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Als Frühsozialismus (Utopischer Sozialismus) wird eine politisch weltanschauliche Bewegung bezeichnet, die auf frühe sozialistische Autoren wie Thomas Morus (Utopia, 1516) oder Charles Fourier (Theorie der vier Bewegungen und der allgemeinen Bestimmungen, 1808) zurück geht. Frühsozialistische Autoren des 18. und 19. Jahrhundert wurden zudem von den Schriften des französischen Revolutionärs François Noël Babeuf (1760-1797) beeinflusst, er war wahrscheinlich der erste, der direkt den Sozialismus als Staatsform vorschlug.

Weltanschaulich ist der Frühsozialismus an den Humanismus und die Aufklärung angelehnt.

Zum Teil wird diese Bewegung anschaulich auch als Utopischer Sozialismus bezeichnet, da die Autoren utopische Gegenentwürfe zur damaligen gesellschaftlichen Wirklichkeit entwickelten. Der Marxismus benutzt die Bezeichnung "Utopischer Sozialismus" um die Theorie des wissenschaftlichen Sozialismus von ihren utopischen Vorläufern und sozialistischen Gegenströmungen abzugrenzen.

Geschichte des Frühsozialismus


Der Humanismus des 16. Jahrhunderts hatte - parallel zu den durch wirtschaftliches Elend hervorgerufenen Bauernaufständen - Ideen einer gerechten, von allen Bürgern gleichermaßen getragenen Gesellschaftsordnung entwickelt, die ihrerseits auf die antike Polis und ihre Demokratie- Vorstellungen zurückgriffen. Folgenreich war besonders der lateinische Bildungsroman "Utopia" des englischen Staatsrechtlers Thomas Morus von 1516. Ohne den Begriff zu kennen, stellte Morus hier eine Art Kommunismus als Gegenbild zur europäischen Feudalherrschaft dar: Alle arbeiten und besitzen alles gemeinsam, auch und gerade Grund und Boden (die damaligen Produktionsmittel); zugleich darf jeder dem Glauben anhängen, der ihm gemäß ist.

Im 17. und 18. Jahrhundert machten Naturwissenschaften und Fertigungstechniken rasante Fortschritte. Sie erlaubten im Manufaktur- und Verlagswesen bereits eine Massenherstellung von Produkten, noch ohne maschinelle Produktionsmittel. Dies veränderte die Lebensbedingungen und Interessenlagen für große Bevölkerungsteile enorm.

Im Zuge der Aufklärung entstanden mit der Idee der Menschenrechte Vorstellungen eines gleichberechtigten und herrschaftsfreien Zusammenlebens. In zahlreichen - stets von der Obrigkeit bedrohten - Geheimbünden und Vereinen suchten mittellose Handwerker, Bauern und Intellektuelle ein Forum und Anhänger für ihre Ideen. Sie waren kaum an der wissenschaftlichen Erhebung empirischer Daten interessiert, entwickelten ihre Vorstellungen aber aus der widersprüchlichen Erfahrung enttäuschter Demokratiehoffnungen und relativer Rechtsfortschritte. Doch erst mit der Emanzipation des Bürgertums bekamen diese Ideen eine politische Stoßkraft.

Seit Karl Marx werden diese frühsozialistischen Gleichheits- und Demokratisierungsbestrebungen, die sich auch auf die Ökonomie erstreckten, als Utopischer Sozialismus zusammengefasst. In ihrer Zielvorstellung sind sie mit dem Kommunismus weitgehend einig, auch wenn der Klassenantagonismus und die Frage nach den Bedingungen einer erfolgreichen Revolution noch keine Rolle spielt.

Ernst Bloch entwickelt auf den utopischen Gehalt fast aller sozialistischen Ideen aufbauend sein Das Prinzip Hoffnung (Freiheit und Ordnung. Abriß der Sozial-Utopien, 1946, Das Prinzip Hoffnung, 1955, Geist der Utopie, 1964). Mit dem Begriff der Konkreten Utopie leistet er eine konstruktive Kritik am utopischen Gehalt des Frühsozialismus und gegen dessen abstrakten Utopien.

Die Sicht des Marxismus


Der Marxismus sieht im utopischen Sozialismus eine von Moses Hess, Hermann Kriege und Karl Grün ausgehende bürgerliche und belletristische Phrase, die aus linken Strömungen des Junghegelianismus hervor gegangen ist und den proletarischen Klassenkampf negiert (vgl. Karl Marx, Friedrich Engels, Deutsche Ideologie, 1845/46 und Manifest der Kommunistischen Partei, 1848).

Nach der marxistischen Theorie von Marx und Engels stellen Utopien reine Gedankenkonstruktionen dar, die vom historischen Wachstum der Machtverhältnisse abstrahieren und in denen so die politische Anschauung von den gesellschaftlichen (insbesondere ökonomischen) Grundlagen abgekoppelt wird. Die Utopisten versuchen ein System aus dem Kopf heraus zu entwickeln, statt die revolutionäre, umstürzlerische Seite des zeitgeschichtlichen Elends zu erkennen. In diesem Lichte unterscheidet der wissenschaftliche Sozialismus sich vom utopischen Sozialismus dadurch, dass in ihm die Entstehung des Sozialismus als eine, sich aus einer konkreten historischen Situation prozesshaft entwickelnde Notwendigkeit verstanden wird. (Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, 1882)

Politische Praktiker hingegen waren im Gegensatz zu den Theoretikern Marx und Engels weit weniger überzeugt von der Zwangsläufigkeit der historischen Entwicklung zu Fortschritt und Sozialismus.

Bekannte Vertreter und deren Werke


Sammelwerke


  • Frits Kool, Werner Krause: "Die frühen Sozialisten". DTV, München 1972.
  • Thilo Ramm (Hg.): "Der Frühsozialismus. Quellentexte".Kröner Verlag, Stuttgart 1968.
  • Michael Vester (Hg.): "Die Frühsozialisten 1789-1848". 2 Bände. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1970 u. 1971.

Alle hier aufgeführten Autoren haben in ihren Werken konkrete Bilder von einer idealen sozialistischen Gemeinschaft entworfen und zum Teil auch modellhaft versucht, ihre Verwirklichung in Form von sozialen Experimenten anzuregen (z.B. Owens Idee der Genossenschaft).

Siehe auch: Utopische Literatur, Utopist

Weblinks


Sozialismus

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