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Eine Fliegerbombe ist eine Bombe, die aus einem Flugzeug, einem so genannten Bomber, abgeworfen wird und, je nach Zündsystem, beim Aufprall, in geringer Höhe über dem Boden, nach Duchschlag eines Zieles oder zeitverzögert explodiert. Ungelenkte Bomben sind, aus großer Höhe abgeworfen, eine sehr ungenaue Waffe, weshalb oft eine größere Fläche mit Bomben belegt werden muss, damit auch das eigentliche Ziel getroffen wird. Heute übliche Bomben steuern sich meistens selbst ins Ziel, sind aber wegen möglicher Fehlfunktion und der in Mitleidenschaft gezogenen Umgebung des Ziels bei weiten Teilen der Bevölkerung umstritten. Sie werden häufig als unzivilisiertes und verwerfliches Mittel der Kriegsführung gesehen. Das Bombardieren von Flächen wurde oft als Terrorangriff angewendet, um Angst und Schrecken in der Bevölkerung zu verbreiten, möglichst viele Menschen zu töten oder zu verletzen und die Infrastruktur zu zerstören.

Man unterscheidet Fliegerbomben:

  • nach ihrer Wirkung im Ziel:
    • Brandbombe - Soll vor allem Feuer entfachen, bei großflächiger Anwendung einen sich selbst verstärkenden Feuersturm.
    • Sprengbombe- Soll Bauwerke oder Fahrzeuge zerstören oder unbrauchbar machen. In der Regel relativ dünnwandig und hoher Sprengstoffanteil.
    • Splitterbombe - Explodiert in der Luft oder unmittelbar beim Aufschlag. Beabsichtigte Hauptwirkung durch Splitter, deswegen meist relativ dickwandig und geringerer Sprengstoffanteil. Splitterwirkung ist ziemlich weitreichend, Einsatz i.d. R. gegen sog. "Weichziele" (Menschen, Fahrzeuge etc.).
    • GP-Bombe - "General Purpose" (Mehrzweck). Kombination aus Spreng- und Splitterbombe.
    • Streubombe - Ein Behälter, der eine größere Anzahl Submunition ("kleine Bomben") enthält. Mit einer Streubombe soll eine größere Fläche gleichmäßig mit "Wirkung" belegt werden. Sehr effektiv, jedoch wegen größerer Blindgängerzahl und häufigen Unfällen mit diesen nach den Kampfhandlungen humanitär umstritten.
    • Leuchtbombe - Enthält einen Leuchtsatz mit Fallschirm. Zur Beleuchtung eines Gefechtsfeldes.
    • Blitzlichtbombe - (veraltet) Enthält einen Blitzlichtsatz und wurde bei nächtlichen Aufklärungsflügen für Fotos verwendet.
    • FAE-Bombe - "Fuel Air Explosive". Enthält einen brennbaren Stoff, der durch eine kleine Zerlegeladung im Ziel zunächst fein verteilt und dann angezündet wird. Beim Abbrand in Verbindung mit dem Luftsauerstoff wird so eine große "Verpuffung" erzeugt.

  • nach ihrer Möglichkeit zu Steuerung während des Fluges:
    • Dumb Bombs - sind ungelenkte Bomben, die nach dem Abwurf nicht mehr gelenkt werden können
    • Smart Bombs - Bomben, die entweder nach dem Abwurf ferngelenkt werden oder selbsttätig ein Ziel ansteuern können.

Indirekte Gefahren


Nicht explodierte Fliegerbomben, auch Blindgänger oder salopp Versager genannt, sind auch nach Jahrzehnten eine Gefahr, da sich der in ihnen enthaltene Sprengstoff unberechenbar verhalten kann. In deutschen Städten werden z. B. auch nach 60 Jahren regelmäßig Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Auch die langfristige Wirkung der von Bomben stammenden Gifte ist nicht zu unterschätzen.

Geschichte


Die Idee der Fliegerbombe wurde bereits 1910 vom Briten R. P. Hearne in Airships in Peace and War erdacht, um Strafexpeditionen kostengünstiger durchführen zu können. Das Konzept des Luftkriegs fand schnell in militärischen Kreisen Zuspruch.

1912 startete Frankreich das erste Bombardement in Marokko, wobei große Ziele wie Dörfer gewählt wurden. Im Jahr darauf eroberte Spanien einen anderen Teil Marokkos mit Splitterbomben aus deutscher Produktion.

Großbritannien nutzte ab 1915 Bomben zur Bestrafung der widerspenstigen Bevölkerung seiner Kolonien: die Paschtunen im Nordwesten Indiens, der Kriegsherr Mohammed Abdil Hassan (1917), Sudan, Iran und andere Krisenherde.

Im Ersten Weltkrieg wurden erstmals Bomber eingesetzt, bei denen die Fliegerbomben nicht mehr aus dem Beobachtungsstand herausgeworfen, sondern vom Rumpf oder dem unteren Flügel ausgeklinkt wurden. Die maximale Bombenlast konnte bis zu 900 kg betragen.

1918 setzt die sozialdemokratische Regierung im Stadtgebiet von Berlin Fliegerbomben zur Niederschlagung des Spartakusaufstandes ein, so gegen das Redaktionsgebäude der Zeitung "Vorwärts" und die Schultheiß-Brauerei, in denen sich hunderte Aufständische verschanzt haben.

Fliegerbombe_1919.jpg Bereits damals war das Hauptproblem von Bomben die mangelnde Zielgenauigkeit. Winston Churchill war 1920 nach dem Lesen eines Berichts über ein Bombardement Bagdads, in dem auch die Zivilbevölkerung schwer getroffen wurde, so schockiert, dass er weitere Berichte solcher Art verbot. Die Bombenangriffe gingen aber trotzdem weiter. Oft traten Offiziere, die die Folgen solcher Angriffe sahen und diese als Massaker bezeichneten, von ihren Posten in den Kolonien zurück und gingen lieber nach England zurück.

Viel brutaler noch ging Spanien in Marokko vor. Am 29. Juni 1924 wurden bei Tétouan sechshundert Bomben abgeworfen, und die Zivilbevölkerung schwer getroffen.

Im spanischen Bürgerkrieg hat die deutsche Wehrmacht ihre Waffenhilfe für Francos Truppen dazu benutzt, die Bombardierung ganzer Städte zu üben und zu perfektionieren; die kleine nordspanische Stadt Guernica wurde am 26. April 1937 von der Legion Condor der deutschen Luftwaffe angegriffen und weitgehend zerstört. Die Weltöffentlichkeit reagierte mit Bestürzung, während man sich in deutschen Militärkreisen zufrieden zeigte. Pablo Picasso widmete diesem Schrecken sein Guernica-Bild.

"Mir gab Spanien die Gelegenheit, meine junge Luftwaffe zu erproben ... und den Leuten, Erfahrungen zu sammeln." (Hermann Göring zu Guernica während der Nürnberger Prozesse).

Nach einem französischen Angriff auf das Moslemviertel von Damaskus (Syrien) kamen große Diskussionen auf, ob solche Angriffe völkerrechtlich vertretbar sind. Es kam darauf die Theorie auf, dass die Menschheit in Zivilisierte, Barbaren und Wilde zu unterteilen sei und nur Angriffe auf zivilisierte Völker gegen das Völkerrecht verstoßen. Damit wurde der Angriff auf Syrien legitimiert und es wurde sogar behauptet, Frankreich handle im Auftrag des Völkerbundes in Syrien.

Anders hingegen verlief der Fall Äthiopiens, welches unabhängig und Mitglied des Völkerbunds war und 1935 von Italien angegriffen wurde. Dieser Angriff wurde als Verstoß gegen das Völkerrecht angesehen. Kurz darauf wurde aber Äthiopien doch von Italien annektiert, was vom Völkerbund anerkannt wurde.

Im Zweiten Weltkrieg wurden Bomben dann für beide Seiten ein wichtiges Element der Kriegsführung. Beide Seiten scheuten nicht davor zurück, historisch bedeutsame Altstädte (z.B. Würzburg (Grab am Main) am 16. März 1945 und Dresden 13./14. Februar 1945) zu bombardieren und dabei gezielt die Zivilbevölkerung zu treffen. Schrecklicher Höhepunkt der Bombardements war der Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945.

Inzwischen ist die Technik so weit, dass Bomben durchaus zielgenau eingesetzt werden könnten, dennoch wird manchmal von Kriegsparteien darauf verzichtet, um die Zivilbevölkerung unter Druck zu setzen, oder es werden veraltete Bomben und Raketen eingesetzt, um die Lager zu leeren.

Die größte bekannte nicht-nukleare Fliegerbombe ist die MOAB.

Bombe | Luftkrieg

 

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