Sketch_of_miranda.jpg Sebastián Francisco de Miranda Rodríguez (* 28. März 1750 in Caracas, † 14. Juli 1816 in Cádiz) war Offizier und Revolutionär. Er setzte sich für die Unabhängigkeit und Vereinigung der spanischen Kolonien in Amerika ein. Obwohl seine eigenen Bestrebungen ohne Erfolg waren, gilt Miranda als Wegbereiter Simón Bolívars, der die spanische Herrschaft in Südamerika letztlich beendete.
Es war also fast ein Wink des Schicksals, als er am Anfang 1782 Post aus seiner Heimat Venezuela erhielt. Miranda war damals 32 Jahre alt und stand in Venezuela insbesondere wegen seines militärischen Geschicks bei der Eroberung der von den Briten gehaltetenen Festung Pensácola in einem guten Ruf. Deswegen unterzeichneten am 24. Februar 1782 drei Venezolanische Eliten einen Appell an Miranda, in dem sie ihm die Führungrolle einer von der kreolischen Schicht getragenen Aufstandsbewegung antrugen. Teile der Oberschicht waren nicht mehr bereit, sich von Repräsentanten der Krone in ihrer Handlungsfreiheit beschneiden zu lassen.
Miranda muss dieses Anliegen jedoch bestenfalls mit gemischten Gefühlen zur Kenntniss genommen haben, da er wegen einer Familienfehde von zwei Unterzeichnern keine gute Meinung hatte. Einer davon war Simón Bolívars Vater. So hielt er vorerst weiter der spanischen Krone die Treue, wiewohl er die Krone durch dunkle Handelsunternehmungen als auch durch zwielichtige Abmachungen mit den Engländern hinterging.
Seine Verdienste wurden später von Frankreich gewürdigt; sein Name ist auf dem Arc de Triomphe in Paris verewigt.
Das Königreich Großbritannien förderte seinerzeit südamerikanische Unabhängigkeitsbestrebungen, weil es sich dadurch ein Erstarken des Britischen Handels in diesem Teil der Welt erhoffte. Deswegen fanden „revolutionäre Bittsteller” aus der neuen Welt immer ein offenes Ohr, jedoch lange Zeit keine handfeste Unterstützung. Dies lag möglicherweise auch daran, dass britische Truppen und Ressourcen in Irland gebunden waren. Die englische Regierung setzte die Revolutionäre, die ihnen tauglich erschienen, in England fest um sich ihrer im geeigneten Moment bedienen zu können. Dies war auch das Schicksal Mirandas.
Er unterhielt enge Kontakte zum britischen Premierminister Pitt, bekam eine Rente von 1000 Pfund pro Jahr und konnte über den englischen Gouverneur Picton in Trinidad etwas Einfluß auf die Geschehnisse in seiner Heimat Venezuela nehmen. Die Ausreise oder gar logistische oder militärische Unterstützung wurde ihm jedoch lange Zeit nicht gestattet.
Das verbitterte ihn derart, dass er über seine früheren französischen Freunde Reiserecht in das Frankreich Napoleons erwirkte. Seine Bitte um Unterstützung wurde jedoch abgewiesen und er selbst ausgewiesen, wahrscheinlich weil seine freiheitlichen Ansichten nicht mehr mit den Vorstellungen im napoleonischen Frankreich konform waren.
Zurück in London intensivierte er seine Bemühungen, musste im August 1801 jedoch erkennen, dass er nur als Werkzeug gedient hatte, um den Abschluss des Friedens von Amiens zu sichern. So schrieb er in sein Tagebuch:
Bis 1805 musste er noch warten, dann schien für die britische Diplomatie der Zeitpunkt günstig, um Spanien zu isolieren und die südamerikanischen Kolonien der Spanischen Hegemonie zu entreissen.
Miranda hoffte, in den USA offizielle Unterstützung zu finden. Diese Hoffnung wurde jedoch enttäuscht, er konnte lediglich einige Freiwillige organisieren. Mit drei Schiffen und 150 Mann brach er auf. Einige von ihnen waren verlässliche Freiheitskämpfer, viele jedoch Abenteurer mit schlechter Ausbildung und ohne Kampferfahrung. Die Bewaffnung der Männer war schlecht. Auch baute die Unternehmung darauf auf, die Besatzung der Schiffe als Soldaten einsetzen zu können. Dies konnte jedoch nur mit Erlaubnis des Kapitäns geschehen, ausgerechnet mit diesem geriet Miranda oftmals aneinander, weshalb ihm diese Unterstützung ebenfalls verwehrt wurde.
Nach einem Aufenthalt in Trinidad landete die Expedition in der Nacht auf den 27. April an der Küste Venezuelas, nicht weit entfernt von Puerto Cabello. Der Versuch scheiterte, zwei Schiffe gingen verloren und sechzig Mann wurden getötet oder gefangen genommen. Miranda zog sich in das britische Grenada zurück.
Am Morgen des 3. August 1806 landete ein Bataillon von 500 Mann dicht bei La Vela de Coro an der offenen Küste an. Die Soldaten nahmen am Folgetag Coro ein. Während der fünf Tage, die Miranda in Coro blieb, versuchte er, seine Landsleute unter das Banner der Freiheit zu locken. Der Versuch scheiterte jedoch. Miranda wurde nicht durch Spaniens Macht, sondern von seinen eigenen Landsleuten vertrieben. Möglicherweise lag das daran, daß er mit dem Leben seines Heimatlandes keine Fühlung mehr hatte, was er selbst in einsichtigen Augenblicken erkannt zu haben scheint. Andererseits stellt der amtliche britische Vertreter William D. Robinson fest:
Miranda erlitt zwar eine persönliche Niederlage, blieb aber hartnäckig. Er setzte sich auf einer Insel fest und wartete auf die britische Unterstützung von 13000 Soldaten, die in Irland frei geworden waren und eigentlich für seine Operationen zur Verfügung stehen sollten. Alsbald reiste er wieder nach London.
Zu Mirandas Pech wandelte sich die europäische Lage grundlegend. Frankreich hatte im Bündnis mit Spanien Portugal besetzt. Französische Truppen befanden sich in jeder spanischen Stadt. Insgeheim war der Verrat am Verbündeten bereits geplant und am 10. Mai 1808 wurde der König und sein Erbe zur Abdankung gezwungen. Dies löste einen allgemeinen Aufstand der Spanier aus. Die Briten sahen eine Chance gekommen, ihren Widersacher Napoleon zu bekämpfen und sandten die 13000 Mann nicht wie vorgesehen nach Venezuela sondern nach Spanien. Daraufhin sah Miranda vorerst keine Möglichkeit mehr das Unternehmen fortzuführen und blieb in London.
Solidarität mit Ferdinand VII. Bis auf einige Angehörige des gehobenen Standes waren die Spanier und Spanischstämmige jenseits und diesseits des Atlantik nicht mit Napoleons Bruder Joseph Bonaparte als neuen Kaiser einverstanden. Spontan wurden Juntas gegründet, die für eine Wiedereinsetzung von Ferdinand VII. einstanden. Zwischenzeitlich sollte die Souveränität auf das Volk übergehen.
Zwei Effekte führten in den Folgejahren dazu, dass die eigentlich auf die Einheit des Kaiserreichs abzielende Bewegung sich zu einer separatistischen Bewegung wandelte. Zum einen gründeten sich in Spanien mehrere Juntas, jeweils mit dem Anspruch alle Spanier zu repräsentieren. Dadurch konnten aber die einzelnen Repräsentanten nicht mehr ernstgenommen werden. Zum anderen entwickelten sich die Verhältnisse auf dem Schlachtfeld für die Spanier ungünstig und die Juntas verloren an Akzeptanz. Eine Wiedereinführung Ferdinand VII schien immer unwahrscheinlicher. Die Radikalen gewannen in den Kolonien mehr und mehr die Oberhand. Am 5. Juli 1810 verkündete Venezuela seine Unabhängigkeit.
Einer hatte seit jeher unbeirrt radikale Pläne verfolgt: Simón Bolívar. Sein Name sollte sich unauslöschlich in das Gedächtnis des Kontinents einprägen und als Symbol für dessen Unabhängigkeit und Identität werden. Bolívar war der zukünftige Befreier Südamerikas. Das Leben der beiden Offiziere war seither eng miteinander verbunden. Neben den militärischen und politischen Ambitionen verband Miranda und Bolívar von da an eine tiefe Freundschaft. Da Bolívar jedoch zum damaligen Zeitpunkt keinerlei militärische Fähigkeiten besaß, beschloss er den Experten Miranda nach Venezuela zu holen und reiste dafür als offizieller Repräsentant der neuen Regierung nach London.
Miranda kehrte mit ihm nach Venezuela zurück. Seine Heimat betrat er in der Uniform eines französischen Revolutionsgenerals. Dies brachte ihm anfangs jedoch mehr Gegner als Verbündete, da ihn viele für einen radikalen Jakobiner hielten. Vornehmlich die jüngeren Kreolen schlossen ihn ins Herz als den wahren Führer der wahren Revolution gegen Spanien und für eine neue, gleiche und freie Welt; die nachdenklicheren Männer hingegen empfanden Unbehagen wegen der ausländischen, jakobinischen Neigungen eines Mannes, der sein Vaterland gar nicht kannte. Er brauchte einige Zeit um sich in der Heimat wieder zu integrieren, begleitet von für ihn schmerzlicher Nichtbeachtung bei Wahlen oder der Vergabe von Posten, doch schliesslich wurde er am 28. Juni 1811 gerade wegen seiner Vision für ganz Amerika als Abgeordneter für El Pao zugelassen.
Infolge ernster militärischer Schwierigkeiten wurde er am 24. April 1812 zum Diktator mit dem Titel Generalissimus ernannt.
Der unabhängigen Venezolanischen Konföderation waren nie alle Provinzen beigetreten. Seit Beginn der Unabhängigkeit hatte sich die wirtschaftliche Lage ähnlich wie während der Französischen Revolution dramatisch verschlechtert. Mord und Willkür gegenüber scheinbaren Feinden hatten Einzug erhalten. Dem neuen Staat fehlten die Mittel um Truppen zu unterhalten und niemand wollte mehr für ihn kämpfen.
Bereits vor Mirandas Aufstieg zum Diktator hatte der spanientreue General Monteverde einen Rückeroberungsfeldzug gestartet. Infolge taktischer Fehler befand er sich in einer militärisch ungünstigen Lage, Loyalisten kamen ihm jedoch zur Hilfe, indem sie den für die Föderation wichtigsten Hafen und Munitionsdepot Puerto Cabello Simon Bolivars Hand entwanden.
Miranda sah keinen Sinn in der Fortsetzung der Kämpfe; auch hoffte er auf einen milden Frieden, da sich Spanien zu dieser Zeit die liberalste und beste Verfassung gegeben hatte, die Europa bis dato je gesehen hatte.
Sein Pech war, dass er sich nicht der spanischen Cortez ergab sondern Monteverde. Dieser dachte auch nicht daran, Venezuela an Spanien zurück zu geben sondern machte sich selbst zum Herrscher.
Bis zu seinem Tode am 14. Juli 1816 war Miranda in Cádiz interniert.
Mann | Venezolaner | Geboren 1750 | Gestorben 1816
Франсиско де Миранда | Francisco de Miranda | Francisco de Miranda | Francisco de Miranda
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