Eine Firewall (von engl. firewall * „die Brandwand“) ist ein System aus Software- und Hardwarekomponenten, das den Zugriff zwischen verschiedenen Rechnernetzen beschränkt, um ein Sicherheitskonzept umzusetzen.
Hardwarekomponenten einer Firewall sind Rechner mit Netzwerkschnittstellen wie Router oder Hosts; Softwarekomponenten sind beispielsweise Paketfilter oder Proxyserver. Ein häufiger Einsatzzweck einer Firewall besteht darin, den Datenverkehr zwischen einem zu schützenden lokalen Netzwerk (LAN) und dem Internet zu kontrollieren.
Dementsprechend besitzt eine Firewall zwei wesentliche Aufgaben:
Rund um das Thema Firewall existieren viele Begriffe, die teilweise richtig sind, aber sehr oft nur die halbe Wahrheit vermitteln. Umgangssprachlich ist mit einer Firewall häufig die Software gemeint, welche den Datenverkehr zwischen den getrennten Bereichen kontrolliert und regelt. Man muss also zwischen dem (Sicherheits-)Konzept Firewall und der konkreten Realisierung der Firewall unterscheiden. Das Sicherheitskonzept beschreibt Regeln, welche Informationen die Firewall passieren dürfen und welche nicht. Realisiert wird das Konzept durch eine Software, die auf einer (oftmals speziellen) Hardware läuft. Die Hardware ist dabei für das Empfangen und Senden der einzelnen Datenpakete zuständig (und somit eigentlich kein sicherndes Element) und die Software regelt den Verkehr. (Was wird durchgelassen? Was wird nicht durchgelassen?) Dabei ist die Hardware häufig wie bei anderen Netzwerkelementen (Routern oder Gateways) auch für die Aufgabenstellung optimiert (schnelle Prüfung von Paketen, hochperformantes Empfangen und Senden von Paketen, etc.).
Prinzipiell trennt man die Firewalltypen spezifisch, d.h. eine Softwarefirewall sichert einzelne PCs und Workstations, da sie als Software auf den Systemen installiert ist. Eine Hardwarefirewall schützt Hardware, also das Netzwerk als solches. Dies hat nicht zwangsweise was mit der Technik zu tun, es dient nur der Begrifflichkeitenerklärung.
Host-Firewall (Software) und Netzwerk-Firewall (Hardware)
Umgangssprachlich wird häufig von Hardware- oder Software-Firewall gesprochen. Bei dieser Unterscheidung handelt es sich in erster Linie um eine nicht-technische Definition. Die Unterscheidung von Hard- und Software-Firewall ist technisch gesehen unsinnig. Zu jeder Firewall gehört Software, und diese muss auf Hardware ausgeführt werden. Fälschlicherweise werden dedizierte Router, auf denen die Firewallsoftware ausgeführt wird, als Hardware-Firewall bezeichnet. Personal Firewalls werden oft als Software-Firewall bezeichnet, aber auf dem PC ausgeführt. Sie benötigen also den PC als Hardware.
Wichtiger als die Bezeichnung als Hard- oder Software-Firewall ist das zugrunde liegende Betriebssystem. Software-Firewalls werden wie oben beschrieben auf PCs installiert und sind dadurch natürlich auch von den Sicherheitslücken des Betriebssystems betroffen. Hardware-Firewalls können auch auf Standard-Betriebssystemen beruhen (dort in der Regel Unix) und somit auch von Problemen dieser Betriebssysteme betroffen. Dazu kommen noch Bugs und Sicherheitslücken in der eigentlichen Firewall-Software.
Es gibt jedoch auch Hardware-Firewalls, welche mit einem speziell dafür entwickeltem Betriebssystem funktionieren, das heißt, das Betriebssystem ist gleichzeitig auch die Firewall-Software. Auch diese kann natürlich Bugs und Sicherheitslücken enthalten, jedoch fällt die zusätzliche Fehlerquelle (Betriebssystem / Firewall-Software) durch die einheitliche Struktur (Firewall-Betriebssystem) weg.
Hardware-Firewalls werden deshalb als sicherer angesehen als Software-Firewalls.
Die Hardwarekomponente hat im Regelfall drei Netzwerkschnittstellen, an denen jeweils die zu trennenden Netze angeschlossen sind. Die drei Schnittstellen werden aus Sicherheitsgründen (oft aber wegen der Netzstruktur und damit aus der konzeptionellen Notwendigkeit) gewählt, damit gewährleistet ist, dass nur solche Pakete von einem Netz ins andere durchgelassen werden, die von der Software als gültig anerkannt werden.
Dabei unterscheidet man drei Netzwerkzonen:
Es kann auch mehrere DMZs (typischerweise 3–6) mit jeweils unterschiedlichen Rechten geben, um z. B. gut gewarteten Serven mehr Rechte im LAN zu geben als Servern, die eher unregelmäßig gewartet werden. Ebenso werden oftmals unterschiedliche Diensttypen, insofern sie auf unterschiedlicher Hardware untergebracht sind, ebenso in unterschiedlichen DMZs platziert. Die Verwendung von mehreren DMZs begrenzt die Möglichkeiten des Angreifers bei der Kompromittierung einer einzelnen DMZ. Im Extremfall geht dies bis zu einer kompletten Abschottung einer DMZ vom LAN (= Verbindung nur zum WAN).
Oftmals handelt es sich bei einer Hardware-Firewall jedoch um eine Software-Firewall, die mit spezieller Hardware gebundelt wird.
Die Softwarekomponente der Firewall arbeitet auf den Schichten 2 bis 7 des OSI-Referenzmodells, und demzufolge kann das Implementationsniveau sehr unterschiedlich ausfallen. Deswegen besteht eine Firewall oft aus verschiedenen Softwarekomponenten. Die verschiedenen Teile sollen hier kurz beschrieben werden:
Ein Paketfilter trifft nur die Entscheidungen, die vollständig auf Paketbasis getroffen werden können, also vor allem auf Basis der Quell-/Zieladressen der Pakete.
Für weitere Informationen siehe Artikel Paketfilter
Eine Firewall kann aber nicht nur auf der niedrigen Ebene des Paketfilters arbeiten, sondern auch komplexere Aufgaben übernehmen. Ein Content-Filter überprüft zum Beispiel die Inhalte der Pakete und nicht nur die Meta-Daten der Pakete wie Quell- und/oder Zieladresse. Solche Aufgaben können zum Beispiel folgende sein:
Die meisten Systeme lassen nur die Definition von sehr einfachen Regeln zu; das Problem ist aber prinzipiell sehr komplex und das Konzept ist eventuell technisch nicht vollständig umsetzbar (sollen z. B. wirklich sicher und vollständig vertrauliche Informationen aus dem Datenverkehr zu nicht autorisierten Systemen herausgefiltert werden, so müsste u. a. das technische Problem gelöst werden, wie vertrauliche steganografische oder verschlüsselte Informationen erkannt und gefiltert werden sollen).
Trotz der in aktuellen Firewall-Systemen recht einfach gestalteten Regeln kann deren Ausführung sehr komplex werden: Häufig müssen einzelne Pakete zusammengesetzt werden, damit der betrachtete Datenverkehr (z. B. HTML-Seite) als Ganzes erkannt, durchsucht und eventuell verändert werden kann. Anschließend muss der Datenverkehr wieder in einzelne Pakete zerteilt werden und kann dann weitergeschickt werden. Anmerkung: I) Üblicherweise ist das Löschen von Viren-Mails die Aufgabe von Virenscannern. Virenscanner durchsuchen u.a. den gesamten ausgehenden und eingehenden Datenstrom nach Viren und löschen diese bei positivem Befund. Typischerweise ist dies nicht Aufgabe einer Firewall. II) Spam-Mails werden von Spam-Filtern gekennzeichnet. Typischerweise ist dies nicht Aufgabe einer Firewall.
Viele Firewallsysteme besitzen einen oder mehrere integrierte transparente Proxys, die für Client und Server weitgehend unbemerkbar sind und von der Firewall automatisch auf entsprechende Verbindungen angewendet werden. Zweck dieser Proxys ist die (vereinfachte) Realisation der Protokollvalidierung und Anpassung (i. S. einer Normalisierung oder definierten Beschränkung) der übertragenen Protokollkommunikation zur Reduktion der Angriffsfläche auf Applikationsebene oder dem gezielten Sperren bestimmter Protokolltransaktionen (z. B. gezielte Verhinderung von Port Mode FTP). Firewallsysteme unterscheiden sich stark in der Anzahl und Art der von Proxys unterstützten Protokolle (z. B. FTP, DNS, HTTP, SMTP, SQL*Net, POP3, MS-RPC usw.) sowie ggf. vorhandenen Konfigurationsmöglichkeiten für diese Proxys. Ohne Proxy-Konzept sind die Möglichkeiten der Protokollnormalisierung sehr begrenzt, da ein aktives Eingreifen in den Datenstrom sich auf Verbindungsabbruch/Blacklisting beschränkt. Viele Firewalls mit Proxy können darüber hinaus Protokolloptionen anpassen, etwa in einer SMTP-Transaktion kein BDAT, VRFY o. Ä. zulassen.
Ist eine Firewall, welche auf Schicht 7 (Applikationsschicht) des ISO-OSI-Modells arbeitet. Eine Firewall, welche den Inhalt von angeforderten HTML-Seiten vor der Auslieferung z. B. auf Viren überprüft, ist ein Beispiel für eine Application-Layer-Firewall.
Kommuniziert ein Rechner A mit einem Rechner B über einen einfachen Paketfilter, so muss dieser zwei Verbindungen erlauben (NAT und Ähnliches weggelassen):
Bei der Zustandsgesteuerten Filterung wird nur eine Regel benötigt (bzw. die zweite wird implizit hinzugefügt):
Noch weitergehende Systeme prüfen zusätzlich, ob ein Paket zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Kommunikation überhaupt erlaubt ist (zum Beispiel weitere Pakete schicken, obwohl der andere Teilnehmer die Kommunikation bereits abgeschlossen hat).
Auf den ersten Blick sieht dies wie ein Widerspruch aus, da UDP ja per Definition zustandsfrei ist. Manche Implementierungen, z.B. Linux Netfilter, behandeln aber UDP trotzdem als stateful, in dem Sinne, daß beim Versenden eines UDP-Pakets zum Rechner 'A' eine dynamische Inputregel für UDP und diesen Rechner erzeugt wird (auf dem gleichen Port natürlich). Auch wenn dies nicht ganz im Sinne der reinen Lehre ist, ist es doch sehr praktisch. Bei DNS z.B. tut es nämlich genau das, was man braucht: Antwortpakete werden nur von den Nameservern erlaubt, die man selbst gefragt hat.
Personal Firewalls oder auch Desktop Firewalls sind Programme, die lokal auf dem zu schützenden Rechner installiert sind. Somit ist diese Art von Firewall nicht dafür gedacht, den Verkehr zwischen mehreren Netzen zu kontrollieren, sondern bestimmten Verkehr nicht in den lokalen Rechner hineinzulassen oder hinauszulassen. Die Installation auf dem zu schützenden Rechner erlaubt es auch, anwendungsspezifisch zu filtern. Viele Produkte legen ihren Schwerpunkt auf einfache Konfiguration. Die Schutzwirkung von Personal Firewalls ist allerdings umstritten.
Sonstige Zugriffe von außen auf das Firmennetz sollen einfach geblockt werden. Wichtig ist, daß in dieser Konstellation die Arbeitsplatzrechner selbst keinerlei direkte Verbindung zum Internet aufbauen können. Damit können einmal eingeschleuste Schadprogramme sich nur weiter verbreiten oder weitere Schädlinge aus dem Internet nachladen, wenn sie erstmal den Proxy oder den Mailserver finden - zum Glück können das (derzeit) die Schädlinge meist nicht.
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