spaniens, welche Nationalspanien sich von einem Sieg über die Republik versprach und nach dem Bürgerkrieg ins Werk zu setzen beabsichtigte. Ein in diesem Sinne wieder geborenes Spanien sollte nicht durch militärische Gewalt Vormacht der spanischsprachigen Welt sein, sondern ihr gleichsam durch die Würde und Majestät eines mächtigen, einigen und starken Mutterlands als natürliches Oberhaupt vorstehen. Innenpolitisch wollte der Franquismus im Sinne der Hispanidad damit hinter die moderne Zeit zurück und auf eine Gesellschaft hinaus, die in ihrer Pflege christlicher und als besonders spanisch angesehener Werte ideale Züge trug. Diese Werte sollten nach dem Empfinden der Anhänger der Hispanidad von der gesamten spanischsprachigen Welt geteilt werden.
Die Zeit, als Spanien eine Weltmacht war, in deren Reich die Sonne nicht unterging, war eine Zeit der strengen Ordnung einer mittelalterlichen Gesellschaft mit ihrer konfessionellen Geschlossenheit, ihrer ständischen Ordnung und der unangefochtenen Autorität des Königs und der Kirche gewesen. Spanien konnte im Sinne seiner Sendung, wie sie im Lichte der Hispanidad gesehen wurde, damals Großes bewirken: es konnte im Rahmen der Conquista ein Weltreich erobern und im Zuge dessen ganze Kontinente zum Christentum bekehren, und es war selbst in der Alten Welt der Motor der Gegenreformation in Europa gewesen. Die Hispanidad stellte hier einen Zusammenhang her: Spanien war demnach eine Macht gewesen, weil es damals seine "spanischen" Werte lebte. Diese idealisierte Vergangenheit Spaniens klang auch in nationalspanischen Bürgerkriegsplakatenhttp://www.dur.ac.uk/m.p.thompson/civwar/cruzada.htm an, welche Parolen wie „España, orientadora espiritual del mundo“ (Spanien, geistiger Führer der Welt) zeigten und Schlagwörter wie dasjenige von der cruzada proklamierten (wobei es der Verwendung dieses Schlagworts keinen Abbruch tat, dass im Bürgerkrieg auf der Seite Nationalspaniens zahlenstarke marokkanische Regimenter zum Einsatz kamen, die sich aus den Nachfahren der Mauren zusammensetzten).
Zu einer solchen geistigen und moralischen Führung hatte Spanien in den Augen der spanischen Rechten sich seit geraumer Zeit wenig geeignet: sie empfanden Spanien als durch Parteienhader und „unspanische“ linke Umtriebe heruntergekommen. Daher war ein rigider Antikommunismus eine der wenigen gemeinsamen Nenner der Parteien der nationalspanischen Koalition und ihre wesentliche Antriebskraft während des Bürgerkriegs. Die Zweite Republik stand in ihren Augen stellvertretend für alle die zahlreichen Demütigungen, welche die frühere Weltmacht seit Napoleon hatte hinnehmen müssen und von denen das Jahr 1898 (noventa y ocho), als Spanien im Spanisch-Amerikanischen Krieg durch die USA die letzten Kolonien und somit die letzten Illusionen über seinen Niedergang abgenommen wurden, besonders hervorzuheben ist.Dem ist allerdings hinzuzufügen, dass die mit dem Schicksalsjahr 1898 eng in Verbindung gebrachte Generación del 98 aus diesem Schlüsselereignis der spanischen Geschichte die genau entgegengesetzten Schlüsse zog, unter anderem sollte Spanien endlich sein Wunschdenken und Schwelgen in der Vergangenheit ablegen. Bekannt ist das Schlagwort Joaquín Costas, eines der führenden Köpfe der 98er: ¡Cerrad con siete llaves el sepulcro del Cid! - "Verschließt mit sieben Schlüsseln das Grab des Cid!" Auch aus diesem Grunde war es für den Franquismus essentiell, die Erinnerung an den Bürgerkrieg wach zu halten und gleichsam die Republik jedes Jahr zum Siegestag erneut zu schlagen.
Die aus europäischer Sicht isolationistische Hispanidad und mit ihr der Franquismus waren mangels Attraktivität für jedes andere europäische Land freilich nicht exportierbar und sollten es auch nicht sein - bezeichnenderweise mit Ausnahme Lateinamerikas, wo die Hispanidad ebenfalls populär war und Franco ein Vorbild für nicht wenige DiktatorenDas peronistische System in Argentinien ähnelt dem Franquismus in vieler Hinsicht, während freilich der Populist Juan Perón unter ganz anderen Umständen an die Macht gelangte als Franco. Auch Augusto Pinochet in Chile sah in Franco ein Vorbild, vgl. z. B. hier.
Schon in Francos Manifest zu Beginn des Bürgerkriegs eröffnete der spätere Diktator - neben der Aufzählung einer Reihe von umzusetzenden Maßnahmen wie der Auflösung aller Gewerkschaften und der Bildung einer Regierung von "Fachleuten" - kaum ideologische Perspektiven, abgesehen von recht allgemeinen Formulierungen wie der Einführung der "strengsten Grundsätze der Autorität" oder der Herbeiführung "vollständiger nationaler Einheit".
Das seinem Wesen nach restaurative franquistische System stützte sich allerdings wesentlich auf die Oberschicht und auf in Spanien traditionell mächtige Institutionen wie vor allem die katholische Kirche: neben der Propagierung der Hispanidad ein weiterer Grund, weshalb der Franquismus in Lateinamerika bei der Oberschicht populär war. Das System in Italien und mehr noch in Deutschland stützte sich hingegen vorwiegend auf die Mittelschicht und auch das Proletariat - wenngleich es jedoch auch in den beiden letztgenannten Staaten keineswegs ohne Kompromisse und Bündnisse mit der Oberschicht oder Teilen davon abging, die im Gegenzug Beitrage zur Stützung des Systems leistete.
In vielen weiteren Bereichen war der deutsche Nationalsozialismus und der italienische Faschismus Vorbild für den Franco-Staat: so wurde nicht nur einige Strukturen der NSDAP, sondern auch verschiedene Institutionen aus Italien übernommen, beispielsweise das Gründungsgesetz des Instituto Nacional de Industria teils wörtlich von Mussolinis Istituto per la Ricostruzione Industriale (IRI) kopiert.
Und obgleich Franco unbestreitbar Sympathien für die faschistischen Regimes Deutschlands und Italiens hegte, hielt sich in der Praxis – trotz ihrer kriegsentscheidenden Unterstützung – die Solidarität mit seinen angeblichen weltanschaulichen Verbündeten in Grenzen. Diese hatten den konservativen General ohnehin selbst nicht recht als einen der Ihren angesehen, es war ihnen vielmehr darauf angekommen, ihren Einfluss auf Spanien auszudehnen, Zugriff auf seine kriegswichtigen Ressourcen zu erhalten sowie Frankreich und Großbritannien herauszufordern. Mit den genannten Regimes unterhielt Franco eher eine Geschäftsbeziehung als eine ideologische Schicksalsgemeinschaft. System und Herrschaft Francos waren außerdem introvertiert, was auch daran zum Ausdruck kommt, dass Franco kaum jemals einen Fuß aus Spanien setzte.
Zwar erklärte Franco im Juli 1940, noch vor dem Fall Frankreichs, Spanien sei nicht neutral, sondern lediglich nicht Krieg führend, und stellte gegenüber Hitler in einem vom Februar 1941 datierten Brief fest, dass wir drei Männer, der Duce, Sie und ich, durch den härtesten Zwang der Geschichte aneinander gebunden sind. Kennzeichnender für Francos Einstellung zu den Achsenmächten ist allerdings wohl sein oben bereits erwähntes Verhalten in Hendaye im Jahr 1940 (somit in etwa auf dem Gipfelpunkt der nazideutschen Macht in Europa) anlässlich seines einzigen Zusammentreffens mit Hitler, als Franco für den Kriegseintritt Spaniens nicht nur französisches Kolonialgebiet forderte, sondern sich darüber hinaus auch weigerte, deutsche Truppen in sein Land zu lassen - Franco soll sich seinen eigenen Angaben zufolge Hitler gegenüber sogar dahin geäußert haben, dass Spanien gegen jeden Eindringling bis zum letzten Mann kämpfen werde, von wo immer er komme. Außerdem verlangte Franco die Lieferung von Rohstoffen wie Baumwolle und Kautschuk, welche Deutschland kaum liefern konnte. Franco verschloss sich schließlich trotz seiner vordergründigen Zustimmung in diesem Punkt der Anregung Hitlers, das seit langem von England geforderte Gibraltar zu besetzen – denn dies hätte Francos Eintritt in den Zweiten Weltkrieg bedeutet.vgl. http://www.yale.edu/lawweb/avalon/wwii/spain/sp06.htm und http://www.yale.edu/lawweb/avalon/wwii/spain/sp07.htm (engl.) Sein Entgegenkommen bestand schließlich darin, dass er die División Azul an die Ostfront schickte, 47.000 falangistische Freiwillige unter General Muñoz Grandes, welche er aber 1943 nach der Schlacht von Stalingrad dort wieder abziehen ließ. Außerdem stellte Franco Deutschland unter anderem U-Boot-Stützpunkte und Nachrichtenmaterial zur Verfügung.
Franco setzte sich 1943 von den Achsenmächten ab, als ihre Niederlage sich abzeichnete, erklärte sich von diesem Jahr an für neutral und stellte im Austausch gegen alliierte Öllieferungen die materielle und ideelle Unterstützung Deutschlands weitgehend ein, was die Entlassung von mit der Achse sympathisierenden Mitgliedern seiner Regierung wie selbst seines Schwagers Ramón Serrano Súñer einschloss. So konnte Franco den Zweiten Weltkrieg hinter sich bringen, ohne es sich mit den Alliierten zu sehr verdorben zu haben. Hinzu kam bereits während des Zweiten Weltkriegs die Abschaffung äußerer Symbole wie des Faschistengrußes. Für Franco waren Hitler und Mussolini gerade nur so lange interessant, als sie mächtig waren und er etwas von ihnen zu erwarten hatte. Ein anderer Aspekt ist allerdings, dass das vom wenige Jahre zurückliegenden Bürgerkrieg noch immer stark geschwächte Spanien sich die Teilnahme an einem weiteren Waffengang einfach nicht leisten konnte.
Die von Mussolini (zunächst in Libyen und Abessinien, später auch im italienischen Mutterland) und erst recht von Hitler propagierten Rassenlehren fanden in Spanien keinen Widerhall. Der Chefideologe Serrano Suñer erklärte die Unvereinbarkeit der Rassenlehre mit dem katholischen Menschenbild. Im Punkt der so genannten "Judenfrage" unterschied sich Franco grundlegend von Hitler: Spanien soll an die 50.000 europäische Juden gerettet haben, welche sich vor den nationalsozialistischen Häschern nach Spanien flüchteten.Bernecker, in: „Spaniens Geschichte seit dem Bürgerkrieg“, siehe Literatur. Um ein vollständiges Bild abzugeben, sei allerdings hinzugefügt, dass sich Spanien - von den schon erwähnten Konzentrationslagern für Flüchtlinge einmal ganz abgesehen - auch insoweit insgesamt wenig gastlich zeigte, als zur Einreise ein französisches Ausreisevisum verlangt wurde, welche die Flüchtlinge selten aufbringen konnten, so dass nur die illegale Einreise blieb. Zudem operierten deutsche Diplomaten und später die Gestapo im spanischen Hinterland. Spanien wurde in der Regel ein Transitland angesehen, das man besser umgehend hinter sich ließ. Dass die Flucht über die iberische Halbinsel Tausenden Flüchtlingen das Leben rettete, ist in erster Linie der Haltung Portugals zu verdanken, welches ab 1941 die Verfolgung der Flüchtlinge weitgehend einstellte. Dieser Haltung Spaniens in der sogenannten jüdischen Frage stehen freilich Äußerungen Francos gegenüber, wie etwa derjenigen, die Franco im Dezember 1943 gegenüber dem deutschen Botschafter Dieckhoff tätigte, wonach "...die Einstellung der spanischen Regierung gegenüber Bolschewismus und Kommunismus sich nicht ändern werde, und dass dieser Kampf im In- und Ausland fortgeführt werden würde, ebenso wie gegen das Judentum und die Freimaurerei."http://www.yale.edu/lawweb/avalon/wwii/spain/sp16.htm (engl.) Außerdem fanden nach 1945 hochrangige nationalsozialistische Parteimitglieder, darunter auch gesuchte Kriegsverbrecher, Zuflucht in Spanien.
Die wirtschaftliche Entwicklung Spaniens unter Franco zerfällt in zwei deutlich unterscheidbare Phasen: die Phase der Autarkiepolitik während und nach Ende des Bürgerkriegs und eine Phase liberaler Reformen, welche binnen weniger Jahre ein spanisches Wirtschaftswunder nach sich zog.
Die Autarkiepolitik hatte verschiedene Ursachen. In ihren Anfängen war sie aus der Not geboren worden, da Spanien außenpolitisch als Paria galt und das auch zu spüren bekam. Hatten die westlichen Alliierten auch den Vorschlag Stalins nicht gutgeheißen, die alliierten Waffen bis nach Madrid zu tragen, wurde Spanien doch von der Mitgliedschaft in der UNO fern gehalten – und vor allen Dingen von der Teilnahme am Marshallplan und generell von billigen Krediten aus dem Ausland ausgeschlossen. Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg waren für die spanische Bevölkerung eine Zeit der Knappheit und selbst des Hungers (die so genannten años del hambre). Bis 1951 blieben die Grundnahrungsmittel in Spanien bei äußerst knappen, phasenweise unter dem Existenzminimum liegenden Zuteilungen rationiert.
Zudem war die staatsinterventionistische, mit hohen Schutzzöllen bewehrte Autarkiepolitik ein zentraler Punkt des ideologischen Programms der Falange, welche die Vorstellung hegte, dass die Wirtschaft sich der Politik unterzuordnen und sich in den Dienst am Vaterland zu stellen habe. Franco strebte im Sinne dieser ideologisch motivierten Wirtschaftspolitik danach, Spanien von Einfuhren unabhängig zu machen und im wesentlichen nur für den eigenen Bedarf des Landes zu produzieren, und unterzog zu diesem Zweck die spanische Wirtschaft einer Anzahl einschneidender Maßnahmen wie staatlicher Lenkung und der Festsetzung von Höchstpreisen. Diese Politik führte, abgesehen davon, dass Spanien ein Agrarland mit einer international nicht konkurrenzfähigen Wirtschaft blieb, zu einer lange Jahre anhaltenden Stagnation bei stetig sinkenden Reallöhnen und den typischen Folgeerscheinungen einer Mangelwirtschaft wie Schwarzmärkten, hoher (offiziell aber inexistenter) Arbeitslosigkeit, Nepotismus und Waren von mangelhafter Qualität.
Um 1957 spitzte die Krise sich zu, als die Inflation Rekordhöhen erreichte, welche von Lohnsteigerungen höchst ungenügend aufgefangen wurden. Streiks, die sich auch durch dekretierte Lohnerhöhungen nicht beschwichtigen ließen, brachten die spanische Wirtschaft fast zum Erliegen, und Franco sah sich dazu veranlasst, das Steuer herumzuwerfen. Die falangistische Wirtschaftspolitik wurde aufgegeben und mit der Zulassung eines Wirtschaftsliberalismus die entgegengesetzte Strategie verfolgt. Im Rahmen einer Kabinettsumbildung, in deren Zuge zwei Drittel des Kabinetts auf einmal ausgetauscht wurden, installierte Franco ein Technokratenkabinett, in welchem Mitglieder des Opus Dei führende Posten einnahmen.
Der franquistische Autarkismus wurde umgehend durch wirtschaftlichen Liberalismus ersetzt und im Zuge dieser Reformpolitik eine Reihe alter Zöpfe abgeschnitten. Unter anderem trat Spanien dem Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und der OEEC bei, die mit den heimischen Technokraten ein „klassisches“ Stabilisierungs- und Liberalisierungsprogramm ausarbeiteten, das ab 1959 umgesetzt wurde. Um 1962 waren die Mitglieder des Opus bereits in einer Position, die es erlaubte, die spanische Wirtschaft sehr weitgehend zu kontrollieren.
Spanien erlebte in den Folgejahren einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung, was Franco die Macht rettete und seine Herrschaft nun auch ökonomisch legitimierte. Spanien industrialisierte sich in raschem Tempo: 1974 sank der Anteil des Agrarsektors an der heimischen Wirtschaft auf unter zehn Prozent, und Spanien, das jahrelang die neben Japan zweitgrößten Wachstumsraten der westlichen Welt aufwies, war zur zehntgrößten Industrienation der Welt aufgerückt. Ferner wurde Spanien als Touristenziel entdeckt - 1,4 Millionen Touristen im Jahr 1955 standen 33 Millionen im Jahr 1972 gegenüber - und konkurrierte bald mit Italien um den Mittelmeertourismus. Symbol des spanischen Wirtschaftswunders wurde der Seat 600, für viele Spanier das erste Auto, das sie ihr Eigen nennen konnten.
Im Ergebnis führten die Reformen zu einer wirtschaftlichen Liberalisierung, der freilich keine politische Öffnung entsprach oder sie nach sich zog. In diesem Sinne hat Spanien den Weg einer Anzahl heutiger so genannter Schwellenländer vorweggenommen.
Escudo La Orotava.jpg]]Der Estado Nuevo zog seine Legitimation aus dem Bürgerkrieg und dem traditionalistischen Katholizismus und bedurfte nach Ansicht seiner Eliten deswegen keiner demokratischen Verfassung und keiner Gewaltenteilung. Eine zusammenhängende Verfassung besaß der Franco-Staat bis zuletzt nicht – hierzu gab es Grundgesetze, welche im Laufe der Zeit erlassen wurden und zusammengenommen das spanische Verfassungsrecht ausmachten. Diese Grundgesetze ließen sich nach ihrem Inhalt in ideologisch-staatsphilosophisch und staatsrechtlich-organisatorisch geprägte Grundgesetze unterteilen.Die Grundgesetze des franquistischen Staates können unten im Originaltext nachgeschlagen werden (span.) Die Grundgesetze des franquistischen Staats wurden durch die Aufhebungsbestimmungen der Verfassung von 1978http://www.verfassungen.de/es/verf78.htm aufgehoben.
Im franquistischen Staat war die Rechtsprechung nicht unabhängig. Streiks galten als Aufruhr und wurden als solcher bestraft. Hinzu kam eine Zensurbehörde, die für Medien aller Art zuständig war.
„Zwischen Volk und Staat vermittelt*“ nach einem Erlass vom 19. April 1937 die Falange Española Tradicionalista y de las JONS. Anführer dieser Organisation war Franco selbst. Am 17. Mai 1958 wurde zusätzlich das „Gesetz über die Prinzipien des Movimiento Nacional“ (Ley de Principios del Movimiento Nacional) erlassen, welches über den Movimiento hinaus erhebliche weitere Auswirkungen hatte. Denn nicht nur die Bewegung selbst, der ganze Staat sollte auf den Prinzipien der Bewegung fußen, welche das Gesetz als „Gemeinschaft aller Spanier im Glauben an die Ideale, deretwegen der Kreuzzug geführt wurde“ definierte. Von den verschiedenen „Grundgesetzen“, welche im franquistischen Staat im Lauf der Zeit erlassen wurden, war dieses Gesetz das ranghöchste, da kein anderes Gesetz gegen die Prinzipien des Movimiento Nacional verstoßen durfte. Diese unwandelbaren Prinzipien waren im einzelnen: der Konfessionalismus des Staates, die monarchische Staatsform und die ständestaatliche Vertretung.
Nach einem Gesetz vom 30. Januar 1938 (Gesetz zur Organisation der Zentralverwaltung) hatten die Entscheidungen des Staatschefs Gesetzeskraft, sofern diese Entscheidungen staatsrechtliche Fragen behandelten; die Zuständigkeit für weitere Fragen leiteten sich aus dieser grundlegenden Zuständigkeit von allein ab. Durch dieses Grundgesetz wurden zudem die Ministerien eingerichtet. Der spanische Staat selbst hatte keine eigentliche rechtliche Grundlage; vielmehr ruhte er allein auf Franco, der nur „vor Gott und der Geschichte“ verantwortlich war. Seine Macht unterlag keinen Schranken. Nicht nur Minister, sondern die Inhaber aller wichtigen Staatsämter bis hin zu den Provinzgouverneuren konnte er nach Belieben ernennen und entlassen. Franco selbst behielt sich im Rahmen seiner persönlichen und außerordentlichen „Magistratur“ insbesondere die folgenden Ämter vor:
Im Jahr 1938 wurde ferner das „Grundgesetz der Arbeit“ (Fuero del Trabajo) erlassen (das am 26. Juli 1947 als Verfassungsgesetz verkündet wurde), welches sich als Ausdruck der falangistischen syndikalistischen Ordnung sowohl gegen Kapitalismus als auch Marxismus richtete. Seit dem „Gesetz über die syndikale Einheit“ (Ley de Unidad Sindical) von 1940 wurden – getreu den Vorstellungen José Antonio Primo de Riveras, der sich hierbei an italienische Vorbilder anlehnte – Arbeitskräfte und Unternehmer in einer Art Einheitsgewerkschaft, der Organización Sindical, zusammengefasst, deren Vorsitzender Ministerrang hatte. Die Organización Sindical umfasste nach Produktionszweigen gegliederte „vertikale Gewerkschaften“ (sindicatos verticales), in denen Arbeiter und Arbeitgeber zwangsvereint wurden. Die Syndikate sollten bestimmungsgemäß ein Werkzeug des Staates sein, mit welchem dieser Einfluss auf die Wirtschaft ausüben konnte. Dies geschah über „Verbindungsleute“ (enlaces) und über Betriebsräte (jurados de empresa). Diese Strukturen erwiesen sich nicht zuletzt wegen der unklaren Verteilung der Verantwortlichkeiten als ineffektiv, wurden aber bereits vor Francos Tod durch die CC.OO weitestgehend unterlaufen. Ihr endgültiges Ende fanden die Syndikate im Jahr 1977 durch die Aufhebung der Zwangsmitgliedschaft.
1942 wurden mit dem „Gesetz zur Einrichtung der Cortes“ (Ley de la Creación de las Cortes) die Cortes Generales wieder institutionalisiert und erhielten ein Vorschlagsrecht für Gesetze. Über Annahme und Ablehnung der Gesetzesvorhaben bestimmte Franco. Die Cortes traten zwei- oder dreimal im Jahr auf Ladung ihres durch Franco berufenen Vorstehers zusammen. Francos Recht war es auch, zwei Drittel der Mitglieder der Cortes direkt und das letzte Drittel indirekt zu bestimmen – durch Wahlen ständischer und kommunaler Kreise nämlich, bei welchen wenig dem Zufall überlassen wurde. 1967 reduzierte eine Reform die Anzahl der ernannten Abgeordneten erheblich und legte ein stärkeres Gewicht auf Wahlen, wobei allerdings die Hürden für die Ausübung des passiven Wahlrechts so hoch lagen, dass andere als regimetreue Kandidaten kaum eine Chance hatten.
1945 wurden – als Ausdruck der Bemühungen Francos, die außenpolitische Isolation der unmittelbaren Nachkriegszeit, als Spanien von den Siegermächten ausdrücklich von der Teilnahme an der UNO und dem Marshallplan ausgeschlossen worden war, wenigstens abzuschwächen – am 17. Juli das „Grundgesetz der Spanier“ (Fuero de los Españoles) und am 22. Oktober das Gesetz über Plebiszite (Ley del Referendum) erlassen. Mit dem ersten wurden im Bestreben, angesichts der starken außenpolitischen Bedrängnis dieser Jahre den Gegnern des Systems den Wind etwas aus den Segeln zu nehmen, einige Grundrechte garantiert. Die Anerkennung dieser Grundrechte war allerdings davon abhängig, dass ihre Ausübung systemkonform geschah, und zudem standen ihnen Pflichten wie der Treue zum Staatsoberhaupt gegenüber. Die Schwellen für die Aufhebung der Grundrechte blieb bei alldem niedrig, und von der Möglichkeit der Grundrechtsaufhebung wurde darum nicht selten auch Gebrauch gemacht. Durch das „Grundgesetz der Spanier“ wurde politische Betätigung zwar zugelassen, allerdings ausdrücklich auf Familie, Kommune und Syndikat beschränkt. Das Gesetz über Plebiszite diente dazu, den Entscheidungen Francos durch Akklamation einen Anschein demokratischer Legitimität zu verleihen, da ausschließlich Franco selbst solche Plebiszite ansetzen konnte und dies in der Praxis nur veranlasste, wenn er sich seiner Sache sicher sein konnte.
Das „Nachfolgegesetz“ vom 28. Juli 1947 (Ley de Sucesión a la Jefatura de Estado) erklärte Spanien zu einem „katholischen und sozialen“ Staat, der „sich in Übereinstimmung mit seiner Tradition zu einer Monarchie erklärt“. Mit diesem Gesetz wurde also nach einem Jahrzehnt, in welchem Franco die Frage der Staatsform mit Rücksicht auf die antimonarchistische Falange bewusst offen gelassen hatte, die Monarchie wieder eingeführt, wenngleich der Thron zu Lebzeiten Francos vakant blieb – ein deutliches Zeichen, dass die Zeiten des größten Einflusses der Falange sich ihrem Ende zuneigte. Bereits der darauf folgende Artikel allerdings sah vor, dass die Macht im Staate Franco selbst zustand. Anstelle eines Monarchen wurde in diesem Gesetz ein Regentschaftsrat bestimmt. Franco sah seine eigene Herrschaft nicht als dauernde Regierungsform an. Sich selbst betrachtete er eher als Reichsverweser denn als Exponenten eines bestimmten Systems. Andererseits jedoch pflegte Franco eine Uniform zu tragen, die an sich dem König vorbehalten war. Er ließ auch sein eigenes Konterfei auf dem Münzgeld abbilden und maß sich sogar Gottesgnadentum bei (sein persönlicher Titel lautete por la gracia de Dios, Caudillo de España y de la Cruzada). Zudem genoss Franco die liturgischen Ehrenrechte, welche vordem dem König zugestanden hatten. Er übernahm und leitete die Erziehung Juan Carlos I., den er, nachdem er jahrzehntelang alle möglichen Prätendenten einschließlich derjenigen der Carlisten gegeneinander ausgespielt hatte, schließlich zu seinem Nachfolger ernannte.
1966 wurde ein reformiertes „Pressegesetz“ erlassen, welches dasjenige aus der Zeit des Bürgerkriegs ablöste und die Zensur etwas lockerte. Obwohl die Pressefreiheit damit noch immer keineswegs gewährleistet war, wirkte es in der Praxis dennoch immens auf die spanische Gesellschaft, da diese erstmals seit Jahrzehnten den Zeitungen in Form von Berichten über Streiks und Unruhen entnehmen konnte, dass nicht alles im Lande so glatt von sich ging, wie die falangistisch kontrollierten Medien es sie glauben machen wollte, und dass sie als Individuen, wenn sie sich gegen das Regime stellten (wie mittlerweile die Studenten, die Basken und Katalanen oder der Klerus der späten Jahre, wenn er für die Arbeiter Koalitions- und Streikrechte forderte), nicht allein standen.
Den Abschluss der franquistischen Staatsverfassung bildete das am 11. Januar 1967 erlassene „Staatsorganisationsgesetz“ (Ley Orgánica del Estado). Im wesentlichen wurde hierdurch (neben einigen weiteren Umbauten in der Staatsorganisation, welche die Zuständigkeiten verschiedener Gremien wie des Nationalrats und des Rates des Königreichs neu regelte) die Ämter des Staatsoberhaupts und des Haupts der Exekutive (des Ministerpräsidenten) getrennt. Staatsoberhaupt blieb Franco, das Amt des Ministerpräsidenten blieb zunächst vakant. Bedeutung hatte das Gesetz für Francos Nachfolge. Zugleich war damit gesichert, dass niemand, auch später der König nicht, nach Francos Tod dieselbe Machtfülle wie der Caudillo auf sich vereinen würde. Zu einer konkreten Regelung der Nachfolgefrage kam es erst 1969, als Juan Carlos I. den Titel eines Prinzen von Spanien erhielt und somit auch offiziell für Francos Nachfolge ausersehen war.
Im franquistischen System gab es keine legale Opposition. Wohl aber gab es (in den ersten Jahren des Regimes) Widerstandsgruppen der traditionellen Linken, welche den Guerillakampf gegen Franco aufnahmen, allerdings spätestens in der Zeit der Entfaschisierung in den fünfziger Jahren infolge des Desinteresses, welches ihnen in der Bevölkerung zunehmend entgegengebracht wurde, die Waffen vollends strecken mussten. Als sich herausstellte, dass das Regime bis auf weiteres weder von innen noch durch Interventionen von außen zu stürzen war, besannen sich diese Gruppen auf andere Vorgehensweisen, welche allerdings Franco nicht mehr ernsthaft gefährlich wurden.
Durch alle Jahre des Franquismus existierte bis in das Jahr 1977 (als sie sich unmittelbar nach den ersten freien Wahlen auflöste) eine Exilregierung der Republik in Mexiko, und im Zuge der ökonomischen Krise zu Ende der fünfziger Jahre, welche in Spanien das Opus Dei in seine Machtrolle beförderte, sah sich auch die außerspanische Opposition zu einigem Vorgehen berufen und gab ein viel beachtetes Lebenszeichen von sich, als alle oppositionellen spanischen Parteien mit Ausnahme der Kommunisten einen Kongress in München abhielten.
In den späteren Jahren des Franco-Regimes bildeten sich von der traditionellen Opposition weitgehend unabhängige oppositionelle Gruppen heraus. Diese Gruppen waren selbst – und sogar vor allem – unter den nominellen Verbündeten Francos zu finden. Bereits erwähnt wurden die kirchliche Opposition gegen Franco in den letzten Jahren seines Regimes sowie die Oppositionshaltung der falangistischen so genannten Althemden.
Neben der HOAC und der USO sind hier besonders die Comisiones Obreras (CC.OO, Arbeiterkommissionen) hervorzuheben. Sie wurden von 1956 an, als das franquistische System gerade durch Streiks und Wirtschaftskrise gelähmt wurde, als freie Gewerkschaftsbewegung zu einer der bedeutsamsten oppositionellen Gruppierungen. Ihr gelang es in noch höherem Maße als den anderen illegalen Gewerkschaften, die Zwangskorporierung der Arbeiter unter staatlicher Aufsicht – den Syndikalismus – zu unterlaufen und die Arbeiterschaft recht weitgehend der Kontrolle durch den franquistischen Staat zu entziehen. Die von verschiedener – kommunistischer wie linkskatholischer – Seite inspirierten CC.OO machten gewissermaßen die Prinzipien des Guerillakampfes dem Gebiet des Arbeitskampfes dienlich: sie organisierten zum Kampf für jeweils konkrete, fest umrissene Ziele die Arbeiterschaft in Versammlungen und lösten diese Versammlungen sofort danach wieder auf. Aus diesem Grund waren die CC.OO für die Obrigkeit kaum zu fassen. Dennoch kam es in den letzten Jahren des Regimes zu Verhaftungen und zu Verurteilungen zu langjährigen Haftstrafen, wie insbesondere im Falle der „11 von Carabanchel“ oder 1972/73 im „Prozess Tausendeins“ gegen die Führungsmannschaft der CC.OO.
Der Franquismus war streng zentralistisch ausgerichtet und stand Autonomiebestrebungen der seit jeher mangelhaft in den spanischen Staat integrierten nichtkastilischen Gebiete Spaniens, insbesondere Kataloniens und des Baskenlands, mit größtem Misstrauen gegenüber. Diese Gebiete hatten zudem während des Bürgerkriegs die Republik unterstützt, weshalb die Repressionsmaßnamen hier besonders hart ausfielen – am stärksten hatte das Baskenland, dessen drei Provinzen Franco wegen ihrer Rolle im Spanischen Bürgerkrieg als „Verräterprovinzen“ bezeichnete, zu leiden. Unter Franco konnte bereits ein katalanischer Volkstanz oder das Zeigen der baskischen Flagge, der Ikurriña, als Zeichen zum Umsturz aufgefasst werden.
Die Repression bezog sich auch auf den öffentlichen Sprachgebrauch. Ortsnamen wurden hispanisiert, und der Gebrauch der katalanischen, baskischen und galicischen Sprache wurde unter Einsatz des Slogans „Wenn du Spanier bist, sprich spanisch!“ bei Behörden und in der Öffentlichkeit verboten. Das ging so weit, dass der bereits nominierte Sänger Joan Manuel Serrat nicht beim Eurovision Song Contest 1968 antreten durfte, weil er den Song „La la la“ in katalanischer Sprache singen wollte. Die Regionen reagierten zuerst, indem die spezifische Landeskultur im privaten Bereich gepflegt wurde und indem sie sich bei Volksabstimmungen aller Art massenhaft der Stimme enthielten.
In Katalonien überwog dieser passive Widerstand bis in die siebziger Jahre und fand ab Anfang der sechziger Jahre Ausdruck im Nueva Canción (auf katalanisch Nova Cançó), dem „Neuen Lied“. Vorbilder fanden die zuerst anonymen Liedermacher beim angelsächsischen Folk, beim Chanson und im eigenen Volksliedergut.
In Katalonien kam der Brauch auf, in Kneipenhinterzimmern in der aus der Öffentlichkeit verbannten katalanischen Sprache Lieder zu singen. Die Liedermacher verfassten ihre Lieder selbst und traten wegen der stets drohenden Repression zumeist im bescheidenen Rahmen auf. Die Lieder hatten oft das Gemeinschaftsgefühl einer Gruppe zum Gegenstand. Berühmte Vertreter des Nova Cançó waren Lluís Llach (nicht zuletzt mit seinem Lied L'estaca (Der morsche Pfahl), mit welchem er auf das Franco-Regime anspielte), Francesc Pi de la Serra, María del Mar Bonet und Raimon. In Katalonien ist bis heute der Auftritt Raimons am 18. Mai 1968 legendär (bekannt als 18 de maig a la villa), zu welchem trotz um sich knüppelnder Polizei Hunderttausende strömten. Der Nova Cançó wurde nach dem Ende des Franquismus zunächst voreilig als überholt abgetan, setzte aber auch in der Folgezeit durch, als Lluís Llach in den Achtzigern an sein Werk mit Liedern wie No es aixó (Kein solches Spanien war gemeint) anknüpfte.
Im Baskenland begann ab etwa 1960 – dem Jahr der Gründung der ETA in Bilbao – sich aktiver Widerstand zu formieren, welcher sich ab 1967 in Bombenanschlägen äußerte. Die hierauf einsetzenden Repressionsmaßnahmen des Regimes trugen dazu bei, Franco im Baskenland noch verhasster zu machen.
Im Zuge des so genannten Burgos-Prozesses von 1970, in welchem 16 etarras vor Gericht gestellt wurden, erlitt das Franco-Regime einen erheblichen innen- wie außenpolitischen Gesichtsverlust, als die unerschrockenen Angeklagten vor dem Gericht das Regime unter den Augen der Weltöffentlichkeit wegen seiner antibaskischen Politik und seiner Foltermethoden anprangerten.
So schrieb der Südafrikaner Roy Campbell, dessen Sympathien bei Franco lagen und der den Ausbruch des Bürgerkriegs un den anschließenden Kampf um Toledo selbst erlebt hatte, der in der Belagerung des Alcázar gipfelte, das folgende Gedicht unter dem Titel „Toledo, July 1936“. Dieses Gedicht gibt – absichtlich oder unabsichtlich – von der religiösen Komponente über den Kampf- und Opfermythos bis hin zu einem Anklang an die Hispanidad die franquistische Ideenwelt in wenigen Zeilen ohne Überspitzung recht treffend wieder:
Der Alcázar wurde zu einem Monument des Siegs im Bürgerkrieg. In seinen Kellergängen, wo die Besatzung ausgeharrt hatte, hingen Grußtafeln der Regimenter des spanischen Heers, und in den oberen Räumen wurden republikanische Geschosse, Bilder der bei der Verteidigung Gefallenen und ähnliche Objekte gezeigt. Insbesondere war im Alcázar noch lange nach Francos Tod das Büro Moscardós zu sehen, welches man eigens in dem halbzerstörten, einschussübersäten Zustand belassen hatte, in welchem es nach der Durchbrechung der republikanischen Belagerung vorgefunden worden war. In diesem Raum zeichneten Tafeln in zahlreichen Sprachen den entsetzlichen Dialog nach, welchen Moscardó telefonisch mit seinem gefangen genommenen Sohn hielt. Dieser war Faustpfand der republikanischen Truppen, welche die Kapitulation des Alcázars forderten: Der Sohn sollte für den Fall getötet werden, dass der Alcázar nicht übergeben werden würde. Moscardó war sich allerdings gewärtig, dass das Leben seines Sohnes im spanischen Juli 1936 (als Antoine de Saint-Exupéry notierte: „Man erschießt hier, wie man Bäume fällt“) wohl auf jeden Fall verloren und dass äußerst ungewiss war, wie mit der Besatzung des Alcázars nach ihrer Kapitulation verfahren werden würde. Der Dialog gipfelt darin, dass Moscardó seinem Sohn rät, seine Seele Gott zu empfehlen, Viva España zu rufen und wie ein Patriot zu sterben (Pues encomienda tu alma á Dios, dà un grito de ¡Viva España! y muere como un patriotaDer Dialog ist in verschiedenen, voneinander im Wortlaut abweichenden Fassungen überliefert. Einige Beispiele (alle span.): [http://www.generalisimofranco.com/caidos/alcazar/0003.htm). Nachdem sein Sohn sich verabschiedet hat, lässt Moscardó dem republikanischen Befehlshaber ausrichten: Puede ahorrarse el plazo que me ha dado, puesto que el Alcázar no se rendirá jamás (Sie können sich die mir eingeräumte Bedenkzeit sparen, denn der Alcázar wird sich niemals ergeben).
Ein anderes derartiges Denkmal ist der Ort Belchite in der Provinz Saragossa. Dieser war zwischen dem 24. August und dem 6. September 1937 Schauplatz eines Häuserkampfes infolge einer republikanischen Offensive auf Saragossa. Die hierdurch beinahe vollständig zerstörte Stadt, die Francos Truppen 1938 zurückeroberten, wurde als ein Symbol für die „rote Barbarei“ nicht wieder aufgebaut. 1954 eröffnete Franco in einem Gedenkakt das in der Nachbarschaft neu aufgebaute „neue Belchite“.
Ein weiterer Mythos, der vom Franquismus zur Stütze seiner Legitimation verwendet wurde, knüpft sich an die gegen den Klerus gerichtete Gewalt, die, vor allem durch anarcho-syndikalistische Aktivisten, bereits zu Zeiten der Zweiten Republik (wie in den Tagen nach dem 10. Mai 1931) begonnen hatte. Während der ersten Zeit des spanischen Bürgerkriegs, äußerte sich diese Gewalt gegen den spanischen Klerus in Brandstiftungen und Bilderstürmereien in spanischen Kirchen und Klöstern. Auch H. Thomas räumt ein, dass man „in der europäischen Geschichte oder sogar Weltgeschichte [... einen so leidenschaftlichen Hass gegen die Religion und alles damit Zusammenhängende gesehen“Der Spanische Bürgerkrieg, S. 145 habe. Auch wenn die massiven Verfolgungen nach einigen Monaten aufhörten, war der nationalspanische Mythos einer Christenverfolgung auf republikanischem Gebiet geboren.
Unter den Begriff der Christenverfolgung werden hier nicht nur jene Gewaltakte gegen die katholische Kirche und ihre Gläubigen gefasst, die oft von erheblicher Grausamkeit gegen Kleriker und Gläubige geprägt und an blasphemischen Elementen nicht armDieses Bild aus dem Bestand des Instituto Municipal de Historia, Barcelona, zeigt Angehörige einer nicht näher identifizierten republikanischen Miliz bei der Entweihung einer Kirche in Barcelona (Milicianos durante la profanación de una iglesia en Barcelona). Als Bauern verkleidete Ordensangehörige werden im Bischöflichen Palais von Sigüenza festgenommen (Frailes vestidos de paisano detenidos por los milicianos en el palacio episcopal de Sigüenza, Guadalajara). waren, sondern auch gegen die Religionsfreiheit gerichtete Akte wie die praktisch vollständige Einstellung der Gottesdienste, die Zweckentfremdung zahlreicher Kirchen als Kasernen oder zugunsten anderer profaner Zwecke und selbst das Verbot des Privatbesitzes von Devotionalien.Der republikanische Justizminister fasste die Situation 1937 wie folgt zusammen: Die tatsächliche Situation der Kirche im ganzen loyalen Territorium außer dem Baskenland ist seit Juli des letzten Jahres die Folgende: a) Alle Altäre, Bilder und Kultgegenstände sind, abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen, zerstört worden b) Alle Kirchen sind für den Gottesdienst geschlossen, der vollständig *" target="_blank" >e) In den Kirchen wurden Lager aller Arten, Märkte, Garagen, Säle, Kasernen, Unterkünfte *." target="_blank" >Hunderte von Gefangenen liegen in den Gefängnissen von Madrid, Barcelona und der anderen Großstädte einzig aufgrund der Tatsache, dass sie Priester oder Ordensleute sind. h) Inzwischen ist der Privatbesitz von Bildern und Gegenständen der religiösen Verehrung vollständig verboten. Die Polizei *" target="_blank" >ein und zerstört mit Hohn und Gewalt * ist eine wohlbestätigte Tatsache.“ Wenngleich die großen Kunstschätze erhalten blieben, wurden dennoch zahlreiche Kunstschätze in der Zeit des Bürgerkriegs unwiederbringlich zerstört.
Brenan führt aus, dass „*," target="_blank" >daß alle in der letzten Zeit in Spanien niedergebrannten Kirchen von Anarchisten angezündet wurden und dass die meisten getöteten Priester von ihrer Hand starben.“Geschichte Spaniens, S. 217 Dies erklärt Brenan so, dass solches „nur aus dem Haß eines Häretikers gegen die Kirche [zu erklären sei, aus der er hervorging. Denn in den Augen spanischer Anarchisten nimmt die katholische Kirche einen ähnlichen Platz ein, wie im christlichen Denken der Antichrist. Sie bedeutet ihnen weit mehr als nur ein Hindernis zur Revolution. Sie erkennen in ihr die Quelle allen Übels, die Verführerin der Jugend mit ihrer Lehre von der Erbsünde, die Leugnerin von Natur und Naturgesetz, das sie salud, Heil, nannten. Auch karikiert die Kirche mit ihrer angeblich brüderlichen Liebe und gegenseitigen Vergebung das große Ideal menschlicher Solidarität.“ibid. S. 217
Ein häufig wiedergegebenes Erklärungsmuster für diesen fanatischen Antiklerikalismus ist das folgende. In den vergangenen hundert Jahren war der Kirche zunächst der materielle Boden entzogen worden, als 1836 die Orden und 1841 die Kirche selbst enteignet wurden, und im Konkordat von 1851 hatte die Kirche auf diesen enteigneten Besitz auch formell verzichtet. Das allerdings geschah gegen das Zugeständnis, dass der Staat für den Unterhalt der Kirche und der Geistlichkeit aufkam und sie seinem besonderen Schutz unterstellte. Im Konkordat vollends wurde die katholische Konfession als "Religion der spanischen Nation" anerkannt, und der Staat hatte für Religionsunterricht in den Schulen zu sorgen. In der Verfassung von 1876 der Katholizismus wie bereits 1812 endgültig wieder zur Staatsreligion erklärt und die Kirche sukzessive in ihre alten Rechte wieder eingesetzt. Hatte die Kirche in früheren Jahrhunderten noch daran mitgewirkt, Spanien zu einem der egalitärsten Staaten Europas zu machenInnerhalb Spaniens war die Religion nicht die einzige Verbindung zwischen den einzelnen Provinzen, aber sie war das größte (sic) Bindeglied. Niemals war Marx' Feststellung, dass die Religion das Opium der Armen (sic) ist, unrichtiger. In allen sozialen Auseinandersetzungen dieser Zeit waren es die Mönche, die das Volk leiteten und unterstützten. Wie im heutigen Deutschland (sic, geschrieben 1950) bewirkte allein die Kraft der nationalen Religion ein Land (sic), in dem bisher die Aufspaltung in Adel und Plebejer besonders krass gewesen war, ab 1620 bemerkenswert egalitär zu werden. [... Klassenunterschiede verloren ebenfalls an Bedeutung. Franzosen und Italiener waren erschreckt über die Frechheit, mit der der kleinste Händler, ausgerüstet mit Mantel und Degen, auch wenn er zu Hause nichts zu essen hatte, die erlauchtesten Grafen anrempelte. (Brenan, Geschichte Spaniens, S. 54, so nahm sie, die nun vom Wohlwollen des Staats abhängig geworden war, betont Rücksicht auf die Oberschicht, um sich gut mit ihr zu stellen. Die Oberschicht vergalt es ihr damit, dass sie es der Kirche gestattete, regelrechte Konzerne aufzubauen und zu betreiben, womit die Kirche ihre wirtschaftliche Handlungsfähigkeit bald wieder herstellen konnte. In den Augen der unteren Schichten aber hatte die Kirche sie vergessen und verraten und war habgierig geworden. Diese neue Sicht setzte sich vor allem in der Tagelöhnerwirtschaft des Südens durch. Gerade der Süden aber - vor allem Andalusien - wurde zur Hochburg der anarchosyndikalistischen Bewegung. Salvador de Madariaga zitiert einen katalanischen Priester mit den folgenden Worten: „Die Roten haben unsere Kirchen verbrannt, doch zuerst haben wir Priester die Kirche zerstört.“ Spanien, S. 332. Bezeichnenderweise geschah protestantischen Kirchen nichts, und sie blieben während des Krieges geöffnet. Es gab aber nur etwas über 6.000 Protestanten in ganz Spanien. (Hugh Thomas, S. 143
Die zahlreichen Fälle von Priestern und Ordensangehörigen, aber auch von Laien, von denen viele noch im Angesicht ihrer Mörder ihren Glauben bezeugten (233 von ihnen wurden von der katholischen Kirche im Jahr 2001 selig gesprochenvgl. hier auf www.vatican.va (span.). Dem schlossen sich 2005 weitere Seligsprechungen an), wurden in Francos Spanien (und nicht nur dort) unter der Bezeichnung „Christkönigshelden“ an den Schulen gelehrt. Von dem Historiker Hugh ThomasDer Spanische Bürgerkrieg, S. 144 f. wird die Geschichte des Priesters von Navalmoral geschildert, welchen seine Peiniger mit Auspeitschen, Dornenkrone und einem mit Essig getränkten Schwamm die Passion Christi nachleiden ließen, bevor sie die Lust an der Sache verloren und ihn, der seine Mörder segnete und ihnen vergab, erschossen, statt ihn an ein Kreuz zu heften. Auch obgleich es unbestreitbar zu unerschrockenen Glaubensbezeugungen im Angesicht des Todes kam, sind im Einzelfall Tatsachen und propagandistische Fiktion oft schwer auseinanderzuhalten. Eine unter dem Franquismus besonders häufig kolportierte, aber mindestens ausgeschmückt anmutende Geschichte eines „Christkönigshelden“ ist zum Beispiel der Bericht vom Schicksal des jungen Carlisten António Molle LazoVgl. hier., der einem Zug von „Marxisten“, welche „¡Muera España! ¡Viva Rusia!“ (Tod Spanien! Hoch Russland!) gerufen haben sollen, ein „¡Viva España! ¡Viva Cristo Rey!“ (Es lebe Spanien! Es lebe Christus, der König!) entgegensetzte. Hierauf soll dem Anführer die Idee gekommen sein, Molle solange zu foltern, bis er „¡Viva el comunismo!“ von sich geben würde, wobei Molle der Geschichte zufolge starb, ohne sich dieses Wort entringen zu lassen.
Wie auch immer die Kirchenverfolgungen zu erklären waren - die Außenwelt war nicht immer geneigt, zwischen der Republik als solcher und den Urhebern der Gewalt gegen die katholische Kirche zu unterscheiden. Wenngleich im republikanischen Gebiet die exzessiven Gewaltakte in der Regel - soweit unter den gegebenen Umständen möglich - eingedämmt wurden, sobald die chaotischen Zustände der ersten Wochen vorbei waren (was die Republik vom nationalspanischen Gebiet unterscheidet, wo gegen Gewalttätigkeiten im Hinterland kaum etwas unternommen wurde), verursachten die unleugbaren Greuel einen nicht wieder gutzumachenden Schaden für das Image der Republik.
Der nationalspanischen Seite war mit diesen Vorfällen eine moralische Rechtfertigung für ihren Kampf gegen die Republik an die Hand gegeben, welche in den Augen vieler Betrachter sogar den eher großspurigen Ausdruck der cruzada rechtfertigen konnte. Die dramatischen Geschehnisse erweckten bei zahlreichen Zeitgenossen geradezu den Eindruck, als ginge ein endzeitlicher Kampf vor sich, und die Wirkung auf die Katholiken nicht nur Spaniens, sondern Europas war beträchtlich. Viele Kämpfer auf nationalspanischer Seite zogen darum mit dem bereits im Zuge der antiklerikalen Mexikanischen Revolution während des Cristero-Kriegs bekannt gewordenen Ruf „¡Viva Cristo Rey!“ (Es lebe Christus, unser König) auf den Lippen in die Schlacht. Hinzu kam der erwähnte am 1. Juli 1937 von den spanischen Bischöfen unter dem Eindruck dieser Gewalthandlungen veröffentlichte Hirtenbrief, welcher es unternahm, die Kriegsführung der nationalistischen Seite als Verteidigung der Religion zu rechtfertigen. Dies geschah jedoch nicht zuletzt unter dem Eindruck der Morde an ihren Amtskollegen: getötet wurden elf Bischöfe und ein Weihbischof - die Amtsinhaber der Diözesen Almería, Barbastro (ein apostolischer Administrator, der Titularbischof von Epirus war), Barcelona, Ciudad Real, Cuenca, Guadix, Jaén, Lérida, Segorbe, Sigüenza sowie der Weihbischof von Tarragona - und noch im Jahr 1939 der Bischof von Teruel.
In absoluten Zahlen soll sich nach Hugh Thomas die Zahl der getöteten Geistlichen, die er mit 7.937 Geistlichen angibt, in der Größenordnung der „sechzehntausend Priester“ jener Hymne Paul Claudels „Aux Martyrs Espagnols“ (An die spanischen Märtyrer) halten:
| On nous met le ciel et l'enfer dans la main | ''Man legt uns Himmel und Hölle in die Hände |
Das Bild des damit einhergehenden, von Franco gepflegten und für seinen Führerkult in vieler Hinsicht verwendeten Mythos einer spanischen Kirche von Märtyrern ist jedoch unvollständig. So ist festzustellen, dass in der Republik keineswegs alle Priester umgebracht oder vertrieben wurden, sondern der Mehrheit der Priester lediglich die Ausübung ihrer Arbeit und das Tragen geistlicher Tracht untersagt wurde. Zudem kam es auch auf Seiten der Nationalen zu Übergriffen gegen den Klerus, besonders gegen baskische Priester, die aus nationalen Gründen mit der Republik kooperiert hatten. Bereits vor dem Spanien Bürgerkrieg hatte ferner die Falange selbst Kirchengebäude angezündet, um die Tat dann den Anarchosyndikalisten anzuhängenFrancis L. Carsten, Der Aufstieg des Faschismus in Europa, Frankfurt 1968, S. 237, und beim Fall der Stadt Badajoz fanden die Eroberer wenig dabei, Milizionäre der republikanischen Seite noch auf den Stufen des Hochaltars der Kathedrale zu töten.Hugh Thomas, der Spanische Bürgerkrieg, s. 197
Als Beispiel für den Führerkult soll auszugsweise das folgende Lied der Jugendorganisation des Movimiento Nacional dienen, das aus der Zeit vor dem Umbau des Staats Ende der fünfziger Jahre stammt. Es stammt von José Antonio Medrano, trägt den Titel Tenemos un Caudillo (Wir haben einen Caudillo) und kann für eine Anzahl von Liedern dieser Zeit als typisch angesehen werdenVollständiger Text und mp3 von "Tenemos un Caudillo" (span.):
| Nuestro guía y capitán: | Unser Führer und Kapitän: |
Mit Francos Tod war der Franquismus noch nicht am Ende. Die maßgeblichen Stellen des franquistischen Staats, der Nationalrat, der Königliche Rat und die Cortes, waren durch seine Anhänger besetzt. Entsprechend gering war der Spielraum des Königs Juan Carlos I., der noch im selben Jahr 1975 inthronisiert wurde und eine mutige Thronrede hielt, in welcher er ausführte, dass „eine freie Gesellschaft die Beteiligung aller Kräfte“ erfordere. Er sah sich, wie er weiter mitteilte, als „König aller Spanier, Wächter der Verfassung und Kämpfer für die Gerechtigkeit“.
Es war keine leichte Aufgabe für Juan Carlos, die Transition Spaniens ins Werk zu setzen. Zunächst blieben der Premier Carlos Arias Navarro – der ausdrücklich kundtat, den Franquismus weiterführen zu wollen – und seine Regierung im Amt. Juan Carlos sah sich gleichsam zwischen Hammer und Amboss: der Linken und der Mitte, welche ihn zu einem radikalen Bruch mit dem alten Regime aufforderten, und Guardia Civil, Militär und Movimiento Nacional, welche den König wissen ließen, nur kleine Reformen, keineswegs aber einen vollständigen Umbau des Staates mittragen zu wollen.
2e es.png Unter dem Eindruck von Massendemonstrationen und auf nachdrückliches Verlangen des Königs reichte Arias schließlich seinen Rücktritt ein. Neuer Premier wurde Adolfo Suárez, der Generalsekretär des Movimiento Nacional. Zwar war er ein Mann des alten Regimes, und die Enttäuschung der Reformkräfte war zunächst groß. Doch gerade in dieser Eigenschaft, als ein Mann, dem die Stützen des Systems vertrauten, konnte Suárez den entscheidenden Schritt wagen. Sein Programm umschrieb er wie folgt: „Die Krone hat ihrem Wunsch Ausdruck verliehen, aus Spanien eine moderne Demokratie zu formen. Es ist mein fester Entschluss, dem zu dienen.“
1976 wurde im Zuge einer Strafrechtsreform die Bildung von Parteien wieder legalisiert. Im Zentrum der von ihm angestoßenen Reform aber stand eine neue Verfassung, welche aus den Cortes, welche zuvor ein Ständeparlament gewesen waren, ein allgemein, frei, gleich und geheim gewähltes Zweikammerparlament machte. Juan Carlos' Anteil an diesen Reformen bestand nicht zuletzt darin, dass er sich hinter seinen Premier stellte, seine eigene Reputation für ihn in die Waagschale warf und bei den alten Stützen des Systems für die Neubegründung des spanischen Staats warb. Ein Referendum sprach dem neuen System eine Zustimmung von nicht weniger als 95% der Stimmen aus. Damit war es in Spanien gelungen, aus dem herrschenden System heraus einen Demokratisierungsprozess umzusetzen. In diesem Sinne wurde der Franquismus nicht gestürzt und brach auch nicht zusammen: er machte einem neuen System in einer unblutigen Weise Platz.
Insbesondere der Spanische Bürgerkrieg und die Nachkriegsjahre werden in der spanischen Gesellschaft bis heute ungern thematisiert, und erst in den letzten Jahren ist ein gesteigertes Interesse an den damaligen Vorkommnissen festzustellen. Zum Themenkreis der spanischen Vergangenheitsbewältigung während und nach der Transición vgl. Julia Machter, Verdrängung um der Versöhnung willen? (dt., pdf) Einen breitenwirksamen Impuls zur Aufarbeitung des Bürgerkriegs von 1936 setzte in den neunziger Jahren der Film Land and FreedomEine Zusammenfassung des Films kann hier nachgelesen werden.. Aber erst seit etwa der Jahrtausendwende werden die Massengräber aus der Zeit während und nach dem Bürgerkrieg geöffnetvgl. etwa hier. Ebenfalls erst nach der Jahrtausendwende wurde der Umstand erörtert, dass in Spanien an zahlreichen Stellen das falangistische Pfeilbündel und auf Straßentafeln der Name des Diktators zu sehen ist. In der ersten Jahreshälfte 2005 kam es auf Betreiben der PSOE-Regierung zur Entfernung zweier verbliebener Franco-Statuen aus Madrid und GuadalajaraZu den Vorfällen in Madrid 2005., was nicht ohne Zwischenfälle vor sich ging.
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