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Als Fernwärme bezeichnet man den Transport von thermischer Energie vom Erzeuger zum Verbraucher, meist zur Heizung von Gebäuden.
Technischer Ablauf
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Die Idee, Fernwärme in größerem Umfang und kommerziell zu nutzen, entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Durch die Verringerung der Anzahl der Feuerstätten in den Innenstädten wurde die Gefahr von Bränden gemindert und der Verschmutzung durch
Kohle und
Asche Einhalt geboten. Wesentlicher Gesichtspunkt ist die Möglichkeit, den
Wirkungsgrad von
thermischen Kraftwerken zu erhöhen, indem man mittels sogenannter
Kraft-Wärme-Kopplung Wärmeleistung zwischen den Turbinenstufen auskoppelt.
Wasser ist mit seinem hohen spezifischen Wert für die
Wärmekapazität besonders geeignet als Medium für den Wärmetransport. Im Bereich der Fernwärme wird es im flüssigen und gasförmigen Aggregatzustand (
Dampf) verwendet. Das Medium wird in wärmegedämmten Rohrleitungen in einem kontinuierlichen Kreislauf gefördert.
Beim Verbraucher erfolgt die Wärmeübergabe mit Hilfe einer Übergabestation, die aus verschiedenen Komponenten bestehen kann.
Die Erzeugung von Fernwärme erfolgt in der Regel in
KWK-Kraftwerken,
Müllverbrennungsanlagen,
Fernheizwerken und
Blockheizkraftwerken. Als Brennstoff werden die verschiedenen Formen der Kohle, Öl, Gas, Holz und Holzprodukte und Müll in verschiedenen Zusammensetzungen und Aufbereitungsformen verwendet.
Wegen des auch bei sehr guter Wärmedämmung nicht zu vermeidenden Wärmeverlustes über längere Strecken und des hohen Investitionsaufwandes für das Leitungssystem eignet sich Fernwärme nur bei dichter Bebauung.
In Deutschland hat Mannheim als erste große Stadt ein Fernwärmenetz errichtet. Die größten deutschen Fernwärmenetze sind in Berlin und Hamburg zu finden. Flensburg gehört zu den Städten mit dem höchsten Marktanteil bei Fernwärme (>90%).
Rechtliche Situation in Deutschland
Definition durch den Bundesgerichtshof
Der
Bundesgerichtshof definiert den Begriff Fernwärme wie
folgt (Urteil v. 25. Oktober 1989 in NJW 1990,1181):
"Wird aus einer nicht im Eigentum des Gebäudeeigentümers stehenden Heizungsanlage
von einem Dritten nach unternehmenswirtschaftlichen
Gesichtspunkten eigenständig Wärme produziert und an andere geliefert, so handelt
es sich um Fernwärme. Auf die Nähe der Anlage zu dem versorgenden Gebäude oder das
Vorhandensein eines größeren Leitungsnetzes kommt es nicht an."
Rechtliche Grundlagen
Grundlage für die Versorgung mit Fernwärme ist ein Wärmeliefervertrag. Grundlagen hierfür sind unter anderem das
BGB und die
Verordnung über allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme (
AVBFernwärmeV)
Verordnung des Bundesministers für Wirtschaft vom 20. Juli 1980 (BGBl. I, S. 742)
- geändert durch die Verordnung zur Änderung der energiesparrechtlichen Vorschriften vom
19. Januar 1989 BGBl. I, S. 112).
Vertragspartner ist i.d.R. der Wohnungs- oder Gebäudeeigentümer,
jedenfalls derjenige, der die Verfügungsbefugnis über den Hausanschluss hat (§ 2 Abs. 2
AVBFernwämeV, so auch Landgericht Frankfurt/Main RdE 1989, Seite 165f.)
Bei einer Wohnungseigentümergemeinschaft haftet jeder einzelne Wohnungseigentümer
dem Versorgungsunternehmen für die Bezahlung der gesamten verbrauchten Menge an Energie,
wenn eine Wohnanlage nur mit Sammelanschlüssen ausgestattet ist (OLG München, Urteil vom 15. März 1994, OLG Report 1994, Seite 241)
Situation in Deutschland
Die Fernwärme spielt im deutschen Energiemarkt nur eine Nebenrolle. Der Marktanteil bei der Raumheizung von Wohnbauten wird für 2002 auf etwa 6 % beziffert. Der Gesamtanteil am deutschen Wärmemarkt liegt also deutlich unter 5 %. Der Marktanteil des Stroms aus der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) soll bei 7 % der Bruttostromerzeugung liegen (Stand 2002).
| Grösse
| Einheit
| 1992
| 2002
|
| Unternehmen
| Zahl
| 216
| 228
|
| Netzlänge
| km
| 14.136
| 18.440
|
| Hausübergabestationen
| Zahl
| 218.841
| 318.684
|
| Wärmeanschlusswert
| MW
| 55.336
| 52.162
|
| Wärmenetzeinspeisung
| TJ/a
| 349.413
| 316.285
|
| Wärmenetzeinspeisung
| GWh/a
| 97.060
| 87.857
|
| Anteil KWK
| %
| 66
| 81
|
| Anteil Heizwerke
| %
| 37
| 18
|
| Anteil Abwärmenutzung
| %
| 2
| 1
|
| Stromerzeugung aus KWK gesamt
| GWh
| k.A.
| 33.292
|
| davon aus eig. Anlagen
| GWh
| 22.700
| 28.872
|
Quelle: Arbeitsbericht 2003 der Arbeitsgemeinschaft für Wärme und Heizkraftwirtschaft
AGFW im
VDEW
Die Kraft-Wärme-Kopplung erspart der Umwelt den Ausstoss von CO2. Die AGFW beziffert die CO2-Ersparnis durch die Fernwärmenutzung für 2002 auf 7,5 Mio. t.
In einem Ausbau der Fernwärme, die in Heizkraftwerken erzeugt wird, liegen noch deutliche Potenziale zur Senkung des Ausstosses von Treibhausgasen, insbesondere CO2. Die Fernwärmenetze sind in den letzten 10 Jahren zwar ausgebaut worden (Netzlänge und Übergabestationen), aber die Möglichkeiten wurden wohl nicht ausgeschöpft. Die Anschlusswerte und die Liefermengen sind sogar rückläufig, weil die verbesserte Wärmedämmung in Verbindung mit milden Wintern die Nachfrage sinken lässt.
Flensburg
1969 begannen die Stadtwerke Flensburg mit dem Aufbau des Fernwärmenetzes. Das vorhandene Kraftwerk wurde bis 1971 zu einem Heizkraftwerk mit 170 MW elektrischer und ca. 800 MW thermischer Leistung umgerüstet. Als Primärenergie wird Steinkohle eingesetzt, 2004 ca. 300.000 t. In das Netz sind vier Reserveheizwerke integriert. Das Versorgungsgebiet umfaßt die Stadt Flensburg, die Stadt Glücksburg, die Gemeinde Harrislee und den dänischen Grenzort Padborg.
Das Leitungsnetz umfasst 577 km. Dieses Netz beliefert über 15.000 Anschlüsse im Versorgungsgebiet mit ca. 1 Mrd kwh pro Jahr (Stand 2004).
Der Anteil der Fernwärme am Wärmemarkt (Raumwärme und Warmwasserbereitung) im Versorgungsgebiet überschreitet 90 % deutlich. Dieser Erfolg des Fernwärmeangebots ist durch wirtschaftlich attraktive Preise für die Wärmeversorgung erreicht worden. Im Vergleich zu der sonst in Deutschland üblichen Einzelheizungen und durch die Kraft-Wärme-Kopplung im Heizkraftwerk ergibt sich eine beachtliche Schadstoffersparnis. Und durch den Ersatz vor 1969 noch vorherrschenden Einzelheizungen ist der Ausstoss von Stäuben kräftig reduziert worden. Das Wetter dankt dies mit deutlich weniger Nebeltagen und auch bei Inversionswetterlagen noch atembarer Luft.
Situation in der Schweiz
Basel
Das Fernwärmenetz in Basel ist 198,2 km (Stand 2004) lang. Jährlich kommen nach Angaben der Netzbetreiberin Industrielle Werke Basel (IWB) einige Kilometer dazu. Angeschlossen sind neben Krankenhäusern, öffentlichen Gebäuden, Industrie- und Gewerbebetrieben rund 40'000 Wohnungen. Das Fernwärmeversorgungsgebiet wurde 1979 festgelegt. In diesem Gebiet besteht für alle Häuser eine Anschlusspflicht.
2004 wurden in Basel 1003 Mio. KWh Fernwärme produziert (davon 55% aus Erdgas, Schlamm und Öl sowie 45% aus Kehricht).
Das Fernwärmenetz in Basel ist seit 1942 in Betrieb. Heute hat das Fernwärmesystem drei Zentralen (Fernheizkraftwerk Voltastraße, Kehrichtverwertungsanlage und Heizkraftwerk Bahnhof SBB). Im Fernheizkraftwerk Voltastraße wird Erdgas in Wärme und Strom umgesetzt. Die gewonnene Wärme wird durch ein ringförmig angelegtes, gut isoliertes Leitungsnetz unterirdisch im ganzen Fernwärmegebiet verteilt und der produzierte Strom ins Netz eingespiesen.
Weblinks
Siehe auch:
Dienstleistung,
Heizung,
Blockheizkraftwerk,
Biomassekraftwerk,
Energielieferung,
Contracting,
Fernkälte
Energiewirtschaft
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