Feuerbrand (Erwinia amylovora) ist eine gefährliche, durch ein Bakterium verursachte Pflanzenkrankheit. Sie befällt vor allem Kernobstgewächse und kann sich seuchenartig schnell ausbreiten. Der Feuerbrand wurde vor etwa 200 Jahren zum ersten Mal in Amerika beobachtet. In 1957 erreichte die Krankheit Europa, wo sie sich von England aus über den gesamten europäischen Kontinent verbreitete.
Der Erreger des Feuerbrands ist ein Bakterium mit dem Namen Erwinia amylovora 1882) Winslow et al. 1920 aus der Familie der Enterobacteriaceae. Er ist morphologisch ein peritrich begeißeltes (also teilweise bewegliches), gramnegatives und fakultativ anaerobes Stäbchenbakterium, dessen optimale Wachstumstemperatur zwischen 21 und 28 °C liegt. Die minimale und maximale Temperatur für eine Entwicklung dieses Bakteriums liegt aber immerhin noch zwischen 3-12 °C und 32-42 °C.
Der Wirtspflanzenkreis des Feuerbranderregers umfasst etwa 174 Arten aus 40 Gattungen in der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Besonders anfällig ist die Unterfamilie der Kernobstgewächse (Maloideae); sie gilt als Hauptwirtspflanzengruppe, denn nur auf diesen Arten kann der Erreger überwintern. Die anfälligsten Wirte sind:
Der Feuerbrand wurde in Österreich in Vorarlberg 1993 erstmals nachgewiesen. In den letzten vier Jahren (Stand 2006) hat er sich meist als Folge des Transportes von infizierten Pflanzen auch in Deutschland und der Schweiz ausgebreitet. Die gefährliche Infektionszeit ist das Frühjahr und der Sommer.
Aufgrund des hohen Infektionspotentials ist grundsätzlich alles und jeder, der mit dem Bakterium in Berührung kommt, ein potenzieller Vektor für die Verbreitung. Über größere Entfernungen spielen vor allem die Ausfuhr von kontaminiertem Pflanzenmaterial, aber auch der Transport von kontaminierten Gegenständen (Verpackungsmaterial, Schnittwerkzeug) eine entscheidende Rolle. Auch Großwetterereignisse und Zugvögel können für die Verbreitung des Erregers über größere Distanzen in Frage kommen. Im Nahbereich erfolgt die Verbreitung des Bakterienschleims durch Wind, Regen, Insekten (Fliegen, Bienen, Wespen, Hummeln), Kleinsäugetiere, Vögel und den Menschen.
Ein Eindringen der Bakterien in das Pflanzengewebe erfolgt während des aktiven Wachstums der Pflanze über natürliche Eintrittspforten wie Stomata, Lentizellen, und Nektarien oder über Wunden an Blättern, Trieben oder Zweigen. Man unterscheidet folglich drei Infektionsarten:
Das Krankheitsbild des Feuerbrands äußert sich wie folgt: Blätter und Blüten befallener Pflanzen welken plötzlich und verfärben sich braun oder schwarz. Die Triebspitzen krümmen sich auf Grund des Wasserverlustes hakenförmig nach unten. Die Pflanze sieht dann wie verbrannt aus (daher der Name „Feuerbrand“).
Innerhalb von zwei bis drei Wochen sterben junge Pflanzen ab. Bei älteren Pflanzen breitet sich die Erkrankung innerhalb eines oder mehrerer Jahre aus und führt zum Absterben der Pflanzen. Zur eindeutigen Diagnose ist aber eine Laboruntersuchung notwendig.
Außerdem tritt an den Infektionsstellen ein Bakterienschleimaustritt auf, im Winter kann es zu einem Einsinken der Rinde kommen (Canker-Stellen). Die am meisten gefährdeten Pflanzen sind Apfel- und Birnbäume sowie die Quitte und der Weißdorn.
Da der Feuerbrand von einem hochinfektiösen Bakterium ausgeht, müssen befallene Pflanzen sofort gefällt beziehungsweise gerodet und verbrannt werden, um ein Ausbreiten des Feuerbrands zu unterbinden. Da es sich um einen Quarantäneschaderreger handelt, muss der jeweilige Pflanzenschutzdienst darüber informiert werden (meldepflichtig in der ganzen EU).
Für die Gesundheit des Menschen besteht durch diese Pflanzenseuche keine Gefahr.
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