Mk Frankfurt Dom Saalhof.jpg und der Saalhof]] Mk Frankfurt Dom Grundriss.png | Mk Frankfurt Dom Baugeschichte de.gif Der Kaiserdom St. Bartholomäus in Frankfurt am Main ist das größte Gotteshaus der Stadt, ehemalige Pfalzkapelle und Stiftskirche. Als ehemalige Wahl- und Krönungskirche der Römisch-deutschen Kaiser ist der Dom eines der bedeutenden Bauwerke der Reichsgeschichte und galt vor allem im 19. Jahrhundert als Symbol nationaler Einheit.
Der heutige Bau ist eine dreischiffige Hallenkirche, die durch das sehr kurze (nur drei Joche) frühgotische Langhaus und das sehr lange Querhaus (14. Jahrhundert) die Grundform eines Zentralbaus aufweist. Der monumentale Westturm (15. Jahrhundert) mit seiner ungewöhnlichen Kuppel gehört zu den großen Leistungen der deutschen Gotik.
Die sich durch 14 Jahrhunderte erstreckende Baugeschichte des Doms ist aufs Engste mit der allgemeinen Geschichte Frankfurts verbunden.
Mk Frankfurt Dom Oktogon.jpg Der Frankfurter Dom war niemals Kathedralkirche eines Bischofs und gehört auch baulich nicht zu den größten Sakralbauten in Mitteleuropa. Seine große Bedeutung als nationales Symbol beruht vielmehr auf seiner politisch-geschichtlichen Rolle im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.
Der Dom gilt jedoch auch als baulich interessant, weniger wegen seiner Größe oder seiner kunstgeschichtlichen Rolle als vielmehr wegen seiner langen und verwickelten Baugeschichte und einiger ungewöhnlicher architektonischer Lösungen. Die Architekten der meisten Bauteile sind unbekannt, die wichtigsten namentlich bekannten Baumeister sind Madern Gerthener, der Erbauer des Westturms, und Franz Joseph von Denzinger, der Leiter des Wiederaufbaus nach dem Dombrand 1867.
Mit der Weihe des dritten Vorgängerbaus des Doms, der Salvatorbasilika, gründete der ostfränkische König Ludwig der Deutsche 852 „aus Liebe zum Herrn und zur Vermehrung seines himmlischen Lohnes“ das Salvatorstift Frankfurt. Es sollte das bei der Reichsteilung 843 verlorengegangene (weil ans Mittelreich gefallene) Marienstift in Aachen als Reichsstift ersetzen. Ähnliches tat sein Bruder Karl in seinem Westreich, in Compiègne bei Paris.
Die Einkünfte wurden durch zahlreiche Stiftungen und Erbschaften frommer Bürger gesichert. Als Gründungsmitglieder wurden ein Abt namens Williheri und 12 Kanoniker genannt, die umfangreiche Privilegien besaßen, u. a. die Befreiung vom Militärdienst (was im stürmischen Frühmittelalter durchaus ein Privileg war).
Ähnlich einem Kloster führten die Kanoniker des Stifts ein Gemeinschaftsleben, so teilten sie etwa Ess- und Schlafraum. Vorbild waren die von Bischof Chrodegang von Metz im Jahr 766 für die Kanoniker seiner Kathedrale entworfenen Regeln für ein gemeinsames Leben von Weltpriestern (Priestern, die kein Ordensgelübde abgelegt haben). 816 änderte das Aachener Stift diese Metzer Regeln und erlaubte Privateigentum, was auch in die Frankfurter Regeln übernommen wurde.
Ende des 11. Jahrhunderts endete das Gemeinschaftsleben, die Kanoniker regelten ihre persönlichen Angelegenheiten selbst. Es blieb aber beim gemeinsamen Chorgebet und Gottesdienst. Das Stift entsandte Vikare in anvertraute Kirchen und Kapellen und betrieb Seelsorge in anderen Frankfurter Kirchen.
Der Propst, ursprünglich als Abt bezeichnet, meistens ein adeliger Angehöriger des Mainzer Domkapitels (u. a. aus den Familien Eppstein, Nassau, Solms, später Metternich, Schönborn, teils auch französische Kardinäle), war der Vertreter und Vorsteher des Stifts. Er wurde vom Mainzer Erzbischof, oft auch direkt von Rom ernannt. Die innere Leitung des Stifts oblag dem Stiftsdekan. Ein Kantor erfüllte gottesdienstliche Aufgaben und leitete die Schule der Sängerknaben. Der Scholaster führte die Stiftsschule, der Kustos war der Verwalter der Gebäude und Güter, er sorgte für Arme und Kranke (was später an vom Stift gegründete Spitäler übertragen wurde). Der Pleban war für Seelsorge zuständig und diente als Stadtpfarrer. Das Stiftskapitel, d. h. alle Stiftsherren gemeinsam, entschieden über die Aufnahme neuer Mitglieder, wählte den Dekan und verlieh die genannten Ämter.
Das Stift erlebte eine lange, bewegte Geschichte und wurde erst mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 aufgelöst.
Der Dom ist, wie alle Innenstadtkirchen, seitdem (bis heute) im Eigentum der Stadt, die ihn jedoch weiterhin ihren Katholiken zur Nutzung, jetzt als einfache Pfarrkirche, zur Verfügung stellt. Dies wurde 1830 im Dotationsvertrag und dessen Bestätigung von 1854 festgehalten. Darüber hinaus verpflichtet sich die Stadt zur Instandhaltung der Gotteshäuser.
Bartholomäus, der in den synoptischen Evangelien von Matthäus, Markus und Lukas als einer der zwölf Apostel Christi genannt wird, ist wohl identisch mit Nathanael aus Kana in Galiläa, dessen Bekehrung im Johannesevangelium geschildert wird. Dieser Nathanael wurde Sohn (hebr.: bar) des Tholmai, also Bar-Tholmai (Bartholomäus) genannt.
Nach der Legende wirkte Bartholomäus nach Jesu Tod als Apostel zur Missionierung in Indien und Armenien. Er heilte Kranke, wie etwa die „von einem bösen Geist besessene“ Tochter des armenischen Königs Polymios. Dieser bekehrte sich angesichts des Wunders zum Christentum und ließ sich von Bartholomäus taufen, „mit ihm seine Frau, seine Kinder und alles Volk“. Heidnische Tempel wurden zerstört. Heidnische Priester wandten sich deshalb an den Bruder des Königs, Astyages. Dieser ließ Bartholomäus gefangennehmen und, weil er seinen Bruder vom Glauben seiner Ahnen abgebracht hatte, auf grausamste Weise hinrichten: dem Apostel wurde bei lebendigem Leibe die Haut abgezogen und dann der Kopf abgeschlagen.
Die barbarische Hinrichtungsart des Schindens fand durch Bartholomäus in die europäische Kunstgeschichte Eingang: der Apostel wird mit seiner eigenen, wie ein nicht benutztes Kleidungsstück locker über dem Unterarm hängenden, Haut dargestellt.
Die Bartholomäusreliquien gelangten von Armenien über die Liparischen Inseln nach Benevent und von dort durch Kaiser Otto III. nach Rom, ins neue Bartholomäuskloster auf der Tiberinsel (San Bartolomeo all’ Isola). Otto wollte das Apostelgebein später mit dem Schiff nach Deutschland bringen, starb aber vor der Verwirklichung dieser Idee, und die Reliquien blieben in Rom.
Im Jahr 1166 begleiteten Gottfried, der Probst des Frankfurter Stifts, und sein Herr, der neue Mainzer Erzbischof Christian I., Kaiser Friedrich I. auf einem seiner zahlreichen Italienzüge. In einer Urkunde Friedrichs zur Bestätigung der Übertragung der Bartholomäusreliquien nach Rom trat Gottfried als Zeuge auf. Möglicherweise erbat er bei dieser Gelegenheit von Friedrich den Schädel des Apostels für sein Frankfurter Stift. Man war nicht in friedlicher Absicht nach Italien gekommen, und der Diebstahl von Reliquien aus unterworfenen italienischen Städten war durchaus üblich. So nahm sich z.B. nur kurz zuvor der Kölner Erzbischof Rainald von Dassel, ebenfalls in Begleitung Friedrichs I., im zerstörten Mailand die kompletten Überreste der Heiligen Drei Könige mit, um sie nach Köln zu bringen, wo sie heute noch im Dreikönigsschrein liegen.
Wenn nicht auf diese Weise, so muss doch die Übertragung der Bartholomäusreliquien nach Frankfurt trotzdem weit vor 1215 stattgefunden haben. Aus diesem Jahr stammt die älteste die Bartholomäusverehrung erwähnende Urkunde. Deren Siegel zeigt den Apostel, ist aber offenbar weit älter als die Urkunde.
Seit 1356 wurden in Frankfurt, meist im Dom bzw. seinen Vorgängerbauten, die römisch-deutschen Könige und Kaiser gewählt und seit dem 16. Jahrhundert auch dort gekrönt. Diese Tradition endete erst mit der Auflösung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation.
Im Laufe der Jahrhunderte bürgerten sich für Wahl und Krönung feste Rituale ein, die teilweise auch an die im Dom vorhandenen Baulichkeiten gebunden waren.
Die Kurfürsten waren anfangs sieben, davon drei geistliche (der Erzbischof von Mainz als Erzkanzler für Deutschland, der Erzbischof von Köln als Erzkanzler für Italien und der Erzbischof von Trier als Erzkanzler für Burgund) und vier weltliche: der König von Böhmen als Erzschenk, der Pfalzgraf bei Rhein als Erztruchsess, der Herzog von Sachsen als Erzmarschall und der Markgraf von Brandenburg als Erzkämmerer des Reiches. 1623 wurde die Kurwürde des Erztruchsesses an den Herzog von Bayern übertragen, jedoch 1648 für den Pfalzgraf bei Rhein eine achte Kurwürde (das Erzschatzmeisteramt) geschaffen; mit der dynastischen Vereinigung von Bayern mit der Kurpfalz 1777 ging diese Kurwürde wieder unter. 1692/1708 wurde das Amt des Erzbannerherrn und damit eine neunte Kurwürde für den Herzog von Braunschweig-Lüneburg geschaffen (Kurfürstentum Hannover). Die Umwandlungen im Kurkollegium durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803 hatten keine praktischen Auswirkungen mehr auf die Königswahl, weil bis zum Ende des Reiches 1806 keine Wahl mehr stattfand.
Diese sieben trafen sich zunächst zu einleitenden Verhandlungen im Römer, dem Rathaus der Stadt. Am folgenden Tag, frühmorgens begaben sie sich im vollen kurfürstlichen Ornat zur Bartholomäuskirche. Das Stiftskapitel empfing sie dort und eröffnete die Zeremonie mit einer Heiliggeistmesse, um den Segen für eine weise Entscheidung zu erbitten. Vor dem Altar der Wahlkapelle wurde ein Eid abgelegt. Im Altarraum, über den Sesseln der Kurfürsten, befand sich eine eindrucksvolle Darstellung des jüngsten Gerichts mit Christus als Weltenrichter, die den irdischen Herrschern wohl die Folgen allzu machtgierigen Handelns bewusst machen sollte. Der Reichserzmarschall verschloss die Kapelle, die Kurfürsten tagten als Konklave. Die eigentliche Wahl war geheim, die einfache Stimmenmehrheit genügte.
Das Ergebnis wurde dann feierlich im Dom verkündet. Der Gewählte wurde vom Mainzer Erzbischof vereidigt und von den Kurfürsten auf den Kreuzaltar vor dem Lettner gehoben. Nachdem man gemeinsam das Te Deum gesungen hatte, wurde die Wahl des Königs öffentlich proklamiert.
Seit 1562 fanden auch die Krönungen in Frankfurt statt, meist wenige Tage nach der Wahl. Die Feierlichkeiten leitete der Erzbischof von Mainz. Er und die beiden anderen geistlichen Kurfürsten empfingen den neugewählten Kaiser am Kreuzgangportal des Doms mit Weihwasser. Er wurde durch den Kreuzgang seitlich in den Dom zum Krönungsaltar vor dem Lettner geführt.
Während eines feierlichen Hochamts fand die Krönung statt. Teilnehmer an der Messe waren u. a. die Fürsten des Reichs, der Rat der Stadt, Delegationen aus dem Ausland sowie die königliche Familie. Der Konsekrator (der Mainzer Erzbischof) salbte den Kaiser mit Chrisam (einer Mischung aus Balsam und Öl) auf Scheitel, Brust, zwischen den Schulterblättern, am rechten Arm und am Ballen der rechten Hand. In der Wahlkapelle legte man ihm die „Gewänder Karls des Großen“ an. Wieder am Altar, reichte ihm der Mainzer Bischof das Schwert, steckte ihm den Ring an den Finger und bekleidete ihn mit dem Mantel. Der Kaiser nahm Zepter und Reichsapfel entgegen, und alle drei geistlichen Kurfürsten setzten ihm gemeinsam die Reichskrone aufs Haupt. Er schwor einen Eid auf das Evangelium und wurde zum Kaiserthron geleitet. Damit hatte er das Reich nach außen sichtbar in Besitz genommen, König und Kaiser mit allen Rechten war dieser jedoch bereits mit der Wahl geworden. Zum Abschluss wurde ein Te Deum gesungen.
Als erste Amtshandlung erteilte der Kaiser verdienten Personen den Ritterschlag. Danach wurde das unterbrochene Hochamt fortgesetzt. Nach dessen Ende zog der kaiserliche Krönungszug durch das Nordportal über den „Königsweg“ zum Römer, wo im Kaisersaal das Krönungsmahl stattfand.
Die heutige Kirche ist der fünfte bekannte Bau an dieser Stelle. Es gab mindestens noch je einen merowingischen, karolingischen, romanischen und frühgotischen Vorgängerbau. Die auf dem Grundriss eines griechischen Kreuzes errichteten Kirchenschiffe entstanden im 14. Jahrhundert, der Westturm im 15. Jahrhundert, sein heutiges Erscheinungsbild erhielt der Dom im 19. Jahrhundert.
Der Domhügel war aufgrund seiner Lagegunst bereits in der Jungsteinzeit besiedelt und dient spätestens seit keltischer Zeit, also rund 2500 Jahren, ohne Unterbrechung als menschliche Siedlung. In römischer Zeit (83–260) stand hier ein Kastell, in der folgenden alamannischen Epoche ein Gutshof.
Um 500 wurde die Region von Franken besiedelt. Ihre Könige, die Merowinger, ließen auf dem Domhügel eine Pfalz (einen Königshof) erbauen. Da die Merowinger seit der Taufe Chlodwigs (vermutlich 496) Christen waren, wird dieser Königshof auch eine kleine Kirche besessen haben. Diese (möglicherweise hölzerne) Pfalzkapelle des 6. Jahrhunderts wäre als allererster Vorgängerbau des heutigen Doms anzusehen, sie konnte jedoch bisher nicht archäologisch nachgewiesen werden.
Bei der Domgrabung 1991/92 wurden jedoch (im Bereich des heutigen Mittelschiffs) die Fundamente eines 12 Meter langen steinernen Saalbaus, meist ohne dass dies nachweisbar wäre als Saalkirche angesprochen, gefunden, die auf die Zeit um 680 datiert wurden. In diesem Bau fand man das reich ausgestattete Grab eines Mädchens, möglicherweise die Tochter eines Königs oder eines Hausmeiers. Die Architekten des Saalbaus hatten versucht, diese nach römischen Vorbild mit Hypokausten (eine Art Fußbodenheizung) zu beheizen; die aufwendige Konstruktion schien ihnen jedoch nicht gelungen zu sein.
Karls Sohn und Nachfolger, Kaiser Ludwig I. (genannt der Fromme), kam oft nach Frankfurt. Um 820 ließ er die Pfalz durch einen Neubau ersetzen. Im Zentrum der Anlage standen ein zweigeschossiges Gebäude mit einer zweischiffigen Halle (12,20×27 m), des weiteren Vorhallen und ein Verbindungsgang zur Kirche. Südlich des neuen Palastes entstand ein Marktplatz. Die Baulichkeiten waren entlang einer strengen Ost-West-Achse orientiert. Saalgebäude, verbindende Galerie und Kirche maßen zusammen 125 m Länge. Nach der Vernichtung der Altstadt 1944 legte man die unter ihr befindlichen Reste der Pfalz frei. Sie sind heute zu besichtigen, im Historischen Garten, direkt vor dem Dom.
Am 1. September 852 weihte der Erzbischof von Mainz, Rabanus Maurus, eine als ungeheuer prächtig beschriebene Kirche. Es handelte sich um den dritten (uns bekannten) Bau an der Stelle des Domes, eine dreischiffige Basilika mit sechs Jochen. Das Querhaus trat nur wenig hervor. Der Bau besaß eine große mittlere Apsis, aber vermutlich keine Nebenapsiden. Das Westwerk hatte zwei Glockentürme und, dazwischen, zwei runde Treppentürme. Das Mittelschiff wurde auf den Fundamenten des frühkarolingischen Vorgängerbaus errichtet, die Breite des Mittelschiffs und die Länge des Langhauses entsprachen also der Breite und Länge der alten Saalkirche. Wie in der karolingischen Zeit üblich, wurde die neue Kirche dem Salvator (Erlöser), d. h. Jesus, und der hl. Maria geweiht. Sie diente jetzt nicht mehr nur als Palastkapelle, sondern auch als Kirche des neu gegründeten Salvatorstifts (siehe oben).
Im Jahr 855 wurde im Beisein Ludwigs dessen Neffe Lothar II. nach dem Tod seines mäßig erfolgreichen Vaters Lothar I. zum neuen König des Mittelreiches gewählt. Dies war die erste Königswahl, die in Frankfurt stattfand. Später sollte daraus eine Tradition werden.
Die folgende Dynastie, die Salier, stammten zwar aus der Umgebung der Stadt, nutzten jedoch andere Städte als Residenz, vor allem Speyer. Die Frankfurter Pfalz verfiel und wurde allmählich von Wohnhäusern überbaut. Erst unter der Dynastie der Staufer, also ab Mitte des 12. Jahrhunderts, wurde Frankfurt wieder kaiserliche Residenz und Ort von Reichstagen. Am Mainufer wurde ein neuer Palast errichtet, der Saalhof. Er besaß eine eigene Kirche, die noch erhaltene Saalhofkapelle.
Die Nutzung durch das Salvatorstift rettete die über 300 Jahre alte Kirche, anders als den Königshof, vor dem völligen Verfall. Allerdings waren die Westtürme so baufällig, dass man die Glocken herausnehmen musste. In dieser Zeit fand in der Kirche jedoch auch ein international bedeutendes Ereignis statt: 1146 rief der Gründer des Zisterzienserordens, Bernhard von Clairvaux, in der Salvatorkirche in einer Predigt zum Zweiten Kreuzzug auf. Ein Jahr später nahm König Konrad III. das Kreuz und zog von Frankfurt aus ins Heilige Land.
1152 wurde in Frankfurt der Staufer Friedrich I., den die Italiener später Barbarossa nannten, zum König gewählt. Die Wahl Friedrichs ist ein wichtiges Datum in der Geschichte der Stadt, denn durch sie begründete sich die Tradition Frankfurts als Wahlort. Die Wahlzeremonien fanden in der Salvatorkirche statt.
Im Jahr 1165 sprach Paschalis III., ein von Friedrich eingesetzter Gegenpapst, auf dessen Weisung hin das Übervorbild aller deutschen Kaiser, Karl den Großen, heilig. In Frankfurt, wo man Karl als vermeintlichen Stadtgründer noch inniger verehrte als anderswo, wurde der jetzt heilige Kaiser zum zusätzlichen Patron der Stiftskirche.
mk Frankfurt Leonhard Nordportal.jpg Der Kampf zwischen Staufern und Welfen bescherte Frankfurt 1198 gleich zwei Königswahlen. Der Staufer Philipp wurde vor den Toren, der Welfe Otto IV. in der Stadt gewählt. Letzterer setzte sich durch, seine Wahl wurde am 11. November 1208 wiederholt, diesmal einstimmig. Am 5. Dezember 1212 wurde wieder ein Staufer auf den Schild gehoben, und er sollte berühmt werden: Friedrich II.
Friedrich hob 1219 die königliche Voigtei auf, was der Stadt die faktische Selbständigkeit gab. Als Konkurrenz zum Salvatorstift, das in starke Abhängigkeit vom Mainzer Erzbischof gelangt war, gründete er das Leonhardsstift, dessen Kirche neben dem Saalhof errichtet wurde. Auf dem Hoftag ein Jahr später wurde Friedrichs Sohn Heinrich VII. vorab zum König gewählt.
Im Jahr 1238 erschien eine Delegation des Frankfurter Stiftskapitels bei Papst Gregor IX. und bat um Hilfe für die Instandsetzung der arg verfallenen Salvatorkirche. Der Papst gewährte großzügig 20 Tage Sündenablass für alle, die sich durch Spenden oder Arbeitseinsatz an der schon laufenden Renovierung beteiligten. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Mit vereinten Kräften wurden Westtürme, Langhaus und Querschiff wiederhergestellt und statt der Apsis ein langer romanischer Chor angebaut. Bereits am 24. August 1239 weihte Bischof Ludolf I. von Ratzeburg die renovierte Kirche zu Ehren „des Erlösers, unseres Herrn Jesus Christus und des heiligen Bartholomäus“. Die Bartholomäusreliquie wurde Jahrzehnte zuvor Rom erworben, der Apostel war schon seit langer Zeit (spätestens seit 1215) im Stiftssiegel als inoffizieller Patron geführt worden.
1250 begann man, nach dem Neubau des Chors, mit der Erweiterung des Langhauses. Das karolingische Westwerk und Querhaus blieben zunächst stehen. Eine Erweiterung der Kirche nach Westen scheiterte am zu kleinen Grundstück, die Nachbarn ließen sich nicht zu einem Verkauf bewegen. Man dehnte sich deshalb in die Breite aus: Die Außenwände des neuen Langhauses nahmen die Flucht der Querhausstirnwände auf, die Höhe wurde der des gerade fertiggestellten Chors angeglichen. Das Mittelschiff veränderte sich in seinem Grundriss auch diesmal nicht: es entsprach im Umriss immer noch dem von Bau II, der Saalkirche des 8. Jahrhunderts. Der Flächenzuwachs erfolgte in den Seitenschiffen, die fast so breit wurden wie das Mittelschiff. Betrachtet man das Langhaus als ganzes, so übersteigt die Breite die Länge beträchtlich.
Neuer Chor und neues Langhaus bildeten also mit den übernommenen Bauteilen der Salvatorkirche den vierten Bau an dieser Stelle. Durch die jetzt nicht mehr vorspringenden Querhausarme und die niedrigen Westtürme wirkte die Kirche am Ende des 13. Jahrhunderts recht kompakt.
Eine sensationelle Neuerung unterschied jedoch das neue Langhaus vom Chor: zum ersten Mal verwendete man konsequent den neumodischen Baustil, mit dem die Stiftsherren im nahen Limburg schon vor 15 Jahren beim Neubau ihrer Stiftskirche experimentiert hatten (am Ende entschied man sich dort jedoch für eine originelle Mischung aus altem und neuem Stil): der Gotik.
Zur gleichen Zeit wie in Limburg begann man lahnaufwärts in Marburg mit dem Bau der Grabeskirche der 1231 verstorbenen heiligen Landgräfin Elisabeth. 1250 war die Marburger Kirche natürlich noch lange nicht fertig. Aber jeder konnte sehen, was dort entstand: die erste gotische Hallenkirche Deutschlands. Und sicherlich hatten Frankfurter Stiftsherren die Baustelle ihrer Marburger Kollegen vom Deutschritterorden gesehen und Gefallen daran gefunden. Auf jeden Fall entstand mit dem Frankfurter Bau IV die erste gotische Hallenkirche im Mittelrheingebiet. 1269 war der Bau beendet.
Die wachsende, stolze Bürgerstadt beschloss, sich wie andere Großstädte der Zeit auch, mit einer standesgemäßen, großen Kirche zu schmücken. Im Unterschied zu anderen Städten, wie Köln oder Straßburg, existierte in Frankfurt kein Bischof, der eine prachtvolle Kathedrale errichten würde. Der Rat der Stadt selbst übernahm die Verantwortung für die Errichtung einer der Bedeutung der Wahlfeierlichkeiten und der Freien Reichsstadt angemessenen Kirche. Im Jahr 1315 wurde das große Werk begonnen, Bau V, der im Wesentlichen bis heute unverändert fortbesteht.
Aus den bereits genannten Gründen konnte die bestehende Kirche (wie weiter oben beschrieben ein Konglomerat aus karolingischen, romanischen und frühgotischen Bauteilen) nicht nach Westen erweitert werden. Man begann statt dessen auf der Ostseite und riss den erst 80 Jahre alten romanischen Chor ab. An seiner Stelle entstand eine wesentlich größere, hochgotische Choranlage.
Der neue Chor war erheblich breiter, höher und länger als das Mittelschiff, was zeigt, dass hier nicht eine Erweiterung, sondern eine völlig neu konzipierte Kirche in völlig anderen Dimensionen entstehen sollte. Wie das Langhaus hat der Chor drei Joche, die in einem 5/8-Schluss ohne Chorumgang enden. Er zeigt die akademisch reinen hochgotischen Formen aus dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts. Die Kreuzrippengewölbe zeigen in den Schlusssteinen Pflanzenmotive und das Lamm Gottes. Die Fenster wurden später teilweise zu Blenden umgestaltet, als man neben dem Chor zusätzliche Kapellen anbaute. Die originale Verglasung des 14. Jahrhunderts ist nicht erhalten, wohl aber das Chorgestühl, Ort des Chorgebets der Stiftsherren. Unter Verwendung älterer Gestühlwangen (13. Jh.) entstanden bis 1352 insgesamt vier Sitzreihen, zwei auf jeder Seitenwand des Chors. Stifter war der Probst des Stiftes, der spätere Trierer Erzbischof Kuno II. von Falkenstein. Auf zwei der Gestühlwangen finden sich die beiden Patrone der Kirche: Karl der Große, ein Modell der Kirche in der Hand haltend, sowie Bartholomäus in der üblichen, drastischen Darstellung: über seiner Schulter hängt seine eigene, abgezogene Haut.
Der Neubau wird seit 1338 zu Gottesdienstzwecken benutzt. Die Weihe des Hochaltars erfolgte erst elf Jahre später, vermutlich nach der endgültigen Fertigstellung, am 13. April 1349 durch Heinrich III. von Appoldia, Bischof von Lavant.
Südlich des Chors befand sich damals der erste jüdische Friedhof der Stadt, die Frankfurter Juden lebten in einem Stadtviertel unmittelbar südlich des Doms. Auf der Nordseite des Chors befand sich bis ins 19. Jahrhundert der christliche Friedhof, an deren nördlichem Ende die 1288 erstmals erwähnte Friedhofskapelle St. Michael und ein Beinhaus standen.
Das Jahr 1349 war eines der stürmischsten der gesamten Stadtgeschichte. Mit dem in Prag residierenden König Karl IV. unzufrieden, wählten die Kurfürsten am 3. Januar einen Thüringer, den Ritter Günther von Schwarzburg, in Frankfurt zum Gegenkönig. Am 6. Februar wurde er, ebenfalls in Frankfurt, gekrönt. Seine „Regierung“ währte jedoch nur kurz, die Partei Karls setzte sich letztlich durch. Am 26. Mai verzichtete Günther, von den meisten seiner Anhänger verlassen, auf die Königswürde. Drei Wochen später, am 14. Juni, starb er im Kreise seiner letzten Getreuen in Eltville im Rheingau, vermutlich an der Pest. Auf seinen Wunsch wurde er nach Frankfurt überführt und im erst zwei Monate zuvor geweihten Hochchor der Bartholomäuskirche beigesetzt. 1352 wurde über seinem Grab eine prächtige gotische Grabplatte errichtet, die sich heute noch im Chor befindet.
Der Schwarze Tod ließ indes auch in Frankfurt nicht lange auf sich warten. Am 22. Juli brach die Seuche im großen Stil in der ganzen Stadt aus. Bis zum 2. Februar 1350 forderte sie über 2000 Todesopfer. Zwei Tage nach dem Ausbruch der Pest überfiel ein hysterischer Mob das jüdische Viertel, in der Meinung, dessen Bewohner trügen die Schuld an der Seuche. Teile des Viertels werden niedergebrannt. Da sich der jüdische Wohnbezirk, wie erwähnt, direkt neben der Bartholomäuskirche befand, geschah das Unvermeidliche: der gerade fertiggestellte Chor fing Feuer, die gesamte Dachkonstruktion wurde zerstört.
Bis zum kommenden Jahr war das Dach wiederhergestellt und auf der Nordseite des Chors eine dreijochige, zweigeschossige Sakristei (im Obergeschoss befindet sich das Domarchiv und der Kapitelraum) angebaut. Neben der Sakristei, im Winkel zwischen Chor und Querhaus, entstand die Marienkapelle, die ab 1399 aufgrund einer Stiftung und des dort gesungenen „Salve Regina“ auch Salvechörlein genannt wird.
Das Querschiff hat neun Joche, d. h. im nördlichen und südlichen Arm je drei sowie drei Vierungsjoche vor den Schiffen des Langhauses. Während das karolingische Querhaus nur wenig aus der Flucht des Langhauses hervorsprang, so ist das jetzige mit 64 m länger als Langhaus, Vierung und Chor zusammen, wodurch ein Zentralbau nach der Art eines griechischen Kreuzes entstand. Außer dem Platzmangel sprachen hierfür auch die veränderten Zeremonien bei den Königswahlen. Der neugewählte König wurde hierbei vom in der Vierung befindlichen gotischen Lettner herab proklamiert. Die Vierung als Ort der Handlung wurde durch die Zentralität besonders hervorgehoben.
Das Querhaus, das gemeinsam mit dem Chor geplant wurde, hat wie dieser eine Innenhöhe von 23,20 m und eine Breite von 11 m. Da Querhaus und Chor jetzt sechs Meter höher waren als das Langhaus, konnten die drei Vierungsgewölbe zunächst nicht geschlossen werden. Eigentlich war geplant, das niedrigere Langhaus an die Höhe der neueren Bauteile anzupassen, was dann letztendlich erst im 19. Jahrhundert geschah. Die beiden Querhausarme wurden aber bereits in den sechziger Jahren des 14. Jh. eingewölbt. Chor und Querhaus waren in einem dunklen, kräftigen Rotton gehalten und mit weißer Quadermalerei versehen, die sich nicht an den tatsächlichen Mauerfugen orientierte, sondern ein idealisiert-regelmäßiges Fugenbild vortäuschte.
In den Winkel zwischen Chor und südlichem Querhaus, gegenüber der Marienkapelle, wurde 1355 die Magdalenenkapelle gebaut. Links und rechts des Hohen Chores, der Christus symbolisiert (der Kopf des im Grundriss erscheinenden Kreuzes), also zwei Nebenchöre, den beiden bedeutendsten Frauen des Evangeliums, Jesu Mutter und seiner wichtigsten Begleiterin, gewidmet.
Eine weitere Kapelle, die Wolfgangskapelle, entstand im 14. Jahrhundert zwischen dem südlichen Querschiff und dem östlichen Joch des Langhauses, vor dem ehemaligen Südausgang des vierten Baus, der „Roten Tür“, vor der im Hochmittelalter Gerichtsverhandlungen gehalten wurden.
mk Frankfurt Dom Südportal.jpg Die nun verbaute „Rote Tür“ wurde durch das neue Südportal am Südende des Querhauses ersetzt, geschaffen 1350/51 vom in Straßburg und Freiburg tätigen Meister Antze. Im Giebelfeld befindet sich eine Kreuzigungsgruppe, Stil und Entstehungszeit verraten den Meister des Chorgestühls als Urheber auch dieser Arbeit. Die Skulpturen darunter entstanden 1350 in der Werkstatt Antzes. Bemerkt sei hier eine in dieser Zeit (man bedenke das Massaker des vorangegangen Jahres) seltene freundschaftliche Geste: als „Gruß“ zur dem Südportal (bis Mitte des 15. Jahrhunderts) direkt gegenüberliegenden Synagoge wurde der hl. Josef in der damaligen Tracht der Juden dargestellt, als Zeichen der Herkunft Jesu und der Abstammung des Christentums vom Judentum. Neben Josef stehen Maria sowie Petrus und der Prophet Jesaja, der die Geburt Jesu vorhersagte. Die untere Figurenreihe zeigt die das Jesuskind anbetenden Könige.
Am gegenüberliegenden Ende des Querhauses befindet sich das Nordportal (um 1350), das prächtigste der Kirche und auch als Haupteingang gedacht. Als „Kaiserportal“ diente es dem Einzug des neugewählten Königs. Der im Mittelalter geplante Figurenschmuck kam aber nicht zustande, die dafür vorgesehenen Nischen wurden erst 1884 mit neugotischen Figuren gefüllt (Christus mit 10 Aposteln, die beiden Kirchenpatrone sowie Verwandte Jesu. Mittelalterlich ist die künstlerisch gelungene Marienstatue (mit Kind), eine mittelrheinische Arbeit von 1350. Im Giebelfeld entstand eine prächtige Fensterrose, daneben eine Darstellung des jüngsten Gerichts. Aufgrund seiner Funktion als Hauptportal (eine der meistbenutzten Türen der Stadt also) war das Nordportal auch der Ort für das Aushängen öffentlicher Bekanntmachungen.
Doch bevor es zu der Genehmigung kam, mit einem Turm das Frankfurter Stadtbild zu verschönern, denn bereits Anfang des 13. Jahrhunderts hatte man die Idee des Baus eines repräsentativen Domturmes, gingen 100 Jahre ins Land. Ein Grund dafür war das vor dem Frankfurter Dom befindliche Rathaus, welches hätte verlegt werden müssen, da der neue Turm diesen Platz einnehmen würde müssen. 1405 war es dann soweit, die Stadt Frankfurt schuf sich mit dem Umbau der beiden Häuser „Zum Römer“ und „Zum Goldenen Schwan“ ein neues Rathaus,welche am heutigen Römerberg zu finden sind. Außerdem musste ein Teil des Kreuzganges, das Haus zum Fraßkeller und die beiden romanischen Türme abgerissen werden. Am 6. Juni 1415 fand schließlich die feierliche Grundsteinlegung in Anwesenheit von Abgeordneten des Rates und des Stifts statt.
Durch die Grundbesitzverhältnisse befand sich der Turm von Beginn an in städtischem Eigentum.
1409 gelang Gerthener die Einwölbung der seit fast 50 Jahren fertiggestellten Vierungsjoche. Die Schwierigkeit, an der alle seine Vorgänger scheiterten, bestand darin, dass die in der Vierung aneinanderstoßenden Bauteile verschiedene Gewölbehöhen aufwiesen, das Langhaus war deutlich niedriger als Chor und Querhaus. Die beiden äußeren Joche erhielten Kreuzrippengewölbe, das mittlere eine schon netzartige Struktur. Auch das an der Chornordwand befindliche Sakramentshaus (1415 gestiftet) stammt aus Gertheners Werkstatt.
Am 4. Juni 1415 wurde der Grundstein für den Westturm gelegt. Zuvor wurden das alte Rathaus und das karolingische Westwerk der Salvatorkirche abgerissen und der Baugrund durch 141 in den Boden getriebene Eichenpfähle gesichert.
Auf der Nord- und der Südseite des Turmes sind tief eingeschnittene Portale, nicht jedoch auf der Westseite, dies aus rein praktischen Gründen, der Turm stand ja in einer Art Baulücke und war im Westen nur durch eine sehr schmale Gasse von der Nachbarbebauung getrennt, also von dort kaum zugänglich. Diese Tatsache wurde von Gerthener durch die Verlegung der Zugänge auf die Nord- bzw. Südseite berücksichtigt, und nur so kann das heute, nach Freilegung der Domumgebung, sinnlos erscheinende Fehlen eines Westportals erklärt werden.
Das südliche Turmportal stammt von 1422 und zeigt über der rundbogigen Öffnung elegante spätgotische Kielbögen und eine netzgewölbte Außennische. Das Nordportal, ebenfalls Gertheners Werk (1422/23) weist an den Laibungen filigranes Blendmaßwerk auf sowie das erste Maßwerkgewölbe auf dem europäischen Kontinent und stellt damit einen Auftakt zur spätgotischen Portalarchitektur dar.
Nördlich von Turm und Langhaus entstand bis 1418 ein unregelmäßig-langrechteckiger Kreuzgang, Begräbnisplatz der Stiftsherren und Sammelpunkt des kaiserlichen Zuges bei den Krönungsfeierlichkeiten. Das erste Turmgeschoss war 1423 vollendet.
Nochmals wesentlich reicher gestaltet ist das darauf folgende Oktogon, stark aufgelöst, große Fensteröffnungen, an den Diagonalseiten reiche, 30 m hohe Fialtürme, mit dem Hauptbaukörper durch Strebebögen verbunden. Am Fuße des Achtecks der zweite Glockenstuhl. Über den Wimpergen des Oktogongeschosses die Zweite Galerie und darüber eine Schalenkuppel als Abschluss des Turmes, darin die Wohnung des Turmwächters. Dieser hatte die Aufgabe, den Ausbruch von Feuer und das Herannahen von Feinden zu melden.
Der Westturm der Bartholomäuskirche wurde trotz seines kümmerlichen Abschlusses (vom Volk „Schlafmütze“ genannt) Krone und neues Wahrzeichen der Reichsstadt. Die Türme der Spätgotik orientierten sich in ihren Dimensionen weniger am zugehörigen Gebäude als vielmehr an der Stadt als Gesamtkunstwerk, der Wirkung dessen, was wir heute „Skyline“ nennen würden. Und der Gedanke der Bekrönung der kaiserlichen Wahl- und bald auch Krönungsstadt kam in diesem Fall sogar ganz konkret zum Ausdruck: Der obere Turmabschluss mit Oktogon und rippenbesetzter Kuppel sollte ganz bewusst an die Gestalt der im 10. Jahrhundert geschaffenen, seit Otto I. von jedem Kaiser getragenen Reichskrone erinnern. Der neue Turm, der schon während der Bauzeit ein beliebter Aussichtspunkt war, etwa für Kaiser Maximilian I., der sich am 20. September 1495 in luftiger Höhe festlich bewirten ließ, sollte durch Größe und Schönheit das Selbstbewusstsein der Freien Reichsstadt zum Ausdruck bringen. Gertheners Steilkuppel, die bereits im 15. Jahrhundert bei konservativen Zeitgenossen umstritten war, ist eine originelle Eigenschöpfung ohne Vorbild in der Architekturgeschichte.
An den Wänden des Hochchors, also über dem Chorgestühl, entstand zwischen 1407 und 1427 der Bartholomäusfries, der in 28 Szenen die Lebensgeschichte des Hauptpatrons darstellt. Vorlage für die Malereien (eine Stiftung des Domscholastikers Frank von Ingelheim) war die „Legenda Aurea“ des Dominikaners Jakob von Vorago, eine Sammlung von Heiligenlegenden von 1260. Eine alte Ausgabe dieses Werkes befand sich in der Bibliothek des Frankfurter Stifts, und der Meister des Bartholomäusfrieses hielt sich bis in Einzelheiten an diese Vorlage. Es handelt sich um eine Secco-Malerei, d. h. auf den trockenen Putz gemalt. Der Künstler ist namentlich nicht bekannt, er ist jedoch ein Vertreter der „Kölner Schule“, sein Stil weist Ähnlichkeit mit dem Stefan Lochners auf, man vergleiche dessen im Städelmuseum befindlichen Altarflügel mit Darstellung der Apostelmartyrien. Er hatte offenbar eine Vorliebe für prachtvolle Bekleidung, keines der dargestellten Königsgewänder wird wiederholt.
Hinter (östlich) der Magdalenenkapelle wurde ab 1425 ein weiterer, schlicht gestalteter vierjochiger Saal angebaut, auch hier tauchten wieder, wie im gleichzeitig erbauten Turmuntergeschoß, die seltenen gotischen Rundbogenfenster auf. Der Raum diente zunächst als Kapelle der Hll. Petrus und Marcellinus sowie als Stiftsbücherei. 1438 wurde in diesem Raum der Habsburger Albrecht II. zum König gewählt, was eine Tradition begründete. 16 der letzten 22 deutschen Könige und Römische Kaiser werden in diesem schlichten Raum, jetzt auch als Wahlkapelle bezeichnet, gewählt, was ihn zu einem wichtigen Zeugen deutscher Geschichte macht.
Nach einer Stiftung des Patriziers Nikolaus Scheid entstand 1487, an das südliche Seitenschiff und an die ältere Wolfgangskapelle anschließend, die zweijochige Scheidskapelle in reichen spätgotischen Formen, mit flachbogigen Nischen und Netzgewölben. Da Scheids- und Wolfgangskapelle zusammen mit drei Jochen die gleiche Länge besitzen wie das Langhaus, wirken sie fast wie ein zweites südliches Seitenschiff.
1509 stifteten der Großkaufmann und Ratsherr Jakob Heller und seine Frau Katharina von Melem der Kirche eine Kreuzigungsgruppe, die in der Werkstatt des Mainzer Bildhauers Hans Backoffen entstand und die auf dem Domfriedhof, hinter dem Chor, aufgestellt wurde. Es ist ein Werk der virtuosen „barocken“ Phase der Spätgotik, eine lebendige Darstellung mit großer Ausdruckskraft und gelungener Anordnung und Zusammenfassung der Figuren in der Gruppe. Im unteren Teil des Kreuzesstamms, über den Wappen des Stifterehepaares, wurde, durch eine runde, vergoldete Messingplatte abgedeckt, eine von Heller 1500 in Rom erworbene Kreuzesreliquie eingearbeitet.
Nach demagogischen Predigten des Dionysius Melander wurden bei einem regelrechten Bildersturm Altartafeln und Reliquien der Kirche zerstört. Am 23. April 1533 wurden alle katholischen Gottesdienste in der Stadt verboten, auch im Chor des Doms, bisher letzte Zufluchtsstätte des alten Glaubens. Zum Schutz gegen kaiserliche Strafmaßnahmen schlossen sich die lutherischen Länder 1531 zum Schmalkaldischen Bund zusammen, dem Frankfurt 1536 beitrat. Zehn Jahre später kam es zum Krieg zwischen den verfeindeten Parteien. Die Stadt nutzte die günstige Gelegenheit und beschlagnahmte große Teile des Stiftsvermögens. 1547 schloss die Stadt Frieden mit dem Kaiser und gab, obwohl sie selbst protestantisch blieb, die Bartholomäuskirche (und einige weitere Stifts- und Ordenskirchen) an das Stift und die winzige verbliebene katholische Gemeinde zurück. Am 14. Oktober 1548 wurde der Dom vom Mainzer Erzbischof Sebastian von Heusenstamm vorsorglich noch einmal geweiht.
Der Frieden mit dem Kaiser lohnte sich. Frankfurt behielt seine Privilegien als Messestadt, für die sich bereits die katholisch gebliebenen Städte Mainz und Worms interessiert hatten. Als sich 1552 die protestantischen Fürsten erneut gegen den Kaiser erhoben, lehnte die Stadt eine Teilnahme ab. Eine dreiwöchige Belagerung und Beschießung durch die eigenen Bundesgenossen war die Folge. Obwohl das gesamte Umland der Stadt verwüstet wurde und auch in der Stadt große Schäden entstanden (so schlugen während eines Gottesdienstes zentnerschwere Steinkugeln im Dom ein, die aber niemanden verletzten), hielt man, mit kaiserlicher Unterstützung, den Belagerern stand.
Durch die Krönungsfeierlichkeiten rückte die ungeliebte Stiftskirche für kurze Zeit wieder in den Mittelpunkt des Interesses der protestantischen Stadt. In der übrigen Zeit spielte der Dom nur noch für die kleine, meist aus Handwerkern bestehende katholische Gemeinde und das kaum noch bedeutende Stift eine Rolle. Im Rat und der Stadtregierung waren Katholiken nicht mehr vertreten.
Das Stift als Eigentümer der Kirche hatte an Ansehen, Reichtum und Einfluss stark verloren. Die Lage änderte sich ab 1670 mit der Zuwanderung zahlreicher italienischer Kaufmannsfamilien, die der katholischen Gemeinde eine zahlenmäßige (von 0,5 auf immerhin 6 % der Bevölkerung), aber vor allem wirtschaftliche Stärkung brachte. Die reichen Italiener – vor allem aus der Gegend des Comer Sees – brachten durch Stiftungen und persönliches Engagement dem Bartholomäusstift eine Neubelebung, sie übernahmen wichtige Positionen im Stiftskapitel und erlangten 1705 auch das Bürgerrecht.
Seit dieser Zeit wurde es üblich, St. Bartholomäus, obwohl nicht Bischofs-, sondern Stifts- und Pfarrkirche, entsprechend der Größe und Bedeutung der Krönungsstätte als „Dom“ oder „Kaiserdom“ zu bezeichnen.
Am 14. Juli 1792 wurde mit Franz II. der letzte Kaiser des Alten Reichs in Frankfurt gekrönt. Das Ende des fast 1000 Jahre alten Imperiums war schon abzusehen. Im Oktober des Jahres wurde Frankfurt von den französischen Revolutionstruppen besetzt, am 2. Dezember zwar von Preußen und Hessen zurückerobert. Dennoch erlagen die deutschen Länder nach dem Machtantritt Napoleons der französischen Übermacht.
Am 19. Oktober 1802 wurden die geistlichen Fürstentümer aufgelöst und aller kirchlicher und klösterlicher Besitz enteignet. Damit sollten nach der Annexion der linksrheinischen Reichsgebiete durch Frankreich den Fürsten, die dort gelegene Territorien verloren haben, Ersatz geschaffen werden. Obwohl Frankfurt keine Gebiete westlich des Rheins besaß, fiel dort neben allen anderen Kirchen auch das Bartholomäusstift an die Stadt (als Anlass diente der Verlust der bisher zu Frankfurt gehörenden Dörfer Soden und Sulzbach). Der Reichsdeputationshauptschluss am 25. Februar 1803 bestätigte die Enteignungen. Damit endete nach 951 Jahren die Existenz des 852 von König Ludwig II. gegründeten Stifts. Seit dieser Zeit ist der Dom als Dotationskirche Eigentum der Stadt Frankfurt am Main.
Die Geschichte des Alten Reichs und damit auch die der Freien Reichsstadt Frankfurt als Kaiserstadt endete am 6. August 1806, als Franz II. die Kaiserkrone niederlegte und das Reich für aufgelöst erklärte.
Bei der Restaurierung, der ersten im modernen Sinne, wurden unter anderem die Gewölbekappen wieder instandgesetzt, verschiedene der verbliebenen gotischen Ausstattungsgegenstände des Doms und der benachbarten, 1829 abgerissenen Michaelskapelle renoviert oder neu gefasst sowie die ganze Kirche neu ausgemalt. Wenige Jahre zuvor hatte man bereits eine nachts erleuchtete, bekrönende Laterne auf die Flachkuppel des Turms gesetzt („Reichslaterne“ genannt).
In der Nacht vor dem ersten Besuch des Königs, am 14. August 1867 nachts gegen 1.30 Uhr brach in der Müllerschen Bierwirtschaft in der Fahrgasse, direkt hinter dem Dom, Feuer aus. Starker Ostwind und Funkenflug ließ das Feuer auf das Dach des Domes übergreifen, wo kurz darauf der ganze Dachstuhl in Flammen stand. Die obere Hälfte des Turms mitsamt dem prächtigen Geläut aus zwölf Glocken wurde völlig zerstört. Außer den im Hochchor befindlichen Gegenständen verbrannte die gesamte Innenausstattung einschließlich Orgel. Vier Menschen kamen ums Leben.
Am Morgen stand König Wilhelm in den Ruinen des Domes und versprach Hilfe für den sofortigen Wiederaufbau. Für die Bevölkerung jedoch war das Aufeinandertreffen von Königsbesuch und Dombrand ein düsteres Zeichen für die Schuld des preußischen Imperialismus am Untergang der alten Reichsherrlichkeit und der freien Stadtrepublik. Der Journalist und Schriftsteller Friedrich Stoltze, Herausgeber der von beleidigten Obrigkeiten wiederholt verbotenen satirisch-freiheitlichen Zeitung Frankfurter Latern, schrieb:
Es dauerte viele Jahre, bis der Hass auf die Besatzungsmacht halbwegs überwunden und das Verhältnis zu dem Staat, dem Frankfurt nun wider Willen angehörte, einigermaßen normalisiert werden konnte.
Von Beginn an wurde hierbei nicht nur an die Wiederherstellung, sondern auch an die Fertigstellung von im Mittelalter unvollendet gebliebenen Bauteilen gedacht.
Dies war jedoch keinesfalls selbstverständlich. Die Kuppel war schon im 15. Jahrhundert umstritten, der Gegenvorschlag Nikolaus Quecks wurde jedoch nicht angenommen. Seit dem frühen 19. Jahrhundert wurde die Kuppel erneut in Frage gestellt. 1818 veröffentlichte Pfarrer Kirchner Gertheners Riss A und kritisierte, dass man nicht eine „Pyramidenspitze“ realisiert hatte statt der „runden Kappe, die so wenig zum ganzen passt wie eine Fuhrmannsmütze auf das ehrwürdige Haupt eines Bischofs“. 1849 forderten mehrere Kunsthistoriker, darunter der Direktor des Städelschen Kunstinstituts, einen Turmabschluss mittels einer offenen Pyramide wie beim Freiburger Münster. Der dortige Turmhelm galt den Neugotikern des 19. Jahrhunderts als das Idealvorbild eines deutschen hochgotischen Domturms und diente bei namhaften Vollendungsprojekten wie dem Kölner Dom oder dem Regensburger Dom als Vorbild. Bei letzterem war es Denzinger, der auf einen spätgotischen Unterbau zwei Turmhelme im Stil des 14. Jahrhunderts, eben nach Freiburger Vorbild, setzte. Es ist ihm hoch anzurechnen, dass er sich in Frankfurt für den Originalplan entschied.
Da der Turm sich gegen Nordwesten geneigt hatte, mussten die 450 Jahre alten Fundamente verstärkt und so die statischen Verhältnisse korrigiert werden. Der Wiederaufbau des Turms wurde am 6. Oktober 1877 abgeschlossen. Während der Turm vor dem Brand gerade einmal 72,50 m hoch war, so maß er nach der Vollendung jetzt 94,80 m. Nicht am vorgefundenen Bestand, sondern an den mittelalterlichen Rissen orientierte Denzinger seinen Turmabschluss. Die darüber hinausgehende Höhenstreckung erklärt sich aus der Konkurrenz mit anderen Turmvollendungsprojekten der Zeit, wie etwa dem Ulmer Münster, wo man den Ehrgeiz hatte, den höchsten Turm der Welt zu bauen und sich vor allem mit dem Kölner Dombau einen regelrechten Höhenwettbewerb lieferte.
Der Turm erhielt 1877 ein neues neunstimmiges, prächtiges Geläute mit der 12 Tonnen schweren „Gloriosa“, der zweitgrößten Glocke Deutschlands nach der Petersglocke (24 Tonnen) im Kölner Dom. Die Glocken wurden in Dresden gegossen und erhielten die Namen und Inschriften ihrer untergegangenen Vorgänger. Experten bezeichnen das Geläute als musikalisches Meisterwerk des Glockengusses des 19. Jahrhunderts. Nur durch glückliche Umstände überstanden alle Glocken beide Weltkriege des 20. Jahrhunderts unbeschadet.
Aus der Reparatur des Langhauses wurde so ein fast vollständiger Neubau. Zur Gewinnung eines einheitlichen, idealisiert hochgotischen Raumeindrucks wurden damit Unregelmäßigkeiten, die die jahrhundertelange Baugeschichte des Doms dokumentierten, geopfert.
Anstelle des zerstörten Kreuzgangteils wurde vor dem Nordportal des Turms eine Vorhalle als Haupteingang angelegt. Vor der „Freilegung“ war der Turm in einen Häuserblock eingebunden, d. h. in eine Baulücke hineingebaut, die man 1415 mit dem Abriss des alten Rathauses geschaffen hatte. Dies erklärt das Fehlen des sonst üblichen repräsentativen Westportals und die karge Gestaltung des unteren Turmgeschosses, die der Einbindung in die Bebauung angepasst war. Das Entfernen der umliegenden Bebauung zerstörte die gewachsene städtebauliche Situation, was Denzinger durch seine Vorhalle zu reparieren versuchte. Von der Wirkung der dem Mittelalter völlig wesensfremden Freilegung kann man sich noch heute eindrucksvoll überzeugen, wenn man vor der kahlen, öffnungslosen Westwand des Turmsockels steht, die einmal von Häusern verdeckt war.
Sein unbekümmerter Umgang mit alter Bausubstanz erregte jedoch den Zorn des neuen Stadtpfarrers Ernst Franz August Münzenberger, der seit 1870 im Amt war. Der Streit führte letztendlich dazu, dass die Stadt als Eigentümerin auf Betreiben Denzingers Pfarrer Münzenberger in seiner eigenen Kirche Hausverbot erteilte. Auseinandersetzungen zwischen Stellen des preußischen Staates und der katholischen Kirche waren während der Zeit des „Kulturkampfs“ natürlich keine Seltenheit.
Der gemaßregelte Pfarrer widmete seine Energie in der Folge einem Gebiet, für das die Stadt keine Zuständigkeit besaß: der standesgemäßen Ausstattung des Doms, die alte war 1867 ja weitgehend verbrannt. Kunstgeschichtlich durchaus gebildet, suchte er zehn Jahre lang auf Dachböden und in Dorfkirchen nach nicht mehr benutzten gotischen Altären, ließ sie renovieren, teilweise aus verschiedenen, miteinander harmonierenden Stücken neue Altäre zusammenfügen und im Dom aufstellen.
Abgeschlossen wurde der Wiederaufbau durch die historisierende Ausmalung des Wiener „Nazareners“ Eduard von Steinle, der Darstellungen von Ereignissen aus dem Alten und Neuen Testament, im Querhaus Szenen aus der deutschen Kaisergeschichte schuf. Diese den ganzen Innenraum bedeckende Ausmalung konnte an kritischen Stellen fragwürdige Übergänge von originaler Bausubstanz zu Denzingers Ergänzungen verdecken und half, einen einheitlichen Raumeindruck zu schaffen. Der Dom sollte so zu einem Gesamtkunstwerk, zu einem „Schatzhaus der deutschen Geschichte werden“.
Am Palmsonntag, dem 14. April 1878, wurde der Dom mit einem Festgottesdienst wieder der Gemeinde übergeben.
Das Entfernen von Denzingers unförmiger Orgelempore im Westen des Langhauses ist noch am wenigsten zu bedauern. Unglücklich war jedoch der Entschluss, das Innere mit einer völlig neuen, dem Geist der Moderne entsprechenden Farbfassung zu versehen. Man schlug die Ausmalung Steinles samt Putz herunter und verputzte die Wandflächen in einem gebrochenen Weißton. Die tragenden Elemente wurden durch die Sichtbarmachung des nackten Sandsteins hervorgehoben, Reste älterer Farbfassungen wurden mit verdunkelnden Übermalungen in das Konzept eingepasst. Die zerstörten Fenster ersetzte man durch von Frankfurter Firmen gespendete Fenster aus hellem, leicht gefärbten Industrieglas. Trotz des erzielten guten Raumeindrucks wirkte die Kirche nun recht nüchtern und unfeierlich. Dieser zweite Wiederaufbau war 1953 abgeschlossen.
Die musikalisch wertvollen Glocken des Doms, das einzige vollständig erhaltene Großgeläute des 19. Jahrhunderts in Deutschland, diente 1954 als harmonische Grundlage für ein wohl nicht nur in Deutschland einmaliges kirchenmusikalisches Projekt. Der Mainzer Glocken- und Orgelsachverständige Paul Smets schlug in einem Gutachten vor, die Glocken aller zehn Innenstadtkirchen harmonisch zu einem Frankfurter Stadtgeläut abzustimmen. 1995 konnte es mit dem Guss der durch Bürgerspenden finanzierten kleinsten Glocken des Karmeliterklosters vollendet werden. Es besteht heute aus 50 Glocken und ist viermal im Jahr zu den kirchlichen Hochfesten zu hören.
Bautechnisch bedeutend war die im Vorfeld der 1200-Jahr-Feier der Ersterwähnung der Stadt 1991–1994 durchgeführte Innenrestaurierung, verbunden mit einer archäologischen Grabungskampagne im Dominnern, bei der die Fundamente mehrerer bisher unbekannter Vorgängerbauten gefunden wurden. Die Innensanierung machte die Änderungen der frühen 50er Jahre weitgehend rückgängig, das Innere wurde nach historischem Befund wieder in einem dunklen Rot mit dekorativer (die tatsächliche Konstruktion überdeckende) Fugenmalerei gefasst. Im südlichen Querhaus wurden erhaltene Teile von Steinles Ausmalung des 19. Jahrhunderts restauriert.
Zur 1200-Jahrfeier selbst stand in einem Großereignis der Domturm im Mittelpunkt: der französische Seiltänzer Philippe Petit überquerte am 12. Juni 1994 in einer atemberaubenden, dreiviertelstündigen Performance vor über 300.000 Zuschauern in über 50 m Höhe die Strecke von 350 Metern auf einem Hochseil, das zwischen dem Turm der Paulskirche über den Paulsplatz und die Randbauten des Römerberges hinweg zum Westturm des Domes gespannt war.
Der Westturm wird seit 2000 erneut saniert. Bis Juni 2006 war das obere Turmgeschoss, das baulich spektakulärste Element des Domes, hinter einer Plane verborgen.
Gegenüber dem Südportal hat das von Gerthener erbaute Leinwandhaus (Frankfurt) den Krieg überlebt. Am Nordportal beginnt die Domstraße, die zusammen mit der Braubachstraße das Zentrum des „Kunstviertels“ bildet. Neben zahlreichen Galerien befindet sich seit 1991 an der Kreuzung beider Straßen, wenige Schritte vom Dom entfernt, das Museum für Moderne Kunst.
Wendet man sich nach dem Betreten der Vorhalle nach links, so gelangt man in den Rest des von Denzinger verkürzten Kreuzgangs. Er ist heute überdacht und beherbergt das Dommuseum. Dort findet man unter anderem die Reste des im Laufe der Jahrhunderte arg geschrumpften Stiftsschatzes, eine sehr alte Kopie der Reichsinsignien (das Original befindet sich in der Wiener Hofburg), Modelle der Vorgängerbauten und seit 1994 die Funde aus dem Grab der merowingischen Fürstentochter.
Auf der Außenseite des Kreuzgangs ist ein monumentales Steinrelief (Hans Mettel, 1957) angebracht. Es zeigt das Martyrium des Apostels Bartholomäus als Repräsentant der von unmenschlicher Gewalt geschundenen Menschen aller Zeiten.
Durch das Nördliche Turmportal (Gerthener 1422/23) gelangt man in die Turmhalle, in der sich heute die ursprünglich auf dem Domfriedhof stehende, 1509 von Hans Backoffen geschaffene Kreuzigungsgruppe befindet. Am alten Standort ist seit 1919 eine Kopie, so dass man bei einem Domrundgang dem gleichen Kunstwerk zweimal begegnet.
Das meist geschlossene Südliche Turmportal (Oskar Wissel, 1958) besitzt Türen mit Kupferplatten und Darstellungen aus der Geschichte der deutschen Kaiser.
In der Rückwand, also der westlichen, findet sich noch die (vermauerten) frühgotischen Durchgänge zu den alten karolingischen Westtürmen. An der Wand des nördlichen Seitenschiffes befinden sich zahlreiche Grabdenkmäler des 16. bis 18. Jahrhunderts. Das wertvollste Stück ist der Epitaph des 1518 verstorbenen Ratsherrn Andreas Hirde, ein figurenreiches Werk der flämischen Frührenaissance.
Im Boden des Mittelschiffs liegt seit 1994 eine Grabplatte über dem Grab des um 680 gestorbenen Mädchens.
Die Pfeiler des Langhauses sind quadratisch mit abgeschrägten Ecken und vier schlanken Runddiensten, die in bemalten Laubkapitellen in die Gewölberippen übergehen. Die Schlusssteine tragen Gesichter- und Pflanzenmotive, der der Turmhalle den Frankfurter Adler, das Stadtwappen.
An das südliche Seitenschiff schließt sich die 1487 in spätgotischen Formen gebaute Scheidskapelle an. Sie dient heute als Andachtsraum und Taufkapelle. Das Taufbecken wird von einem Putto getragen und stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert. Ein ebenfalls barocker Johannes wacht über das Geschehen. In der Südwestecke eine viel verehrte neugotische Pietà (Caspar Weis, 1890). Die sich östlich anschließende Wolfgangskapelle (14. Jh.) ist der Vorraum zum Gesprächs- und Beichtzimmer, darin ein Kreuzigungsgemälde der „Donauschule“ des 16. Jahrhunderts. Zwischen Wolfgangskapelle und südlichem Seitenschiff die erhaltene „Rote Tür“ (1298), im 14. Jh. Ort von Gerichtsverhandlungen, nach Anbau der Kapelle zu einem offenen Bogen umgestaltet.
Die Dimensionen des Querschiffes entschädigen für die Kürze des Langhauses. Und auch seine Ausstattung ist beeindruckend. Hier finden sich die von Pfarrer Münzenberger um 1880 gesammelten Schnitzaltäre.
Im südlichen Querschiff befinden sich die meisten von ihnen, meist aus der Zeit um 1500, des weiteren ein Sakramentsgehäuse mit reichem Aufbau (Nikolaus und Michael Eseler, 1480) und eine Muttergottes mit Terrakotta-Baldachin (15. Jh.). Über dem Portal die Orgelempore von 1957. Neben ihr, an der Westwand, der letzte Rest der Ausmalung Steinles, der 1993 restauriert wurde. Man erkennt die Versöhnung Ottos I. mit seinem Bruder Heinrich (941) und die Kreuzzugspredigt des Bernhard von Clairvaux. Gegenüber ein gotisches Fresko (um 1400) mit Szenen aus dem Marienleben. Darüber hinaus auch hier wieder zahlreiche Grabdenkmäler.
Vor der Vierung öffnet sich rechts die 1355 erbaute Magdalenenkapelle, seit der Domrenovierung von 1855 auch Christi-Grab-Kapelle genannt. Seitdem befindet sich in ihr das aus der abgerissenen Michaelskapelle stammende, 1435 gestiftete Heilige Grab. Das Altarblatt des ehemaligen Magdalenenaltars (1710) hängt in einem Prunkrahmen über dem Epitaph für den Apostolischen Vikar des Nordens, Titularbischof von Spiga und Musiker Agostino Steffani, der 1728 in Frankfurt starb.
Eine enge Tür führt in die Wahlkapelle, den eigentlichen Ort der Königswahlen. Sie erhielt 1993 neue Fenster, die sich in abstrakten Darstellungen auf die Geschichte der Kapelle beziehen. Die sieben lederbezogenen Kurfürstensessel und der Adlerplattenboden haben jedoch noch Kaiserwahlen miterlebt. Auf dem neuen Altar befindet sich ein Passionstriptychon aus dem 15. Jahrhundert.
Im Zentrum des Doms, der Vierung, die Altarinsel (Ulrich Hahn 1993), darüber ein barockes Kruzifix (Andreas Donett), an den Ecken zum Chor der Apostelabschiedsaltar (1523) und der gotische Liebfrauenaltar.
An der Chorhauptwand eine Seccomalerei mit Auferstehungsszenen. Die wichtigsten Schätze des Chors sind jedoch das aus der Erbauungszeit erhaltene Chorgestühl und der darüber befindliche Bartholomäusfries von 1407.
Während das Langhaus als Pfarrkirche für das Volk genutzt wurde, diente der Chor den vornehmen Stiftsherren als eigentliche Stiftskirche. Dieser Rangunterschied machte ihn auch zu einer begehrten Begräbnisstätte für wohlhabende Persönlichkeiten. So befindet sich an der Nordwand ein Familiengrabstein (1832) der kaiserlichen Reichspostmeister von Thurn und Taxis. Gegenüber das prächtigste Grabmal im Dom für den einzigen deutschen König, der in Frankfurt begraben ist, den 1349 gestorbenen Günther von Schwarzburg. 1352 errichtete man ihm inmitten des Chores ein Tumbengrab, dessen Platte 1743 an der Südwand angebracht wurde. Sie zeigt das Relief des Königs in voller Ritterrüstung, mit Schwert und Schild sowie zwei Löwen zu seinen Füßen. Links und rechts der Maßwerköffnung, in der der König steht, die Gestalten von Heiligen und Propheten. Von der ehemaligen Tumba stammen die die Platte umgebenden Wappen seiner wenigen verbliebenen Verbündeten. Die mittelalterliche Darstellung des Königs überrascht mit einem für diese Zeit seltenen Streben nach realistischer Charakteristik.
Nördlich an den Chor schließt sich die Maria-Schlaf-Kapelle an, in der sich der gleichnamige, beeindruckende Altar (1434/38) befindet. An den Wänden dieser Kapelle ist die komplette Ausmalung des 19. Jahrhunderts erhalten geblieben, ebenfalls die Fenster (Dixon, 1881).
Den Herz-Jesu-Altar, fertiggestellt vom Memminger Maler Ivo Strigel 1505, fand Münzenberger 1868 in der Pfarrkirche von Seth in Graubünden.
Das Nordportal besitzt seit 1965 neue, von Hans Mettel gestaltete Bronzetüren mit den Patriarchen des Alten Testaments.
An der Westwand finden sich Grabdenkmäler des 14. Jahrhunderts, so das des 1371 gestorbenen Stadtschultheißen Rudolf von Sachsenhausen, einem Anhänger des Gegenkönigs Günther, sowie eines Angehörigen der wichtigsten Frankfurter Patrizierfamilie, des Bürgermeisters Johann von Holzhausen, gestorben 1393, und seiner 1371 verstorbenen Ehefrau Gundula Goldsteyn. Daneben weitere Gräber der Familie von Thurn und Taxis.
Darüber hängt ein großes Gemälde mit bewegter Geschichte: eine 1627 gemalte Kreuzabnahme von Anton van Dyck. Dieser malte es ursprünglich für den Erzbischof von Mainz, welcher es aber nach Fertigstellung nicht bezahlen wollte. Der verärgerte Maler schenkte das Bild schließlich einem verarmten Franziskanerkloster. Dieses freute sich über das Geschenk mitten im Krieg und verkaufte es bald weiter, was das Bild rettete: das Kloster wurde nämlich kurz darauf von einem feindlichen Heer niedergebrannt. Das Gemälde gelangte ins Liechtensteinische Palais in Wien und von dort in den Besitz der Familie Birkenstock. Tochter Antonie heiratete später einen Frankfurter Patriziersohn, Franz Brentano, und brachte das Bild mit nach Frankfurt. Nach ihrem Tod vermachte es das Ehepaar 1852 dem Bartholomäusstift. 1952 erhielt das Bild seinen heutigen Ehrenplatz im Nordquerhaus des Domes.
Den Viertelstundenschlag geben die Kleinste Glocke und Johannes (9 und 7), den vollen Stundenschlag Salveglocke und Bartholomäus an (4 und 3).
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