Finnisch (Eigenbezeichnung suomi) gehört zum ostseefinnischen Zweig der finno-ugrischen Sprachen. Damit ist es entfernt mit dem Ungarischen und eng mit dem Estnischen verwandt. Finnisch ist eine der beiden Amtssprachen in Finnland mit etwa 4,7 Millionen Sprechern (92 % der Bevölkerung). Daneben ist es eine der Amtssprachen in der EU. In Schweden, wo es von ca. 300.000 Menschen gesprochen wird, ist Finnisch als offizielle Minderheitensprache anerkannt. Außerdem gibt es kleinere finnischsprachige Minderheiten in der nordnorwegischen Region Finnmark, im russischen Teil Kareliens und in Estland.
Das Finnische unterscheidet sich als finno-ugrische Sprache teilweise stark von den indogermanischen Sprachen, zu denen der Großteil der in Europa gesprochenen Sprachen gehört. Zu den Besonderheiten der finnischen Sprache gehören der agglutinierende Sprachbau, die große Anzahl (15) an Kasus, eine komplexe Morphophonologie (Vokalharmonie, Stufenwechsel), das Fehlen des grammatikalischen Geschlechts und ein konsonantenarmer Lautstand. Finnisch hat einen Ruf als schwer erlernbare Sprache, was zu großen Teilen seiner Andersartigkeit gegenüber den indogermanischen Sprachen geschuldet ist.
Das Finnische gehört zur Familie der finno-ugrischen Sprachen. Während die meisten in Europa gesprochenen Sprachen der indogermanischen Sprachfamilie angehören, gehören zu den finno-ugrischen Sprachen neben dem Finnischen nur die estnische, samische und die ungarische Sprache sowie eine Reihe von im europäischen Russland und in Nordsibirien gesprochenen Sprachen.
Die Verwandtschaft zwischen den verschiedenen dieser Familie angehörigen Sprachen lässt sich vielfach vor allem über die Sprachstruktur nachweisen, während der Wortschatz zuweilen nur noch wenige Ähnlichkeiten aufweist. So sind die Urformen des Finnischen und Ungarischen schon seit vielen Jahrtausenden getrennt, und die Verwandtschaft ist nicht näher als die Beziehung verschiedener indogermanischer Sprachen wie etwa Deutsch und Persisch.
Die finno-ugrischen Sprachen bilden zusammen mit der kleinen Gruppe der samojedischen Sprachen die uralische Sprachfamilie. Zusammen mit dem Estnischen, dem in der russischen Republik Karelien gesprochenen Karelischen, dem in Lettland gesprochenen, mittlerweile so gut wie ausgestorbenen Livischen und einigen kleineren Sprachen bildet das Finnische die Gruppe der ostseefinnischen Sprachen.
Die uralischen Sprachen werden von Sprachwissenschaftlern auf eine gemeinsame uralische Ursprache zurückgeführt, welche zunächst in die samojedische und die finno-ugrische Ursprachen zerfiel. Letztere spaltete sich sodann in die finnopermische und die ugrische Ursprache auf. Die finnopermische Ursprache brachte durch weiteren Zerfall die frühesten Urformen des Ostseefinnischen hervor, von welchen sich wiederum die samische Sprache abspaltete.
Die Zeiträume dieser Entwicklungsvorgänge, deren Rekonstruktion in erster Linie auf der Analyse von Wortschatz und Sprachstruktur der heutigen Sprachen beruht, lassen sich nur mit großer Schwierigkeit bestimmen. Es wird jedoch angenommen, dass die Absonderung der samischen Sprache vom frühen Finnischen spätestens um 1000 v.Chr. abgeschlossen war. Das Finnische stand bereits in prähistorischer Zeit mit germanischen und baltischen Sprachen im Kontakt und übernahm aus ihnen zahlreiche Lehnwörter.
Obwohl die Bewohner des heutigen Finnlands durchweg finno-ugrische Sprachen sprachen, entwickelte sich eine gemeinsame finnische Sprache erst in der Neuzeit. In der vorangegangenen Zeit spalteten sich die Bewohner Finnlands im wesentlichen in drei Hauptstämme auf, die sprachlich wie kulturell erhebliche Unterschiede aufwiesen. Im Südwesten lebte die später als die „eigentlichen Finnen“ (varsinaissuomalaiset) bezeichnete Bevölkerungsgruppe. In dieser Region hatten sich germanischstämmige Zuwanderer aus Skandinavien mit der Bevölkerung vermischt und viele germanische Lehnwörter mitgebracht. Im Osten lebten die Karelier und in den Wäldern des Binnenlandes die Hämeer, welche sich anfangs wahrscheinlich noch nicht stark von den Samen unterschieden. Aus einer Vermischung der letztgenannten Bevölkerungsgruppen entstand später, aber noch vor dem Mittelalter der Savo-Dialekt.
Die Entstehung einer einheitlichen finnischen Sprache, insbesondere der finnischen Schriftsprache wurde begünstigt durch die Reformation. König Gustaf Wasa brach 1524 die Beziehungen zur katholischen Kirche ab und ordnete die Übernahme der lutherischen Lehren an. Zu diesen gehörte, dass das Wort Gottes in der Sprache des Volkes verkündet werden müsse. In der Folge begannen die Pfarrer, die notwendigen liturgischen Texte auch schriftlich aufzuzeichnen.
Die Veröffentlichung der ersten gedruckten Texte in finnischer Sprache geht sodann auf das Werk des späteren Bischofs Mikael Agricola zurück. Der Schüler Martin Luthers begann bereits während seiner Studienzeit mit der Übersetzung religiöser Texte, insbesondere des Neuen Testaments. Zum ersten gedruckten finnischen Buch wurde die spätestens 1543 veröffentlichte „Fibel“ Abckiria, welche sich in erster Linie an Geistliche richtete und einen Katechismus enthielt. Die finnische Übersetzung des neuen Testaments erschien 1548.
Agricola schuf eine Rechtschreibung auf Grundlage des Lateinischen, Deutschen und Schwedischen und legte die Grundlagen für eine finnische Schriftsprache. Er benutzte dabei in erster Linie den in der Gegend von Turku gesprochenen Dialekt, welcher damit auch zur Grundlage der sich entwickelnden gemeinsamen finnischen Sprache wurde.
Auch nach der Schaffung einer Schriftsprache blieb die schriftliche Verwendung des Finnischen über Jahrhunderte rudimentär. Ab dem 16. Jahrhundert wurden auch Gesetze teilweise auf Finnisch geschrieben, ein finnischsprachiges kulturelles Leben gab es jedoch nicht: Im zu Schweden gehörenden Finnland war Schwedisch die Sprache der Verwaltung, der Bildung und der Kultur.
Erst nachdem Finnland 1809 unter russische Herrschaft gekommen war, begann sich ein finnisches Nationalbewusstsein zu entwickeln. Es formierte sich eine als „Fennomanen“ bezeichnete Bewegung, welche die finnische Sprache zur Kultursprache entwickeln wollte. Im frühen 19. Jahrhundert fehlten der Sprache hierfür aber noch alle Voraussetzungen. Die Grammatik war nie systematisch erfasst worden, und der Wortschatz spiegelte das Alltagsleben der bäuerlichen Landbevölkerung wider, entbehrte aber fast aller für Verwaltungs- und Kulturzwecke erforderlichen Vokabeln.
Das 1835 von Elias Lönnrot veröffentlichte Nationalepos Kalevala bestärkte die Rolle der finnischen Sprache. Durch die Aktivitäten der Fennomanen entstand eine finnischsprachige Literatur und Presse. Viele, muttersprachlich meist schwedischsprachige Angehörige der gebildeten Oberschicht arbeiteten an einer Weiterentwicklung der finnischen Sprache. In diesem Zusammenhang wurden zahlreiche Wörter geschaffen, welche in der finnischen Sprache bis dahin nicht existiert hatten. Den Idealen der finnischen Nationalbewegung folgend wurden die neuen Wörter dieser Zeit fast ausnahmslos nicht durch Lehnwörter, sondern gänzlich neu gebildet, oft durch Abwandlungen alter finnischer Wörter.
Der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begonnene Aufbau eines finnischsprachigen Schulwesens führte bis zur Jahrhundertwende dazu, dass sich eine gebildete finnischsprachige Bevölkerungsschicht entwickelte. Bis zum zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts hatte sich Finnisch zu einer vollwertigen Kultursprache entwickelt, die im wesentlichen dem heutigen Finnischen entspricht.
Siehe auch: Finnische Sprachpolitik
Bedingt durch die Entstehungsgeschichte der finnischen Schriftsprache ist das finnische Alphabet identisch mit dem schwedischen Alphabet. Es besteht aus den 26 Buchstaben des lateinischen Alphabetes, ergänzt um die Sonderzeichen å, ä und ö. Bei der alphabetischen Sortierung, z.B. in Wörterbüchern, werden die Umlaute in der genannten Reihenfolge am Ende des Alphabetes eingeordnet, nicht wie im Deutschen bei a und o. Der Buchstabe w, der insbesondere in älteren Texten oft frei mit dem gleichklingenden Buchstaben v ausgetauscht wird, wird dagegen bei der Sortierung meist nicht von letzterem unterschieden.
Die Buchstaben c, q, w, x, z und å kommen in finnischen Worten nicht vor, treten aber zuweilen in Fremdwörtern auf. Die Buchstaben b und f kommen nur in Lehnwörtern vor. Teilweise verwendet man bei Lehnwörtern für den Laut * das Sonderzeichen š. Es kann aber auch durch sh oder einfach s ersetzt werden (z.B. šakki, shakki oder sakki „Schach“). Noch seltener ist die stimmhafte Entsprechung ž, die bei geographischen Bezeichnungen wie Fidži vorkommt.
Das Finnische hat eine fast völlig phonematische Orthographie, d.h. die Zuordnung von Phonemen (Lauten) und Graphemen (Buchstaben) ist eindeutig. Lehnwörter werden konsequent an die finnische Orthographie angepasst (z.B. filosofia „Philosophie“). Bei folgenden Buchstaben unterscheidet sich der Lautwert vom Deutschen:
| Buchstabe | Lautwert | Beschreibung |
|---|---|---|
| e | * | stets offen wie in dt. wenn |
| h | * | wie dt. h; auch vor Konsonanten deutlich ausgesprochen |
| k | * | wie dt. k, aber unbehaucht |
| o | * | stets offen wie in dt. toll |
| p | * | wie dt. p, aber unbehaucht |
| r | * | gerolltes r (Zungenspitzen-r) |
| s | * | stets stimmlos wie in dt. Hass |
| t | * | wie dt. t, aber unbehaucht |
| v | * | wie dt. w |
| y | * | wie dt. ü |
| ä | * | offener als dt. ä, wie im engl. hat |
| ö | * | stets offen wie in dt. Hölle |
Zu den wenigen Ausnahmen in der Kongruenz von Buchstabe und Lautwert gehören die Buchstabenkombinationen nk und ng, die und Glottissverschlusslaut [" target="_blank" >*.
In der finnischen Aussprache spielt der Unterschied von langen und kurzen Lauten eine zentrale Rolle. Dieser Unterschied spiegelt sich konsequent in der Schreibweise wieder, indem lange Laute durch Doppelbuchstaben dargestellt werden. Dies betrifft sowohl Vokale als auch Konsonanten (tuli „Feuer“; tulli „Zoll“; tuuli „Wind“). Die langen Laute sind in der Regel exakt doppelt so lang wie der einfache Laut. Dabei ist die Qualität der Vokale unabhängig von ihrer Quantität. Anders als im Deutschen wird z.B. o stets * gesprochen, unabhängig davon, ob es lang oder kurz ist. Die Verlängerung der Konsonanten k, p und t geschieht in der Weise, dass vor der Aussprache des Lautes kurz innegehalten wird.
Im Finnischen wird stets die erste Silbe eines Wortes betont. Daneben liegt ab der dritten Silbe auf jeder zweiten Silbe eine Nebenbetonung, wobei die letzte Silbe unbetont bleibt. Die Länge der Vokale ist unabhängig von der Betonung.
| vorne | mitte | hinten | ||
|---|---|---|---|---|
| ung. | ger. | |||
| geschlossen | ||||
| halboffen | ||||
| offen |
Daneben gibt es im Finnischen insgesamt 16 verschiedene Diphthonge, die als Phoneme gewertet werden: ai au *," target="_blank" >eu *," target="_blank" >iu *," target="_blank" >ou *," target="_blank" >uo *," target="_blank" >yö *," target="_blank" >äy *" target="_blank" >und öy [.
Das Finnische verfügt über 14 eigenständige Konsonantenphoneme. Weitere vier Konsonanten (in der Tabelle eingeklammert) kommen nur in Lehnwörtern vor.
| Bilabial | Labiodental | Dental | Alveolar | Postalveolar | Palatal | Velar | Glottal | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Plosive | , () | , | , () | |||||
| Nasale | ||||||||
| Vibranten | ||||||||
| Frikative | (), | () | ||||||
| Approximanten | ||||||||
| Laterale |
Das Finnische ist mit nur 14 Konsonantenphonemen eine konsonantenarme Sprache. In einem finnischen Text kommen auf 100 Vokale durchschnittlich 96 Konsonanten (zum Vergleich: im Deutschen sind es 177)Lauri Hakulinen: Suomen kielen rakenne ja kehitys, Helsinki, 1941.
Es besteht kein Kontrast zwischen stimmhaften und stimmlosen Lauten. Der Laut nimmt als einziger stimmhafter Plosiv eine Sonderrolle im phonologischen System des Finnischen ein. Er kommt bei echt finnischen Wörtern nur im Inlaut als schwache Stufe von *" target="_blank" >zurück, der mit d oder dh geschrieben wurde. Als der Laut *" target="_blank" >aus. Der Laut *," target="_blank" >* entwickelt. Während der Zeit der Sprachenstreite im 19. und 20. Jahrhundert gab es Bestrebungen, den Buchstaben d als unfinnisch aufzugeben und jeweils durch ein t zu ersetzen. Diese Schule hat sich jedoch letztlich nicht durchsetzen können.
Bei traditionellen finnischen Wörtern können am Wortanfang keine Konsonantenverbindungen stehen. Ältere Lehnwörter wurden bei Bedarf angepasst: Bei ihnen ist nur der letzte Konsonant der Verbindung erhalten.
Bei neueren Lehnwörtern bleiben die Konsonantenverbindungen erhalten. Die Aussprache fällt allerdings manchen Finnen schwer und sie sprechen auch hier nur den letzten Konsonanten.
Am Wortende können nur Vokale oder die Konsonanten -n, -t, -l, -r und -s stehen. Neuere Lehnwörter werden meist durch Anhängung eines -i gebildet (z.B. presidentti „Präsident“).
Die Vokale e und i sind neutral und können innerhalb eines Wortes mit beiden Gruppen vorkommen. Enthält ein Wort nur neutrale Vokale, werden für die Endungen die vorderen Vokale verwendet:
In zusammengesetzten Worten werden die Gesetze der Vokalharmonie auf jeden Wortbestandteil getrennt angewendet. Die Vokale der Endung richten sich nach den Vokalen im letzten Wortbestandteil:
Fremdwörter enthalten manchmal sowohl vordere als auch hintere Vokale. In der nachlässigen Aussprache werden dann meist vordere Vokale als die korrespondierenden hinteren ausgesprochen. Beispielsweise wird Olympia von manchen Sprechern wie Olumpia gesprochen.
Die Konsonanten k, p und t sind in der Deklination wie der Konjugation finnischer Worte von einem Stufenwechsel betroffen. Sie kommen in einer „starken“ und einer „schwachen“ Stufe vor. Als Grundregel gilt, dass die starke Stufe verwendet wird, wenn die auf den Konsonanten folgende Wortsilbe offen ist, also auf einen Vokal endet (z.B. katu „die Straße“), während bei geschlossener Silbe die schwache Stufe steht (z.B. kadun „der Straße“). Wegen verschiedener Lautentwicklungen gibt es Unregelmäßigkeiten im Stufenwechsel, z.B. muss vor einem langen Vokal auch in einer geschlossenen Silbe die starke Stufe stehen (z.B. katuun „in die Straße“).
Bei der Mehrzahl der Wörter steht die Grundform (Nominativ bei Nomina, Infinitiv bei Verben) in der starken Stufe. Manche Wörter unterliegen dem umgekehrten Stufenwechsel, bei dem die Grundform in der schwachen Stufe steht und die flektierten Formen überwiegend die starke Stufe annehmen (z.B. tuote „das Produkt“ - tuotteen „des Produktes“).
Man unterscheidet zwischen quantitativem und qualitativem Stufenwechsel. Beim quantitativen Stufenwechsel werden doppelte Konsonanten in der schwachen Stufe zu einfachen reduziert:
Vom qualitativen Stufenwechsel sind die Einzelkonsonanten k, p und t sowie zahlreiche Konsonantenverbindungen betroffen. Diese Art des Stufenwechsels ist nicht mehr produktiv, d.h. neuere Wörter sind nicht mehr von ihm betroffen (vgl. katu „die Straße“ - kadun „der Straße“ und auto „das Auto“ - auton „des Autos“).
Sonderfälle:
| talo | -i | -ssa | -ni | -kin | -ko |
| Haus | (Plural) | in | mein | auch | (Frage) |
Auch im Bereich der Syntax werden Wörter synthetisch verknüpft, d.h. deutschen Nebensätzen entsprechen oft kompakte Partizipial- oder Infinitivkonstruktionen, Satzentsprechungen genannt. Allerdings hat der Einfluss indogermanischer Sprachen den finnischen Satzbau analytischer gemacht.
Im Finnischen existiert keine Genuskategorie. Sogar bei den Personalpronomina gibt es nur ein Wort hän für „er“ und „sie“.
Bei der Deklination kann der Wortstamm, insbesondere durch den Stufenwechsel, verändert werden. Das Nomen kann dabei bis zu vier verschiedene Wortstammversionen haben. In Lehrbüchern sind diese zu Lernzwecken in der Regel durch Angabe des Nominativ Singular, des Genitiv Singular und des Partitiv Singular und Plural dargestellt. Die Stammveränderungen folgen meist bestimmten Regeln, die eine Herleitung aus der Stammform erlauben. Aus sprachgeschichtlichen Gründen sind die Veränderungen nicht immer regelmäßig (vgl. lasi - lasin „Glas“ und vesi - veden „Wasser“).
Das Finnische kennt weder unbestimmte noch bestimmte Artikel. Talo kann je nach Zusammenhang „das Haus“ oder „ein Haus“ bedeuten.
Die Kasus werden gebildet, indem die Kasusendungen an den Wortstamm angehängt werden. Die Kasusendungen sind unabhängig vom Worttyp einheitlich. Die Endungen im Plural entsprechen prinzipiell denen im Singular, wobei zwischen Wortstamm und Endung das Pluralkennzeichen -i- tritt (z.B. Singular talossa, Plural taloissa). Eine Ausnahme bildet der Nominativ mit der Pluralendung -t (talot).
| Fall | Suffix | Beispiel | Übersetzung | Erklärung |
|---|---|---|---|---|
| Grammatikalische Kasus | ||||
| Nominativ | - | talo | das Haus | Grundform; Subjektskasus |
| Genitiv | -n | talon | des Hauses | Zugehörigkeit (wessen?) |
| Akkusativ | -, -n 1) | talon, talo | das Haus | Objektskasus |
| Partitiv | -(t)a2) | taloa | das Haus | Teilobjekt, unbestimmte Menge; kann als Objektskasus fungieren |
| Innere Lokalkasus | ||||
| Inessiv | -ssa2) | talossa | im Haus | im Raum (wo?) |
| Elativ | -sta2) | talosta | aus dem Haus | aus dem Raum (woher?) |
| Illativ | -Vn3) | taloon | ins Haus | in den Raum (wohin?) |
| Äußere Lokalkasus | ||||
| Adessiv | -lla2) | talolla | am Haus | bei, auf oder mit etwas (worauf?, womit?) |
| Ablativ | -lta2) | talolta | vom Haus (weg) | von etwas (von wo?) |
| Allativ | -lle | talolle | zum Haus | auf/zu etwas (auf/zu wem/was?); entspricht auch oft dem deutschen Dativ |
| Abstrakte Lokalkasus | ||||
| Essiv | -na2) | talona | als Haus | Zustand (als was?) |
| Translativ | -ksi | taloksi | zum Haus (werden oder machen) | Zustand als Ergebnis einer Veränderung |
| Marginale Kasus | ||||
| Abessiv | -tta2) | talotta | ohne Haus | Mangel, ohne etwas |
| Instruktiv | -(i)n | taloin | mittelst Häusern | Art und Weise (mittelst was?); in der Regel nur im Plural |
| Komitativ | -(i)ne-4) | taloineen | mitsamt (seiner) Häuser | Dazugehörigkeit (mit wem oder was zusammen?); steht stets im Plural |
1) Die Form des Akkusativs entspricht im Singular je nach syntaktischer Stellung dem Nominativ oder dem Genitiv, im Plural entspricht er dem Nominativ.
2) Diese Endungen unterliegen der Vokalharmonie, d.h. anstelle des a kann ein ä stehen.
3) Verdopplung des vorangehenden Vokals + n
4) Der Komitativ verlangt ein Possessivsuffix mit Ausnahme der Adjektive.
| Person | Finnisch | Deutsch |
|---|---|---|
| 1. Sg. | minä | ich |
| 2. Sg. | sinä | du |
| 3. Sg. | hän | er/sie |
| 1. Pl. | me | wir |
| 2. Pl. | te | ihr |
| 3. Pl. | he | sie |
Für die höfliche Anrede (Siezen) wird die 2. Person Plural Te verwendet. Das Siezen ist in Finnland aber weit weniger verbreitet als im Deutschen. Dagegen gelten verschiedene unpersönliche Redewendungen als höflich. So wird der Gesprächspartner bei offiziellen Anlässen oft mit dem bloßen Nachnamen (ohne Herr oder Frau) und in der 3. Person angesprochen.
Die Demonstrativpronomina lauten tämä (dieser) und tuo (jener). Im Plural lauten sie nämä (diese) und nuo (jene). Daneben gibt es das sächliche Pronomen se (Plural ne). Das Fragepronomen lautet kuka (wer) bzw. mikä (was).
Die Pronomina werden wie die Nomen dekliniert. Die Personalpronomina haben im Akkusativ eine besondere Endung -t (minut, sinut etc.).
| Person | Suffix | Beispielwort | Übersetzung |
|---|---|---|---|
| 1. Sg. | -ni | (minun) taloni | mein Haus |
| 2. Sg. | -si | (sinun) talosi | dein Haus |
| 3. Sg. | -nsa1), -Vn2) | hänen talonsa | sein/ihr Haus |
| 1. Pl. | -mme | (meidän) talomme | unser Haus |
| 2. Pl. | -nne | (teidän) talonne | euer Haus |
| 3. Pl. | -nsa1), -Vn2) | heidän talonsa | ihr Haus |
Die Possessivsuffixe treten auch bei Postpositionen auf, die ein Bezugswort im Genitiv verlangen.
Daneben können die Possessifsuffixe in den sogenannten Satzentsprechungen das Subjekt anzeigen.
Die Bildung der finnischen Zahlwörter geht von den Grundzahlen von 1 bis zehn aus: yksi (1), kaksi (2), kolme (3), neljä (4), viisi (5), kuusi (6), seitsemän (7), kahdeksan (8), yhdeksän (9) und kymmenen (10). Ganze Zehner werden durch Anhängung von -kymmentä gebildet, also kaksikymmentä für „zwei Zehner“, also Zwanzig. Weitere Zahlen über 20 bilden sich durch einfache Anhängung der Zahl der Einer: kaksikymmentäyksi für Einundzwanzig. Entsprechend wird für Hunderter, Tausender usw. vorgegangen.
Die Zahlen von 11 bis 19 weichen von diesem System ab und werden gebildet durch Anhängung von -toista an die Einerzahl, also kaksitoista für Zwölf. Direkt übersetzt bedeutet dies „Zwei vom Zweiten“, also die zweite Zahl des zweiten Zehnerblockes. Dieses Zahlenbildungskonzept wurde früher auch für höhere Zahlen befolgt, so dass 35 als viisineljättä, also „Fünf vom Vierten“, gelesen wurde. Diese Ausdrucksweise ist jedoch aus der heutigen Sprache verschwunden, man findet sie nur noch in älteren Texten (z. B. bei den Kapitelangaben in der Kalevala).
Zu den Besonderheiten der finnischen Zahlwörter gehört, dass diese wie Nomen dekliniert werden: Kolmesta talosta für „aus drei Häusern.“ Diese Deklination betrifft bei aus mehreren Teilen zusammengesetzten Zahlwörtern alle Teile:
Die Zahlwörter ab 2 verlangen, wenn sie im Nominativ oder Akkusativ stehen, für die gezählte Sache den Partitiv Singular: yksi auto (ein Auto), kaksi autoa (zwei Autos). In anderen Fällen stehen Zahlwort und gezähltes Wort im gleichen Fall, das Substantiv aber immer im Singular: kahdessa autossa (in zwei Autos).
Das finnische Verb hat vier Tempora (Präsens, Imperfekt, Perfekt und Plusquamperfekt), vier Modi (Indikativ, Konditional, Imperativ und Potential), mehrere Infinitive und ein Verbalsubstantiv sowie vier Partizipien. Das finnische Passiv unterscheidet sich vom deutschen Passiv und ist eine unpersönliche Form.
Die finnischen Verben werden in sechs Typen eingeteilt. Die Endungen sind für alle Typen gleich, aber die Wortstämme unterliegen bei der Konjugation unterschiedlichen Veränderungen. Bei der Konjugation kann der Wortstamm durch den Stufenwechsel verändert werden. Aus sprachgeschichtlichen Gründen sind diese Veränderungen nicht immer regelmäßig (vgl. tavata - tapaan „treffen“ und tavata - tavaan „buchstabieren“).
| Person | Endung | Beispielwort | Übersetzung |
|---|---|---|---|
| 1. Sing. | -n | (minä) puhun | ich spreche |
| 2. Sing. | -t | (sinä) puhut | du sprichst |
| 3. Sing. | -V1) | hän puhuu | er/sie spricht |
| 1. Pl. | -mme | (me) puhumme | wir sprechen |
| 2. Pl. | -tte | (te) puhutte | ihr sprecht |
| 3. Pl. | -vat2) | he puhuvat | sie sprechen |
Die Personalpronomina der ersten und zweiten Person können weggelassen werden, da die Person bereits durch die Personalendung eindeutig bestimmt ist.
Das Präsens bezeichnet gegenwärtige oder zukünftige Handlungen. Das Imperfekt (auch Präteritum) bezeichnet die abgeschlossene Vergangenheit. Es wird regelmäßig mit dem Tempuszeichen -i- gebildet. Die Endungen sind dieselben wie im Präsens.
Das Perfekt bezeichnet eine Handlung, die in der Vergangenheit stattgefunden oder angefangen hat, aber noch weiterwirkt oder für die Gegenwart von Bedeutung ist. Es entspricht weitgehend dem englischen Present Perfect. Das Plusquamperfekt bezieht sich auf eine Handlung, die vor einem Vergleichszeitpunkt in der Vergangenheit stattfand. Perfekt und Plusquamperfekt werden mit dem Hilfsverb olla (sein) und dem Partizip Perfekt gebildet.
Das Futur ist im Finnischen nicht vorhanden. Zukünftige Handlungen werden durch das Präsens ausgedrückt (menen huomenna „ich gehe morgen“, „ich werde morgen gehen“). In den überwiegenden Fällen ist trotz des fehlenden Futurs eine eindeutige temporale Zuordnung möglich, insbesondere weil sich diese oft aus dem verwendeten Kasus erschließt (luen kirjaa „ich lese (gerade) ein Buch“, aber luen kirjan „ich werde ein Buch lesen“). Um den Zukunftsbezug eindeutig zu kennzeichnen, wird in neuerer Zeit manchmal in Übernahme von Konzepten indogermanischer Sprachen auch eine Umschreibung mit dem Verb tulla (kommen) verwendet (tulen menemään huomenna).
Der Konditional drückt hypothetische oder bedingte Handlungen aus. Er wird mit dem Moduszeichen -isi- gebildet.
Der Imperativ ist die Befehlsform. Neben den Imperativen der 2. Person Singular und Plural gibt es auch in der Umgangssprache heute selten benutzte Imperative für die 3. Person Singular und Plural und die 1. Person Plural.
Der Potential bezeichnet eine wahrscheinliche, aber nicht sichere Handlung. In der heutigen gesprochenen Sprache ist er recht selten. Er wird mit dem Moduszeichen -ne- gebildet.
Das Kennzeichen des Passivs ist -ta/-tä-. Es kommt in allen Tempora und Modi vor.
Das Verbalsubstantiv wird mit dem Suffix -minen gebildet und kann in allen Kasus dekliniert werden. Es entspricht dem substantivierten Infinitiv des Deutschen (puhuminen „das Sprechen“, puhumisen „des Sprechens“ etc.).
Das verneinte Imperfekt wird anders gebildet als der bejahte, nämlich mit ei und dem Partizip Perfekt des Verbs. Das verneinte Perfekt und Plusquamperfekt werden durch Verneinung des Hilfsverbs olla gebildet.
Beim verneinten Imperativ steht das Verneinungsverb in einer speziellen Imperativform älä.
Durch Verbsuffixe können zahlreiche Bedeutungsnuancen ausgedrückt werden, z.B. nauraa („lachen“), naurahtaa („auflachen“), naureskella („vor sich hin lachen“), naurattaa („zum lachen bringen“).
Der größte Teil der Lehnwörter im Finnischen stammt aber aus der schwedischen Sprache. Das heutige Finnland gehörte ab dem 12. Jahrhundert bis ins Jahr 1809 zum Königreich Schweden. Während dieser Zeit war die Oberschicht schwedischsprachig. In die finnische Sprache wurden sehr viele Lehnwörter aus dem Schwedischen übernommen, z.B. kuppi (schwed. kopp „Tasse“) oder auch die Wochentage maanantai, tiistai, usw. Die kurze Zugehörigkeit Finnlands zu Russland hat in der Sprache weit weniger Spuren hinterlassen, zumal Russisch nie Amtssprache war. In neuerer Zeit sind Lehnwörter aus dem Englischen dazugekommen, wenn auch in geringerem Umfang als zum Beispiel in der deutschen Sprache.
Die finnische Umgangssprache basiert im Wesentlichen auf dem Dialekt von Helsinki, hat sich aber zu einer überregionalen gesprochenen Standardsprache entwickelt.
Die wichtigsten Merkmale der Umgangssprache sind:
Westfinnische Dialekte
Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zwischen westlichen und östlichen Dialekten ist die Entsprechung des schriftsprachlichen d. In den westfinnischen Dialekten ist der Laut meist durch r oder l ersetzt (tehrä statt tehdä), in den ostfinnischen ist er ausgefallen (tehä). In den Südwestdialekten fallen Vokale am Wortende oft aus (z.B. pitk statt pitkä). Die östlichen Dialekte verfügen über palatalisierte Konsonanten (z.B. vesj statt vesi).
Einzelsprache | Finnische Sprache
Finnisc sprǣc | لغة فنلندية | Fince | Фински език | Finneg | Finès | Finština | Финн чĕлхи | Finsk (sprog) | Φινλανδική γλώσσα | Finnish language | Finna lingvo | Idioma finés | Soome keel | Suomen kieli | Finnois | Finsk | Fionlainnis | Lingua finesa | פינית | Finski jezik | Finn nyelv | Bahasa Finlandia | Finlandana linguo | Finnska | Lingua finlandese | フィンランド語 | ფინური ენა | 핀란드어 | Finnek | Lingua Finnica | Fins | Suomių kalba | Фински јазик | Bahasa Finland | Finnsche Spraak | Fins | Finsk språk | Finsk språk | Język fiński | Língua finlandesa | Limba finlandeză | Финский язык | Suomagiella | Finski jezik | Finnish language | Finščina | Фински језик | Finska | فىنلاندىيە تىلى | 芬兰语
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