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Löss (früher Löß) ist ein durch den Wind (Flugsand) abgelagertes Sediment, das aus der Zerstörung anderer Gesteine hervorgegangen ist (klastisches Gestein).

Beschreibung


Löss ist ein terrestrisches äolisches Schluffsediment, das zum größten Teil (50-80%) aus Quarzkörnern besteht. Bedingt durch den Windtransport besteht Löss aus gleichkörnigem, äußerst feinem Quarzstaub mit 8-20%Kalkigen-Bruchstücken. Verfestigt wird er durch ein toniges Bindemittel, das durch Eisenhydroxide gelblich eingefärbt ist. Zudem ist Löss mit wechselnden Mengen Feinsand durchmischt, sein Anteil am Gemenge kann bis zu 20% ausmachen. Löss ist primär ein äolisches Sediment, seine Bestandteile wurden durch Wind ausgeblasen und transportiert, daher rühren seine charakteristisch gute Sortierung und die vorherrschend eckige Form der Körner. Auffallend ist die hohe Standfestigkeit von Lösswänden an Berghängen und in Hohlwegen. Das durch den Wind angeblasene Sediment ist gewöhnlich ungeschichtet, unverfestigt und sehr porös, kann jedoch bei späterer Umlagerung durch Wasser eine Schichtung erhalten (Schwemmlöss). Bei Überanspruchung durch landwirtschaftliche Nutzung oder sonstiger Verdichtung kann es zu einer schnell fortschreitenden Verwitterung der Lössböden kommen. Der damit einhergehende Verlust an Bindungskraft kann insbesondere bei starken Niederschlägen zum Auftreten von Bodenrutschen, Grabenbildung und ähnlichen Phänomenen führen. Außerdem entstanden so die berühmten Lösshohlwege im Süden Deutschlands.

Verbreitung


Loess_fg1.jpg | 2006_Dirmstein-Loesswand3.jpg (Pfalz)]]

In Westeuropa tritt Löss sehr verbreitet mit Mächtigkeiten bis zu 40 m auf.

Lössgebiete werden in Süddeutschland auch als Gäulandschaften, in Norddeutschland als Börden bezeichnet. Volkstümliche Bezeichnungen für Löss in Südwestdeutschland (Ortenau, Kaiserstuhl) sind u. a. auch Leimen oder Mergel. Geologisch gesehen sind Mergel jedoch tonhaltige Karbonate.

Bekannte Lössgebiete

In Polen setzt sich diese aus Deutschland hinüber reichende Zone in Schlesien und Kleinpolen fort. Hier schließen sich die Schwarzerdegebiete der Ukraine an.

In Österreich ist die größte Verbreitung des Sediments im Weinviertel im nordöstlichen Niederösterreich zu finden. In Oberösterreich wurde im letzten Glazial entlang von Donau und Inn ebenfalls Löss abgelagert. Der in der südöstlichen Steiermark abgelagerte Staublehm wird zu den lössähnlichen Sedimenten gezählt. Die mächtigsten Lössdecken findet man in Ostasien, insbesondere in China. Entlang des Huang He (= Gelber Fluss) steht Löss in Decken von bis zu 400 m an.

Heutige Bedeutung


Lössacker.jpg, Württemberg]] Lössgebiete sind sehr fruchtbar und gehören meist auch zum Altsiedelland. Die Fruchtbarkeit entsteht aufgrund der kleinen Korngröße und dem damit verbundenen leicht zugänglichen Mineralreichtum. Die gute Durchlüftung, die guten Eigenschaften als Wasserspeicher und der Porenreichtum des Lösses erleichtern die Bodenbildung. Auf Löss entstehen tiefgründige, leicht bearbeitbare und enorm leistungsfähige Braunerden, Parabraunerden und Schwarzerden. Diese Böden und die entsprechenden Verbreitungsgebiete sind agrarwirtschaftlich besonders wichtig.

Für zahlreiche Pflanzen und Tiere ist Löss von großer Bedeutung. Beispielsweise findet sich eine enorme Anzahl von Bienen- und Wespenarten, die in Lösswänden ihre Nester anlegen.

Medizinische Anwendung

In der Natur-Medizin wird Löss als Heilerde zur inneren und äußeren Anwendung verwendet. Gründe dafür sind die seiner geringen Korngröße zu verdankende hohe innere Oberfläche und sein hoher Gehalt an Mineralien.

Es wird empfohlen, den Löss bei Sodbrennen und säurebedingten Magenbeschwerden in Wasser aufgelöst in kleinen Mengen zu schlucken. Heilerde bindet den Überschuss an Magensäure und Gallensäuren. Dies lindert die Magenbeschwerden und erhöht den Schutz der Schleimhaut des Magens vor aggressiven Substanzen. Auch Durchfallerkrankungen können mit Löss behandelt werden. Im Darm können außerdem schädliche Stoffe bzw. Stoffwechselbakterien durch Heilerde gebunden werden, was zur allgemeinen Darmsanierung beiträgt. Heilerde bindet Skatol, das ein giftiges Abbauprodukt des Nahrungseiweißes darstellt. Auch bestimmte Eiweißkörper, die von schädlichen Darmbakterien ausgeschieden werden und die normale (physiologische) Darmflora schädigen, können von Heilerde absorbiert sowie adsorbiert werden. Dadurch wird die Gesundung der Darmflora gefördert.

Äußerlich angewendet lindert Heilerde Akne, Entzündungen, Haut-, Muskel- und Gelenkbeschwerden.

In der kosmetischen Haut- und Schönheitspflege hat Heilerde einen festen Platz, da sie der Haut ein frisches und schönes Aussehen verleihen soll.

Löss in China


Der Löss war wichtig für die Entstehung der chinesischen Zivilisation. Der verfestigte Flugstaub aus innerasiatischen Steppen ist gelbbraun und äußerst nährstoffreich. Nirgendwo auf der Welt hat er sich in größeren Mengen abgelagert. Die Lössschichten im Bergland der Provinzen Henan, Shaanxi, Shanxi und Gansu sind bis zu 300 m mächtig.

Dies hat für die Landwirtschaft große Vorteile, denn Löss ist sehr fruchtbar und mit einfachem Werkzeug zu bearbeiten. Andererseits waschen die wenigen, aber heftigen Regenfälle den Löss von den Hängen und erodieren das Bergland. Dieser Vorgang wird insbesondere durch die Tatsache begünstigt, dass auch in Gelände mit starkem Gefälle Ackerbau betrieben wird. Zusammen mit der durch landwirtschaftliche Nutzung verursachten Verdichtung wird die Erosion so maßgeblich verstärkt.

Die erodierten Materialien gelangen in den Gelben Fluss (chinesisch: Huangho), der seinen Namen von den mitgeführten Sedimenten hat. Kein Fluss führt mehr Sedimente mit sich: Es sind fast 40 Kilogramm pro Kubikmeter Wasser. Der mitgeführte Schlamm lagert sich im Flussbett ab. Auf Grund dieser Sedimentation erhöht der Gelbe Fluss sein Flussbett und muss durch Deiche eingedämmt werden. Bei Kaifeng und Zhengzhou liegt der Wasserspiegel des Gelben Flusses schon zehn Meter über dem Umland.

Siehe auch


Literatur


  • Ian James Smalley: Loess: Lithology and Genesis, John Wiley & Sons Inc, 1976, ISBN 0470799013
  • Ian James Smalley : Loess: A Partial Bibliography, Geo Abstracts, 1980, ISBN 0860940365
  • Cornelia Fleischer Mutel: Fragile Giants: A Natural History of the Loess Hills (A Bur Oak Original), Univ of Iowa Pr, Dezember 1989, ISBN 0877452571

Weblinks


Bodenkunde | Geologie | Historische Geologie

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