Ein Finanzplatz (oder Finanzzentrum) ist ein Ort (in der Regel eine Stadt) in dem es eine hohe Konzentration von Banken und anderen Finanzinstitutionen gibt und in dem die Existenz und Entwicklung von Finanzmärkten nicht eingeschränkt werden, sodass finanzielle Aktivitäten und Transaktionen effizienter durchgeführt werden können als in anderen Orten.
Auch auf einer anderen Ebene spielen Angebot und Nachfrage eine Rolle. Wirtschaftswachstum und expandierender Außenhandel führen zu einer größeren Nachfrage nach Finanzierung. Innovative Finanzinstitutionen können diese Nachfrage am besten erfüllen.
Im 16. Jahrhundert entstand ein neues Finanzzentrum in einem italienischen Stadtstaat, Genua durch die Errichtung eines Kreditsystems, das sowohl auf Gold als auch Silber basierte.
Im 17. Jahrhundert wurde Amsterdam der Nachfolger Genuas. Im Gegensatz zu dem italienischen Stadtstaat konnte sich Amsterdam auf die Wirtschaft eines Flächenstaates stützen.
Innerhalb der nächsten 200 Jahren verlor Amsterdam seine Position an London. Dies folgte aus der Vormachtstellung Großbritanniens im 19. Jahrhundert in der Wirtschaft durch die industrielle Revolution, im Militär nach dem Sieg über Napoleon und der Expansion des britischen Imperiums und aus dem Vorsprung in der Entwicklung des Bankwesens und finanzieller Instrumente (zum Beispiel Schecks). Im 19. und 20. Jahrhundert entstanden auch einige andere Finanzzentren, wie zum Beispiel Berlin, Paris, Frankfurt am Main, Zürich und Mailand, von denen aber keines London herausfordern konnte.
Am Ende des 19. Jahrhunderts holten Deutschland und die USA in der Industrie zu Großbritannien auf. New York konnte London bis zum Ende des ersten Weltkrieges aber nicht herausfordern und die Weltwirtschaftskrise 1929 unterbrach den Aufstieg New Yorks, obwohl auch London hart getroffen wurde. New York wurde schließlich nach dem zweiten Weltkrieg zum dominanten Finanzstandort, da es der einzige größere internationale Finanzplatz war, der nicht direkt vom Krieg betroffen war.
Diese Position konnte New York aber nicht lange halten. Schon ab 1958 kehrte London an die Spitze der Finanzwirtschaft zurück.
In den 80er Jahren war Japan das einzige Land, das in der Lage war, Kapital in großem Maße zu exportieren. Normalerweise hätte das dazu führen müssen, dass Tokio zum vorherrschenden Finanzstandort der Welt wird. Die japanische Finanzwirtschaft ist aber weniger nach außen orientiert als die der meisten anderen internationalen Finanzzentren. Außerdem hat das Platzen der japanischen "Seifenblasenwirtschaft" auch die Finanzwirtschaft des Landes in eine tiefe Krise gestürzt.
Shanghai war vor dem Zweiten Weltkrieg der führende Finanzstandort im Fernen Osten. Die dortige Finanzwirtschaft wurde aber durch den Zweiten Weltkrieg (1937 bis 1945) und den darauf folgenden Bürgerkrieg (1946 bis 1949) zerstört. Danach wurde ein erneuter Aufstieg Shanghais als internationaler Finanzplatz durch die kommunistische Regierung unmöglich gemacht, da Finanzwirtschaft nach marxistischen Vorstellungen unproduktiv ist. In der Region entstanden in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zwei neue internationale Finanzzentren: Hong Kong und Singapur.
Merki, Christoph Maria (Hg.): Europas Finanzzentren. Geschichte und Bedeutung im 20. Jahrhundert, Frankfurt a.M./New York 2005, ISBN 3-593-37743-8
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