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In Finnland gibt es keine sehr großen Gebirge, jedoch gibt es im Norden so genannte Inselberge (Tunturit), die sich aus der flachen Landschaft erheben. Im äußersten Nordwesten hat das Land Anteil am Skandinavischen Gebirge. Dort befindet sich auch die höchste Erhebung, der 1.324 m hohe Haltitunturi.
Die Ostseeküste Finnlands ist eine reich gegliederte Schärenküste. Der längste Fluss in Finnland ist der Kemijoki; dieser fließt bei Kemi in den Bottnischen Meerbusen, der mehrere Monate im Jahr zugefroren ist. Im Südosten liegt die Finnische Seenplatte, die Finnland den Beinamen „Land der Tausend Seen“ beschert hat. Präzise gibt es in Finnland 187.888 Seen (Gewässer mit mindestens 500 m² Fläche).
Bei Gliederung des Landesgebiets ist zu beachten, dass Lappland geographisch immer noch getrennt betrachtet wird. Dies hat zur Folge, dass das Gebiet ungefähr zwischen Oulusee und Polarkreis Nordfinnland genannt wird, obwohl es in der Mitte des Landes liegt. Ebenfalls heißt die Landschaft um die Stadt Jyväskylä trotz ihrer südlichen Lage Keski-Suomi (dt. Zentrales Finnland).
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Die heutige Landschaftsform ist durch die letzte Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren geprägt. Die großen Eismassen haben Gesteine abgetragen, das Schmelzwasser hat die Landoberfläche weiter geformt. Typisch sind die Küstengebiete und Seenplatten. Als Auffangbecken des glazialen Schmelzwassers diente nach dem Ende der Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren der Ankylussee, ein Süßwasserreservoir, das Vorläufer der heutigen Ostsee war. Dieses ständig anwachsende Gewässer brach vor 7.000 Jahren zur Nordsee durch, wodurch sich die einstigen Schmelzwasserseen zu Salzgewässern wandelten. Schon zuvor hatte sich der Schild infolge des Gletscherrückzugs durch die verminderte Drucklast zu heben begonnen, wobei dieser Vorgang an der Westküste schneller fortschritt als in den östlichen Landesteilen. Im Zuge dieser Erhebung wurde dem Wasser der nach Westen abfließenden Binnengewässer der Weg abgeschnitten, sodass es sich mit dem Fluss Vuoksi einen neuen Abfluss nach Süden bahnte. Diese Erhebung ist ein bis heute andauernder Vorgang, und die westliche Küstenlinie wandert ständig weiter nach Westen.
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| (für allgemeine Erläuterungen siehe: Klimadiagramm) |
Das finnische Klima wird durch die Ostsee, den Golfstrom und das gegenüber Mitteleuropa trockenere Kontinentalklima beeinflusst. Dadurch liegt die jährliche Durchschnittstemperatur um 5-10° C höher als in anderen Gebieten dieser Breitenlage, bei sehr kalten Wintern und vergleichsweise heißen Sommern. Von Süd nach Nord nehmen die Durchschnittstemperaturen und die Niederschläge deutlich ab. Der Temperaturunterschied ist vor allem im Winter sehr ausgeprägt. Frühling und Herbst sind im Norden des Landes sehr kurz.
Für viele Menschen sind der Juni und Juli die schönsten Monate, wenn es nachts nicht richtig dunkel wird und wenn nördlich des Polarkreises die Sonne überhaupt nicht untergeht. In dieser Zeit sind die Niederschläge zwar am höchsten, liegen jedoch mit 300 mm im Norden und 700 mm im Süden noch deutlich unter den mitteleuropäischen Werten. Die Höchsttemperaturen steigen dann in Südfinnland auf bis zu 28° C, die Wassertemperaturen der Binnenseen erreichen aufgrund ihrer geringen Tiefe oft 25° C.
Schneesicherheit herrscht in Lappland von November bis April, im Süden hingegen wechselt der Zeitpunkt des Winterbeginns stark ab und sorgt von Dezember bis Anfang März für eine meist geschlossene Schneedecke. Der Schnee mildert auch die winterliche Dunkelheit in den nördlichen Landesteilen etwas ab.
Auf den Inseln von Åland ist es im Sommer kühler und im Winter milder als auf dem finnischen Festland. Mit knapp 1900 Sonnenstunden ist Åland die sonnigste Region Skandinaviens.
Ruovesi Forest.jpg]] Etwa drei Viertel des Landes bestehen aus Wald. Süd- und Mittelfinnland ist überwiegend von Kiefern-, Fichten- und Birkenwald bedeckt. Im Süden und auf den Ålandinseln treten auch Ahorne, Eichen und andere Pflanzen auf. Im Norden (Lappland) wird die Vegetation deutlich karger. Ein Drittel der Landesfläche sind Moore.
In Süd- und Mittelfinnland sind Elche trotz intensiver Bejagung weit verbreitet. Der Bestand wird auf etwa 120.000 Tiere geschätzt. In Nordfinnland wird Rentierzucht betrieben, weshalb dort zahlreiche domestizierte aber frei lebende Rentiere anzutreffen sind. Von Süd nach Nord zunehmend, treten im Sommer in gewässernahen und windarmen Gebieten regelrechte Mückenplagen auf. Zur finnischen Fauna gehören auch der Braunbär, Wölfe, Eurasischer Luchs (vor allem in Ostfinnland) und der Vielfraß sowie zahlreiche Singvögel, Elstern und Raben.
Der Ausländeranteil ist mit 2 % gering; die größte Einwanderergruppe stellen die Russen (darunter auch finnischstämmige Zuwanderer aus Karelien und dem Ingermanland) mit etwa 0,5 %.
Die 26.000 Einwohner von Åland haben Schwedisch als einzige Umgangs- und Amtssprache. Viele betonen stark ihre åländische Identität, empfinden sich aber gleichwohl durch die gemeinsame Geschichte mit den Finnen vereinigt.
Auf kommunaler Ebene herrscht Zweisprachigkeit in jenen Gemeinden, in denen die Minderheitensprache von mindestens 3000, oder 8 % der Bevölkerung, gesprochen wird (regelmäßiger Zensus).
In einzelnen Gemeinden im Norden Finnlands, wo die Samen wohnhaft sind, sind die als Minderheitensprache anerkannten samischen Sprachen im Verwaltungsverkehr zugelassen. Außerdem haben auch Romani und die Gebärdensprache einen Status als offizielle Minderheitensprachen.
Siehe auch: Finnische Sprachpolitik, Liste der schwedisch- und zweisprachigen Gemeinden Finnlands
Die Evangelisch-lutherische Kirche Finnlands unterstand bis 1809 der evangelisch-lutherischen Kirche Schwedens und wurde mit dem Übergang des Großherzogtums an Russland selbständig. Bis zur Einführung der Religionsfreiheit im Jahre 1923 gehörten die Finnen entweder zur evangelisch-lutherischen oder zur orthodoxen Kirche. Diese beiden Kirchen werden durch Kirchensteuern finanziert.
siehe auch Liste der Städte in Finnland
Finnland ist eines der am dünnsten besiedelten Länder Europas. Bei einer Einwohnerzahl von 5.249.034 (2005) liegt die Bevölkerungsdichte bei 15,5 Einwohnern pro km². Die Bevölkerung konzentriert sich vor allem auf den Süden des Landes. Dort befinden sich mit Helsinki (schwed. Helsingfors), Tampere (Tammerfors), Turku (Åbo) auch die größten Ballungsgebiete, abgesehen von Oulu (Uleåborg), der einzigen Großstadt in Nordfinnland. Die größte Stadt in Lappland ist Rovaniemi.
Zur Hauptstadtregion gehören die Städte Helsinki, Espoo (Esbo), Vantaa (Vanda), und Kauniainen (Grankulla), die eine zusammengewachsene Stadtregion bilden mit rund eine Million Einwohner auf eine Grundfläche von 765 km².
| Kommune | Volkszählung 2000 | Schätzung für 2005 |
|---|---|---|
| Helsinki | 559.718 | 559.046 |
| Espoo | 216.836 | 227.472 |
| Tampere | 197.774 | 202.932 |
| Vantaa | 179.856 | 185.429 |
| Turku | 173.686 | 174.824 |
| Oulu | 123.274 | 127.226 |
Seurasaari-2005-johannus2.jpg Neben christlichen Festtagen gibt es eine Reihe nationaler Feiertage. Die wichtigsten sind hierbei der Nationalfeiertag am 6. Dezember, Vappu am 1. Mai und das Mittsommerfest (Juhannus).
Seit 2000 ist die Sozialdemokratin Tarja Halonen als erste Frau die Präsidentin von Finnland. Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen 2006 erhielt sie 46,3% der Stimmen. In der Stichwahl am 29. Januar 2006 zwischen Halonen und dem früheren Finanzminister Sauli Niinistö, der in der Ersten Runde mit 24,1% Platz zwei erreicht hatte, setzte sie sich dann mit 51,8% durch. Um das Amt des Präsidenten hatten sich insgesamt acht Kandidaten beworben, darunter auch der amtierende Ministerpräsident Matti Vanhanen, der in der ersten Runde mit 18,6% der Stimmen ausschied.
Seit Ende des Zweiten Weltkrieges ist das Land – auch dank der schwedischen Parallelpolitik – strikt neutral, obwohl es sich bis 1991 in einem erzwungenen Freundschaftspakt mit der Sowjetunion befand, und obwohl es sich mittlerweile durch Volksentscheid für den Eintritt in die EU entschlossen hat. Ansonsten hält Finnland trotz EU international immer noch einen neutralen Status. Finnland engagiert sich stark in den nordeuropäischen und europäischen Institutionen.
Finnland teilt sich in die sechs Provinzen (finn. lääni, schwed. län) Åland, Lappland, Ostfinnland, Oulu, Südfinnland und Westfinnland auf. Diese sind wiederum in 20 Landschaften (finn. maakunta, schwed. landskap) unterteilt, die jedoch keine politische Bedeutung haben. Im Falle von Åland und Lappland sind Provinz und Landschaft Deckungsgleich. Die Landschaften teilen sich in insgesamt 74 Verwaltungsgemeinschaften (finn. seutukunta, schwed. ekonomisk region). Die unterste Ebene der Verwaltungsgliederung bilden die Gemeinden. Eine Gemeinde, in der über 90 % der Bevölkerung in geschlossenen Ortschaften lebt oder in denr das größte Siedlungszentrum mehr als 15.000 Einwohner zählt, wird als Stadt bezeichnet. Insgesamt gibt es in Finnland 431 Gemeinden, von denen 114 Städte sind (Stand: 2006).
Unter den Provinzen Finnlands nimmt Åland einen Sonderstatus ein, da es mit weitgehender Autonomie ausgestattet ist. Infolge einer Entscheidung des Völkerbundes aus dem Jahr 1921 gehört es als demilitarisierte Zone zu Finnland, verwaltet aber seine inneren Angelegenheiten selbstständig.
Noch auf Zeiten der schwedischen Herrschaft gehen die historischen Landschaften zurück. Während der russischen Zeit wurden 1831 die Provinzen Finnlands reformiert. Diese Verwaltungsgliederung hielt sich im Großen und Ganzen bis 1997, als die Anzahl der Provinzen von zwölf auf sechs halbiert wurde. Dadurch wurden sie zu reinen Verwaltungseinheiten ohne regionale Identität. Zugleich wurden die Landschaften als regionale Unterteilung der Provinzen eingeführt.
Das Straßennetz umfasst eine Gesamtlänge von 77.895 Kilometern, wobei 49.853 Kilometer davon befestigt und 473 Kilometer als Autobahn ausgebaut sind. Das Tempolimit liegt außerorts bei 80, auf Autostraßen bei 100 und auf Autobahnen bei 120 km/h. Auch tagsüber muss mit Abblendlicht gefahren werden. Im Winter sind Winterreifen Vorschrift, Reifen mit Spikes sind dabei erlaubt und werden mehrheitlich verwendet.
Das 5.660 Kilometer lange Eisenbahnnetz wird von der staatlichen Eisenbahngesellschaft VR (Valtionrautatiet) betrieben und ist zu 37 Prozent elektrifiziert. Die größten Städte werden mit dem bis zu 200 km/h schnellen Hochgeschwindigkeitszug S220 (Pendolino) bedient. Nachtreisezüge und Autoreisezüge verbinden die großen Ballungsräume des Südens mit den nördlichen Regionen des Landes. Internationale Bahnverbindungen gibt es nur nach Russland.
Fast jeden Ort kann man auch mit dem Bus erreichen. In Finnland operierende Busunternehmen sind unter anderen Connex, Länsilinjat, Paunu, Pohjolan Liikenne und Savonlinja. Die Überlandlinien werden von verschiedenen im Matkahuolto-Verbund zusammenarbeitenden Busunternehmen unter der Marke Expressbus betrieben. Die einzige U-Bahn des Landes ist die Metro Helsinki und auch Straßenbahnen gibt es nur im Verkehrsverbund Helsinki (Helsingin kaupungin liikennelaitos, HKL).
Große Bedeutung kommt der Küstenschifffahrt, für den Handel mit Russland auch der Binnenschifffahrt über den Saimaakanal zu. Das Binnenschifffahrtsnetz hat eine Gesamtlänge von 6.675 Kilometern. Wichtige Hafenstandorte sind Hamina, Helsinki, Kokkola, Kotka, Loviisa, Oulu, Pori, Rauma, Turku, Uusikaupunki und Varkaus. Die Handelsflotte besitzt 480 Schiffe mit mehr als 100 Bruttoregistertonnen. Da im Winter die Küstengewässer zufrieren, muss eine große Zahl von Eisbrechern die Hafenzufahrten freihalten.
Größere Orte besitzen auch Flughäfen, die durch ein dichtes Inlandsflugnetz bedient werden. 1999 gab es insgesamt 157 Flughäfen und Flugplätze in Finnland. Die nationale finnische Fluggesellschaft ist Finnair. Weitere Fluggesellschaften sind Air Finland, Blue1, Finncomm Airlines und Golden Air.
Finnland besitzt ein 580 Kilometer langes Erdgaspipelinenetz.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahre 1991 befand sich die Wirtschaft in einer großen Krise. Zwischen 1990 und 1993 sank das Bruttosozialprodukt um 13%; die Arbeitslosenquote stieg von 3,4 im Jahre 1990 auf 18,4% im Jahre 1994. Die Neuausrichtung der Wirtschaftsstruktur sorgte bis zum Jahr 2001 für eine Halbierung dieser Rate auf 9,2%. In den Jahren 2003 und 2004 betrug die Arbeitslosenquote 9,0% und 8,9%. Für das Jahr 2005 erwartet das Statistische Zentralamt in Finnland eine Arbeitslosenquote in Höhe von 8,6%.
Zugleich ist die Hauptstadt Dreh- und Angelpunkt der meisten Finnlandreisen. Mit den Schiffen der Silja Line und Viking Line gelangen Sie von Schweden direkt in die Innenstadt, mit Air Berlin, Germanwings, Finnair, SAS oder Lufthansa landen Sie auf dem Flughafen im benachbarten Vantaa. Von hier gibt es zahlreiche Anschlussflüge zu den vielen innerfinnischen Destinationen.
Zu den bekanntesten Destinationen in Lappland zählen Ylläs, Levi, Saariselkä, Rovaniemi, Luosto, Kemi und Kuusamo. Weitere beliebte Orte sind Vuokatti und Sotkamo in Kainuu, an der Südküste neben Helsinki die Städte Porvoo, Turku und Naantali. An der Westküste Rauma, Pori, Kalajoki und Oulu. Zu den bekanntesten Gegenden Finnlands zählt die östliche Seenplatte, das Saimaa-Seengebiet, mit Koli, Punkaharju, Lappeenranta und Savonlinna.
Zu den beliebtesten Aktivitäten im Sommer gehören Wandern, Angeln, Nordic Walking, Golf, Radfahren, Reiten, Segeln, Kanu und Kajak fahren, Beeren und Pilze sammeln, Schwimmen und natürlich Sauna. Im Winter ist Finnland ein Eldorado für Langlauf, aber beliebt auch für Alpin, Snowboard, Safaris mit Husky, Motorschlitten oder Rentier. Die Finnen selbst verbringen einen großen Teil ihrer Freizeit in ihren Ferienhäusern, den Mökkis, die auch von vielen ausländischen Gästen geschätzt werden. So ist es keine Seltenheit, dass Mitteleuropäer ein Haus an einem eigenen See mit Sauna und Ruderboot buchen, das kilometerweit vom nächsten Nachbarhaus liegt.
Die Bildende Kunst (z. B. Albert Edelfelt, Akseli Gallén-Kallela, Helene Schjerfbeck, Hugo Simberg) und die Architektur (z. B. Eliel Saarinen) Finnlands waren Bestandteil der europäischen Avantgarde.
Ruovesi Holzhaeuser.jpg Von internationalem Ruf ist daneben auch das finnische Design, das sich in die Reihe der skandinavischen Gestaltungsrichtung fügt. Bekannt ist hier besonders der Architekt und Designer Alvar Aalto, dessen wolkenförmige Glasvasen auch in Deutschland bekannt geworden sind. Seine Möbelentwürfe werden bis heute bei Artek produziert und angeboten. Seine Frau Aino Aalto ist die Designerin der bekannten Gläser. Weitere wichtige finnische Designermarken sind Arabia, Iittala, Marimekko und Hackman.
Zwischen der Christianisierung im 13. Jahrhundert und der Reformation war die literarische Produktion in Finnland sehr spärlich und beschränkte sich auf lateinischsprachige religiöse Texte. Der früheste in Finnland geschriebene Text ist die Legende des heiligen Heinrich aus dem späten 13. Jahrhundert; das älteste in Finnland gedruckte Buch ist das Missale Aboense, ein Messbuch aus dem Jahr 1488. Der erste namentlich bekannte Autor ist der Mönch Jöns Budde (ca. 1437-1491). Er übersetzte hauptsächlich Heiligenlegenden und Teile des Alten Testaments ins Schwedische.
Die ersten Texte in finnischer Sprache entstanden nach der Reformation im 16. Jahrhundert. Zu den Lehren der lutherischen Kirche gehörte, dass das Wort Gottes in der Sprache des Volkes verkündet werden müsse. Als „Vater der finnischen Sprache“ gilt Mikael Agricola, von dem die ersten überlieferten Werke in finnischer Sprache stammen. Zum ersten gedruckten finnischen Buch wurde die spätestens 1543 veröffentlichte „Fibel“ Abckiria, welche sich in erster Linie an Geistliche richtete und einen Katechismus enthielt. Sein eigentliches Hauptwerk war die finnische Übersetzung des neuen Testaments von 1548. In den folgenden Jahrhunderten gab es nur vereinzelte literarische Tätigkeiten, hauptsächlich religiösen Charakters. Von einer finnischen literarischen Kultur konnte nicht die Rede sein.
Als Fundament der finnischen Literatur gilt das von Elias Lönnrot zusammengestellte und 1835 veröffentlichte Nationalepos Kalevala. Von stärkster Bedeutung für die werdende finnische Nation war der auf Schwedisch schreibende Johan Ludvig Runeberg (Die Erzählungen des Fähnrich Stål, 1848-60). Der Roman Die sieben Brüder von Aleksis Kivi gilt seit dem 19. Jahrhundert als Weltliteratur. Der 1954 veröffentlichte Antikriegsroman Kreuze in Karelien von Väinö Linna, ist neben der Bibel das bisher meistverkaufte Buch (bis 1990 etwa 500.000 mal verkauft) in Finnland. 1939 erhielt Frans Eemil Sillanpää „für die tiefe Auffassung und die erlesene Stilkunst, womit er das Bauernleben und die Natur seines Heimatlandes in ihrem gegenseitigen Zusammenhang schildert“, den Nobelpreis für Literatur. Finnland hat heute noch zwei sehr lebhafte Literaturen, eine finnischsprachige und eine schwedischsprachige. Einer von den bedeutenden lebenden Schriftstellern finnischer Sprache ist Arto Paasilinna.
Siehe auch: Liste finnischsprachiger Schriftsteller
Die Brüder Mika Kaurismäki und Aki Kaurismäki sind als Regisseure vielbeachteter, gegenwartsorientierter Filme zu internationaler Berühmtheit gelangt.
Der bekannteste finnische Komponist ist Jean Sibelius. Weitere bekannte finnische Komponisten finden sich in der Liste finnischer Komponisten klassischer Musik.
Eigenständige Richtungen finnischer Tanzmusik sind Finnischer Tango, Humppa und Jenkka. Die derzeit bekannteste Humppa-Band sind die Eläkeläiset. Aus dem Jenkka wurde der Letkajenkka entwickelt, der 1965 unter dem internationalisierten Namen Letkiss ein bekannter Modetanz wurde. Zu den bekanntesten Komponisten und Interpreten von Tanzmusik gehören Georg Malmstén, Unto Mononen, Toivo Kärki, Olavi Virta und Tapio Rautavaara.
Eine einzigartige finnische Kunstform ist das itkuvirsi (Klagelied). Diese werden ausschließlich von Frauen vorgetragen, inhaltlich geht es dabei meistens um den Tod eines Sohnes im Krieg. Klagelieder werden a cappella gesungen, gewöhnlich hat die Sängerin ein Taschentuch in der Hand, in das sie hinein schluchzt. Diese Musikform wird bis heute gepflegt, es gibt sogar Wettbewerbe sowie Forschungen von der Sibelius-Akademie.
Mariska_keikalla_Kalliossa_2004.jpg, eine Hip-Hop-Künstlerin.]] In Finnland hört man auch sehr viel finnischsprachige Pop- und Rockmusik, zu den bekanntesten Bands gehören CMX, Eppu Normaali, Tyrävyö, Yö und Zen Café. Außerdem kommen verschiedene bekannte Rock- und Metal-Bands aus Finnland, so zum Beispiel Apocalyptica, Children of Bodom, HIM, Leningrad Cowboys, Lordi, Negative, Nightwish, The 69 Eyes, The Rasmus, Sentenced oder Waltari, deren Repertoire sich allerdings fast ausschließlich aus Songs in englischer Sprache zusammensetzt. Eine Übersicht finnischer Bands bietet die Kategorie:Finnische Band.
Zu den bekanntesten finnischen Folk-Interpreten gehören Arja Kastinen, die Gruppe Angelit (früher: Angelin Tytöt) (moderne, eingängige wie eigenwillige Interpretation samischer Joik-Gesänge) sowie Värttinä, Ottopasuuna, Wimme, JPP, Loituma und Folkkarit. In der Volksmusik kommt meist die Kantele zum Einsatz, das finnische Nationalinstrument.
Piirpauke unter der Leitung von Sakari Kukko besteht seit 1975 und verbindet Jazz mit traditioneller finnischer, spanischer und afrikanischer Musik. Bekannte Jazzmusiker sind Edward Vesala, Eero Koivistoinen und Heikki Sarmanto. Im Grenzbereich zwischen Jazz und Rock wurden Tasavallan Presidentti, Pekka Pohjola und Jukka Tolonen bekannt.
Auch experimentelle Musik wie der schreiende Männerchor Mieskuoro Huutajat findet sich in Finnland. In der experimentellen elektronischen Musik zählt Pan Sonic zu den bekanntesten Projekten, ausgehend vom Label Sähkö.
In Finnland finden zahlreiche weltberühmte Musikfestivals statt, so beispielsweise die Kammermusikfestspiele in Kuhmo, die Opernfestspiele in der Burg von Savonlinna, das Jazzfestival in Pori, das Akkordeonfestival in Ikaalinen, das Tangofestival in Seinäjoki und das Folkfestival in Kaustinen.
Die finnische Band Lordi hat am 20. Mai 2006 den Eurovision Song Contest gewonnen, somit wird der Eurovision Song Contest 2007 in Helsinki stattfinden.
Erfolge bei sportlichen Wettkämpfen sind für die Finnen ein wichtiger Teil ihrer nationalen Identität. Erfolgreiche Sportler werden als Nationalhelden angesehen. Vor allem in den 1920er-Jahren waren finnische Leichtathleten wie Paavo Nurmi, Hannes Kolehmainen und Ville Ritola erfolgreich. Bei den Olympischen Spielen 1924 in Paris belegte Finnland gar den zweiten Platz im Medaillenspiegel. Paavo Nurmi, der „fliegende Finne“, ist mit neun Goldmedaillen einer der erfolgreichsten Athleten der Olympia-Geschichte. Ihm wird nachgesagt, er habe „Finnland auf die Weltkarte gelaufen“ – eine Aussage, die die Bedeutung von sportlichen Erfolgen für das Selbstbewusstsein der damals noch jungen Nation verdeutlicht.
Der Sport wird oft auch als Verkörperung der sogenannten finnischen Tugenden angesehen. Ein Beispiel ist der viermalige Olympiasieger Lasse Virén, dessen Sieg über 10.000 Meter bei den Olympischen Spielen 1972 in München, als er trotz eines Sturzes mit Weltrekordzeit die Goldmedaille gewann, als Beispiel der finnischen Nationaltugend Sisu (etwa: „Beharrlichkeit“, „Ausdauer“) gilt. Dementsprechend groß war der Schock nach dem Dopingskandal bei der Nordischen Skiweltmeisterschaft 2001 in Lahti, als sich herausstellte, dass die finnischen Skilangläufer systematisch gedopt hatten.
Ein Meilenstein der finnischen Sportgeschichte waren die Olympischen Sommerspiele 1952 in Helsinki. Ursprünglich sollte Helsinki bereits die Spiele 1940 austragen, die aber wegen des Zweiten Weltkrieges abgesagt werden mussten. Das größte internationale Ereignis, das je in Finnland stattgefunden hat, war für das kleine Land, das sich gerade erst von den Kriegsfolgen erholte, eine Möglichkeit, sich der Weltöffentlichkeit zu präsentieren.
Heutzutage ist Eishockey die populärste Sportart in Finnland. Spieler wie Teemu Selänne, Saku Koivu und Jere Lehtinen gehören zu den Stars der NHL. Der größte Erfolg der finnischen Eishockeynationalmannschaft war der Gewinn der WM 1995 und die Silbermedaille bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin. Im Wintersport interessierte man sich traditionell hauptsächlich für die nordischen Disziplinen Skilanglauf und Skispringen. Der finnische Skilanglauf befindet sich seit dem Dopingskandal von Lahti auf einem Tiefpunkt. Im Skispringen konnten Janne Ahonen und Matti Hautamäki an die Erfolge von Matti Nykänen und Toni Nieminen anknüpfen. Daneben konnten mit Tanja Poutiainen und Kalle Palander finnische Sportler erstmals auch Erfolge im Bereich Ski Alpin feiern. Motorsport ist dank Formel-1-Rennfahren wie dem zweimaligen Weltmeister Mika Häkkinen, dem Weltmeister von 1982 Keke Rosberg und Kimi Räikkönen populär. Rallye gilt als finnische Domäne. In der Vergangenheit dominierten Fahrer wie Marcus Grönholm, Tommi Mäkinen und Juha Kankkunen die Rallye-Weltmeisterschaft. Fußball hat in Finnland keine besondere Tradition, doch erfolgreiche Spieler wie Jari Litmanen, Sami Hyypiä und Mikael Forssell haben der Sportart in Finnland zu einer gewissen Beliebtheit verholfen.
Finnland glaubt, die Einhaltung des Kyoto-Protokolls dauerhaft nur mit Kernkraft gewährleisten zu können. Im Mai 2002 beschloss das Parlament daher den Bau eines neuen Druckwasserreaktors, der seit 2005 im Bau ist. Damit wird sich die Zahl der finnischen Kernreaktoren auf fünf erhöhen. Es bestehen bereits Überlegungen noch einen weiteren Reaktor der Baureihe EPR zu errichten. Der Kohlenstoffdioxidausstoß pro Kopf des Landes gehört zum weltweit höchsten, ist aber vergleichsweise gering wenn man die flächenmäßige Größe Finnlands und die stark expandierende Papierindustrie (auf die sich Finnlands Reichtum stützt) betrachtet.
Lappländische Nadelwälder werden in zunehmenden Maß für die Zellstoffgewinnung zur Papierproduktion abgeholzt. Umweltschutzgruppen kritisieren dieses Vorgehen als kurzsichtig, da die Waldtundra sich aufgrund des harten Klimas nur langsam regeneriert und das Abholzen einer Vernichtung der lokalen Ökosysteme gleichkommt. Samigruppen protestieren außerdem dagegen, dass ihnen durch das Vorgehen der Holzindustrie die Grundlage für ihre traditionelle Lebensweise entzogen würde.
Das finnische Bildungssystem gilt als eines der besten der Welt. Durch die PISA-Studien gelangte dies in das Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit. Die Hauptmerkmale des Bildungssystems sind integrative Gesamtschulen bis zur 9. Klasse. Die darauf aufbauende Sekundarstufe II ermöglicht jederzeit einen Wechsel zwischen dem allgemeinbildenden und dem berufsbezogenen, praxisorientierten Zweig. Diese Stufe wird entweder mit dem Abitur oder einer Berufsausbildung abgeschlossen. Dieses modulare System gilt in ähnlicher Weise auch für die universitäre Laufbahn. Dort stehen neben den konventionellen Universitäten auch Fachhochschulen für höhere Ausbildungen zur Verfügung.
Der Bildungsstand in Finnland gilt weltweit als einer der höchsten. Die Analphabetenquote liegt bei nahezu 0 Prozent. Dies lässt sich unter anderem an der überdurchschnittlich hohen Lesebereitschaft ausmachen. Traditionell gibt es ein gutes Angebot an Bibliotheken. Dem Erlernen von Fremdsprachen wird eine große Bedeutung beigemessen. In den Gesamtschulen lernen finnische Schüler mindestens zwei Fremdsprachen: in der Regel die Landessprache, die nicht die eigene Muttersprache ist (Schwedisch bzw. Finnisch) und Englisch. Des Weiteren sind Deutsch und Französisch üblich.
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