Die Fibrodysplasia ossificans progressiva (kurz FOP) - auch bezeichnet als Fibrodysplasia ossificans muliplex progressiva, Myositis ossificans progressiva oder Münchmeyer-Syndrom - beschreibt die krankhafte, fortschreitende Verknöcherung des Binde- und Stützgewebes des menschlichen Körpers.
Häufigkeit
Die
Krankheit wurde Ende des
17. Jahrhunderts erstmals erwähnt. FOP ist autosomal dominant
vererbbar, allerdings kommt es kaum vor, dass FOP-Kranke Kinder bekommen. Dies führt auch zu der niedrigen Ausbreitung. Weltweit sind der Medizin derzeit etwa 600 Fälle bekannt. Es ist aber von mehreren tausend Fällen weltweit auszugehen.
Da FOP zu den seltensten Krankheiten weltweit zählt, war sie lange unerforscht. US-amerikanische Wissenschaftler begannen erst Ende des 20. Jahrhunderts, die Umstände vor allem mit Hilfe der Genforschung zu untersuchen. Große Verdienste an der bisherigen Erforschung der Krankheit haben der Kinderarzt Dr. Michael Zasloff und der orthopädische Chirurg Dr. Fred Kaplan. 1997 konnten erste Forschungsergebnisse über die Ursache veröffentlicht werden:
Krankheitsursache
Die Krankheit entsteht durch das Fehlen eines
Abschaltsignales für ein
Gen, das das
Skelettwachstum während der Entwicklung eines
Fötus steuert. Hierdurch entwickeln die
Lymphozyten bei der
Wundheilung Knochen statt normalem
Narbengewebe, was selbst bei kleinsten Verletzungen dazu führt, dass sich der Körper langsam versteift.
Erkennung/Symptome
Bereits nach der Geburt sind Anzeichen dieser Krankheit, die verkürzten und verdrehten großen Zehe der Füße, feststellbar.
Beim Ausbruch der Krankheit werden Bereiche des Körpers aufgebläht und erhitzen sich stark. Die
Blutgefäße sind dann deutlich zu erkennen. Nach wenigen Tagen bildet sich das
Gewebe wieder zurück. Allerdings ist nun auf
Röntgenbildern zu sehen, dass hier neue
Knochen entstanden sind.
Verlauf
Aufgrund der Umstände ihres Entstehens verläuft diese Krankheit meistens von oben nach unten. Also sind zuerst die
Muskeln und das Binde- und Stützgewebe im Hals, Nacken und den Schultern betroffen, später in Armen, Brust, Bauch, Becken bis zu den Beinen und Füßen. Zusätzlich können Verletzungen am
Muskelgewebe (zum Beispiel
Prellungen, Risse, Schnitte und Einstiche) zusätzlichen
Knochenwuchs hervorrufen. Aus diesem Grund ist unbedingt davon abzuraten,
intramuskuläre Injektion zu verabreichen oder gar das betroffene Gewebe zu entfernen. Mit fortschreitendem Alter tritt bei den meisten Patienten eine Einschränkung der
Lungenfunktion durch die verminderte Brustkorbbeweglichkeit auf.
Therapie/Heilungschancen
Momentan gibt es keine
Therapie zur Behandlung und auch keine Möglichkeit zur Verhütung von FOP. Eine Heilung gilt als unmöglich.
Zur Zeit wird an Medikamenten geforscht, die neue FOP-Schübe verhindern oder zumindest deren Wirkung verringern sollen. Wichtige Erkenntnisse auf diesem Weg sind:
- Isolierung des Gens, das die Bildung des knochenbildenden Stoffes (Bone morphogenetic protein (BMP)) steuert
- wissenschaftlicher Beweis der Krankheitsursache anhand eines ähnlichen Fliegengens: Nach der Mutation dieses Gens zeigten die genveränderten Fliegen der FOP ähnliche Symptome.
- Entdeckung eines Gens (Noggin) bei Mäusen, das die Ablagerung von Knochen stoppen kann
- Lymphozyten der FOP-Patienten attackieren bei Verletzungen körpereigene Muskelzellen, sie transportieren das knochenbildende BMP zur Wunde.
- Entdeckung eines Stoffes bei Haien, der die Knochenbildung aus Knorpel verhindert. Der Stoff gilt als größte Hoffnung für die Behandlung von FOP.
Weblinks
Erbkrankheit
Fibrodysplasia ossificans progressiva | Progresa ostiĝa fibrodisplazio | Postępujące kostniejące zapalenie mięśni