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Fokale Adhäsionen (engl. focal adhesion) sind verankernde Zellverbindungen, die das Aktin-Cytoskelett einer Zelle mechanisch an das Substrat (Extrazelluläre Matrix, kurz: ECM) koppeln. Sie sind auf klar abgegrenzte Bereiche der Zelle beschränkt, an denen die Plasmamembran bis auf 15nm an das Substrat heranreicht[Zaidel-Bar, R., M. Cohen, L. Addadi und B. Geiger: Hierarchical assembly
of cell–matrix adhesion complexes. Biochemical Society Transactions, 32:416–420,
2004]. Fokale Adhäsionen können sich aus über 50 verschiedenen Proteinen zusammensetzen, was auf einen beträchtlichen Funktionsumfang schließen lässt[Zamir, E. und B. Geiger: Molecular complexity and dynamics of cell-matrix
adhesions. Journal of Cell Science, 114:3583–3590, 2001]. Tatsächlich dienen sie nicht nur der Verankerung der Zelle, sondern fungieren darüber hinaus als Signalüberträger, die die Zelle über den Zustand der ECM informieren und ihr Verhalten somit beeinflussen [Rivelinea, D., E. Zamir, N.Q. Balabanb, U.S. Schwarzc, T. Ishizakid,
S. Narumiyad, Z. Kamb, B. Geiger und A.D. Bershadsky: Focal contacts as
mechanosensors: externally applied local mechanical force induces growth of focal
contacts by an mDia1-dependent and ROCK-independent mechanism. ''The Journal
of Cell Biology'', 153(6):1175–1186, 2001].
Bei sessilen Zellen sind Fokale Adhäsionen im Normalfall recht stabil, während sie bei wandernden Zellen kurzzeitig auf- und abgebaut werden. Dies spielt beispielsweise eine wichtige Rolle für die Immunabwehr, bei der Leukozyten entlang des Gefäßendothels eine abbremsende Rollbeweung vollführen und schließlich und in entzündetes Gewebe einwandern.
Bau
Der Kontakt zu Proteinen der ECM wird hauptsächlich über
transmembrane Integrine vermittelt, die sich zu großen Proteinclustern zusammenlagern und mit ihrer extrazellulären Domäne an Proteine mit spezifischer Aminosäuresequenz (
RGD-Sequenz) binden (z.B.
Fibronectin,
Laminin,
Vitronectin oder
Kollagen). Integrine sind
Heterodimere und setzen sich jeweils aus einer α- und einer β-Untereinheit zusammen. Diese Untereinheiten liegen in verschiedenen
Isoformen vor, die sich in ihrer Bindungsfähigkeit
zu ECM-Proteinen unterscheiden. Die ß-Untereinheit ist auf der intrazellulären Seite über Adapterproteine (z.B. Talin, α-Aktinin, Filamin und Vinculin) an
Aktinfilamente gekoppelt. Außer Integrinen sind auch andere
Transmembranproteine wie z.B.
Proteoglykane in Fokalen Adhäsionen lokalisiert.
Neben strukturgebenden Proteinen finden sich in Fokalen Adhäsionen viele
signalübertragende Proteine wie die
Tyrosinkinasen c-Src oder FAK (''focal adhesion
kinase'').
Adhäsionsdynamik bei migrierenden Zellen
Der dynamische Auf- und Abbau von Fokalen Adhäsionen spielt vor allem bei der
Zellmigration eine zentrale Rolle.
Bei migrierenden Zellen ändert sich die Proteinzusammensetzung und
Morphologie von Fokalkontakten im Laufe ihres Bestehens, weshalb man sie in verschiedene Typen einteilen kann. Frühe Adhäsionen entstehen beim Vorschub des
Lamellipodiums (
Protrusion) nahe der Zellfront und werden Fokalkomplexe genannt. Sie sind recht klein (
0.25μm²) und enthalten neben α₅β₃-Integrin andere Proteine wie Talin, Paxilin und Phosphotyrosin. Die meisten Fokalkomplexe lösen sich während dem Zurückziehen des Lamellipodiums (
Retraktion) wieder auf. Die übrigen vergrößern sich und reifen zu stabilen Fokalen Adhäsionen, indem sie weitere Proteine wie z.B. Zyxin rekrutieren.
Fokale Adhäsionen bewegen sich relativ zum Substrat nur sehr wenig, sodass die
Zelle im Verlauf der Migration über sie hinwegwandert. Die Adhäsionsstellen bewegen
sich daher relativ zur Zelle von vorne nach hinten.
Am hinteren Ende der Zelle müssen die Fokalen Adhäsionen aufgelöst werden, um das
Nachziehen des Zellkörpers zu ermöglichen. Der Mechanismus dieses sogenannten
rear detachment ist bislang noch recht wenig verstanden und erfolgt wahrscheinlich auf verschiedene Arten. Die Trennung der Verbindung zwischen
Aktin-
Cytoskelett und Substrat kann prinzipiell rein mechanisch durch zelluläre Kontaktionskräfte oder biochemisch erfolgen. Es konnte gezeigt werden, dass die Hemmung sogenannter Calpain
Proteasen zur Stabilisierung von Fokalen Adhäsionen führt und die Substratablösung
verringert. Da zu den Substraten von Calpain einige Proteine fokaler Adhäsionen
gehören, könnte es sein, dass diese im Zuge des
rear detachments gezielt abgebaut werden.
[Huttenlocher, A., S.P. Palecek, Q. Lu, W. Zhang, R.L. Mellgren,
D.A. Lauffenburger, M.H. Ginsberg und A.F. Horwitz: Regulation of cell
migration by the calcium-dependent protease calpain. ''The Journal of Biological
Chemistry'', 272:32719–32722, 1997.]
Funktion als Mechanosensor
Mechanische Kräfte, die auf Fokale Adhäsionen ausgeübt werden, können das intrazelluläre
Signalprotein Src aktivieren und bewirken das Wachstum der Adhäsionen. Dies
zeigt, dass Fokale Adhäsionen als
Mechanosensoren fungieren, und weist darauf hin, dass
myosinvermittelte Zugkräfte zur Reifung der Fokalkomplexe beitragen könnten.
[Wang, Y., E.L. Botvinick, Y. Zhao, M.W. Berns, S. Usami, R.Y. Tsien
und S. Chien: Visualizing the mechanical activation of Src. Nature, 434:1040–
1045, 2005]
Literatur
- Alberts, B. et. al.: Molecular Biology of the Cell. Garland Science, 4. Auflage, 2002. ISBN 0815340729.
Quellen
Siehe auch
Weblinks
Zellbiologie | Focal adhesion