Frédéric_Mistral.jpg Frédéric Mistral (* 8. September 1830 in Maillane bei Arles, Bouches-du-Rhône; † 25. März 1914 ebenda) war ein neuprovenzalischer Dichter und Linguist. 1904 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.
Mistral lebte nach einem Aufenthalt in Paris bis zu seinem Tod in Maillane; 1876 heiratete er Marie Rivière.
Zusammen mit dem 1867 erschienenen, an die Aeneis anklingenden Heldenepos Calendau gilt Mireio als erster Höhepunkt in Mistrals Werk, wenn auch Calendau aufgrund starker politischer Anspielungen und Polemiken literarisch hinter dem Debüt eher zurücksteht.
Mistral setzte sich - parallel zu der vielfach einsetzenden Nationalitätenbewegung des 19. Jahrhunderts - für eine geistige und kulturelle Unabhängigkeit der Provence gegenüber dem auch kulturpolitisch zentralistischen Frankreich ein; anfangs auch noch für eine politische Autonomie. Dabei kämpfte er gegen das vorherrschende Klischee der Rückständigkeit und suchte Anknüpfungspunkte der okzitanischen, mediterranen Kultur und Überlieferung an die Antike. Seine Epen, Gedichte und Erzählungen übersetzte er meist selbst in die französische Sprache, was seine Rezeption innerhalb des Pariser Literaturszene erleichterte. Dies zeigt aber auch das kontinuierliche Spannungsfeld zwischen Mistrals Streben nach regionaler Emanzipation und gleichzeitiger Abhängigkeit vom zentralistischen Kulturbetrieb.
Im Laufe von 20 Jahren Lou tresor dóu Félibrige, ein Wörterbuch der provenzalischen Sprache, das 1879 bis 1886 erschien und auch zahlreiche provenzalische Dialekte enthält.
In seinem Spätwerk Lou Pouèmo dóu Rose von 1897 kommen sehr pessimistische Töne zum Ausdruck, die der allgemein apokalyptischen Stimmung zum Ende des 19. Jahrhunderts geschuldet sein mögen, aber auch Mistrals gescheiterten Versuchen, die Félibrige-Bewegung nachhaltig zum Erfolg zu führen. Stilisisch ist Lou Pouèmo dóu Rose - das „Rhonelied“ - dem Symbolismus und der Dekadenzdichtung zuzuordnen.
1904 erhielt Mistral zusammen mit José Echegaray den Nobelpreis für Literatur. In der Begründung hieß es:
Mistral war bei der Preisverleihung nicht anwesend; an seiner Stelle nahm ein Minister den Preis in Empfang. Das mit dem Nobelpreis verbundene Preisgeld verwendete Mistral, um die von ihm 1896 gegründete ethnographische Sammlung Museon Arlaten in Arles auszubauen. Die Räume des Hôtels Laval-Castellane beherbergen bis in die Gegenwart Exponate zur provenzalischen Kultur und Informationen zur Félibrige.
Mistral starb am 25. März 1914 in Maillane.
Mann | Franzose | Nobelpreisträger für Literatur | Literatur (Okzitanisch) | Geboren 1830 | Gestorben 1914
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