Der First Vienna Football Club 1894 ist ein Fußballverein aus dem Bezirk Döbling, der österreichischen Bundeshauptstadt Wien und spielt derzeit in Regionalliga Ost.
Die Geschichte des Vereins ist eng verknüpft mit der Geschichte des österreichischen Fußballsports. Als das Fußballspiel in den frühen 1890er Jahren nach Österreich-Ungarn einzog, erreichte es zuerst Prag, Graz, Baden bei Wien und 1894 die Metropole des alten Reichs selbst. Bereits 1892 gründeten in Wien ansässige Engländer den Vienna Cricket Club. 1894 gründeten die Cricketer eine eigene Fußballabteilung und benannten sich in First Vienna Cricket and Football-Club um.
Neben den Cricketern begannen aber gleichzeitig auch einige Herren auf den Gartenanlagen des Baron Rothschild mit dem Fußballspiel. Begonnen hat es mit den Erzählungen des dort als Gärntner angestellten Engländers James Black, der seinen Kollegen vom englischen Fußball berichtete und ihnen auch die Regeln nahe brachte. In Franz Joli, dem Sohn des österreichischen Chefgärtners, der gerade von einem mehrmonatigen Aufenthalt aus England zurückkam und dort das Fußballspiel kennen lernte, fand er alsbald einen Mitstreiter und beide organisierten das erste Fußballmatch auf einer Wiese des Barons. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit traten vier Engländer gegen vier Österreicher an und zerpflückten die Rasenpracht des Barons der seine Gartenanlagen genauso liebte wie sein Geld. Der Bankier und Finanzier Nathaniel Mayer Anselm Freiherr von Rothschild verbot den Kickern daraufhin das Fußballspielen auf seinen Anlagen, finanzierte ihnen jedoch die Anmietung der Kuglerwiese und kam auch für den Trainings- und Spielbetrieb der Mannschaft auf. Aufgrund dieser Unterstützung entschlossen sich die jungen Männer sofort zur Vereinsgründung und nahmen aus Dankbarkeit die Wappenfarben ihres Mäzens an. Die ersten Mannschaften traten mit Jockeymützen und vertikal geteilten blau-gelben Hemden zu ihren Spielen an und sahen damit in der Anfangszeit aus wie Jockeys des Herrn Baron, der auch Besitzer eines großen und bekannten Rennstalls war.
Am 27. November 1898 siegte die Vienna im Semifinale durch ein Tor von Lowe mit 1:0 gegen die Cricketer und stand damit erstmals im Endspiel des Challenge-Cup. Im Finale, das am 5. März 1899 auf der Jesuitenwiese im Prater ausgetragen wurde bezwang die Vienna den Finalgegner AC Victoria Wien mit 4:1 und holte sich ihren ersten Challenge-Cup-Sieg. Die Mannschaft die den allerersten Titel für den First Vienna FC 1894 holte setzte sich aus den Spielern Karl Mollisch, Alfred Marek, M. D. Nicholson, O’Hofer, Anlauf, Niedl, Retzbach, Schönpflug, Eckstein, Hans und Soldat zusammen.
In der Folgesaison 1899/1900 bezwang die Vienna im Semifinale den Wiener FC 1898 mit 3:1 und holte sich im Finale am 11. März 1900 durch einen 2:0 Erfolg gegen den Vienna Cricket and Football-Club zum zweiten Mal den Challenge-Cup. Die Torschützen im Endspiel waren Eipel (Wilhelm Eipeldauer) und Albert. Die Siegermannschaft hatte folgendes Aussehen: Erwin Zander, Gilly (Dr. Paul v. Goldberger), Franz Joli, Karl Mollisch, M. D. Nicholson, Paul Zander, Max Joli, Blooncy, Löwenbein, Eipel (Wilhelm Eipeldauer), Gindl, Albert, Eckstein, Willy Zander. In den folgenden Jahren konnte sich die Vienna im Challenge-Cup jedoch nicht mehr entscheidend in Szene setzen und schied zumeist sehr früh aus dem Bewerb aus.
Der zweite große Bewerb der damaligen Zeit war der bereits nach Meisterschaftssystem ausgetragene Wiener Tagblatt-Pokal. Dieser wurde von 1900 bis 1903 ausgespielt und in allen Jahren vom Wiener AC gewonnen. Die Vienna belegte in den Jahren 1902 und 1903 jeweils den zweiten Platz, wobei der Titelgewinn mit zwei bzw. einem Punkt Rückstand auf den WAC jeweils knapp verpasst wurde.
Bedeutende Freundschaftsspiele
Am 1. November 1899 traf die Vienna im Rahmen der neuen Sportplatzeröffnung auf den DFC Prag. Die Prager waren seit zwei Jahren ungeschlagen und galten als die beste Kontinentalmannschaft der damaligen Zeit. Die Mannschaft aus Prag war komplett nach Wien gereist und meinte im Vorfeld, dass man den Wienern nicht die Feierlichkeiten verderben wolle und deshalb auf keinen Fall mehr als vier Tore schießen werde. Die von Trainer M. D. Nicholson neu formierte Mannschaft der Vienna lieferte mit dem 2:0 durch Tore von Eipel und Gindl eine Sensation, die sogar die Cricketer aus dem Prater mit Jubelrufen quittierten. Die Aufstellung der Vienna sah damals folgendermaßen aus: Mollisch (Tor), Erwin und Paul Zander (Verteidigung), Blooncy, Alfred Marek, Gilly (Deckung), Gindl, Eipel, Albert, Eckstein und Willy Zander (Angriff).
Die neue Mannschaft eilte von Sieg zu Sieg und konnte am 3. Dezember 1899 auch die Cricketer schlagen. Diesem Erfolg kam besondere Bedeutung zu, da in den Reihen des First Vienna FC kein einziger Engländer mehr stand und damit erstmals eine reine Wiener Mannschaft den Praterklub, der noch immer zum größten Teil aus Briten bestand, besiegen konnte. Die von August 1899 bis zum Herbst 1904 von Hermann Schönaug geleitete Vienna erzielte nach dem Abschied Nicholsons eine Reihe weiterer schöner Erfolge. So gelangen dem First Vienna Football-Club 1901 Siege gegen Slavia Prag (5:3), Graz (7:1), Wiener FC 1898 (8:0) und Wiener AC (4: 2). 1901/02 gewannen die Döblinger ein Turnier in Margarethen sowie das Pfingstturnier der Cricketer. Im großen Rapid-Turnier gelangten sie zwar in die Entscheidung, mussten den Sieg jedoch den Cricketern überlassen.
1904 übernahm mit Franz Joli ein Gründungsmitglied von 1894 die Leitung des Vereins. Die Jubiläumsmannschaft dieses Jahres war eine der stärksten die der Klub bisher besaß und setzte sich aus Pekarna (Tor), Eipel, Weiß (Verteidigung), Dick, Blooncy, Lencewski, genannt Lintsch (Deckung) und Kellner, Kohn, Albert, Weißberg und Kreisl (Angriff) zusammen. Einer der größten Erfolge, die diese Mannschaft im Jahr 1904 errang, war ein 5:3 Auswärtssieg gegen den DFC Prag. Zur Halbzeit führten die Böhmen bereits mit 3:0 ehe Weißberg und Kohn binnen fünf Minuten durch drei Tore ausglichen und Kellner die Vienna mit zwei weiteren Toren zum Sieg führte. Erwähnenswert sind auch ein 5:3 Erfolg gegen Slavia Prag und ein 6:0 Sieg über Sparta Prag. Den Höhepunkt des Jubiläumsjahres bildete schließlich ein überraschender 4:3 Heimerfolg gegen den damaligen deutschen Meister T.u.FC Union 92 Berlin. Auch in diesem Spiel zeigte sich der unbedingte Siegeswille der Wiener, die erneut nach einem 0:3 Halbzeitstand das Spiel zu ihren Gunsten entscheiden konnten.
Am 30. Mai 1929 feierte die Vienna mit dem Pokalgewinn über Rapid den größten Erfolg seit dem Gewinn des Challenge-Cups im Jahr 1900. Die Döblinger schlugen in einem spannenden Match vor 35.000 Zuschauern auf der Hohen Warte die Hütteldorfer durch Tore von Giebisch, Gerhold und Gschweidl mit 3:2. Mit diesem Erfolg gehörte der First Vienna FC 1894 wieder zu den absoluten Spitzenvereinen Österreichs. 1930 belegte die Vienna mit nur zwei Punkten Rückstand auf Rapid und Admira den dritten Tabellenplatz, gewann aber, nachdem man sich mit einem 4:0 Sieg über Rapid ins Finale durchgekämpft hatte erneut den Wiener Cup. Der Endspielgegner hieß diesmal Austria Wien. Gespielt wurde vor 12.000 Zuschauern auf dem Rapid-Platz und das Resultat lautete durch ein Tor von Fritz Gschweidl in der 76. Minute 1:0 für die Döblinger.
Meisterehren und Mitropacup-Sieg
Die Saison 1930/31 sollte nach den Anläufen in den vorhergegangenen Jahren zum nächsten Höhepunkt der Mannschaft werden. Am 7. Juni 1931 besiegten die Döblinger den Titelanwärter Austria Wien mit 4:1 und holten sich damit erstmals den ersten Österreichischen Meistertitel. Als Meister durfte die Vienna 1931 im Mitropacup mitspielen und sorgte gemeinsam mit dem Wiener AC, der sich als Sieger des Wiener Cups qualifiziert hatte für den größten Erfolg Österreichs in diesem internationalem Bewerb. Beide Vereine erreichten das Finale, wobei die Vienna zuerst den ungarischen Verein Bocskany mit 3:0 und 4:0 und Roma mit 3:2 und 3:1 ausschalten konnte. Das erste Finalspiel in Zürich gewann der First Vienna FC 1894 mit 3:2, das Rückspiel auf der Hohen Warte mit 3:1. Die Vienna gewann damit erstmals und einmalig den Mitropacup.
Nach dem Vizemeistertitel 1932, lag die Vienna in der Meisterschaft auch 1933 wieder ganz vorn. Mit der damals sicherlich mit Abstand besten Verteidigung ausgestattet, lag man am Ende mit drei Punkten Vorsprung vor Rapid an der Tabellenspitze und konnte damit den zweiten Meistertitel feiern. 1936 belegten die Döblinger zum vierten Mal den 2. Rang in der Meisterschaft und scheiterten im Pokalendsiel mit 0:3 an der Wiener Austria. Den dritten und bis heute letzten Pokalgewinn feierten die Blau-Gelben im Jahr 1937 mit 2:0 über den Wiener Sport-Club. In der Meisterschaft reichte es für die Vienna in diesem Jahr jedoch nur für den dritten Rang.
In der Zeit des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich gewann der First Vienna FC von 1942 bis 1944 dreimal in Folge die Meisterschaft der Ostmark. Mit dem Gewinn dieses Titels war der Verein berechtigt an der Endrunde um die deutsche Meisterschaft teilzunehmen. Der Vienna gelang es 1942 tatsächlich bis in das Endspiel vorzudringen, verlor dort jedoch als bessere Mannschaft gegen Schalke 04. In den Jahren 1943 und 1944 erreichten die Döblinger noch das Semifinale und das Viertelfinale der deutschen Meisterschaft. Der größte Erfolg dieser Zeit war jedoch der Gewinn des deutschen Pokalwettbewerbs von 1943 gegen den LSV Hamburg.
Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1942
1942 gewann der First Vienna FC 1894 die Meisterschaft der Ostmark und schaffte sogar den Einzug in das Endspiel um die deutsche Meisterschaft. In der Qualifikationsrunde traf man auf den LSV Olmütz (Olomouce, Tschechien) und gewann auswärts im Olmützer Stadion mit 1:0. Mit zwei Heimsiegen im Wiener Praterstadion gegen Germania Königshütte (1:0) und dem Planitzer SC (3:2) kämpften sich die Wiener bis in das Halbfinale durch und trafen dort auf die Mannschaft von Blau-Weiß 90 Berlin. Die Döblinger gewannen das Spiel im Berliner Olympiastadion mit 3:2. Der Siegeszug der Wiener endete erst im Endspiel durch eine 0:2 Niederlage gegen den FC Schalke 04. Bitter war für die Vienna der Umstand, dass man das Spiel lange Zeit dominierte jedoch eine Unzahl an Tormöglichkeiten nicht in Tore ummünzen konnte.
Tschammerpokal 1943
Im Herbst 1943 begannen die Kämpfe im deutschen Tschammer-Pokal. Mit Siegen über den Wiener AC, Floridsdorfer AC, Breslau 02 und dem 1. FC Nürnberg spielte sich die Vienna bin in das Finale des deutschen Pokalsbewerbs, das am 31. Oktober 1943 in Stuttgart stattfand. Der Finalgegner LSV Hamburg war ein ebenbürtiger Gegner, konnte allerdings in der Nachspielzeit mit 3:2 besiegt werden. Den Siegestreffer gegen die Hamburger Mannschaft schoss ausgerechnet der in Wien als Soldat stationierte Hamburger Gastspieler Rudolf Noack. In der siegreichen Elf des deutschen Pokalsiegers standen Schwarzer, Kaller, Bortoli, Gröbl, Sabeditsch, Dörfel, Holeschovsky, Karl Decker, Fischer, Rudolf Noack und Widhalm.
Endrunde um die deutsche Meisterschaft 1943
Der Meister der Sportbereichsklasse Ostmark startete mit einem 5:2 Heimerfolg über den MSV Brünn aus dem Sudetenland und einem 8:0 Kantersieg auswärts in Breslau gegen den LSV Reinecke Brieg aus Niederschlesien. Im Viertelfinale bezwangen die Wiener den TSV München 1860 im Praterstadion mit 2:0 und trafen damit im Halbfinale auf den FV Saarbrücken. Die Saarbrückner gewannen das Spiel, das in Stuttgart ausgetragen wurde, überraschend mit 2:1, womit der Vienna nur noch das Spiel um den dritten Platz blieb. Dieses fand am 26. Juni 1943 im Berliner Poststadion statt und endete mit einer 1:4 Niederlage der demotivierten Wiener gegen Holstein Kiel.
Endrunde um die deutsche Meisterschaft 1944
In der ersten Runde um die letzte deutsche Kriegsmeisterschaft schlugen die Döblinger den MSV Brünn auswärts mit 6:3. Im Achtelfinale trafen sie auf den STC Hirschberg aus Schlesien und gewannen das Spiel im Praterstadion mit 5:0. Im Viertelfinale traf die Vienna auf den Dresdner SC. Die Begegnung fand auswärts in Dresden statt und endete mit einem knappen 3:2 Heimerfolg der Sachsen.
1997 erreichte die Vienna mit dem Einzug in das ÖFB-Pokalfinale ihren letzten großen Erfolg. Mit Siegen gegen Trausdorf (4:1), FC Tulln (3:1), Austria Wien (3:1) und DSV Leoben (3:0) kam man ins Viertelfinale. Dort wartete auswärts der Grazer AK, der mit 1:0 bezwungen werden konnte. Im Semifinale traf die Vienna auf den SV Austria Salzburg, der in dieser Saison seinen dritten Meistertitel feierte. In einem spannenden und packenden Match konnte die Vienna den Salzburgern ein 2:2 Remis nach Verlängerung abringen und das anschließende Elfmeterschießen sensationell mit 8:7 für sich entscheiden. Die Vienna stand nach 36 Jahren wieder im Endspiel um den österreichischen Cupbewerb. Gegner war im Ernst-Happel-Stadion vor 14000 Zuschauern der sehr starke Erstligist SK Sturm Graz. Das Spiel begann für die Döblinger sehr unglücklich. Bereits in der fünften Minute bekamen die Grazer einen Elfmeter zugesprochen, der vom ehemaligen Vienna-Spieler Ivica Vastic verwandelt wurde. Der Blau-Gelben waren den Steirern fast ebenbürtig, mussten aber doch in der 74. Minute das 0:2 durch den deutschen Jens Dowe hinnehmen. Der Anschlusstreffer für die Wiener resultierte aus einem Eigentor von Mario Posch in der 88. Minute. Die Vienna bot eine hervorragende Leistung und konnte erhobenen Hauptes vom Spielfeld gehen. Zu dieser letzten großen Mannschaft der Wiener gehörten: Heinz Weber, Franz Blizenec, Christoph Jank, Alexander Jank, Andreas Gutlederer, Wachter, Pospisil, Slunecko, Lang, Zeljko Radovic, Strasser und als Einwechselspieler Preschern und Cestnik.
In der Saison 2000/01 musste die Vienna erstmalig in der Vereinsgeschichte den Weg in die dritthöchste Spielklasse, die Regionalliga Ost antreten. Dieser sportliche Abstieg stellt bis heute den absoluten Tiefpunkt in der Vereinsgeschichte dar. Trainer in dieser Saison war Walter Skocik.
| Periode | Level | Liga |
|---|---|---|
| 2002-2006 | 3 | Regionalliga Ost |
| 2000-2001 | 2 | Erste Liga |
| 1999 | 2 | 1. Division |
| 1993-1998 | 2 | Bundesliga 2. Division |
| 1987-1992 | 1 | Bundesliga 1. Division |
| 1986 | 2 | Bundesliga 2. Division |
| 1985 | 1 | Bundesliga 1. Division |
| 1984 | 2 | Bundesliga 2. Division |
| 1983 | 1 | Bundesliga 1. Division |
| 1981-1982 | 2 | Bundesliga 2. Division |
| 1977-1980 | 1 | Bundesliga 1. Division |
| 1975-1976 | 2 | Nationalliga |
| 1970-1974 | 1 | Nationalliga |
| 1969 | 2 | Regionalliga Ost |
| 1966-1968 | 1 | Nationalliga |
| 1950-1965 | 1 | Staatsliga A |
| 1946-1949 | 1 | Wiener Liga |
| 1945 | keine Meisterschaft | |
| 1943-1944 | 1 | Gauliga Donau Alpenland |
| 1942 | 1 | Bereichsklasse Donau-Alpenland |
| 1940-1941 | 1 | Bereichsklasse Ostmark |
| 1939 | 1 | Gauliga Ostmark |
| 1938 | 1 | Nationalliga |
| 1920-1937 | 1 | 1. Klasse Wien |
| 1917-1919 | 2 | 2. Klasse Wien |
| 1915-1916 | Aus dem Verband ausgetreten | |
| 1912-1914 | 1 | 1. Klasse Wien |
"Level" gibt die Höhe der Spielklasse an (1= Erste Spielstufe usw.)
M. D. Nicholson
Nicholson spielte jahrelang bei West Bromwich Albion F.C. und wurde auch in die englische Nationalmannschaft berufen. 1897 wurde der prominente Engländer von seinem Arbeitgeber, dem internationalen Reisebüro „Cook & Son“, das gerade eine Filiale in Wien etablierte, als Büroleiter nach Wien versetzt. Die Vienna war zu der Zeit noch immer ein vorwiegend englischer Verein und so spielte Nicholson bald für den ältesten Fußballverein Österreichs. Der Brite sollte für die weitere organisatorische und fußballerische Entwicklung des gesamten Fußballsports in Österreich schicksalhafte Bedeutung haben. Nicholson, ein Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle, war eine Ausnahmeerscheinung im österreichischen Fußball, dem innerhalb kurzer Zeit alle Türen offen standen. Er war nicht nur der mit Abstand beste Fußballer im Wien der damaligen Zeit und absoluter Star und Kassenmagnet seines Vereins, sondern übernahm alsbald auch Agenden als Organisator und Funktionär bei der Vienna.
Bei seinem ersten Antreten als Fußballspieler am 15. November 1897 im Derby gegen den Vienna Cricket and Football-Club war er auch vom damals gefürchteten Iren William Flavin, den die Cricketer auf ihn angesetzt hatten, nicht zu stoppen. Aufgrund seiner Technik und Wendigkeit ließ er seinen Gegenspieler mehrmals ins Leere laufen, so dass dieser dabei sogar mehrmals stürzte und sich in weiterer Folge bei Attacken gegen Nicholson entnervt zurückhielt. Der gelernte Verteidiger avancierte in Österreich aber auch zum Torjäger. Aus etwa 40 Meter Entfernung schoss er in diesem Spiel so scharf auf das Tor der Cricketer, dass fast niemand den Schuss verfolgen konnte. Der Referee versagte dem Treffer die Anerkennung worauf ein wilder Streit der Vienna-Spieler mit dem Schiedsrichter ausbrach. Nicholson hingegen nahm die Entscheidung des Unparteiischen mit englischer Gelassenheit hin, stellte nach dem Spiel aber sofort einen Antrag auf Einführung von Tornetzen, wie dies in seiner Heimat bereits seit 1891 üblich war.
In weiterer Folge reformierte er nicht nur das Training und die Spielgestaltung der Döblinger, sondern setzte sich für die Organisation des gesamten Fußballspiels in Österreich ein. 1898 organisierte Nicholson das Comité zur Veranstaltung von Fußball-Wettspielen. Am 4. Jänner 1900 schloss sich dieses, als Interessenvertretung aller Vereine gegründete Comité, zur Österreichischen Fußball-Union zusammen. Bis zu seiner Rückkehr nach England im Oktober 1900 übte Nicholson selbst das Amt des ersten Präsidenten aus. Die Union, die für einen geregelten nationalen Spielverkehr und organisierte Meisterschaften sorgen sollte, löste sich jedoch 1904 aufgrund ihrer Machtlosigkeit gegenüber den starken Vereinen wieder auf und fand ihren Nachfolger im Österreichischen Fußballverband, dem heutigen ÖFB.
Im letzten Spiel für die Vienna, einem Freundschaftsspiel gegen den FC Zürich, hütete Nicholson sogar das Tor und war damit mitverantwortlich für einen grandiosen 4:0 Erfolg der Wiener. Als Nicholson wieder nach England zurückkehrte schied er als österreichischer Fußballpionier und erster Ehrenkapitän auf Lebenszeit der Vienna. 1918 gründete sich, in Erinnerung an den Engländer, sogar ein Wiener Fußballverein mit dem Nahmen FC Nicholson und den Klubfarben Blau-Gelb. Aus diesem Verein wurde 1933 der bekannte FC Wien.
Weitere frühe blau-gelbe Fußballhelden
Anlässlich ihres zehnjährigen Bestandes lud die Vienna zu Pfingsten 1904 einige bekannte Fußballclubs zu einem Turnier nach Döbling an dem auch die Glasgow Rangers und der der dänische Bolden Cluben teilnahmen. Nach einer Verletzung des dänischen Tormannes lieh die Vienna dem Bolden Cluben ihren Tormann Karl Pekarna, der mit einer unglaublichen Leistung den schottischen Gegner dermaßen beeindrucken konnte, dass diese ihn noch im selben Jahr engagierten. Damit wurde der damals 22jährige Wiener Torwart der erste österreichische Fußballprofi und Legionär und auch der erste österreichische Fußballer auf der britischen Insel.
Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang aber auch andere Spieler aus dieser Epoche, die sich sowohl durch Leistung als auch durch ihre Persönlichkeit hervor hoben. Zu ihnen gehörte der Verteidiger Wilhelm Eipeldauer, genannt Eipel, der während eines Spieles laut damaliger Überlieferung, über 90 Minuten kein einziges Wort zu sprechen pflegte und der Stürmer Kohn, der wiederum ununterbrochen redete und nicht nur mit seinen Mitspielern, sondern auch mit sich selbst, den Gegnern und den Schiedsrichtern sprach. Laut Überlieferung soll er sogar bei jedem Einwurf, Freistoß und Out eine Ansprache an die versammelten Spieler gehalten haben. Weitere bekannte Namen dieser Epoche waren Heinrich Lenczewsky, genannt Lintsch, Heinrich Retschury, der spätere Star-Schiedsrichter, und Franz Weber, alles mehrmalige Nationalspieler und Fußballgrößen ihrer Zeit.
1990 gründete die Vienna auch eine Frauenmannschaft, die sogleich in die oberste Spielklasse der Frauen-Bundesliga einstieg. In der Auftaktsaison belegten die Damen der Vienna nur den 11. und vorletzten Platz, konnten jedoch aufgrund des freiwilligen Rückzugs anderer Mannschaften in der Liga verbleiben. 1991 konnte sich die Mannschaft auf den fünften Rang verbessern und 1992 feierten die Döblingerinnen mit dem vierten Meisterschaftsrang ihr bestes Ergebnis in der Vereinsgeschichte. Auf den Meister Union Kleinmünchen Linz fehlten damals nur sieben Punkte. Im Jahr darauf konnten während des gesamten Spieljahres nur acht Punkte erobert werden und die Vienna musste auf dem achten Platz liegend aus der Bundesliga absteigen. Nach einem sechsten Rang in der Saison 1993/94 in der 2. Division Ost erreichten die Wienerinnen 1995 mit dem zweiten Platz in dieser Spielklasse wiederum den Aufstieg in die Bundesliga. In der obersten Spielklasse erreichte die Vienna 1995/96 nur den 3. Platz im Abstiegs-Play-Off, hätte damit aber den Klassenerhalt geschafft. Der Verein zog sich jedoch freiwillig aus der Liga zurück und belegte 1997 den dritten Rang in der 2. Division Ost. Nach Abschluss des Spieljahres wurde die Frauenfußballsektion der Döblinger im Herbst 1997 aufgelöst. Die Mannschaft wechselte daraufhin zum FC Hellas Kagran und schaffte 2000 nunmehr unter Federführung der grün-schwarzen Kagraner den Aufstieg in die Frauen-Bundesliga. Die Vienna führt bis heute keine Frauenfußballsektion mehr.
1919 kündigte die Gemeinde Wien dem Verein den Pachtvertrag und überließ das Grundstück einer Filmgesellschaft. Nachdem die Sportanlage auf der „alten Hohe Warte“ dem Erdboden gleichgemacht war, entschlossen sich die Vereinsverantwortlichen, zum Erwerb eines Grundstücks, auf dem der unterklassige FC Ostmark eine Sportanlage geschaffen hatte. Dieses war bereits das Gelände der heutigen Hohe Warte, allerdings war das Spielfeld damals quer gestellt. Der damalige Vereinspräsiden Mauthner übertrug die Planung für das neue Stadion, das 90.000 Zuschauer fassen und über 5 Millionen Kronen kosten sollte, dem Bauingenieur Eduard Schönecker. Dieser war durch den Bau des Rapidplatzes mit der Materie bestens vertraut und sorgte auch dafür das die Anlage in einer (für die damaligen Verhältnisse) Rekordzeit fertiggestellt wurde. Am 19. Juni 1921 wurde die Naturarena auf der Hohen Warte mit dem Meisterschaftsspiel der Vienna gegen Hakoah (2:1) eröffnet. Diese Naturarena ist auch heute noch Heimstätte der Vienna und ein eindrucksvolles Unikat des Stadionbaus.
Die Hohe Warte, damals eines der größten Stadien Europas, diente nicht nur der Vienna als moderne Spielstätte, sondern war auch Triumphstätte der Nationalmannschaft in der Ära des Wunderteams. Um die Anlage optimal nutzen zu können wurden auch viele andere sportliche und kulturelle Veranstaltungen ausgetragen. In der Nachkriegszeit musste man sich die Hohe Warte mit der amerikanischen Besetzungsarmee teilen. Am Hauptfeld wurde bis 1952 ausschließlich Baseball gespielt, erst im Frühjahr 1953 wurde die Anlage wieder für den Fußball freigegeben.
Heute träumt man in Bezug auf das Stadion vor allem von der guten alten Zeit. Die aktuelle Situation des maroden Baus sieht eher trist aus. Finanziell ist die Lage des Vereins so sehr angespannt, dass die Vienna bei der Stadionerhaltung zu vehementen Sparmaßnahmen greifen muss. Aufgrund des langsamen Verfalls wurde die Kapazität des Stadions mittlerweile sogar auf 4.500 Plätze begrenzt! Um etwas Geld in die Kasse zu bringen bietet der Verein auch Randsportarten wie Rugby und American Football im Stadion Platz. Die Naturarena, die auf der gegenüberliegenden Seite der befestigten Tribüne liegt, ist jedoch noch heute, speziell während der Sommermonate ein gern besuchter Platz vor allem für Familien.
Tor
Verteidigung
Mitteldfeld
Angriff
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