Figuration auch Interdependenzgeflecht ist ein von
Norbert Elias in die Soziologie eingeführter Begriff, der das
soziale Zusammensein von Individuen in spezifischen Konstellationen betont.
Elias versteht unter einer Figuration ein soziales Netzwerk von
untereinander abhängigen Individuen. Der zuvor von Erich Auerbach 1938 eingeführte literaturwissenschaftliche Figurationsbegriff bezeichnet dagen die Textverwirklichung durch den Schauspieler.
Diese Beziehungen zwischen den Akteuren sind nach Elias das Wesen jeder sozialen Gemeinschaft. Die Soziologie hat demnach die Aufgabe, diese Beziehungsgeflechte zwischen sozialen Akteuren zu untersuchen.
In diesem Zusammenhang dient der Begriff dazu, soziologische Untersuchungen über Gruppenstrukturen oder Konstellationen mit denen von individuellen Verhaltensstrukturen zu verbinden. Individuen existieren, wie Gruppen, in Kontexten anderer Individuen und Gruppen, die nur als Geflecht und in Abhängigkeit von einander (interdependent) gedacht werden können.
Für Elias fungiert der Begriff als Werkzeug, ''"mit dessen Hilfe man den gesellschaftlichen Zwang, so zu sprechen und zu denken, als ob »Individuum« und »Gesellschaft« zwei verschieden und überdies auch antagonistische Figuren seien, zu lockern" ("Was ist Soziologie?", 2004). Der Begriff soll den Gegensatz einer solchen Rede und solchen Denkens dialektisch aufheben.
Beispiele für Figurationen sind das Verhältnis von Lehrer und Schüler, von Torwart und Mannschaft oder das Verhältnis eines Bürgermeister zu den Einwohnern eines Dorfes. Im Fall größerer Figurationen - wie bei den Bewohner eines Landes oder sogar im Fall der Weltbürgerschaft - sind die Interdependenzketten nur entsprechend länger und differenzierter.
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"Figuration (Soziologie)".
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