Francois_Rabelais.jpg François Rabelais (* ca. 1494 in La Devinière bei Chinon, Indre-et-Loire in Frankreich; † 9. April 1553 in Paris) war der bedeutendste Prosa-Schriftsteller der französischen Renaissance.
Sein wohl fast jedem Franzosen bekannter Name, der sich sogar als Adjektiv in Ausdrücken wie "une plaisanterie rabelaisienne" verselbständigt hat, ist verknüpft vor allem mit Gargantua et Pantagruel.
Da er sich nicht zwischen Orthodoxie und Reform bzw. den sich rasch konstituierenden religiösen Parteien entscheiden mochte, suspendierte er sich 1530 von seinem geistlichen Status und studierte in zwei Jahren Medizin in Montpellier. Hiervon ließ er sich aber nicht absorbieren, sondern verfasste, neben einigen gelehrten Schriften, den Pantagruel, der Ende 1532 erschien. Druckort war das damals geistig äußerst lebendige Lyon, wo Rabelais sich auch als Arzt niederließ und daneben eine Anstellung am Hôtel Dieu (Krankenhaus) erhielt, was alles ihm offensichtlich aber Zeit genug ließ, den Gargantua zu schreiben und 1534 drucken zu lassen.
Den wohl nur mäßig geliebten und auch nicht regelmäßig ausgeübten Krankenhausposten gab er 1535 auf, nachdem er einen mächtigen und reichen Gönner, den Pariser Bischof und Mitglied des Kronrates Jean du Bellay, gewonnen hatte, den er schon 1534 als Sekretär und Leibarzt auf einer diplomatischen Reise nach Rom begleitet hatte und unter dessen Protektion er fortan blieb. So reiste er 1535/36 erneut mit dem soeben zum Erzbischof beförderten Du Bellay nach Rom, wo er nebenher die Erlaubnis des Papstes erhielt, zumindest pro forma in den Benediktinerorden zurückzukehren, sich eine hübsche Kanonikus-Pfründe zuweisen zu lassen und zugleich als Arzt tätig zu sein.
1537 erwarb Rabelais in Montpellier den medizinischen Doktortitel und hielt anschließend Vorlesungen über die Schriften des Hippokrates, wobei er revolutionärerweise das griechische Original zugrundelegte und die gängige lateinische Version als fehlerhaft kritisierte.
Als Arzt schrieb er in seiner gering bemessenen Freizeit kritisch-humoristische Texte über Autoritäten des Establishments und fiel auch dadurch auf, dass er sich viele persönliche Freiheiten heraus nahm. Trotz des satirischen Charakters zeigen ihn seine höchst unkonventionellen Werke als scharfen Beobachter der sozialen und politischen Vorgänge seiner Zeit, köstlich unbefangen, saufrech und von übersprudelnder Lebenslust. Seine Bücher waren äußerst erfolgreich und wurden wegen ihrer unorthodoxen Ideen von den Autoritäten der Sorbonne und wegen der Verspottung religiöser Praktiken von der Römisch-katholischen Kirche missbilligt. Auch Rabelais' drittes Buch, diesmal unter seinem eigenen Namen veröffentlicht, fiel unter den Bann.
Durch Fürsprache von Mitgliedern der prominenten Familie du Bellay erhielt Rabelais vom französischen König Franz I. die Erlaubnis, die Veröffentlichung seiner Werke fortzusetzen, aber nach dem Tod des aufgeklärten Monarchen wurden seine Bücher von der akademischen Elite wieder missbilligt und das französische Parlament untersagte den Verkauf seines vierten Buches.
Rabelais.jpg 1538 finden wir ihn in Aigues-Mortes mit Du Bellay, der an einem Treffen zwischen König Franz I. und Kaiser Karl V. teilnahm. 1540 wurde er von seinem Gönner an dessen offenbar kränkelnden älteren Bruder Guillaume weiterreicht, den stellvertretenden Statthalter Frankreichs im besetzten Piemont.
1542 reagierte Rabelais auf die Vorwürfe, der Pantagruel und der Gargantua seien obszön und theologisch bedenklich, und publizierte in Lyon eine gereinigte Fassung beider Bände, die aber trotzdem von der Sorbonne verurteilt wurde. Als er 1545, nach Erscheinen des Tiers livre, erneut in deren Schusslinie geriet, verließ er für eine Weile Frankreich und verdingte sich als Arzt in der damaligen freien Reichsstadt Metz. 1547–1549 war er einmal mehr mit Jean du Bellay (der inzwischen Kardinal und oberster franz. Diplomat in Italien geworden war) in Rom, wo er am Quart livre arbeitete, das 1550 druckfertig war.
In den letzten Lebensjahren, die er in Paris verbrachte, aber über die wenig bekannt ist, konnte er sich zwar noch am andauernden Erfolg seines Romanzyklus freuen, doch musste er erleben, wie er nicht nur als theologisch und konfessionell suspekt, sondern, wegen seiner freimütigen Darstellung aller menschlichen Lebensäußerungen, zunehmend auch als unmoralisch eingestuft wurde, und zwar sowohl von den prüder werdenden katholischen Theologen, als vor allem auch von dem moralinsauren Reformator Calvin.
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