Flag of Ukraine.svg Flagge der Ukraine
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Die Flagge der Ukraine soll den blauen Himmel über reifen Kornfeldern symbolisieren. Ihren wahren Ursprung aber hat sie im Wappen der warägischen Dynastie der Rurikiden, die vom 9. Jahrhundert bis 16. Jahrhundert über die Kiewer Rus und das spätere russische Reich herrschten; die Farben Blau und Gelb sind nicht zufällig dieselben wie in der Flagge Schwedens.
Die Ereignisse im Baltikum lösten ähnliche Prozesse in der Ukraine aus. Vor allem in der Westukraine und in Kiew wurden Prozessionen, Demonstrationen und Volksfeste unter nationalen blau-gelben Flaggen der 1917-1920 kurzzeitig unabhängigen Ukrainischen und Westukrainischen Volksrepubliken immer häufiger.
Die erste bekannte Abbildung des Löwen wird dem Siegel in einer Urkunde des Fürsten Andreas (Andrij) und Leo II. (Lev II.) aus dem Jahre 1316 zugeordnet, manche Historiker führen dieses Siegel auch auf Leo I., den Sohn König Daniels von Galizien (Danylo Halyckyj), zurück. Der Löwe als Wappen Rutheniens erscheint auch auf Siegeln der späteren Fürsten im 14. Jh. und nach dem Untergang des Fürstentums auf denen der polnischen Könige und litauischen Großfürsten, die die Gebiete von Galizien-Wolhynien unter sich aufgeteilt hatten. Der Löwe war auch auf Münzen abgebildet, die mit der Inschrift "moneta Rutheniae" 1350-1410 in Lemberg geprägt wurden. Banner-Przemysl-Land-1410.JPG (Tannenberg) 1410]] 1410 nahmen Freiwilligenverbände aus dem Lemberger Land (Lvivska zemla, pl. Ziemia lwowska) unter dem blauen Banner mit dem am Felsen kletternden goldenen Löwen an der Seite des polnischen Königs in der Schlacht von Grunwald (Tannenberg) teil. Die gleichen Farben trugen auch die Freiwilligen aus dem Przemyśler Land (Peremyslanska zemla, pl. Ziemia przemyska) - das blaue Banner mit dem goldenen Doppeladler.
Seit dem 18. Jh. beginnt die Verbreitung der blau-gelben Farbkombination auch im Hetmanat (Heťmanščyna). Auf Bannern erscheint zu dieser Zeit meistens ein Kosak mit der geschulterten Muskete, der damals auch als "Wappen der Nation" verstanden wurde, in Kombination mit dem Emblem eines Regiments oder einer Hundertschaft. Die Farben waren gold auf blau. Ein bekanntes derartiges Banner ist bspw. das der Domontiv-Hunderschaft des Perejasław-Regiments aus dem Jahre 1762.
Es gibt auch zeitgenössische Zeugnisse, dass die ukrainischen Haidamaken während des Aufstandes unter Ivan Gonta 1768 blau-gelbe Kleidung trugen.
Nach dem Anschluss an Österreich gerieten die alten Landesfarben blau und gelb in Vergessenheit. Dem Königreich wurde ein neues Wappen - schwarzer Rabe am roten Balken mit drei goldenen Kronen - und neue Landesfarben gegeben. Zunächst rot-gelb-blau, dann bis zur Bildung des Herzogstums Bukowina 1849 nur die Wappenfarben blau-rot. Nach der Ausgliederung der Bukowina wurde für selbige blau auf rot, für Galizien und Lodomerien dagegen rot auf blau als Landesfahne festgelegt.
Zu einer Renaissance der ruthenischen Nationalfarben kam es erst während des revolutionären Umschwungs 1848. Am 2. Mai 1848 konstituierte sich in Lemberg der Ruthenische Hauptrat (Hołovna Ruśka Rada), die eine pro-österreichische Stellung einnahm. Als im Juni am Lemberger Rathaus die blau-gelbe Fahne erschien, distanzierten sich die Ratsmitglieder sofort davon.
Im April 1848 wurde von den Österreichern die Aufstellung einer Nationalgarde "zur Unterstützung der Ordnung" erlaubt. Im Art. 19 der Satzung war vermerkt "jedes Bataillon soll einen Banner, jeder Schwadron eine Standarte in Landesfarben haben". Während des ersten panslawischen Kongresses in Prag (2.-16. Juni 1848) erreichten die ruthenische und polnische Delegation einen Kompromiss, wonach die Einheiten der Nationalgarde in Galizien Wappen und Farben beider Völker verwenden sollten.
Banner-Ruthenische-Nationalgarde-1848.JPG]]
Tatsächlich kam es jedoch zur Bildung einer polnischen Garde, woraufhin die ruthenische Seite auf eine Teilnahme verzichtete. Am 20. September 1848 erschien der Aufruf des Ruthenischen Hauptrates zur Aufstellung einer ruthenischen Nationalgarde. Als Abzeichen verwendeten deren Einheiten den goldenen "ruthenischen Löwen" auf blau. Wegen der technisch anspruchsvollen Herstellung der Banner mit der Abbildung des goldenen Löwen ging aber allmählich zur Verwendung der einfachen Fahnen mit zwei horizontalen Streifen in den "ruthenischen Farben" mit der Kombination blau-gelb oder gelb-blau über.
Da Galizien gegen Ende des 19. Jhd. eine Art "ukrainischer Piemont" geworden war, wurden auch die wiedergeborenen Nationalfarben in der ganzen Ukraine (der größte Teil lag im damaligen Russischen Reich) schnell aufgenommen. Als es 1911-1913 in Lemberger und Kiewer Zeitschriften zu einer breiten Diskussion über die Nationalsymbole kam, standen die Farben außerfrage, gestritten wurde nur um ihre Anordnung - gelb-blau oder blau-gelb.
Nach dem Ausbruch der Februarrevolution 1917 in Russland und der Abdankung des Zaren bildete sich in Kiew der Ukrainische Zentralrat (Ukrajinśka Centralna Rada) als provisorische politische Repräsentanz der ukrainischen Nation. Absicht der Rada war zuerst die Bildung einer ukrainischen Autonomie innerhalb der neu ausgerufenen föderativen Russischen Republik. Nach dem Sturz der provisorischen Regierung unter Kerenski in Sankt Petersburg am 7. November 1917 durch die Bolschewiki (sog. Oktoberrevolution) ging die Rada in Kiew auf Distanz und rief schließlich am 22. November die Ukrainische Volksrepublik (Ukrajinśka Narodnia Respublika) aus, dies jedoch zunächst unter Beibehaltung einer föderativen Verbindung mit der "demokratischen Russischen Republik" (Sowjetrussland erkannte die Rada als solche nicht an). Am 24. Januar 1918 folgte die Erklärung der völligen Unabhängigkeit von Russland.
Zu diesem Zeitpunkt war die Frage der Nationalfarben der Ukrainer schon weitgehend geklärt. Als Nationalflagge war in beiden Teilen des Landes (ehem. russisch bzw. österreichisch) die ursprünglich aus Galizien stammende blau-gelbe Farbkombination anerkannt. Die erste gesetzliche Regelung der Nationalfarben durch die Centralna Rada erfolgte am 14. Januar 1918 im Provisorischen Gesetz zur Flotte der Ukrainischen Volksrepublik. Art. 2 des Gesetzes schrieb vor: "Flagge der Ukr. Kriegsflotte ist ein Banner in zwei Farben: blau und gelb. Im blauen Teil findet sich der historische goldene Dreizack mit weißem innerem Feld darin." Art. 3 legte fest: "Flagge der Ukrainischen Handelsflotte ist ein Banner in zwei Farben: blau und gelb." Flagge-Ukr-Volksrepublik.JPG vom 22. März 1918]] Am 22. März 1918 hat die Centralna Rada als Nationalflagge der Republik endgültig die blau-gelbe Fahne mit dem gelben über dem blauen Streifen gesetzlich festgelegt. Damit kam die Rada dem Anliegen von Prof. Hruševśkyj entgegen, der ein konsequenter Verfechter der deutschen heraldischen Tradition war. Nach dieser Tradition wird die Farbe der Wappenfigur immer oben in der Flagge abgebildet. Die Farben sowohl des galizischen Löwen als auch des Tryzubs der neuen Republik waren golden auf blau, das sollte nach Hruševśkyjs Meinung auch in der Flagge konsequent umgesetzt werden.
Die erste demokratische Regierung der Ukraine konnte sich nicht lange halten. Am 29. April 1918, als die Centralna Rada gerade eine provisorische Verfassung für die Ukrainische Volksrepublik verabschiedete, erfolgte ein Staatsstreich unter dem von den Deutschen unterstützten zaristischen General Pavło Skoropadśkyj, der nun zum Hetman und die Republik zum Ukrainischen Staat (Ukrajinśka Deržava) ausgerufen wurde.
Den Ukrainischen Staat verstand er als Fortsetzung des alten Hetmanats aus dem 18. Jhd., was sich auch in den Staatssymbolen niederschlagen sollte. Er konnte jedoch auf die Symbole der Volksrepublik nicht ganz verzichten. Staatssiegel und Staatswappen zeigten nun den Kosaken mit geschulterter Muskette in Kombination mit dem Tryzub (Dreizack) der Republik. Die Ordnung der Farben in der Flagge wurde wiederum geändert und die blau-gelbe Fahne zur Flagge des Ukrainischen Staates erklärt. Tryzub und blau-gelbe Farben wurden unter Hetman auch zu Bestandteilen der Militäruniform. Standard-Hetman-1918.JPG, 1918]] Man entwickelte auch eine Reihe von Dienstflaggen mit den nationalen Symbolen. So wurde am 18. Juli 1918 vom Hetman die Dienstflagge der Ukrainischen Staatsflotte festgelegt. Die Flagge lehnte sich an die Kriegsflagge der deutschen Kaiserlichen Marine an und stellte ein dunkelblaues Kreuz auf weißem Grund mit der nationalen Bicolore und dem bronzenen Tryzub in der linken oberen Ecke dar. Diese Dienstflagge, jedoch ohne Tryzub, wird heute wider von der Ukrainischen Marine als Dienstflagge benutzt.
Chronologie der Ukrainischen Geschichte im 20 Jhd., Historische Fakultät der Universität Kiew (ukr.)
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