Prof. Dr. phil. Frank Deppe (*1941), Universitätsprofessor für Politikwissenschaft.
Deppe studierte in Frankfurt am Main und Marburg Soziologie, Politikwissenschaft und Nationalökonomie und promovierte 1968, 1971 die Habilitation. Zwischen 1968 und 1972 war er Akademischer Rat am Institut für Soziologie der Universität Marburg. Seit 1972 ist er als Professor für Politikwissenschaft an derselben Universität tätig.
Er war Mitglied des SDS, sowie Mitglied im Zentralen Ausschuß der Kampagne für Demokratie und Abrüstung. 1967 begründete er das Sozialistische Zentrums mit.
Er ist Vertrauensdozent der Hans-Böckler-Stiftung und Leiter der Forschungsgruppe Europäische Gemeinschaften (FEG) beim Institut für Politikwissenschaft.
Er betont vor allem auch die weiterhin fortbestehende wichtige Rolle der Arbeiterschaft in wirtschaftsorientierter Politik, die als Grundlage der Industrie und damit auch des Handels und der Wirtschaft einen nicht zu unterschätzendes Potential an Macht besitzt, die sie durch Streiks, Gewerkschaften und Tarifverhandlungen durchsetzen kann. Er rekonstruiert auch historische Zusammenhänge zwischen Gesetzeserlassungen, Kompromisslösungen und ähnliches durch die Arbeiterbewegung. Durch dadurch wiederum entstehende Interessenkonflikte komm Deppe hier zum Pluralismus, der sich aus Verbänden verschiedenster Arten, Gewerkschaften und Berufsgruppen bildet und damit das Volk als einheitliche und interessengleiche Einheit auflöst und dem Staat gegenüber eine gewisse Autonomie haben. Später geht er auf die politischen Theorien von Marx ein, schildert auch vor-Marxsche sozialistische Theorien, wie die der Frühsozialisten, Chartisten, Babouvisten, soziale Demokratien oder Anarchisten, beschreibt die Marxsche Theorie als „bewusst unvollendet“ (Deppe 1997: 33) Marx wuchs in einer Zeit auf, in der die Demokratie nicht gerade auf der politischen Tagesordnung der Regierungen verschiedener Staaten stand, demzufolge hatte er einen differenzierten Blickwinkel im Gegensatz zu dem, der ihm oft womöglich fälschlicher Weise zugeschrieben wird. Er machte die Feststellung, dass sich das Bürgertum bei Strömungen, die aus der Arbeiterbewegung hervorging eher auf die Seite der (bonapartistischen) Diktatur begab, anstatt den Parlamentarismus der Demokratie zu verteidigen. Auch wird aus der marxschen Theorie die Unterordnung des Staates der Gesellschaft gegenüber beschrieben und das Verhältnis zwischen staatlicher Souveränität und der Freiheit der Bürger (im Sinne der Einwohner) thematisiert, genauso wie der Unterschied zwischen Staatsgewalt und Staatsform. Weiterhin beschäftigt sich sein Buch mit der bürgerlichen Gesellschaft und der Demokratie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in der sowohl kapitalistische Wirtschaft als auch dysfunktionale Demokratien in Europa zu finden waren: damals als auch heute bestimmten Arbeitslosigkeit und soziale Ungleichheit die Gesellschaften und die Politik, so kam es beispielsweise – wenn wir Keynes folgen – bei der Verteidigung des Kapitalismus zur faschistischen Diktatur, Staaten erzielten durch Ausbeutung von Ressourcen von etwa Kolonialstaaten ein enormes Machtmonopol. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aber „stabilisiert sich das Verhältnis zwischen Kapital, Interventionsstaat und parlamentarischer Demokratie“ (Deppe 1997: 43). In der heutigen Sicht spricht er allerdings von einer „Erschöpfung der Legitimationsressourcen in moderner Demokratien“ (Deppe 1997: 48), erklärt allerdings angesichts des Realsozialismus den Kapitalismus für notwendig. Danach kommt er zur Kritik moderner Medien, wie etwa dem Fernsehen, da es den aktiven Demokraten seiner Ansicht nach entmündigt und ihn zu einem „passiven Konsumenten“ (Deppe 1997: 57) macht, der somit zum Opfer des der Demokratie widersprüchlichen Marktes wird. Zufolge hat dies und mehrere Faktoren geringe Wahlbeteiligung und Gleichgültigkeit der potentiellen Wähler. Weiterhin thematisiert sein Buch die „Renaissance“ des Gesellschaftsvertrages in heutiger Sicht. Nach Zusammenbruch der Sowjetunion musste im weltpolitischen Wandel der bisherige Gesellschaftsvertrag überarbeitet werden, hingehend zur „Legitimationsreproduktion der demokratischen Systeme“ (Deppe 1997: 64) Diskutiert werden auch Bilanzen des 20. Jahrhunderts (Stichwort: „Kurzes Jahrhundert“ (Deppe 1997: 105) von 1914 bis 1991 aber auch ein grausames Jahrhundert mit verheerenden Kriegen, die in ihren Opferzahlen bisher maßlos waren, aber auch ein „Jahrhundert des Wachstums und der Bewegung“ (Deppe 1997: 109) und Perspektiven für das 21. Jahrhundert (Stichwort: „Epoche der Unübersichtlichkeit, der Ungewissheit und der Krise“ (Deppe 1997: 107), „endgültiger Sieg des Liberalismus“ (Deppe 1997: 119). Er spricht auch von „Vergesellschaftung des Staates“ (Deppe 1997: 140) und von neuen Herausforderungen, denen sich Staaten und möglicherweise neue Staatsformen stellen müssen, ebenfalls wird von kommenden Kämpfen um soziale Gleichheit zwischen arm und reich gesprochen. Letztendlich schließt Deppe nicht aus, dass der Sozialismus ein Comeback in neuer Form erleben wird, da der Kapitalismus offensichtlich schwächen zeigt, die durch neue sozialistische Überlegungen vermieden werden könnten, auch wenn sich die Frage nach der Arbeiterschaft in der Wiederkehr des Sozialismus Ende der 60er Jahre eher an die intellektuelle Bevölkerung richtete.
Mann | Politologe | Deutscher | Geboren 1941
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