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Der Fernschreiber ist ein Telegrafie-Gerät zur Übermittlung von Nachrichten in Schriftform mittels elektrischer Signale. Als Vorgänger können Morsegeräte und der von Siemens & Halske entwickelte Zeigertelegraf gelten. Im Englischen wird das Gerät Teletype genannt, was sich heute noch in der verbreiteten Bezeichnung TTY für serielle Schnittstellentreiber in Computer-Betriebssystemen widerspiegelt.

Ein Fernschreiber ähnelt im Aufbau einer elektrischen Schreibmaschine, wobei die Tastatur, die die Sendeeinheit beinhaltet, und das Druckwerk, das den Empfänger beherbergt, unabhängig voneinander arbeiten können. Zur Ausstattung des Fernschreibers gehörten oft ein Lochstreifenleser und Lochstreifenlocher, um vorbereitete Texte mittels eines Lochstreifens mit maximaler Geschwindigkeit übertragen oder Textbausteine speichern zu können. Seit den 1980er Jahren wurden auch elektronische Speichermedien benutzt.

Man unterscheidet Blattschreiber und Streifenschreiber. Blattschreiber geben den Text wie eine Schreibmaschine auf einem Blatt Papier oder einer Endlosrolle in der Breite eines üblichen Briefes (z. B. DIN A4) aus. Streifenschreiber hingegen geben den Text auf einem ca. 1 cm breiten Streifen Papier aus. So hat der Telegrammdienst der Post z. B. Streifenschreiber eingesetzt.

Fernschreiber verwenden digitale asynchrone Datenübertragung mit Start- und Stopbits und nutzen meist einen 5-Bit-Code, den Baudot-Code, auch bekannt als ITA2. Dieser Code beschränkte den zur Verfügung stehenden Zeichensatz auf 32 Zeichen (25=32). Daher verfügen Fernschreiber meist über eine "FIGS"-Funktion, um Zahlen oder Sonderzeichen übertragen zu können. Als Mark und Space sind die beiden digitalen Zustände im Fernschreiber bekannt. Diese sind vergleichbar mit 0 und 1 in der Digitaltechnik.

Von dem rhythmisch tickenden Geräusch beim Arbeiten eines Fernschreibers leitet sich die Redewendung "eine Nachricht läuft über den Ticker" her.

Frühe Computer verwendeten Fernschreiber zur Ein- und Ausgabe; allerdings wurden hierfür schon sehr früh Fernschreibermodelle mit dem verbesserten 7-bit-ASCII-Code statt des im normalen Fernschreibbetrieb üblichen 5-bit-Baudot-Codes genutzt. An manchen Universitäten waren noch bis in die 1970er Jahre Fernschreiber zum Erstellen von Programmlochstreifen und Ausdrucken der auf einem Streifenstanzer produzierten Ergebnisse im Einsatz. Die oft relativ preiswert gebraucht erhältlichen Fernschreiber wurden zum Teil auch an frühen Homecomputern (vor ca. 1980) als Drucker eingesetzt.

1938 wurde ein behördliches Fernschreibnetz in Hamburg von der der Firma Siemens & Halske installiert. Fernschreiber werden auch heute noch stellenweise von Behörden verwendet. So nutzt sie vereinzelt die Bundeswehr zur verschlüsselten Übertragung von Befehlen und Weisungen, z. B. über besondere Beflaggung (Halbmast usw.).

Neben drahtgebundenen Fernschreibverbindungen (Telex) existieren weltweit noch zahlreiche Funkfernschreiber, die Nachrichten per Funk über Kurzwelle austauschen. Die Bezeichnung hierfür lautet Radio Tele Type (RTTY). Dem Fernschreiber verwandte Geräte sind zum Beispiel der Hellschreiber und das Fax-Gerät. Die bekannteste Anwendung von Funkfernschreiben sind die Seewetterberichte, die über Funk regelmäßig an die Schiffsbesatzungen versendet wurden.

Das öffentliche Telexnetz der Bundespost und heutigen Telekom war bis in die neunziger Jahre in Betrieb. Die Verbindungen zum Nachrichtenaustausch mit den Telexpartner konnten mittels eines Wählzusatzgerätes an Hand Ihrer öffentlichen Telexnummer wie bei einen Telefon direkt über eine automatische Wähleinrichtung hergestellt werden. Dieses Netz war in das internationale Fernschreibnetz eingebunden.

In der DDR existierten mehrere automatische Fernschreibnetze im Selbswählbetrieb nebeneinander:

  • - öffentliche Fernschreibnetz der Post für Betriebe
  • - BASA Netz der deutschen Reichsbahn
  • - S1 Netz für Behörden und staatliche Dienststellen
und weitere nicht öffenliche Netze der NVA, des MdI, des Ministeriums für Staatssicherheit sowie des Warschauer Vertrages

Fernschreiber können auch im Direktbetrieb fest als Gegenstellen miteinander verbunden sein.

Durch den Ersatz von Eletronik und Software sind die aufwendigen Wartungen und Einstellungen an den mechanischen Bauteilen eines Fernschreibers und am Fernschreibnetz weitgehend entfallen.

Der klassische mechanische Fernschreiber ist heute vielfach durch ein Fernschreib-E-Mail-Gateway oder von einen PC mit Drucker und Spezialhardware zum Anschluß an den Fernschreibanschluß oder an die Funkstation ersetzt worden.

Selbst in den Betriebssystemen Windows von Microsoft befindet sich ein Druckertreiber zum Anschluß eines Fernschreibers an den PC.

Trotzdem haben Faxgeräte, Mailboxsysteme und Internet das Fernschreiben als Hauptkomunikationsverfahren für Texte und Daten Ende der neunziger Jahre praktisch abgelöst.

Die größten Vorteile des Fernschreibens sind auch heute noch die einfache und sichere Art der automatischen Textübermittlung über beliebige Übertragungsmedien z.B. Funk und Datennetze, sowie als Wechselstromtelegrafie über bestehende Telefonleitungen. Hier können durch Mehrfachausnutzung eines Fernsprechkanals mehrere Fernschreibkanäle unabhänig und gleichzeitig voneinander betrieben werden.

Heute wird der Fernschreibdienst häufig über bestehende Datenverbindungen mittels Umsetzer als Gastsystem oder durch Gateways in andere Netze abgewickelt.

Die Gateway-Systeme für Fernschreiber-E-Mail gestatten häufig den beiderseitigen Datenaustausch von reinen Textnachrichten. Bei diesen Systemen kann jeden Fernschreibanschluß im Gateway einfach eine eigene E-Mailadresse zugeordnet werden. Die Nachrichten werden im Gateway als System-Mail umgesetzt und können so über Mailboxsysteme oder direkt über das Internet als E-Mail an den Empfänger empfangen werden. Die Adressierung an den gewünschten E-Mailempfänger erfolgt über bestimmte durch das Gateway festgelegte Telexadressen beim Versand der Fernschreibnachricht. Beim Senden einer Text-E-Mail übernimmt das E-Mail-Gateway die Nachricht und setzt diese als Fernschreiben um. Häufig beinhaltet die Mailadresse des Gateway zusätzlich noch die erforderliche Telex-Adresse des Empfängers, anhand dessen die automatische Zuordnung und Weiterleitung (Routing) der Nachricht an den gewünschten Empfänger erst möglich ist.

Im Amateurfunk sind Dekoder, die Signale aus dem Funkempfänger mit Hlfe der Soundkarte in einen PC umsetzen und ausgeben können sehr beliebt. Häufig beherschen diese Programme auch noch die Betriebsarten FAX und CW (Morsezeichen).

Weblinks


DF3OEs virtuelles Fernschreibmuseum

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