Der Begriff Fontanelle stammt aus der altfranzösischen Sprache und bedeutete dort 'kleine Quelle'. In der deutschen Geschichte sprichwörtlich wurde das geflügelte Wort von der Friedensfontanelle.
Vorwiegend wird Fontanelle heute jedoch als medizinisch-anatomischer Begriff gebraucht. Fontanelle bezeichnet dabei den noch nicht verknöcherten Bereich auf dem Schädel von Neugeborenen bzw. Säuglingen, oder allgemeiner von neugeborenen Wirbeltieren. Sie bildet sich an Stellen, an denen mehrere, mindestens drei, Knochen des Schädels noch nicht vollständig miteinander verwachsen sind und so eine Lücke hinterlassen. Diese ist durch Bindegewebe verschlossen.
Der neugeborene Mensch besitzt zwei unpaare Hauptfontanellen, die als große Fontanelle und kleine Fontanelle bezeichnet werden, sowie vier weitere, kleinere Fontanellen (jeweils paarige vordere und hintere Seitenfontanellen).
Die rautenförmige Große Fontanelle (Stirn-Fontanelle bzw. Fonticulus anterior) liegt dabei zentral auf dem Schädel. An dieser Stelle treffen jeweils die rechten und linken Stirnbeine (Ossa frontalia) sowie die Scheitelbeine (Ossa parietalia) bzw. Kranznaht (Sutura coronalis), Pfeilnaht (Sutura sagittalis) und Stirnnaht (Sutura frontalis) aufeinander (siehe auch Sutur).
Die dreieckige Kleine Fontanelle (Hinterhaupts-Fontanelle bzw. Fonticulus posterior) liegt am Hinterkopf, am Berührungspunkt der Scheitelbeine mit dem Hinterhauptbein (Os occipitale) bzw. der Pfeilnaht mit der Lambdanaht (Sutura lambdoidea).
Die hinteren Seitenfontanellen (Fonticulus mastoideus) liegen beiderseits des Kopfes zwischen dem Schläfen-, dem Scheitel- und dem Hinterhauptbein. Die vorderen Seitenfontanellen (Fonticulus sphenoidalis) liegen ebenfalls beiderseits des Kopfes, zwischen Stirn- und Scheitelbein sowie dem großen Keilbeinflügel.
Die Fontanellen haben vor allem bei der Geburt eine wichtige Aufgabe. Gemeinsam mit der knorpeligen Auskleidung des Schädels ermöglichen sie durch Übereinanderschieben der Knochenplatten eine Deformation des Schädels während der Geburt und erleichtern diese dadurch. Der endgültige Verschluss erfolgt beim gesunden Menschen an der Kleinen Fontanelle nach etwa zwei Monaten, bei der Großen Fontanelle nach zwei Jahren. Die Seitenfontanellen schließen sich nach etwa einem Jahr. Bei verschiedenen Mangelerscheinungen, etwa Rachitis, dauert der Verschluss deutlich länger.
Bei einigen Kindern mit Down-Syndrom (Trisomie 21) kommt es zur Ausbildung einer weiteren Öffnung auf der Naht zwischen der Großen und der Kleinen Fontanelle, die auch als 3. Fontanelle bezeichnet wird.
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