Teufelstisch.jpg | Fichtelgebirge - Ochsenkopf u. Fichtelberg.jpg Das Fichtelgebirge gehört zu den Mittelgebirgen Deutschlands und liegt im Nordosten Bayerns.
Das Fichtelgebirge liegt zwischen den Städten Hof und Weiden (Oberpfalz). Im Westen ist eine gute Verkehrsanbindung zum nahen Bayreuth gegeben, während sie nach Osten ins Egerland (Hauptort Eger, tschech. Cheb) durch den früheren Eisernen Vorhang noch weitgehend fehlt. Die Autobahn Hof–Weiden erschließt diesen Raum aber bereits gut nach Norden und Süden.
Die Kreisstadt im Herzen des Fichtelgebirges ist Wunsiedel mit der Luisenburg. Weitere Orte sind Marktredwitz, Marktleuthen, Arzberg, Röslau, Weißenstadt, Kirchenlamitz und Tröstau (alle am Oberlauf der Eger und der Röslau), ferner im Südosten und Süden Bischofsgrün, Fichtelberg, Nagel, Neusorg, Erbendorf, Wiesau und Fuchsmühl, im Westen Weidenberg, Creußen, Bayreuth, Bindlach und Bad Berneck, im Nordwesten Gefrees, Zell, Weißdorf, Münchberg (Obere Saale), sowie im Norden Selb, Rehau und Hof.
Quer durch das Fichtelgebirge von Nordost nach Südwest verläuft die Dialektgrenze zwischen dem (Ost-)Fränkischen Dialekt im Norden und Westen sowie dem (nord-)bairischen Dialekt bzw. Oberpfälzer Dialekt im Osten und Süden. Die Dialektgrenze stimmt hierbei nicht mit der Grenze der Regierungsbezirke (Oberfranken/Oberpfalz) überein, sondern es wird auch z. B. im oberfränkischen Kreis Wunsiedel bairisch gesprochen. Einen bedeutenden Teil der Bevölkerung nehmen darüberhinaus heute auch die Nachfahren vieler Flüchtlinge ein, die nach dem 2. Weltkrieg aus dem Sudentenland, Schlesien oder Ostpreußen hier eine neue Heimat fanden.
Der höchste Gipfel ist der Schneeberg mit 1.053 m, weitere markante Erhebungen sind der Ochsenkopf (1.024 m), die Kösseine (939 m), der Große Waldstein (877 m) und der Große Kornberg (827 m).
Morphologisch gliedert sich das Fichtelgebirge in einen aus mehreren Gebirgszügen zusammengesetzten, hufeisenförmig gelagerten Gebirgsstock. Man spricht daher auch vom Fichtelgebirgs-Hufeisen. Im wesentlichen sind zu nennen das
Im Nordosten des Fichtelgebirges schließt sich das Erzgebirge, im Südosten der Oberpfälzer Wald, der Böhmerwald und der Bayerische Wald an. Nordwestlich lassen sich der Frankenwald und der Thüringer Wald geologisch klar abgrenzen. Im Südwesten schließt sich das morphologisch völlig andere Fränkische Bruchschollenland an.
„Nabel Deutschlands“ oder „Herzbrunnen Europas“ nannte man in früherer Zeit das Fichtelgebirge, denn hier entspringen vier bedeutende Flüsse, die in vier Himmelsrichtungen abfließen: Saalequelle.jpg | Egerquelle.jpg | Fichtelnaabquelle.jpg | Weißmainquelle.jpg
Damals war das Gebiet von Meer bedeckt, und Flüsse transportierten die Sedimente vom heute nicht mehr vorhandenen Gebirge vor die Küsten, wo es sich in Ton- und Sandschichten, teilweise auch als Kalkstein ablagerte. Am Beginn des Kambriums (vor ca. 570 Mill. Jahren) wurden die Schichten verfaltet und als neues Gebirge aus dem Meer herausgehoben. Hohe Temperaturen und Druckkräfte während dieser bis ins Oberkarbon andauernden Gebirgsbildung machten aus den Gesteinen Metamorphite, d. h. sie wurden in Stoffbestand und Struktur verändert: aus Ton entstand Phyllit und Glimmerschiefer, aus Sanden Quarzite und aus den Kalken der Wunsiedler Marmor. Durch heftige Erosion (das „junge“ Gebirge mag einige Kilometer hoch gewesen sein) sank es bald wieder unter den Meeresspiegel ab.
Während des Oberkarbons und des Unteren Perms (Rotliegend) lagerten sich große Mengen von Gesteinsschutt in intramontanen Becken und im Vorland des Gebirges ab. Diese Becken entstanden durch eine Dehnungstektonik, die von einem intermediären bis saueren Vulkanismus begleitet wurde. Die Sedimente des Rotliegenden sind nur an wenigen Stellen aufgeschlossen, können jedoch durch Bohrungen unter dem Deckgebirge südwestlich der Fränkischen Linie weiträumig nachgewiesen werden. Die spätvariskischen Vulkanite liegen im Fichtelgebirge als Quarzporphyrgänge vor.
Das Bild der heutigen Landschaft entstand schließlich im jüngeren Pliozän vor ca. 5 Mill. Jahren: eine schon früh entstandene fränkische Verwerfungslinie kam wieder unter Druck und ihr entlang hoben sich Fichtelgebirge, Frankenwald, die Münchberger Gneismasse und der nördliche Oberpfälzer Wald. Diese letzte Hebung gab der Erosion erneut „zu tun“ und die Flüsse schnitten sich tief in das schon früher fast eingeebnete Gebirge ein. So wurde aus einer Hochfläche die heutige Struktur: ein von allen Seiten angenagtes Mittelgebirge mit langer, wechselhafter Geschichte. Es stellt ein -allerdings oft schwierig deutbares – Eldorado für Geowissenschafter der verschiedensten Disziplinen dar.
Im Detail finden wir Porphyrgranit des Massivs Weißenstadt/Liebenstein mit Marktleuthen/Röslau und nach Tschechien bis Haslau. Der Porphyr enthält Biotit (dunklen Glimmer) und bis 8 cm große Einsprenglinge von Kalifeldspat.
Der Reutgranit bei Gefrees ist hingegen feiner mit bläulich-grauer Färbung. Auch der Selber Granit (nordöstlich des obigen Massivs bei Schwarzenhammer über den Selber Wald und Tschechien nach Sachsen/ Elstergebirge) ist feinkörnig, aber wieder grau.
Holzmühlgranit: Nur zwei kleine Vorkommen bei Holzmühl, 3 km südöstlich Marktleuthen und bei Längenau am Wartberg ost-nord-östlich von Selb; mittleres Korn und höhere Biotitgehalte, ungleichkörniges Gefüge.
Redwitzit: auch Syenitgranit genannt; im Dreieck Marktredwitz/Arzberg/Thiersheim; mittel-, auch feinkörnig, wegen wechselnder Mineralzusammensetzung Farbe von hellgrau, dunkelgrau, dunkelgrüngrau bis fast schwarz;
Randgranit (Dachgranit): Vorkommen in allen herausragenden Massiven des Fichtelgebirges (Ochsenkopf, Südteil des Schneeberges mit Haberstein, Platte bis Hohe Matze, Kösseine, Großer Kornberg); Grundmasse kleinkörnig mit Feldspat, Quarz und Biotit, zum Teil auch Muskovit eingestreut;
Kösseine-Randgranit: Kösseine mit Burgstein, Haberstein, Schauerberg; Südteil des Großen Kornberg-Massivs; klein- bis mittelkörnig, porphyrischer Habitus schwächer bis fehlend; einsprenglingsarm.
Kerngranit: Im Zentralstock Fichtelberg/Ochsenkopf/Nußhardt und am Schneeberg-Ostrand; Aufschlusslage durch viele Felsbildungen; mittel- bis grobkörnig.
Kösseine- und Wolfsgarten-Kerngranit: Der Kösseinegranit hat zahlreiche Einschlüsse: Hornfelse, cm-große biotitreiche Nebengesteinsfetzen und -knollen, abgerundete bis rundliche quarzfeldspatreiche Einschlüsse; Vorkommen im Kösseinestock: schmales Band am Nord-, Ost- und Südrand, kleines Labyrinth, Steinbruch Kleinwendern, Felsengruppen Hirschensprung, Wolfstein, Hohenstein, Ochsenkopf, Hundslohe, Gregnitztal; Vorkommen am Kornberg: Waldabteilung Wolfsgarten Südsüdwestrand des Großen Kornbergs; relativ grob, durch die blauen Kalifeldspate, schwarzen Biotit und die reichlich eingestreuten dunklen Fremdeinschlüsse von besonderem Charakter; der Wolfsgartengranit ist etwas lichter blau.
Zinngranit: Er ist auf den Zentralstock beschränkt und kommt vor am Rudolfstein, an den Drei Brüdern bis fast zum Gipfel des Schneebergs, Westhang des Seehügels, zwischen Seehügel und Platte, Fuchsbau, Zufurt westlich Leupoldsdorf; sehr gleichmäßiges, mittleres Korn; wenig Biotit, viel Muskovit; lichter, heller Ton.
Randgranit des Steinwald-Massivs: Im W-Teil des Steinwaldes, z. B. Dachsfelsen, Nordwestteil der Grandfelsen; kleinkörnig.
Steinwaldgranit: Nimmt den Zentralteil ein mit Weißenstein, Platte, Katzentrögel, Reiseneggerfelsen, Hackelstein; grobkörnig.
Friedenfelser Granit: er ist die Übergangsfazies zwischen dem Steinwaldgranit und dem Falkenberger Porphyrgranit; bildet den Sockel des Pechbrunner Basaltgebietes und taucht dort an verschiedenen Stellen zwischen den Basaltdecken auf; porphyrische Struktur, besonders reich an Felspateinsprenglingen.
Einen Einblick in die Bergbaugeschichte des Fichtelgebirges vermitteln
Während der Bergbau heutzutage nur noch von historischem Interesse ist, werden an zahlreichen Orten im Fichtelgebirge noch Glaswaren erzeugt, die man hier auch günstig kaufen kann. International bekannt und deutschlandweit führend ist die Porzellanindustrie, deren Zentrum heute die Stadt Selb darstellt. Firmen wie Rosenthal oder Hutschenreuther genießen Weltgeltung.
Der Tourismus stellt für viele Gemeinden im Fichtelgebirge heute die Haupteinnahmequelle dar. In einigen Orten wie z. B. Bischofsgrün hat der Tourismus eine lange Tradition bis in die 1920er Jahre, nach dem zweiten Weltkrieg nahm der Zustrom der Urlaubsreisenden sowohl im Sommer zum Wandern als auch im Winter für den Wintersport stark zu. Das Fichtelgebirge entwickelte sich zum "Hausgebirge" der (West-)Berliner, die hier über die Transitstrecke der A9 zureisen konnten. Dies hat sich in diesem Umfang mit der Wiedervereinigung und einem veränderten Angebot an Mittelgebirgs-Ferienlandschaften naturgemäß verändert.
Gerade im Winter hat das Fichtelgebirge eine auch überregionale Bedeutung als Wintersportgebiet. Mehrere Lifte, die längsten hierbei zwei Sessellifte am Ochsenkopf, aber insbesondere auch eine Vielzahl von gespurten Loipen bilden die Grundlage hierfür.
Siehe auch: Naturpark Fichtelgebirge
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