Die Altstadt von Frankfurt am Main bildet einen Stadtteil am nördlichen Mainufer. Er wird vom Stadtteil Innenstadt umgeben. Auf der gegenüberliegenden Mainseite befindet sich der Stadtteil Sachsenhausen-Nord.
Die historische Altstadt wurde durch Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört. Der Stadtteil ist heute überwiegend von den danach errichteten Gebäuden und Straßenzügen der Wiederaufbauzeit geprägt. Viele markante Gebäude und einige wichtige Stadtplätze wurden jedoch wiederhergestellt. Die künftige Gestaltung der ehemaligen Keimzelle der Stadt, der Dominsel zwischen Dom und Römer, wird derzeit in der Öffentlichkeit diskutiert mit einer deutlichen Tendenz zur Rekonstruktion überlieferter Bauten und Strukturen.
Von den rund 3.400 Einwohnern der Altstadt sind etwa 32% Ausländer. Dies liegt über der Quote der Gesamtstadt, aber weit unter der der anderen City-Stadtteile. Die angrenzende Neustadt (Frankfurt-Innenstadt) besitzt beispielsweise 44% nichtdeutsche Einwohner.
In der westlichen Altstadt dominieren kulturelle (Museen, Theater) und Dienstleistungsnutzungen, letztere vor allem entlang der Weißfrauen- und Berliner Straße. Die zentrale Altstadt dient vor allem dem Tourismus rund um die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten wie Paulskirche, Römer und Kaiserdom sowie als Sitz der Stadtverwaltung administrativen Zwecken. In der nördlichen Altstadt ist der Einzelhandel stark vertreten, vor allem in den Straßen Neue Kräme und Töngesgasse. In die östlichen Altstadt dominiert die Wohnnutzung, das Viertel ist außerdem Zentrum des Frankfurter Kunsthandels (Braubachstraße und Fahrgasse).
Zwei weitere große Einrichtungen verließen die Altstadt (und Frankfurt) in den vergangenen Jahren: der Bundesrechnungshof in der Berliner Straße verlegte seinen Sitz nach Bonn, die Konzernzentrale der Degussa in der Weißfrauenstraße ihren nach Düsseldorf. Während das denkmalsgeschützte Gebäude des Bundesrechnungshofs weiterhin leer steht, soll das Degussa-Areal künftig von der Stadtverwaltung genutzt werden.
Weitere wichtige Wirtschafts- und Arbeitsplatzfaktoren sind der Einzelhandel und der Tourismus. Während es bis zum Zweiten Weltkrieg noch zahlreiche kleine Gewerbebetriebe in den engen Gassen gab, überwiegt heute der Einzelhandel. Insbesondere in der Neuen Kräme und der Töngesgasse sowie entlang der Berliner Straße finden sich zahlreiche zum Teil alteingesessene Fachgeschäfte. Die Fahrgasse und das Viertel um den Weckmarkt am Dom sind traditionell ein Zentrum des Antiquitätenhandels in Frankfurt.
Auf dem zentralen Straßenzug Bethmannstraße - Braubachstraße - Battonnstraße, der „Altstadtstrecke“, verkehren außerdem die Straßenbahnlinien 11 und 12. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden zwei Straßenbahnlinien durch die Altstadt gebaut, die eine – die sogenannte Dienstmädchenlinie – von der Zeil her über den Trierischen Hof in Richtung Dom, die andere entlang des neu angelegten Straßendurchbruchs der Braubachstraße in Ost-West-Richtung. Während die Dienstmädchenlinie niemals erfolgreich war und schon nach dem ersten Weltkrieg stillgelegt wurde, blieb die Ost-West-Linie, die sogenannte Altstadtstrecke bis heute in Betrieb. 1986 war ihre Stilllegung bereits beschlossen, wurde aber auf Intervention des Regierungspräsidenten in Darmstadt zurückgezogen. Inzwischen hat die Altstadtstrecke wieder einen festen Platz im Frankfurter öffentlichen Personennahverkehr, nicht zuletzt durch den Ebbelwei-Expreß, der ausschließlich touristischen Zwecken dient.
Für den Individualverkehr sind die nach dem Zweiten Weltkrieg angelegten Straßen Berliner Straße (1952–54) und Kurt-Schumacher-Straße sowie der Mainkai die wichtigsten Verkehrsachsen. Vor allem im nördlichen Teil der Altstadt gibt es zahlreiche Parkhäuser, im Zentrum die mehrgeschossige Tiefgarage zwischen Dom und Römer.
Vom Gebiet der Altstadt führen drei Brücken über den Main: die Alte Brücke, der Eiserne Steg und die Untermainbrücke.
Der Mainkai war, wie der Name bereits erahnen lässt, Standort des ältesten Hafens der Stadt. Auch heute liegen dort noch Schiffe, jedoch nur noch auf Main und Rhein verkehrende Ausflugsschiffe für Touristen. Der Güterverkehr findet heute in den während der Gründerzeit entstandenen Frankfurter Mainhäfen statt.
Das Stadtgebiet wuchs um die Jahrtausendwende zunächst nach Westen (um das Gebiet westlich des heutigen Römerbergs), im 12. Jahrhundert schließlich nach Norden. Die um 1180 errichtete Staufermauer umschloss das Gebiet dieser zweiten Stadterweiterung und entspricht der heutigen Altstadt. Der angrenzende Stadtteil Innenstadt entspricht der historischen Neustadt, der Stadterweiterung von 1333. An der Grenze zwischen beiden entstand ab 1462 das jüdische Ghetto in der Judengasse.
Städtebaulich ließ die Altstadt eine klare Struktur mit drei Nord-Süd-Achsen erkennen: Im Westen verlief der Kornmarkt zwischen der Bockenheimer Pforte (nach der später dort errichteten Kirche dann auch Katharinenpforte genannt) und dem Leonhardstor neben der Leonhardskirche am Main. In der Mitte verband die Neue Kräme die beiden größten Plätze in der Altstadt, den Liebfrauenberg mit dem Römerberg und weiter mit dem südlich davon gelegenen Fahrtor am Mainufer und dem dortigen Hafen. Östlich des Dom verlief die Fahrgasse von der Bornheimer Pforte nahe der heutigen Konstablerwache zur Mainbrücke. Sie war bis ins 20. Jahrhundert die verkehrsreichste Straße Frankfurts.
Die sechs Ost-West-Achsen waren im Stadtbild weniger klar zu erkennen. Am nächsten zum Main gelegen verlief der wichtige Straßenzug Weckmarkt-Saalgasse-Alte Mainzer Gasse, nördlich davon die Verbindungen Bendergasse-Limpurgergasse-Münzgasse und Kannengießergasse-Markt-Wedelgasse-Barfüßergasse. Weitere wichtige Ost-West-Verbindungen waren die Schnurgasse, die etwa entlang der heutigen Berliner Straße verlief, sowie der Straßenzug Töngesgasse-Bleidenstraße-Großer Hirschgraben. Den nördlichen Rand der Altstadt markierte der Holzgraben.
In der dichtbesiedelten Altstadt lebte die Mehrheit der Frankfurter Bevölkerung, während die Neustadt bis weit ins 18. Jahrhundert hinein den Charakter einer Vorstadt mit lockerer Bebauung und sogar landwirtschaftlich genutzten Flächen behielt. Seit dem Mittelalter war das Stadtgebiet in 14 Quartiere eingeteilt, davon sieben in der relativ kleinen Altstadt, fünf in der dreimal größeren Neustadt und zwei in Sachsenhausen. Jedes Quartier stellte eine militärisch organisierte Bürgerwehr unter dem Kommando eines Bürger-Capitains, des einzigen demokratisch gewählten Amtes in der ansonsten ständisch verfassten Reichsstadt.
Zu wesentlichen Veränderungen im Stadtbild kam es erst nach dem Großen Christenbrand von 1719. Dabei brannten über 430 Häuser in der nordöstlichen Altstadt ab. Um derartige Katastrophen künftig zu verhindern, verschärfte der Rat 1720 die Bauvorschriften. Zwischen 1740 und 1800 wurden über 3000 Häuser um- oder neugebaut. Dabei wurde die Zahl und Weite der Überhänge drastisch begrenzt. Außerdem mussten die Häuser künftig mit der Traufseite zur Straße gebaut werden. Anstelle der Zwerchhäuser waren nur noch kleine Mansarden zugelassen.
1785 trat Johann Georg Christian Hess sein Amt als Stadtbaumeister an. 1809 verfasste er eine Bausatzung für die Stadt Frankfurt im Auftrag des Großherzogs Carl Theodor von Dalberg, die im Grundsatz bis 1880 in Kraft blieb. Darin wurde der Klassizismus als Baustil verbindlich vorgeschrieben. Hess war geprägt vom Geist der Aufklärung und setzte sich radikal für die Architektur des Klassizismus ein. Die Erhaltung der zahlreichen mittelalterlicher Bauten Frankfurts lehnte er ab, weil sie seinen hygienischen und ästhetischen Vorstellungen nicht entsprachen. In der Neustadt und den außerhalb der 1804 bis 1808 geschleiften Stadtmauern entstehenden neuen Stadtvierteln setzte er sich mit seinen Vorstellungen mühelos durch, in der Altstadt stieß er jedoch auf den zähen Widerstand der konservativen Bürgerschaft. Lediglich die in der Altstadt neu entstehenden öffentlichen Bauten, z. B. die Paulskirche (1833) oder die Alte Börse (1843) am Paulsplatz, entsprachen seinem klassizistischen Ideal.
Goethe ließ Mephisto über die Altstadt spotten:
Auch der Stadthistoriker Anton Kirchner schrieb 1818 in seinen Tafelwerk Ansichten von Frankfurt am Main über die Bauten der Altstadt. An der Beschreibung wird der klassizistische Zeitgeist deutlich:
Dem Imageverlust entsprach ein politischer und wirtschaftlicher Niedergang. Die zweimal jährlich in der Altstadt abgehaltene Frankfurter Messe war bereits seit Mitte des 18. Jahrhunderts an Leipzig übergegangen. Mit dem Ende des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation fanden auch keine Kaiserkrönungen mehr statt.
Den wirtschaftlichen und politischen Schwerpunkt Frankfurts bildete seit den napoleonischen Kriegen die Neustadt. Nach der Wiederherstellung der Freien Stadt Frankfurt auf dem Wiener Kongress nahm der Bundestag hier seinen Sitz im Palais Thurn und Taxis.
Frankfurt wurde mit den Bankhäusern Bethmann, Rothschild und Gontard zum europäischen Finanzzentrum. Für den Warenverkehr spielte das Messegeschäft nun keine Rolle mehr, stattdessen wurde die gute Verkehrsanbindung der Stadt zum Motor des wirtschaftlichen Aufschwungs. Um 1830 wurde die Dampfschifffahrt auf dem Main eingeführt, 1836 trat Frankfurt dem Deutschen Zollverein bei und bereits ab 1839 lag hier ein wichtiger Knoten im entstehenden deutschen Eisenbahnnetz.
An der Altstadt ging dieser Aufschwung vorüber. Spätestens nach der Annexion Frankfurts durch Preußen 1866 zogen die wohlhabenden Bürger in die neuen Stadtviertel außerhalb der Wallanlagen, vor allem in das Westend. Das Stadtzentrum verlagerte sich allmählich in die Neustadt, wo an der Hauptwache, der Zeil und am Roßmarkt zahlreiche Gründerzeitbauten entstanden. Die einstigen Messehallen in den Gebäuden der Altstadt wurden in Lagerhallen oder Gebrauchtwarenläden verwandelt, die dort alteingesessenen Handwerker zogen gezwungenermaßen mit ihrer Kundschaft in die Neustadt. Als 1877 - 1878 die neue Kleinmarkthalle zwischen Fahr- und Hasengasse gebaut wurde, verschwanden auch die traditionsreichen Schirnen. Der einstige Krönungsweg Markt verdiente nun seinen Namen nicht mehr, was Symbol für den beginnenden sozialen und baulichen Verfall der Altstadt war. Auch die ab 1872 verkehrende Pferdebahn erreichte die Altstadt nicht.
Die frühen Photographien der Altstadt, z. B. von Carl Friedrich Mylius, oder die Aquarelle von Carl Theodor Reiffenstein, zeigen nicht nur die malerischen und schönen Seiten der Altstadt, sondern sind somit auch Zeugen ihres Verfalls.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten Straßendurchbrüche, um die Altstadt besser für den Verkehr zu erschließen. 1855 wurde die Liebfrauengasse zwischen Liebfrauenberg und Zeil gebaut, 1872 die Weißfrauengasse im Westen, um die Altstadt mit den Bahnhöfen an der Taunusanlage zu verbinden. Den damit verbundenen Verlust an historischer Bausubstanz, insbesondere den Abriss des Weißen Hirsches, nahm man in Kauf.
1874 und 1878 wurden die Untermainbrücke und die Obermainbrücke errichtet. Damit verloren die Alte Brücke und die Fahrgasse an Bedeutung, weil der Verkehr von nun an die Altstadt weitestgehend umfloss.
Die mittelalterlichen Häuser, von ihren Hinterhöfen ganz zu schweigen, waren mittlerweile häufig in schlechtem Zustand. Die hygienischen Zustände blieben bis zum Bau einer Kanalisation in den achtziger Jahren ebenfalls mangelhaft. Im Zuge der Industrialisierung nach 1870 strömten zahlreiche Arbeiter in die Stadt, die in den heruntergekommenen Gebäuden schnell billigen Wohnraum fanden. Die Altstadt galt nun als Wohngebiet des Proletariats und ärmerer Kleinbürger, wo Armut, Prostitution und Kriminalität überhand nahmen.
Gleichzeitig begann man jedoch, die malerischen Seiten der Altstadt zu entdecken und für den Tourismus zu erschließen. An vielen Fachwerkbauten nahm man den im frühen 19. Jahrhundert aufgebrachte Verputz ab und bemalte das Gefach anschließend oft noch historistisch. Die Malerei nahm bevorzugt auf Frankfurts bedeutsame Vergangenheit Bezug, so dass an den touristisch bedeutsamen Plätzen wie dem Roseneck oder dem Fünffingerplätzchen bekannte Postkartenmotive entstanden.
Wie bereits im Zeitalter des Klassizismus, beschränkten sich viele Maßnahmen jedoch auf die öffentlichen Bauten: 1878 wurde die mittelalterliche Stadtwaage abgerissen. Dombaumeister Franz Josef Denzinger schuf einen neugotischen, weit größeren Neubau. Weitere mittelalterliche Großbauten wie Kirchen oder Patrizierhäuser wurden restauriert oder mit historistischen Schmuck ausgestattet. Bekanntestes Beispiel ist der Umbau des Römers durch Max Meckel (1896-1900).
Anfang des 20. Jahrhunderts entstehen die ersten Luftbilder der Altstadt. Auf ihnen erkennt man unzählige in engen Gassen um den Dom gedrängte Gebäude, deren Strukturen seit dem Mittelalter immer noch größtenteils unverändert geblieben waren, wie etwa ein Vergleich mit Kupferstichen von Merian zeigt. Allein in der Altstadt befanden sich vermutlich über 2.000 Gebäude. Vorherrschend war immer noch das hölzerne Fachwerk der Bürgerhäuser, wenngleich daneben einige steinerne Patrizierhäuser sowie die zahlreichen öffentlichen Bauten traten. Fast alle Steinbauten waren in rotem Mainsandstein ausgeführt.
Die erste wirklich tiefgreifende bauliche Änderung in der Altstadt ereignete sich in den Jahren 1904 bis 1908 unter Oberbürgermeister Franz Adickes: um die Altstadt besser für den Verkehr, vor allem für die Straßenbahn, zu erschließen, wurde nach Pariser Vorbild ein von West nach Ost führender Straßendurchbruch geschlagen. Etwa im Verlauf der ehemaligen nördlichen karolingischen Pfalzmauer und des verlandeten Mainarms Braubach wurde die neue Braubachstraße angelegt. Rund 100 Altstadthäuser, darunter kunsthistorisch wertvolle wie der Nürnberger Hof, wurden abgerissen. Es entstanden repräsentative Gründerzeithäuser, die in ihrer historisierenden Architektur ihrerseits (wenn auch in größerem Maßstab) Motive der Altstadtbebauung aufnahmen. Das Eckhaus Braubachstraße 36 / Neue Kräme von 1906 kopiert beispielsweise das typische Frankfurter Bürgerhaus um 1700.
Weitergehende Eingriffe in die historische Substanz verhinderte zunächst der Erste Weltkrieg und die Inflation. In den 20er Jahren unter Oberbürgermeister Ludwig Landmann und Stadtbaurat Ernst May wurden Pläne zum Abriss großer Teile der Altstadt entwickelt. Auch die Nationalsozialisten planten, das Gassengewirr der Altstadt, bis 1933 eine Hochburg der Kommunisten, durch Neubauten zu ersetzen.
Gegen diese Bestrebungen wandte sich eine Bürgerinitiative, der 1922 gegründete Bund tätiger Altstadtfreunde unter Leitung des Historikers Fried Lübbecke. Der Bund ließ seit 1926 zahlreiche Altstadtbauten restaurieren. Bis 1940 wurden über 600 Gebäude gründlich saniert, historisch unpassende Anbauten entfernt, Brunnen und Blumenkästen ausgebessert. Einrichtungen wie die Arbeitslosenküche, Sommerfeste und Weihnachtsbescherungen für die Altstadtkinder oder der Künstlerweihnachtsmarkt weckten bei vielen Altstadtbewohnern wieder Stolz auf ihre Heimat.
Den Initiativen zur Wiederbelebung der Altstadt war es aber auch zu verdanken, dass ihr kultureller und historischer Wert als einer der größten und geschlossensten Altstädte Mitteleuropas wiedererkannt wurde. In den 30er Jahren lockten die Römerbergfestspiele alljährlich ein großes Publikum zu den Theateraufführungen auf dem Römerberg.
Auch wurden nun unzählige architektonische und wissenschaftliche Schriften zur Altstadt verfasst, was diese zu einer der besten dokumentiertesten Deutschlands machte. Oft fertigten Schüler der in Frankfurt ansässigen Baugewerbeschulen im Rahmen von Projekten genaue architektonische Pläne der Bauten. In den Hinterhöfen und Nebengassen konnten Historiker mittelalterliche Geschichtsforschung an existierenden Gebäuden betreiben. So hatten noch ganze Straßenzüge wie im Tuchgaden die von alten Zunftordnungen vorgeschriebenen, ausklappbaren Verkaufsläden im Erdgeschoss aufzuweisen. Andere besaßen noch die Schöpfe genannten dachartigen Anbauten an der zur Straße gewandten Hausvorderseite, unter denen die Händler vom Wetter geschützt ihre Läden aufschlugen. Das bekannteste Haus dieser Art war wohl das Rote Haus am Markt.
Der schwerste Schlag stand jedoch noch bevor: Am 22. März 1944 zerstörte ein weiterer britischer Luftangriff von 816 Flugzeugen große Teile der Altstadt, die bisher noch verschont geblieben waren, darunter alle Kirchen bis auf die Leonhardskirche. Nach offiziellen Angaben wurden im Zeitraum einer knappen Stunde 500 Luftminen, 3.000 schwere Sprengbomben und 1,2 Millionen Brandbomben auf die Stadt, mit einem deutlichen Fokus auf den Stadtkern, abgeworfen. Wie schon bei vorigen Luftangriffen war dies Teil der Taktik: die Mehrzahl aller Häuser in der Altstadt waren in Fachwerkbauweise errichtet, so dass sie im entfesselten Feuersturm größtenteils restlos verbrannten. Aber auch aus Stein errichtete Patrizierbauten des 14. Jahrhunderts und 15. Jahrhunderts wie das Leinwandhaus oder das Steinerne Haus erlitten durch Sprengbomben schwerste Zerstörungen. Am bezeichnendsten für die Wucht des Angriffs ist wohl die Tatsache, dass das an der Fahrgasse gelegene steinerne Haus Fürsteneck mit dem daran angebauten, auch als Drei Sauköpfe bekannten Wehrturm trotz meterdicken Mauerwerks bis auf die Grundrisse eingeebnet wurde. Von den über 1000 Fachwerkhäusern blieb nur ein einziges, das Haus Wertheym am Fahrtor – unbeschädigt, und auch dies war einzig der Tatsache geschuldet, dass die Feuerwehr mit Hilfe tausender Liter Mainwasser einen Fluchtweg vom Römerberg zum Mainufer offen hielt. Am 24. März folgte ein weiterer Angriff, diesmal ein Tagesangriff von 262 Flugzeugen der amerikanischen Luftwaffe. Insgesamt kamen bei den Angriffen im März 1944 über 1.500 Menschen ums Leben. Dass die Zahl der Opfer im Vergleich zu anderen Städten nicht höher war, lag vor allem daran, dass seit Sommer 1940 die massiv gebauten Keller der Altstadthäuser untereinander verbunden worden waren. Durch einen Notausstieg am Gerechtigkeitsbrunnen auf dem Römerberg konnten allein rund 800 Menschen gerettet werden.
Einen Eindruck der Vernichtung erhält man anhand des im Historischen Museum ausgestellten Altstadtmodell der Brüder Treuner, die in den Jahren vor der Zerstörung die meisten Häuser der Altstadt aufgemessen und im Maßstab 1:200 nachgebaut hatten. Das daneben gezeigte Trümmermodell (s. Foto) zeigt das Ausmaß der Zerstörung dieser Bombennacht. Es ist allerdings unter Vorbehalt zu betrachten, da zeitgenössische Fotografien erheblich mehr erhaltene Gebäudereste zeigen.
Von den wiederaufgebauten Bauwerken wurde lediglich das Goethe-Haus weitgehend originalgetreu restauriert. Die meisten anderen Wiederaufbauten erfolgten mehr oder weniger vereinfacht oder erhielten moderne Anbauten (z.B. die Häuser Silberberg, Frauenstein und Salzhaus im Römer-Komplex). Ein Großteil der ehemaligen Altstadt wurde im sachlichen und schlichten Stil der 50er Jahre mit modernen und nach dem Krieg dringend benötigten Wohnhäusern oder Zweckbauten wie dem Gebäude des Bundesrechnungshofes oder der Kleinmarkthalle bebaut.
Des Weiteren wurden unter Verwerfung des historischen Grundrisses neue Hauptverkehrsstraßen durch die Trümmerwüste gezogen. Damit sollte das schon vor dem Krieg oft erwünschte „autogerechte“ Frankfurt Wirklichkeit werden. Realisiert wurde dies in Form der am 16. November 1953 als Straße an der Paulskirche eingeweihten ab 1955 bis heute als Berliner Straße bekannten Ost-/West-Achse. Sie verbindet die ebenfalls verbreiterte Weißfrauenstraße mit der durch die östliche Innenstadt führenden Nord-/Süd-Achse der Kurt-Schumacher-Straße. 1955 wurde das zehnstöckige Hochhaus an der Kreuzung Berliner Straße/Fahrgasse fertiggestellt. Es ist mit 30 Metern das höchste Wohnhaus der Altstadt.
Das Gebiet zwischen Dom und Römer blieb zunächst eine Brachlandschaft, über deren Bebauung lange gestritten wurde. Anfang der 70er Jahre entstanden einige Gebäude wie das Technische Rathaus oder auch das Historische Museum in einem brutalistischen Betonstil, zum Teil mit asbesthaltigen Materialien, so dass ein Abriss oder zumindest eine Sanierung erforderlich scheint. Mk Frankfurt Dom Engel.jpg“]] 1983 bis 1986 wurde die historische Ostzeile des Römerberges mit ihren den Stadtteil prägenden Fachwerkbauten rekonstruiert, allen voran das berühmte Bürgerhaus Großer Engel. Drei 1952 bis 1954 an dieser Stelle errichtete, vergleichsweise schmucklose Neubauten waren bereits 1969 für den Bau der U-Bahn-Station Römer wieder abgerissen worden. Anders als bei den historischen Vorbildern blieben die Fassaden der Neubauten mit ihrem Fachwerk unverputzt. Die Fachwerkkonstruktionen sind nur teilweise historisch korrekt, da nicht von allen Gebäuden Baupläne erhalten waren. Bereits nach wenigen Jahren traten erhebliche Bauschäden auf, die eine aufwendige Sanierung erforderten. Wie sich herausstellte, hatten die beauftragten Baufirmen nicht mehr die für einen Fachwerkbau wesentlichen Kompetenzen besessen. So wurde beispielsweise das aus dem Elsass stammende Bauholz nicht hinreichend lange getrocknet und die Balken nicht fachgerecht miteinander verbunden. Gleichzeitig mit der historisierenden Ostzeile entstanden die Kunsthalle Schirn und die postmodernen Neubauten an der Saalgasse.
Die jüngsten Neubauten sind das 1991 eröffnete Museum für Moderne Kunst und das Haus am Dom, ein Bildungszentrum der katholischen Kirche in Frankfurt, das derzeit an der Domstraße auf dem Gelände des ehemaligen Hauptzollamtes aus den 20er Jahren entsteht.
2005 – zuvor auch schon 1974 – erhielt die Fassade des Römers im Rahmen von Restaurierungsarbeiten auch ihren neugotischen Anstrich zurück. Zudem wird in den letzten Jahren verstärkt daran gearbeitet, dem bis zum Technischen Rathaus reichenden Abschnitt der historischen Braubachstraße in ihrer Fassadenerscheinung wieder den alten Glanz zu verschaffen.
Inzwischen hat eine fachliche und emotionale Diskussion über die Bebauung dieses Teils Frankfurts begonnen. Zahlreiche Anhörungen und Architekturwettbewerbe haben bereits stattgefunden. Eine Einigung der politisch Verantwortlichen wird erst nach den nächsten Kommunalwahlen erfolgen. Der Abbruch des Technischen Rathauses ist beschlossen, das Historische Museum wird hingegen vermutlich modernisiert werden. Ein Abriss der Schirn ist sehr unwahrscheinlich. Es ist vorgesehen, die nach dem Abriss des Technischen Rathauses freie Fläche zwischen Braubachstraße, Schirn, Römerberg und Dom neu zu bebauen. Zur Gestaltung des Areals gibt es stark divergierende Meinungen, die von einem Wiederaufbau der zerstörten Altstadtgassen bis zur Bebauung mit modernen Gebäuden reichen. Ein in der Diskussion genannter Mittelweg wäre die Bebauung in Anlehnung an die engen Altstadtgassen der Vorkriegszeit und unter Verwendung von Walmdächern. Diese sollte dann nicht in Fachwerkbauweise geschehen und höchstens einige markante Altstadthäuser in ihrer originalen Form enthalten.
In der Mitte des Platzes steht der Gerechtigkeitsbrunnen, der im 17. Jahrhundert aus Sandstein errichtet wurde. Die Konstruktion wurde 1887 durch eine Nachbildung aus Bronze ersetzt. Sein Name rührt von der ihn krönenden Statue der Justitia her. Anders als bei ihren Darstellungen üblich, wurde Justitia in Frankfurt nicht die Augen verbunden. Der Überlieferung nach wurde der Brunnen bei Kaiserkrönungen mit Rot- und Weißwein gespeist.
Umgeben ist der Platz von mittelalterlichen Wohn- und Geschäftshäusern - insbesondere erwähnenswert sind hier die rekonstruierte Ostzeile mit ihren Fachwerkhäusern, darunter die Häuser Großer und Kleiner Engel und Schwarzer Stern.
Auf der Südseite des Platzes steht die Nikolaikirche und das Historische Museum in der ehemaligen staufischen Kaiserpfalz Saalhof.
Am Fahrtor, der vom Römerberg südlich in Richtung Main führenden Gasse befindet sich zur Rechten Haus Wertheym (um 1600), das einzige völlig unbeschadet erhaltene Fachwerkhaus der Altstadt. Es ist ein reich verziertes dreigeschossiges Renaissancehaus mit dem in Frankfurt üblichen steinernen Erdgeschoss. Gegenüber steht der Rententurm, den Baumeister Eberhard Friedberger 1456 vollendete. Er überwachte den alten Hafen Frankfurts, hier wurden Zölle und Hafengebühren eingetrieben.
Nördlich des Römerbergs steht am Paulsplatz das um 1900 errichtete Neue Rathaus mit reichem Neurenaissance- und Neobarock-Dekor, sowie die Paulskirche, in der 1848/49 die Deutsche Nationalversammlung tagte.
Zwischen Dom, Fahrgasse und Main wurde in den 50er Jahren im Stile der Zeit neu bebaut. Die meisten historischen Gassen gingen dabei verloren. Es entstanden ruhige, grüne Wohnhöfe, deren unregelmäßige Gestaltung und kleinen Durchgänge Menschen mit viel Phantasie an die verwunschenen Altstadtgassen erinnern könnten. In der ehemaligen Altstadt gab es zahlreiche kleine Brunnen, von denen viele gerettet und in den Wohnhöfen wieder aufgestellt werden konnten.
Wenige Schritte entfernt steht das ehemalige Karmeliterkloster, heute Sitz des Instituts für Stadtgeschichte und des Archäologischen Museums. Hier sind unter anderem die Funde aus der römischen Stadt Nida (heute Frankfurt-Heddernheim) zu sehen. Die spätgotischen Fresken von Jörg Ratgeb im Kreuzgang gehören zu den großen Kunstschätzen der Stadt.
In der Nähe des Klosters, in der Seckbächer Gasse am Mainufer, hat sich eine kleine Pforte der Stadtbefestigung von 1333 erhalten.
Nördlich der Berliner Straße steht im Großen Hirschgraben das Goethe-Haus, das Geburtshaus des Dichters und Stammhaus der alten Frankfurter Patrizierfamilie.
Mittelpunkt der nördlichen Altstadt und einer der schönsten Plätze der Stadt ist der Liebfrauenberg, der von der gotischen Liebfrauenkirche beherrscht wird. Ihr gegenüber liegt das Haus zum Paradies, einer der wenigen großen Barockbauten der Stadt. In der Mitte des Platzes steht ein großer Brunnen.
Vom Liebfrauenberg führt die Einkaufstraße Töngesgasse nach Osten, die Liebfrauenstraße nach Norden zur Zeil und die Fußgängerzone Neue Kräme nach Süden zum Römerberg. Letztere erweiterte, wie ihr Name verrät, als Markt- und Messestraße den oben schon beschriebenen Alten Markt und war eine wichtige Nord-Süd-Verbindung.
Der größte Teil der nördlichen Altstadt wurde am 26. Juni 1719 beim „Großen Christenbrand“ (zur Unterscheidung zum „Großen Judenbrand“ in der Judengasse acht Jahre zuvor) zerstört. Im Bereich zwischen Fahrgasse, Schnurgasse und Töngesgasse starben dabei 282 Menschen, 425 Häuser wurden zerstört.Chronik der Frankfurter Feuerwehr Das Gebiet wurde jedoch rasch und auf den alten, kleinen Parzellen wieder aufgebaut.
Östlich der Fahrgasse liegt das ehemalige, sehr vereinfacht wiederaufgebaute Dominikanerkloster. An ihn grenzt der Börneplatz an, der größte und verkehrsreichste Platz des Viertels. Er war, unter wechselnden Namen, Mittelpunkt des jüdischen Lebens in Frankfurt, hier endete die Judengasse und hier liegt noch heute der Alte jüdische Friedhof, dessen älteste Grabdenkmäler aus dem Jahr 1272 stammen. Im Museum Judengasse, Teil des Jüdischen Museums Frankfurt, können ausgegrabene Reste des Ghettos besichtigt werden.
Unter den Frankfurter Theatern haben drei, nämlich die Komödie, das Volkstheater und das Kabarett Die Schmiere, ihre Spielstätten in der Altstadt. Trotzdem ist die Altstadt abends im allgemeinen nicht sonderlich belebt, außer bei Großveranstaltungen wie dem Museumsuferfest. Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wurden zahlreiche Fußballspiele in die eigens dafür errichtete Mainarena übertragen, ein Freilichtkino für rund 15 000 Besucher am nördlichen Mainufer.
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