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Die Fertilitätsrate ist eine in der Demografie verwendete Einheit und wird in der Statistik durch die Gesamtfruchtbarkeitsrate gleichbedeutend mit zusammengefasster Geburtenziffer (total fertility rate, TFR) gemessen. Sie gibt an, wie viele Kinder eine Frau durchschnittlich im Laufe des Lebens hätte, wenn die aktuellen Verhältnisse für den gesamten Zeitraum gelten würden. Die Fertilitätsrate muss von der Kohortenfertilitätsrate (cohort fertility rate, CFR) unterschieden werden, welche die kumulierte Geburtenziffer bzw. endgültige Kinderzahl einer Kohorte, d.h. eines Geburtenjahrgangs, bezeichnet und somit erst abschließend bestimmt werden kann, wenn alle Frauen eines Jahrgangs nicht mehr im gebärfähigen Alter sind.

In modernen westlichen Gesellschaften mit sehr geringer Säuglings- und Kindersterblichkeit geht man davon aus, dass rechnerisch 2,1 Kinder pro Frau geboren werden müssen, um die Bevölkerung ohne Wanderung auf einem konstanten Niveau zu halten. Diese Zahl beträgt 2,1 , nicht 2, weil das Geschlechtsverhältnis bei der Geburt rund 1,05 Knaben zu 1,0 Mädchen beträgt, und weil einige Menschen sterben, bevor sie selbst Kinder bekommen haben.

In vielen Ländern, in denen die Kindersterblichkeit wesentlich höher ist, ist auch eine wesentlich höhere Fertilitätsrate erforderlich, um eine stabile Bevölkerungzahl zu gewährleisten. Da in einigen Ländern (z.B. im südlichen Afrika) die Kindersterblichkeit bis zu 50 % beträgt, ist in diesen Ländern eine Fertilitätsrate von etwa 4 zur dauerhaften Erhaltung der Bevölkerungszahl notwendig.

Auch bei einer Fertilitätsrate unter 2,1 ist ein vorübergehendes Bevölkerungswachstum möglich, wenn die Sterblichkeitsrate gering ist und wenn die gebärfähigen Jahrgänge stark besetzt sind. Nach einiger Zeit kommt es dann aber trotzdem zu einem Bevölkerungsrückgang, es sei denn die Zuwanderung von außen (siehe Migrationssaldo) gleicht den natürlichen Bevölkerungsverlust aus. Berühmte Beispiele hierfür sind China und Thailand.

In der Politik werden Konzepte wie Kindergeld, Kinderrente oder Elterngeld als finanzieller Anreiz zur Erhöhung der Fertilitätsrate gesehen.

Unterschiede zwischen Fertilitätsrate und Kohortenfertilitätsrate


Obwohl Fertilitätsrate wie Kohortenfertilitätsrate ein Maß für die Reproduktion darstellen, unterscheiden sie sich deutlich.

Die Fertilitätsrate unterliegt innerhalb weniger Jahre mitunter großen Schwankungen. Die Fertilitätsrate eines Jahres wird unmittelbar durch politische Ereignisse beeinflusst. Dazu zählen z.B. Krieg oder Wirtschaftskrisen die Erfindung von Verhütungsmitteln, aber auch positive Effekte wie z.B staatliche Familienförderung oder die Einschränkung von Verhütungsmitteln.

Die Kohortenfertilitätsrate unterliegt hingegen keinen schnellen Schwankungen, da in ihr alle Effekte zusammengefasst werden, die im Laufe von rund 30 Jahren auf die Fertilität eines Frauenjahrgangs wirken: So kann es sein, dass ein Frauenjahrgang von plötzlich auftretenden Änderungen nur in einem Teil der gebärfähigen Phase betroffen ist, der nächste Jahrgang dann aber ein Jahr länger und so fort. Auf diese Weise kann es auch zu einer Überschneidung von sich widersprechenden Effekten kommen. Beispielsweise beeinflusst das Timing (z.B. Aufschieben) von Geburten unmittelbar die Fertilitätsrate, an der Kohortenfertilitätsrate ist dieses Timing aber nicht mehr erkennbar.

Die Entwicklung der Kohortenfertilitätsrate in Deutschland


Für die Kohortenfertilität liegen in Deutschland gesicherte Zahlen mindestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts vor. Für den Geburtsjahrgang 1850 betrug die Rate noch über 5. Doch schon ab dem Geburtsjahrgang 1870 setzte eine steile Abwärtsentwicklung ein. Bereits der Geburtsjahrgang 1905 erreichte nicht mehr das für den Bestandserhalt notwendige Niveau von 2,1. Dieser Zustand hielt sich bis zum Geburtsjahrgang 1930 bis 1940. Diese Frauenjahrgänge waren hauptsächlich verantwortlich für den Babyboom in der Zeit von 1955-1965. Nach dem Geburtsjahrgang 1940 kam es zu einem weiteren Absinken auf ein Niveau von ca. 1,6 bis zum Geburtsjahrgang 1960. Für die folgenden Jahrgänge können noch keine Zahlen angegeben werden, weil die Phase der Gebärfähigkeit (bis 45 Jahre) erst abgeschlossen sein muss, bevor man die Kohortenfertilität berechnen kann.

Entwicklung der Fertilitätsrate in Deutschland


Die Fertilitätsrate zeigt die gleiche Entwicklungstendenz wie die Kohortenfertilitätsrate, allerdings ist wie oben erläutert der Einfluss der Tagespolitik deutlicher zu erkennen. Bereits ab ca. 1900 sank die Fertilitätsrate dramatisch. In der Zeit des Ersten Weltkriegs verstärkte sich die Abnahme noch. Nach dem Krieg stieg die Fertilitätsrat zwar wieder fast auf die Vorkriegswerte, setzte dann aber sofort die starke Abnahmetendenz der Vorkriegszeit fort. Nach 1933 kam es in den „Friedensjahren“ des Nationalsozialismus zwar wieder zu einem moderaten Anstieg. Der Zweite Weltkrieg führte dann aber wieder zu einem Rückgang, allerdings war dieser deutlich schwächer als im Ersten Weltkrieg. Nach dem Krieg verblieb die Fertilitätsrate bis 1955 auf einem Niveau unter 2,1, um diese Marke von ca.1955- 1965 in West- und Ostdeutschland zu überschreiten. Danach kam es sowohl in West- als auch Ostdeutschland zu einem Rückgang im Rahmen des Pillenknicks. Seitdem liegt die Fertilitätsrate deutlich unter 2. In der DDR kam es von 1975 bis ca. 1985 erneut zu einem Anstieg der Fertilitätsrate, der allerdings nicht die Grenze von 2,1 und damit eine Nettoreproduktionsrate von 1 erreichte.

Wichtige Werte der Fertilitätsrate

Die angegebenen Werte beziehen sich auf das Kalenderjahr der Geburten, es handelt sich also um Angaben der total fertility rate.

Übersicht der Fertilitätsraten



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Land/ Kontinent Fertilitätsrate 1995 Fertilitätsrate 2000 Fertilitätsrate 2002 Fertilitätsrate 2004
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Afrika 5,0
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Asien 4,8
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Europa 1,4
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Nordamerika 2,0
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Lateinamerika 3,2
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Deutschland (alle Bundesländer) 1,37
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Deutschland (alte Bundesländer) 1,38
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Deutschland (neue Bundesländer) 1,1
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Frankreich 1,98 1,88 1,85
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Großbritannien 1,6 1,66 1,66
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Belgien 1,66 1,62 1,64
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Irland 1,89 1,9 1,87
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Island 2,1 1,92
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Nigeria 6,5 5,53
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Kongo 6,6
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Niger 7,5 6,75
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Burkina Faso 6,8 6,2
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Äthiopien 5,9 5,3
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Botswana 3,9 2,85
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Brasilien 2,5 1,93
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Mexiko 3,1 2,16
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Ägypten 3,6 2,9
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China 1,8 1,8 1,72
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Indien 3,4 3,2 2,8
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Indonesien 2,7 2,44
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Niederlande 1,70
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Schweden 1,64
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Portugal 1,54
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Japan 1,33
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Polen 1,30
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Spanien 1,28
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Italien 1,25
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Tschechien 1,20
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Finnland 1,73
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USA 2,1

"Quelle: Familienforschung Baden Württemberg, Statistisches Bundesamt, Demographic Fact Book der Hypovereinsbank, RAND, Berlin-Institut, http://www.conapo.gob.mx (Mexico)"

"Quelle der 2002 Werte: Ifo http://www.tlg.de/static/termine/sinn.pdf"

Literatur


  • Kopp, Johannes: Geburtenentwicklung und Fertilitätsverhalten, UVK 2002 (ISBN 3-89669-969-5). Wissenschaftliche Abhandlung, die auch eine Erläuterung der demographischer Größen enthält

  • Weiss, Thomas: Ökonomische Bestimmungsgrößen der Fertilität in westlichen Industrieländern, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Hrsg.), Materialien zur Bevölkerungswissenschaft, Sonderheft 5. Wiesbaden 1986 (ISSN 0178-918X).

Siehe auch


Zusammengefasste Geburtenziffer, Geburtenziffer, Mortalität, Bevölkerungswachstum, Bevölkerungsrückgang, Überalterung, Alterspyramide, Demographie, Demographischer Übergang, Generatives Verhalten

Demografie

Plodnost | Fertility rate | Tasa de fecundidad general | Termékenységi ráta | Taxa de fecundidade | Коэффициент фертильности

 

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