Fliesen sind künstlich hergestellte keramische Platten, die als Wand- und Bodenbeläge verwendet werden.
Der Rohstoff für gebrannte Fliesen ist Ton. Zum Teil wird auch Porzellanerde (Kaolin) - ein feiner, eisenfreier, weißer Ton - als Bindemittel beigemengt. Zum Ton kommen weitere mineralische Zuschlagsstoffe wie Feldspat, Dolomit, Kalzit, Schamottemehl, Quarz, Sand oder gemahlenes Glas.
Die Rohmasse wird entweder als Trockenpressmasse zu keramischen Fliesen (Feinkeramik) oder als plastische Masse mit höherem Wassergehalt in Strängen gepresst und anschließend zu Spalt- oder Bodenklinkerplatten (Grobkeramik) geschnitten. Anschließend werden die Rohlinge getrocknet, teilweise glasiert und gebrannt.
Beim Brennen bei Temperaturen von 900 bis 1200°C bekommen die Rohlinge ihre endgültigen Eigenschaften und Gütemerkmale. Für eine farbige Glasur werden Metalloxide mit eingebrannt.
Fliesen werden im Wesentlichen nach ihrer Wasseraufnahmefähigkeit und der Beständigkeit ihrer Oberfläche gegenüber Abrieb (Abriebfestigkeit) klassifiziert. Ferner wird die Rutschhemmung ihrer Oberfläche bei Feuchte kategorisiert.
Fliesen, die diese und etliche weitere Qualitätsprüfungen bestehen, kommen als Fliesen 1. Wahl in den Handel. Wenn nur eine der vielen Qualitätsanforderungen nicht erfüllt wird, werden die Fliesen als 2. Wahl vertrieben. Fliesen mit groben Fehlern werden als Ausschuss ausgesondert.
Ferner unterscheidet man in Steingut (glasiert, nur auf der Oberfläche gefärbt) und Feinsteinzeug (unglasiert, komplett durchgesintert und durchgefärbt) sowie in Frostbeständigkeit (für die Verwendung im Außenbereich). Ausschlaggebend für letztere ist das Wasseraufnahmevermögen (s. u.).
| Gruppe | Massen-% Wasseraufnahmevermögen |
|---|---|
| I | höchstens 3 % |
| IIa | 3 % bis 6 % |
| IIb | 6 % bis 10 % |
| III | mehr als 10 % |
Frostbeständig und somit für den Außenbereich geeignet sind nur Fliesen und Platten der Gruppe I. Auch Fliesen, die auf überdachten Flächen - z.B. auf Balkonen - vor Niederschlägen geschützt verlegt werden, müssen der Gruppe I zugeordnet sein, da sie dort nicht frostgeschützt liegen.
Die Widerstandsfähigkeit glasierter Fliesen und Platten gegen Abrieb wird durch Schleif- und Sandstrahlprüfung bestimmt. Anhand der Prüfungsergebnisse werden die Fliesen und Platten in fünf Klassen eingeteilt.
Bei der Boden-"Beanspruchung" im Wohnbereich spricht man auch von Gehbelastung und viel bzw. wenig begangenen Flächen.
Nach DIN 51130 unterscheidet man in sogenannte R-Klassen. Je höher die hinter dem R stehende Zahl, desto rutschhemmender. Für den gewerblichen Bereich sind Klassen von R9 - R13 vorgeschrieben. Die BGR 181 der Berufsgenossenschaften findet jedoch keine Anwendung auf Fußböden in Arbeitsräumen, Arbeitsbereichen und betrieblichen Verkehrswegen, die trocken genutzt werden, und wo die Gefahr des Ausrutschens auf Grund gleitfördernder Stoffe nicht besteht. Im Zweifelsfall sollten die Berufsgenossenschaft oder die Gewerbeaufsicht zum jeweiligen Bauobjekt befragt werden
Für den privaten Bereich gibt es keine Vorgaben, es empfiehlt sich aus Haftungsgründen auch hier die Verwendung von geprüften und zugelassenen Fliesen mit mindestens R9-Klassifizierung.
Ferner unterscheidet man je nach Anwendungsfall für den Barfußbereich (DIN 51 097) in die Klassen A, B und C. In Bereichen, wo fettige oder "pastöse" oder faserig-zähe Stoffe auf den Boden gelangen, müssen Fliesen auch noch einen "Verdrängungsraum" besitzen, der nach vier V-Klassen bewertet wird.
Werden Fliesen mit zu geringer Rutschhemmung eingebaut, drohen im Unglücksfall hohe Schadenersatzansprüche.
Wandfliesen: 10 x 10 cm, 15 x 15 cm, 18 x 18 cm, 13,5 x 19 cm, 15 x 22,5 cm, 20 x 20 cm, 20 x 25 cm, 15 x 20 cm, 20 x 33,3 cm, 28,4 x 40,8 cm, 30 x 40 cm, 30 x 50 cm 30 x 60 cm
Bodenfliesen: 20 x 20 cm, 20 x 25 cm, 25 x 25 cm, 30 x 30 cm, 30,5 x 30,5 cm, 32 x 32 cm, 33 x 33 cm, 40 x 40 cm, 41 x 41 cm, 30 x 60 cm
Überdies existieren Formstücke für Sockelausbildungen, Bordüren, Treppenstufen, Ecken etc. Auch spezielle Arten von Schienen für Anschlüsse an andere Bodenbeläge, Ecken etc. sind erhältlich.
Ein Fliesenspiegel ist ein Verlegeplan des ausführenden Gewerks, ähnlich beispielsweise einem Deckenspiegel. Charakteristisch ist hierbei der Meterriß, eine Linie, die in einem Meter Höhe über der Fertigfußbodenoberkante gezogen wird. Ebenso die vertikale Bezugsachse. Beide dienen der Orientierung des Handwerkers und liefern Distanzkoordinaten zum Fliesenraster, sowie Anschlüssen von Sanitärinstallationen.
Zum Verbauen werden folgende Werkzeuge benötigt: