Unter Flächenbombardement bzw. Flächenbombardierung versteht man die Bombardierung großer Flächen, bei der keine einzelne Ziele getroffen werden sollen. Der Tod von Zivilisten wird dabei in Kauf genommen bzw. ist sogar explizietes Ziel des Angriffs.
Von Flächenbombardements wird z. B. erwartet, die kriegswichtige Industrie zu zerstören und/oder die Loyalität der Bevölkerung des verfeindeten Landes zu schwächen, um auf dem Weg eines politischen Umsturzes einen Krieg gewinnen zu können.
Als erstes Flächenbombardement gilt der Angriff der britischen Royal Airforce auf die Stadt Mossul während des arabischen Nationalaufstandes gegen die britische Kolonialmacht im Irak im Jahre 1920. Weitere bekannte frühe Formen von Flächenbombardements erfolgten unter anderem durch die Legion Condor auf die baskische Kleinstadt Guernica im spanischen Bürgerkrieg 1937.
Nach dem Fall Frankreichs setze die britische Militärführung in Ermangelung anderer militärischer Optionen auf die Strategie des strategischen Luftkrieges. Diese folgte der seit 1928 beim Aufbau der Royal Airforce durch Luftmarschall Hugh Trenchard festgelegten und nach ihm benannten Trenchard-Doktrin, d.h. der gezielten Bombardierung von Rüstungszentren im feindlichen Hinterland. Gemäß dieser Doktrin hat Großbritannien bereits seit Mitte der dreißiger Jahre seine Luftwaffe mit Fernbomberverbänden ausgerüstet. Dies ermöglichte der britischen Militärführung die schnelle Wahrnehmung dieser strategischen Option im Frühjahr 1940.
Zu häufigen großflächigen Angriffen der Royal Airforce kam es jedoch erst nach den deutschen Luftangriffen auf die britischen Inseln. Die deutschen Luftangriffe folgten einem ursprünglich dreistufigen Angriffsplan. Ziel dieser Angriffe war das Erreichen der absoluten Luftherrschaft über weite Teile Süd- und Südwestenglands als Voraussetzung für die geplante Invasion Englands (Unternehmen Seelöwe). Die erste Stufe des Angriffsplans sah Angriffe auf Flugplätze und Radarleitstationen (Sector Stations) vor. Die zweite Stufe sah Angriffe auf Zentren der britischen Luftrüstung vor. Die dritte Stufe sah die direkte taktische Luftunterstützung bei der geplanten Invasion vor. Stufe Drei wurde nicht umgesetzt. Zu den bekanntesten Angriffen der Stufe Zwei zählt der Angriff auf die britische Industriestadt Coventry. Coventry wurde wegen seiner Bedeutung für die britische Luftrüstung (Rolls-Royce Flugzeugmotorenwerke) zum Ziel. Bei dem Flächenangriff der deutschen Luftwaffe starben 568 von damals 328.000 Einwohnern. Dieser Angriff stellte den schwersten Angriff der deutschen Luftwaffe auf eine einzelne britische Stadt dar. Ohne den deutschen Angriff auf Coventry wären extreme Flächenbombardierungen deutscher Städte wahrscheinlich kaum in der britischen Öffentlichkeit durchsetzbar gewesen. Coventry war somit der Anlass, nicht jedoch der Grund zur starken Ausweitung der Flächenbombardements deutscher Städte. Der Grund war strategischer Natur und basierte auf der Trenchard-Doktrin.
Die Area Bombing Directive stellte einen bedeutsamen Politikwechsel dar. Hohe Verluste der deutschen Zivilbevölkerung wurden damit nicht mehr nur billigend in Kauf genommen, sondern sie wurden zum eigentlichen Ziel der Luftangriffe. Die Durchführung dieser Strategie erfolgte zuerst durch das Ausarbeiten einer detaillierten, nach Priorität sortierten Zieliste, in der zuerst alle deutschen Städte über 100.000 Einwohner erfasst wurden (später einer Liste mit allen Städten über 15.000 Einwohner). Mit Hilfe dieser Liste erfolgte die Zielauswahl durch das britische Bomber Command. Diese Liste ermöglichte auch das flexible Zuweisen von Ausweichzielen, falls, z.b. wegen ungünstiger Wetterbedingungen, ein Ziel nicht erreichbar war. Dem britischen Luftkrieg gegen Deutschland fielen nach unterschiedlichen Angaben zwischen 420.000 und 570.000 Zivilisten zum Opfer. Auch die Verluste der angreifenden Royal Airforce waren sehr hoch. Von 125.000 eingesetzten Soldaten fielen 55.000, d.h. 44% während der Angriffe. Den deutschen Luftangriffen auf Großbritannien fielen bis 1945 etwa 60.000 Menschen zum Opfer.
Koeln_1945.jpg Diese Form der Kriegsführung war in Großbritannien umstritten. Der anglikanische Bischof George Kennedy Allen Bell, Mitglied des Oberhauses, wandte sich mehrfach öffentlich gegen die Politik Winston Churchills und bezeichnete das area bombing als "barbarisch". Die Antwort waren empörte Proteste von Politikern und Privatpersonen.
Nach dem Eintritt der USA in den Krieg bombardierten US-amerikanische Verbände bei Tag deutsche Ziele, legten allerdings den Schwerpunkt auf industrielle und verkehrstechnische Anlagen (Big Week).
Die Luftangriffe auf Hamburg (Operation Gomorrha), Köln(Tausendbomberangriff) und der Luftangriffe auf Dresden durch die Alliierten waren Flächenbombardements. Die Bombardierungen forderten sehr viele Menschenleben. Der prozentual an Menschenverlusten größte britische Luftangriff erfolgte auf die Kleinstadt Pforzheim mit damals 65.000 Einwohnern. Von diesen kamen bei einem einzigen zweiundzwanzigminütigen britischen Luftangriff 20.277 Einwohner (31,2 %) ums Leben. Weitere besonders schwere Angriffe, bei denen Feuerstürme für extrem hohe Opferzahlen sorgten, waren der Angriff auf Darmstadt (12.300 Tote, 70.000 Obdachlose) am 12. September 1944 und auf Kassel (10.000 Tote) am 22. Oktober 1943.
Der erwartete Einbruch der Moral trat weder während der Luftschlacht um England noch bis kurz vor Kriegsende auf deutscher Seite ein. Die deutsche Rüstungsproduktion steigerte sich trotz Bombardierungen seit 1942 bis 1944 kontinuierlich.
Auch in Asien kam es während des zweiten Weltkrieges zu Flächenbombardierungen, insbesondere der USA auf Japan in den Jahren 1944 bis 1945. Insbesondere 1945 kam es zu zwei schweren US-amerikanischen Luftangriffen auf den Großraum Tokyo-Yokohama. Bei diesen Angriffen am 25. Februar und 9. März 1945 starben insgesamt mehr als 100.000 Menschen. Insbesondere trug hierzu der erstmals großflächige Einsatz der neuentwickelten Napalmbomben bei. Diese führten zu großflächigen Bränden (Feuersturm) in der dichtbebauten, zu großen Teilen aus in traditioneller japanischer Holzbauweise errichteten Häusern bestehenden Siedlungsstruktur japanischer Großstädte.
Im Zweiten Golfkrieg war die US Army technisch so gut ausgerüstet, dass Luftangriffe mit höherer Präzision durchgeführt werden konnten und Flächenbombardements von Städten zunehmend überflüssig wurden.
Beim US-Angriff auf Afghanistan löste die nahezu zeitgleiche Kopplung massiver Flächenbombardements mit dem Abregnen von Care-Paketen weltweite Proteste aus.
Auch nach heute gültigem Kriegsvölkerrecht sind flächendeckende Bombardierungen eindeutig als Kriegsverbrechen zu werten, da nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs Flächenbombardements in den Genfer Abkommen 1949 umfassend neu geregelt und begrenzt wurden. Insbesondere verbietet Art. 51 des Zusatzprotokolls 1 (1977) *, unter anderen Kriegsverbrechen:
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