First Nations ist ein Begriff, mit dem die indianischen Völker in Kanada bezeichnet werden. Die First Nations, Inuit und Métis bilden zusammen die Ureinwohner Kanadas. Zugehörige der First Nations werden auch als American Indians, Amerindians oder Autochtones (verwendet von französischen Kanadiern) bezeichnet. Offiziell sind sie bei der kanadischen Regierung als verzeichnete Indianer bekannt, die gemäß dem Indian Act Hilfeleistungen zugesprochen bekommen. Ein nationales Repräsentationsorgan der First Nations in Kanada ist die Versammlung der First Nations.
Die Nutzung des Begriffs First Nations ist umstritten, sowohl bei der Eigenbezeichnung der indigenen Völker in Kanada, als auch bei der Bezeichnung von ihnen durch nicht-indigene Völker. Der Grund für diese Kontroverse ist, dass der Begriff First Nations per se kein Ansehen im internationalen Recht hat, indigene Völker oder Nationen dagegen schon.
Die kanadische Regierung, viele indigene Völker in Kanada und viele nicht-indigene Völker benutzen den Begriff First Nations, weil sie sich bemühen, dem Recht der indigenen Völker gegenüber Respekt zu zeigen, und diejenigen Wörter zu benutzen, mit denen diese sich selbst bezeichnen. Trotzdem wird oft eine sorgsame Unterscheidung bei der Benutzung des Begriffs First Nations gemacht.
Im Allgemeinen halten es jene indigenen Völker in Kanada, die sich selbst als First Nation bezeichnen, nicht mit dem Konzept der Souveränität, während die, die den Begriff nicht benutzen oder auf dem Begriff indigene Völker beharren, für ihre Souveränität eintreten. Es gibt auch indigene Völker in Kanada, die den Begriff First Nation für jeden Stamm und oder nomadische ethnische Gruppen verwenden, die durch die Kolonialisierung um ihr Selbstbestimmungsrecht gebracht wurden. Diese Gruppen arbeiten international an Minderheitsrechten und Selbstbestimmung.
Andere Begriffe sind indianischer Status und kein indianischer Status. Das letztere kennzeichnet ein Mitglied einer First Nation, dem keine Unterstützung zugesprochen wird. Das Wort „Indianer“ wird in der Alltagssprache in Kanada unregelmäßig benutzt, da manche den Begriff als anstößig ansehen, andere ihn aber als Alternative gegenüber Wörtern wie „Ureinwohner“ bevorzugen. Alle Mitglieder einer First Nation, denen Unterstützung zugesprochen wurde, sind im indianischen Mitgliedsbuch verzeichnet, das als offizielle Datenbank der Mitglieder der First Nations dient. Die Verwaltung des Indian Act und des indianischen Mitgliedsbuches wird von dem Ministerium für indianische und nördliche Angelegenheiten der Bundesregierung ausgeführt.
In der Königlichen Proklamation von 1763, welche viele Menschen als die „indianische Magna Carta“ ansehen, bezeichnet die Monarchie die indigenen Völker auf britischen Territorium als „Stämme oder Nationen“.
Indianerreservate, wie sie im kanadischen Gesetz durch Abkommen wie dem Treaty 7 verordnet wurden, sind die zeitgenössischen Länder der First Nations. Einige Reservate sind innerhalb einer Stadt platziert, wie das Opawikoscikan-Reservat in Prince Albert (Saskatchewan). In Kanada existieren mehr Reservate als First Nations, da manchen First Nations gesetzlich mehr als ein Reservat zugesprochen wurde.
1990 war die kanadische Regierung unter Brian Mulroney in Bedrängnis, da es Probleme mit den französischsprachigen Gebieten gab, die sich beim Verfassungsprozess übergangen fühlten. Daher suchte Mulroney die Unterstützung der First Nations und versprach die Einrichtung einer Kommission. Kurze Zeit später im selben Jahr gab einen Aufstand der Mohawk nahe der Stadt Oka in Quebec, die Oka-Krise, die sich an Auseinandersetzungen mit den Bürgern der Stadt Oka entzündeten. Nach Ablauf eines Jahres veröffentlichte die Kommission einen Bericht, der die Probleme der First Nations in Kanada bestätigte. Dazu gehörten hauptsächlich Armut, schlechte Gesundheit, Alkohol- und Drogenmissbrauch, das Auseinanderbrechen von familiären Strukturen und eine hohe Selbstmordrate. Die Kommission empfahl der Regierung eine faire und anhaltende Grundlage der Koexistenz mit den First Nations zu schaffen, darunter materielle Unterstützung zur Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse und die Schaffung eines eigenen Parlaments zur Vertretung ihrer Interessen.
1995 gab es wieder Unruhen, diesmal in Ontario, die Ipperwash-Krise. Anfang 1998 entschuldigte sich die kanadische Regierung formell bei den First Nations für die Art und Weise, wie sie sie in der Vergangenheit behandelt hatte.
2005 lud Premierminister Paul Martin, zum ersten Mal seit den Verfassungsgesprächen in den 1980er-Jahren, die Vertreter der First Nations zu einer First Ministers-Konferenz ein. Kurz vor seiner Abwahl als Premierminister versprach Martin im Abkommen von Kelowna, innerhalb der nächsten fünf Jahre fünf Milliarden kanadische Dollar zur Verbesserung der Lebensbedingungen der First Nations, Métis und Inuit zur Verfügung zu stellen. Von der neuen konservativen Regierung unter Stephen Harper wurde das Abkommen jedoch fallengelassen, im Haushalt von 2006 und 2007 sind lediglich 150 bzw. 300 Millionen Dollar vorgesehen.
Obwohl die Diversität auch in der Anzahl der Sprachen der First Nations gefunden wird, sind viele davon vom Aussterben bedroht, mit einer sinkenden Anzahl derer, die sie sprechen.
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