Von 1919 - 1922 war Dáil Éireann (House of Assembly) (Haus der Versammlung) das revolutionäre Parlament mit Einkammersystem der einseitig erklärten unabhängigen irischen Republik. Der "Dáil", wie es auch genannt wurde, wurde ursprünglich von Parlamentariern der Partei Sinn Féin gegründet, die bei der Wahl 1918 zum britischen Parlament gewählt wurden. Diese weigerten sich das britische Parlament in Westminster anzuerkennen und entschieden sich dazu, ein einseitiges unabhängiges Parlament in Dublin zu errichten. Die erste Versammlung des Dáil, der sog. "First Dáil" (irisch: An Chéad Dáil) fiel zufällig in den Beginn des irischen Unabhängigkeitskriegs.
Der "First Dáil" wurde 1921 durch den "Second Dáil" abgelöst - beide Dála existierten außerhalb der britischen Gesetze und waren von Großbritannien nie anerkannt worden. Erst der "Third Dáil" als eine Art Übergangsregierung wurde unter dem Anglo-Irischen Vertrag offiziell gewählt.
1922, mit der Schaffung des Irischen Freistaats, wurde ein neues Parlament mit dem Namen Oireachtas geschaffen, dessen Unterhaus das Dáil Éireann wurde.
1918 gehörte ganz Irland zum Vereinigten Königreich von Großbritannien und Irland und wurde dort von 105 Parlamentariern im britischen Parlament vertreten. Von 1882 bis 1918 waren nahezu alle irischen Parlamentarier Mitglied der Irish Parliamentary Party (IPP), deren Hauptziel u.a. die friedliche Schaffung von Home Rule war. Dies gelang schließlich, doch vor deren Umsetzung brach der 1. Weltkrieg aus, so dass die Home Rule verschoben wurde. In den darauf folgenden Jahren erlebte die (radikalere) Partei Sinn Féin einen enormen Aufschwung. Der Gründer von Sinn Féin, Arthur Griffith, glaubte daran, dass die Iren die ungarischen Nationalisten zum Vorbild nehmen sollten, die die Unabhängigkeit von Österreich erreichten. 1867 boykottierten die ungarischen Abgeordneten unter Ferenc Deák das kaiserliche Parlament in Wien und errichteten einseitig ihre eigene legislative Macht in Budapest, die letztendlich auch offiziell anerkannt wurde. Neben dieser friedlichen Lösung verfolgte Sinn Féin aber, falls es notwendig würde, auch den Weg eines bewaffneten Aufstands, um die Unabhängigkeit zu erreichen.
Zwischen dem Osteraufstand 1916 und den Wahlen 1918 stieg die Popularität von Sinn Féin dramatisch an. Dies war vor allem der brutalen Hinrichtungen nach dem Aufstand und dem plumpen Versuch der Briten einen Wehrdienst in Irland einzuführen zu verdanken. Auch das Gesetz "Representation of the People Act" aus dem Jahr 1918, dass die irische Wählerschaft mit einem Schritt von 700.000 auf ca. 2.000.000 erhöhte, kam der Partei zugute.
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Kurz nach der Etablierung wurde das Dáil von der britischen Herrschaft für illegal erklärt und traf sich daher nur vereinzelt und an verschiedenen Orten. Die letzte Versammlung des First Dáil fand am 10. Mai 1921 statt. Zwei Wochen später, am 24. Mai, wurde es durch das neu gewählte "Second Dáil" ersetzt.
Die Wahlen des Unterhauses in Nordirland fanden am 24. Mai 1921 statt. Von 52 Sitzen gewannen 40 Sitze die Unionisten, 6 gemäßigte Nationalisten und 6 Sinn Féin. In "Südirland" fand keine wirkliche Wahl statt, da alle 128 Kandidaten ohne Gegner antraten. 124 von ihnen gehörte zu Sinn Féin, die restlichen 4 waren Unionisten aus dem Wahlbezirk der Dubliner Universität. Da nur die Kandidaten von Sinn Féin den "Dáil" anerkannten und 5 von ihnen in beiden Teilen der Insel gewählt wurden3, bestand der Second Dáil, das sich erstmals am 16. August 1921 traf, aus 125 Mitgliedern.
Am 14. September 1921 beschloss der Dáil die Ernennung von Arthur Griffith, Michael Collins, Robert Barton, E.J. Duggan und George Gavan Duffy als Vertreter der irischen Regierung für die anstehenden Friedensverhandlungen in England. Diese Bevollmächtigten unterzeichneten am 6. Dezember 1921 den Anglo-Irischen Vertrag, den der Second Dáil nach erbitterten Debatten am 7. Januar mit 64 zu 57 Stimmen ratifizierte. Da auch der Second Dáil niemals offiziell von England anerkannt wurde, war aus englischer Sicht in erster Linie die Ratifizierung durch das Südirische Unterhaus notwendig.
Der "Second Dáil" traf sich letztmals am 8. Juni 1922.
Die Wahl zum Third Dáil fand am 16. Juni 1922 unter dem System des Mehrheitswahlrechts und des Single transferable vote statt. Im Gegensatz zum Second Dáil, standen diesmal nur Mitglieder aus "Süd-Irland" zur Wahl. Seit des Wahl 1921 hatte sich die einzige Partei im Dáil, Sinn Féin, in zwei Flügel aufgespalten: Befürworter und Gegner des Anglo-Irischen Vertrags. So kam es, dass diese zwei Flügel die Hauptkonkurrenten der Wahl wurden und diese eigentlich eine Abstimmungen für oder gegen den Vertrag war. Im Ergebnis gewannen die Vertragsbefürworter eine Mehrheit an Sitzen, worauf die Vertragsgegner die Versammlung boykottierten und sich weigerten diese als Nachfolger des Second Dáil anzuerkennen. Kurz nach dieser Wahl, noch im Juni 1922 brach der irische Bürgerkrieg aus.
Die Frage, ob der Dáil nun eine republikanische (irische) oder eine königliche (englische) Versammlung sei, wurde zum Problem einiger irischer Vertragsgegner. Laurence Ginnell wollte diese Frage innerhalb der Versammlung klären. Doch selbst der Vorsitzende und der Lord-Lieutenant waren verwirrt. An einem Punkt verlas der Vorsitzende eine Nachricht im Namen des Lord-Lieutenant, obwohl, falls diese Versammlung von den bisherigen zwei Dála abstammen sollte, eigentlich keine Nachricht eine britischen Abgesandten akzeptieren sollte. Im Gegenzug sollt der Lord-Lieutenant eigentlich auch keine Nachricht an die Versammlung schicken, wenn sie noch das Parlament der irischen Republik sei.
Die Zweideutigkeiten und konstitutionellen Verwirrungen wurden erst durch die kurz aufeinander folgenden Tode von Präsident Arthur Griffith und des Vorsitzenden Michael Collins gelöst. Die zwei höchsten Titel, der "Präsident der irischen Republik"4 und der "Vorsitzende der provisorischen Regierung" (der konstitutionell bedingt, als ein Minister der englischen Krone galt) waren plötzlich in der Hand einer einzelnen Person: William T. Cosgrave. Er war damit eine einmalige konstitutioneller Mischling: ein königlich bestätigter Premierminister und gleichzeitig Präsident einer anderen Republik. Doch trotz all dieser Konfusionen über den Status von Parlament und Premierministertitel, wurde die vieldeutige Kombination von Monarchie und Republikanismus in Cosgrave's Person von beiden Parteien akzeptiert.
Durch die Unterzeichnung des Anglo-Irischen Vertrags am 6. Dezember 1922 ging die politische Macht eigentlich an das neue irische Parlament "Oireachtas" über. Da aber bisher noch keine offiziellen Wahlen zum Unterhaus stattgefunden hatten, blieb der "Third Dáil" vorübergehen die legislative Gewalt, bis es am 9. August 1923 aufgelöst und einen Monat später durch das neu gewählte Dáil Éireann ersetzt wurde.
| Dáil | gewählt | Präsident | Partei |
|---|---|---|---|
| First Dáil | Januar - April 1919 | Cathal Brugha | Sinn Féin |
| First Dáil | April 1919 - August 1921 | Eamon de Valera | Sinn Féin |
| Second Dáil | August 1921 - Januar 1922 | Eamon de Valera | Sinn Féin |
| Second Dáil | Januar - August 1922 | Arthur Griffith | Sinn Féin (Flügel der Vertragsbefürworter) |
| Third Dáil | August 1922 - Dezember 1922 | W.T. Cosgrave | Cumann na nGaedhael |
Nach 1919 wurden einige Änderungen am Kabinettsystem vorgenommen. Die Anzahl der Minister wurde erhöht und es gab kein explizites Staatsoberhaupt, das erst 1921 eingeführt wurde.
Einen Großteil der Zeit im Jahr 1921 existierte das Aireacht parallel zur provisorischen Regierung, die unter dem Anglo-Irischen Vertrag eingerichtet wurde und viele ihrer Mitglieder waren in beiden Regierungen vertreten. Diese ungewöhnliche Tatsache wurde erst im Dezember 1922 beendet, als beide Administrationen zum Exekutivrat des irischen Freistaates wurden.
Dieser Text basiert auf einer Übersetzung der Artikel en:Dáil Éireann (1919-1922), en:First Dáil, en:Second Dáil, en:Third Dáil und en:President of Dáil Éireann aus der englischen Wikipedia, Version vom 25. Juli 2005.
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