Die Fossilisationslehre (auch Taphonomie) ist die Lehre, die sich mit der Entstehung von Fossilien beschäftigt. Da der abgestorbene Organismus (oder seine Bewegungsspuren) mehrere Phasen durchlaufen, bevor sie Fossilien werden, benutzt die Fossilisationslehre die Erkenntnisse verschiedener anderer Disziplinen, darunter die:
Die Fossilisation ist ein extrem langwieriger Vorgang.
Je nach Umgebungsumständen können diese Phasen auch wiederholt oder in ihrer Reihenfolge vertauscht stattfinden. So kann es sein, dass ein Organismus sofort eingebettet wird bzw. durch die Einbettung überhaupt erst zu Tode kommt (in Medien wie Bitumen, Treibsand oder Eis). Es kann ein Organismus lange nach der Einbettung wieder frei gelegt werden, verwesen, um schließlich erneut eingebettet zu werden. Dies passiert oftmals bei Eisleichen, die nach jahrrtausenden der Einbettung von einem Gletscher frei gegeben werden und von rezenten Mikroorganismen und Makroorganismen befallen werden, bevor sie erneut, dann endgültig in Sediment eingebettet werden und nach Ablauf geologischer Zeiträume zu Gestein fossilieren. (siehe auch fauler Fotograf)
Prinzipiell ist jeder Körper unter geeigneten Bedingungen erhaltungsfähig, gleichgültig wie groß sein Gehalt an Hart- und Weichteilen ist.
Die Verwesung schreitet nicht an jedem Körperteil gleichmäßig voran. Vor allem die Areale um natürliche (Augen, Mund, Anus usw..) oder 'unnatürliche' Körperöffnungen (Verletzungen) verwesen deutlich schneller. Bei Wirbeltieren verwest der Bereich um den Mund besonders schnell, was oftmals zum Abtrennen des Unterkiefers führt, insbesondere bei frei schwimmenden Kadavern oder solchen, die während der Verwesung umgelagert werden. In solchen Fossilien fehlten dann diese Teile.
Die Verwesung wird beschleunigt durch hohe Umgebungstemperaturen und feuchtes Milieu.
Es gibt also für das Schicksal eines Körpers vor seiner endgültigen Einbettung sehr viele Kombinationsmöglichkeiten. Findet der Organismus aber letztendlich vor oder nach seiner Verwesung oder seiner zwischenzeitlichen Freilegung seinen endgültige Lagerstätte, so kommt er in jenes Substrat, mit dessem Schicksal seine weitere Entwicklung zusammen hängt. Je nach der sich bildenden Gesteinsart entstehen daraus typische Fossilien-Formen.
Der Idealfall ist, dass ein Organismus unmittelbar nach seinem Tode in ein Substrat eingebettet wird, welches ihn vor Luftzufuhr schützt und welches geeignet ist, ein Fossil auszubilden. Organismen können beispielsweise:
Die Einbettung in angeschwemmtes Substrat wie Lehm oder Schlamm ist besonders günstig. Reine Sandablagerungen (Sandstein) enthalten aber selten Fossilien, da diese bei späteren kieseligen Prozessen (Diagenese) zerstört werden. Salzsümpfe sind zwar gut geeignet, den Organismus zunächst komplett zu erhalten und auszutrocknen, ermöglichen aber nicht die Entstehung von Fossilien, da auch das Salz im weiteren geologischen Verlauf den Organismus auflöst. Dies ist der Grund, warum Salzflöze keine Fossilien enthalten.
Nicht nur Körper und Körperteile von Lebewesen können zu Fossilien umgebildet werden, auch der Erhalt von Spuren ist möglich und sie gehören zu den häufigsten Fossilien (Ichnofossilien, siehe auch Palichnologie). Beispiele sind Grabspuren, Kriechspuren, Laufspuren, Fressspuren, Kotspuren.
Der Erhalt von Laufspuren setzt voraus, dass das sie tragende Sediment und das sich auflagernde Sediment aus (mindestens leicht) verschiedenen Substraten bestehen, da sonst die beiden Schichten untrennbar miteinander verschmelzen und zu einer strukturlosen Schicht werden. Die Auswertung von Laufspuren ist sehr effektiv, da man aufgrund moderner Erkenntnisse der Bewegungsphysiologie, aber auch der Sportwissenschaft sehr genau weiß, wie welche Formen von Abdrücken unter welchen Umständen zustande kommen. So sind Rückschlüsse möglich auf das Gewicht des Tiers, die Laufgeschwindigkeit, das Lebensalter, den Beckenbau bis hin zu etwaigen Verletzungen.
Bei der Einbettung des Kadavers in Sand oder weichen Schlamm, der zur Bildung von extrem haltbaren Fossilien führen kann, ist sehr selten Weichteilsubstanz erhalten.
Muscheln, die im Sand sterben, erzeugen oftmals typische Entgasungstrichter. Es kommt auch vor, dass gasgefüllte Hohlräume keine Verbindung zur Außenwelt erlangen und über geologische Zeiten erhalten bleiben. Solche Inklusionen füllen sich im Laufe der Zeit mit stabilen kristallinen Einlagerungen oder werden durch Brüche oder Umlagerungen entstellt.
mögliche Rückschlüsse:
Hartteile unterliegen auch abiotischer und biotischer Zersetzung (Verwitterung) und sind nicht selten auf verschiedene Weise gebrochen oder angewittert. Sie verwesen aber nicht so schnell wie Weichteile und werden daher öfter erhalten. Muscheln und Schnecken haben oft eine glatte Oberfläche ihrer Hartteile, die sie zu Lebzeiten vor vielerlei Angriffen aus ihrer Umgebung schützt. Kalzium-Verbindungen wie Kalziumkarbonat, Perlmutt, Apatit und andere sind ein idealer Schutz vor verschiedenen Umwelteinflüssen. Eingebaute Proteinbestandteile werden so zunächst geschützt und zerfallen erst während der weiteren Umwandlung des eingebetteten Materials im Gestein.
Die Knochenbestandteile von Wirbeltieren, die überwiegend aus anorganischen Substanzen wie Kalzium-Verbindungen (Kalziumphosphate) bestehen, werden also vor und nach der Einbettung viel vollständiger erhalten als die Weichbestandteile. Sie unterliegen jedoch in jeder Hinsicht den bei der Sedimentation herrschenden Gesetzen und verhalten sich bei sämtlichen Prozessen und Umbildungen ebenso wie das Gestein.
Der eingebettete und entgaste Kadaver unterliegt dem selben Schicksal wie das ihn umgebende Substrat. Es wird zunehmend stärker bedeckt (andernfalls entstehen keine Fossilien) und kommt unter den Einfluss erhöhten Drucks und oft auch erhöhter Temperatur.
Eine erste Umwandlungsstufe wird Diagenese genannt und sie ist entscheidend für das weitere Schicksal der Hartsubstanz der Lebewesen. Sie beginnt, wenn aus den weicheren Sedimenten durch Verfestigung Sedimentgesteine entstehen und sich so das ursprünglich abgelagerte Sediment verwandelt. Diese Verwandlung betrifft auch die eingelagerten Reste der Lebewesen, die sich zu eigentlichen Fossilien entwickeln.
Die Diagenese beginnt mit der Verwandlung von lockerem Sediment in festes Substrat, wenn der Druck weiter steigt. Die Diagenese bewirkt auch, dass in Fossilien oft nicht mehr das ursprüngliche Material vorhanden ist, aus welchem die abgestorbenen Organismen bestanden. Oft wird es durch Siliziumverbindungen ersetzt. Man spricht dann von Gesteins-Metamorphose.
Gesteine die unter hohem Druck und hoher Temperatur metamorphieren, verlieren ihre Struktur und enthalten keine Fossilien mehr. Diese Gesteine werden Metamorphgesteine oder Metamorphite genannt.
Aufgrund der Diagenese kann das Alter eines Fossils oftmals nicht anhand seines Substrats bestimmt werden.
Vor allem bei jüngeren Fossilien oder unvollständiger Fossilisation finden sich in einer anorganischen Matrix noch organische Reste. Wichtig ist der schnelle Sauerstoffabschluss in einem sich später verfestigenden Material, so dass man Fossilien meist an Orten mit hoher Sedimentationsrate, wie Sümpfen, Mooren, Seen oder Flachmeeren findet. Von der Fossilisation ist jedoch nur eine sehr geringe Menge der gesamten umgesetzten Biomasse betroffen, wobei sich dies sehr stark an regionalen Gegebenheiten orientiert.
Die häufigsten Fossilien sind Versteinerungen. Die Verformung der Erdkruste ist dabei einer der Gründe, der dafür sorgt, dass in älteren Erdschichten immer weniger Fossilien gefunden werden. Bei Tieren bleiben dabei meistens nur harte Bestandteile wie Knochen, Zähne oder Schalen übrig. Wenn Holz von Kieselsäure durchdrungen wird, man spricht hierbei von Verkieselung, können sogar noch die Jahresringe erhalten bleiben, was im Falle der versteinertern Wälder besonders zum Ausdruck kommt. In seltenen Fällen können aber auch Weichteile erhalten bleiben, so zum Beispiel bei der Ediacara-Fauna in Australien, den Burgess-Shale-Fossilien in Kanada oder den Chengjiang-Fossilien in der Volksrepublik China.
Verläuft der Abschluss eines Lebewesens oder Lebewesenteils durch Sedimentation so langsam, dass das Lebewesen verwest bzw. sich Hartteile auflösen und einen Hohlraum im umgebenden Gestein hinterlässt, der mit der Zeit von einsickernden Mineralien oder von aus eindringenden Lösungen sich abscheidenden Mineralien ausgefüllt wird, entstehen Steinkerne als Fossilien. Bei diesem Vorgang bleibt die ursprüngliche Gestalt des Innenraums eines Tieres erhalten.
Ταφονομία | Taphonomy | Taphonomie
Die Entstehung von Fossilien ist kompliziert und extrem langwierig. Denn Fossilien entstehen phasenweise. Umgebungsumstände können diese beeinflussen. So kann es sein, dass Phasen auch wiederholt werden, oder die ganze Reihenfolge sogar vertauscht wird. Wenn eine Phase nicht eintritt, oder nicht vollendet wird, entsteht kein Fossil.
Der Fossilisationsprozess beginnt mit dem Tod des Lebewesens, oder der Pflanze. Für eine gute Erhaltung ist wichtig, dass der Tod nur durch geringe destruktive Kräfte bewirkt wird. Bei geeigneten Bedingungen kann jeder Körper, egal wie viele Hart- und Weichteile er enthält, erhalten bleiben. Anschließend können verschiedene Phasen der Zersetzung folgen: Zersetzung
Die Verwesung beginnt bereits mit dem Abkühlen des Organismus. Nicht an jedem Körperteil arbeitet sich die Verwesung gleichschnell voran. Vor allem die Bereiche um den Mund, die Augen und Verletzungen verwesen besonders schnell. Durch hohe Umgebungstemperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit wird der Verwesungsprozess beschleunigt.
Wenn das Lebewesen durch Sauerstoffmangel gestorben ist, oder in ein sauerstoffloses Gebiet gerät, findet keine Verwesung statt oder sie wird abgebrochen. Wegen dem Sauerstoffmangel bildet sich Fäule.
Bei der Entgasung werden sämtliche Bestandteile des Körpers verwertet. Dabei bildet sich Kohlenstoffdioxid, Wasserstoff, Schwefelwasserstoff, Ammoniak und andere Gase. Die Weichsubstanzen werden zersetzt, bilden aber andere Substanzen die die entstandenen Hohlräume ausfüllen. Die durch die Verwertung des Körpers entstehenden Gase entweichen durch das Substrat indem der Körper eingebettet ist. Durch die Entgasung kann man Rückschlüsse auf die Menge der Weichteile (ob der Körper bei der Einbettung unbeschädigt oder schon angefressen war), die Einbettungstemperatur, den Salzgehalt bei der Einbettung und das Einbettungsmedium ziehen.
Nun folgt die Erhaltung der Hartteile. Zwar sind die Hartteile auch der Zersetzung ausgeliefert, sie verwesen jedoch nicht so schnell wie die Weichteile. Die Knochen der Wirbeltiere bestehen zum Großteil aus Kalzium, deshalb überstehen sie meistens fast unbeschädigt den Fossilisationsprozess.
Auf den eingebetteten Körper wirkt nun eine höhere Temperatur und ein immer stärker werdender Druck. das kommt davon, dass er zunehmend stärker bedeckt wird. Das ist auch gut so, denn sonst könnte kein fossil entstehen. Wenn aus weichem Sediment durch viel Druck Sedimentgestein entsteht, beginnt die erste Umwandlungsstufe, die Diagenese. Es gibt verschiedene Stufen: -Entwässerung Wenn der Druck auf den Körper steigt wird dieser flach gedrückt und die Entwässerung tritt ein. -Kompaktion Durch Gesteinsdruck schrumpft das fossil weiter und verdichtet sich. -Auslaugung Das Fossil nimmt dieselbe kristalline Struktur an wie das Substrat das es umgibt. -Bruch und Verformung Salze lagern sich in kleine Hohlräume ein. Das Fossil verformt sich und kann an manchen Stellen auch brechen. -Umkristallisation die chemische Struktur des Fossils verändert sich weiter. -Abscheiden von Bindemitteln chemische Zerfallsprodukte organischen Ursprungs oder anorganische Stoffe werden als Bindemittel bezeichnet. Diese werden mit der Zeit umgewandelt, oder aus dem Substrat abgeschieden.
Durch die Diagenese ist es oft nicht möglich das exakte Alter eines Fossils anhand des Substrats (indem es sich befindet) zu erkennen.
== Spuren == Nicht nur Körper von Organismen können Fossilien bilden, sondern auch Grabspuren, Kriechspuren, Fressspuren, Kotspuren oder auch Laufspuren. Solche Spuren zählen zu den am häufigsten gefundenen Fossilien. Durch solche Versteinerungen kann man Rückschlüsse auf das Lebensalter des Tiers, die Laufgeschwindigkeit, den Körperbau und ungefähre Verletzungen ziehen. Für die Bildung von Laufspuren ist erforderlich, dass das Substrat indem sich der Fußabdruck befindet ein anderes ist, als das Substrat das ihn verdeckt. Wenn die beiden Substrate identisch sind, verbinden sie sich zu einer undurchdringlichen Masse, und das Fossil kann nicht geborgen werden.
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