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Fernsehturm, auch Fernmeldeturm, nennt man einen meist röhrenförmigen Turm in schlanker Stahlbetonbauweise (vertikale Kragarmkonstruktion), dessen vorwiegende Aufgabe es ist, Hörfunk und Fernsehen auszusenden. Fernmeldetürme werden auch für richtfunkbasierte Telekommunikation wie beispielsweise die Übertragung von Telefongesprächen verwendet, wobei diese heute zunehmend durch Glasfaserkabel oder Satellitenkommunikation abgelöst wird. Der Unterschied zum allgemeinen Funkturm (meist als Stahlkonstruktion) liegt in der Bauweise; sowie zu Hochhäusern im Hauptzweck. Allerdings gibt es auch Fernmeldetürme, die eher einem Hochhaus als einem „klassischen Sendeturm“ ähneln, wie der Fernmeldeturm auf dem Großen Feldberg.

Geschichtliches


Ostankino_tower.jpg | Oriental Pearl at night.jpg Die Baustoffe Gusseisen, Schmiedeeisen und später Stahl ermöglichten den Ingenieuren Anfang der 19. Jahrhunderts ganz neuartige Brückenbauten. Mit Hilfe der neuen Werkstoffe wurden die Träume zu Plänen, hohe Türme in den Himmel zu bauen. Bereits 1833 plante der englische Ingenieur Richard Trevithick eine 1000 Fuß (305 m) hohe Säule aus Gusseisenelementen zu erbauen. Später sollte zur amerikanischen Weltausstellung in Philadelphia eine 1000 Fuß hohe Eisenröhre aufgestellt werden, die mit Hilfe von Stahlseilen abgespannt werden sollte. Diese nie errichtete Konstruktion, welche 9 m im Durchmesser messen sollte, wäre allerdings vermutlich wegen Windschwingungen eingestürzt.

Der Eiffelturm – Symbol aller Türme

Bereits 1881 wurde vorgeschlagen, Paris mit einem 300 m hohen Leuchtturm auszuleuchten. Dieser Turm sollte aus Granit gebaut werden; die Ausführbarkeit dieses Projektes zweifelte Gustave Eiffel jedoch zu Recht an und präsentierte 1885 seine Pläne zum Bau des Eiffelturms der Öffentlichkeit. Der Entwurf des 300 m hohen Turmes aus Stahlfachwerk sollte mit vier stark gespreizten Beinen die Windkräfte besonders günstig aufnehmen. Trotz zahlreicher Kritiker und Gegner behielt Gustave Eiffel mit seiner Prognose Recht, dass dieser Bau zum Symbol des Fortschritts werden würde. Er war der Hauptanziehungspunkt der Weltausstellung. Daneben wurde er zum Versuchslabor für meteorologische, physikalische und sogar physiologische Experimente. Ebenso wurde die drahtlose Telegrafie erprobt, was den Eiffelturm zum ersten Funkturm der Geschichte macht.

Der Eiffelturm wurde zum Vorbild vieler Planungen von Stahltürmen. Die Stadt London schrieb 1890 einen Turmbauwettbewerb aus. Die zwanzig eingegangen Projekte sahen Türme zwischen 300 m und 456 m Höhe vor. Zwar wurde mit dem Bau begonnen, es entstand aber nur ein Turmstumpf von 47 Metern Höhe, der 1907 abgerissen wurde (Watkins Tower).

Als Anfang des 20. Jahrhunderts der Funkverkehr zunahm, wurde der Stahlgitterturm zum notwendigen Zweckbau. So entstand beispielsweise 1926 der Berliner Funkturm.

In den 30er Jahren wurden die ersten Sendetürme in Stahlbetonbauweise mit rechteckigem Grundriß für die ersten Fernsehsender auf dem Brocken und auf dem Feldberg im Taunus errichtet. Beide Türme sind noch erhalten. Der Turm auf dem Brocken besitzt eine Aussichtsplattform, während der für Besucher regulär nicht zugängliche Fernmeldeturm Großer Feldberg durch seine außergewöhnliche Bauweise auffällt.

Vom Funkturm zum Fernsehturm

Der Stuttgarter Fernsehturm war weltweit der erste Turm, der als schlanke Röhre in Stahlbetonbauweise ausgeführt wurde. Er wurde vom Stuttgarter Bauingenieur Prof. Dr.-Ing. Fritz Leonhardt entworfen, im Juni 1954 begonnen und im Februar 1956 fertiggestellt.

Der steigende Bedarf an Funk- und Fernsehübertragung sorgte dafür, dass ab den 1960er Jahren weltweit viele neue Fernseh- und Fernmeldetürme gebaut wurden. In Deutschland wurden etwa 300 davon als standardisierte Typentürme im Auftrag der Post an geeigneten Standorten errichtet. Bei siedlungsnahen Türmen wurden vielfach Publikumseinrichtungen wie z. B. Aussichtsplattformen oder Drehrestaurants integriert, um die Akzeptanz der Türme zu erhöhen. So bekamen viele der größten Städte in Deutschland ihren „eigenen“ Fernsehturm.

Der höchste deutsche Fernsehturm ist der 1969 in der DDR erbaute Berliner Fernsehturm (368 m), in Europa der 1967 vollendete Moskauer Ostankino-Turm (540 m). Weltweit am höchsten ist der 1976 erbaute CN Tower in Toronto, Kanada mit 553,33 m.

Anderswo, wie in den Niederlanden wurden auch Hybridtürme gebaut, eine Kombination aus einem Stahlbetonturm und einer abgespannten Antenne.

Sehr selten ist die Kombination von Wasser- und Fernsehturm, z.B. der Fernsehturm St. Chrischona bei Basel.

Die Höhe eines Fernsehturms wird maßgeblich durch die Notwendigkeit bestimmt, die Antenne so hoch zu platzieren, dass die Signale störungsfrei gesendet und in großem Umkreis empfangen werden können. In Großstädten Nordamerikas übernehmen zumeist Wolkenkratzer diese Funktion.

Fernsehtürme in aller Welt (Auswahl)


Baujahr Land Ort Bezeichnung des Turms Höhe Bemerkung
1889 Frankreich Paris Eiffelturm 324 m Stahlkonstruktion
1894 Großbritannien Blackpool Blackpool Tower 158 m Stahlkonstruktion
1894 Frankreich Lyon Tour métallique de Fourvière 85,7 m Stahlkonstruktion
1922 Russland Moskau Schuchow-Radioturm 150 m Stahlkonstruktion
1926 Deutschland Berlin Berliner Funkturm 150 m Stahlkonstruktion
1937 Deutschland Großer Feldberg Fernmeldeturm Großer Feldberg 69,13 m Konstruktion aus Stahlbeton, Stahl und Holz
1950 Großbritannien London Crystal Palace Tower 222 m Stahlkonstruktion
1955 Deutschland Berlin Fernsehturm Berlin-Müggelberge unvollendet
1956 Deutschland Stuttgart Stuttgarter Fernsehturm 216,8 m erste Stahlbetonkonstruktion dieser Art
1958 Japan Tokio Tokyo Tower 333 m Stahlkonstruktion
1958 Deutschland Hannover Hermesturm 88,8 m
1958 Deutschland Hannover VW-Tower 141 m
1958 Deutschland Heidelberg Fernsehturm Heidelberg 82 m auch Wasserturm
1959 Deutschland Dortmund Florianturm 211,36 m
1960 Deutschland Kulpenberg Fernsehturm Kulpenberg 94 m
1960 Niederlande Rotterdam Euromast 185 m
1961 Niederlande Lopik Gerbrandytoren 382,5 m Hybridturm
1961 Deutschland Burgstall Fernsehturm Hoher Bogen
1962 Norwegen Oslo Tryvannstårnet 118 m
1962 USA Seattle Space Needle 184,4 m
1963 Finnland Kuopio Pujio-Tower 75 m
1964 Deutschland Berlin Fernmeldeturm Berlin-Schäferberg 212 m
1964 Deutschland Schwerin Fernsehturm Schwerin-Zippendorf 136 m
1964 Österreich Wien Donauturm 252 m
1964 Schweden Stockholm Kaknästurm 155 m
1965 Serbien Belgrad Fernsehturm Belgrad-Avala 202,9 m zerstört
1965 Deutschland Bremerhaven Radarturm (Bremerhaven) 106,1 m
1966 Deutschland Stuttgart Stuttgarter Funkturm 93 m
1966 Großbritannien London BT Tower 188 m
1967 Russland Moskau Ostankino-Turm 540 m (577 m geplant)
1968 Deutschland München Olympiaturm 291,28 m
1968 Deutschland Hamburg Heinrich-Hertz-Turm 279,8 m
1968 Kanada Calgary Calgary Tower 190,8 m
1969 Deutschland Berlin Berliner Fernsehturm am Alexanderplatz 368,03 m
1969 Deutschland Dresden Dresdner Fernsehturm 252 m
1969 Deutschland Piding Sendemast Högl 157 m Stahlkonstrution
1971 Großbritannien Emley Moor Fernsehturm Emley Moor 330 m
1971 Finnland Tampere Näsinneula 173 m
1971 Südafrika Johannesburg Telkom Joburg Tower 270 m
1972 Deutschland Stuttgart Stuttgarter Fernmeldeturm 192,4 m
1972 Deutschland Kiel Fernmeldeturm Kiel 230 m
1972 Georgien Berg Mtatsminda Fernsehturm Tiflis 274,5 m
1973 Ukraine Kiew Fernsehturm Kiew 385 m Stahlkonstruktion
1973 USA San Francisco Sutro Tower 295 m Stahlkonstruktion
1975 Deutschland Mannheim Fernmeldeturm Mannheim 212,80 m
1975 Südkorea Seoul Seoul Tower 236,7 m
1975 Slowakei Bratislava Fernsehturm Bratislava 200 m
1976 Kanada Toronto CN Tower 553,35 m
1976 Deutschland Koblenz Fernmeldeturm Koblenz 255 m
1977 Deutschland Nürnberg Fernsehturm Nürnberg 292 m
1979 Deutschland Frankfurt am Main Europaturm 337,5 m
1980 Estland Tallinn Fernsehturm Tallinn 314 m
1980 Litauen Vilnius Fernsehturm Vilnius 326 m
1981 Deutschland Helpterberge Fernsehturm Helpterberge 203,2 m
1981 Deutschland Köln Fernsehturm "Colonius" 266 m
1981 Australien Sydney Sydney Tower 304 m
1981 Deutschland Düsseldorf Rheinturm 240,5 m
1983 Kasachstan Alma-Ata Fernsehturm Alma-Ata 371,5 m
1984 Schweiz St. Chrischona bei Basel Fernsehturm St. Chrischona 250 m
1985 Uzbekistan Taschkent Fernsehturm Taschkent 375 m
1986 Deutschland Münster Fernmeldeturm Münster 222,5 m
1986 Deutschland Bremen Bremer Fernsehturm 235,7 m
1986 Lettland Riga Fernsehturm Riga 368,5 m
1991 China Tianjin Funk- und Fernsehturm "Tian Ta" in Tianjin 368 m
1991 USA Cincinnati Star Tower 291,4 m Stahlkonstruktion
1991 Deutschland Cuxhaven Friedrich-Clemens-Gerke-Turm 230 m
1992 China Peking Zentraler Funk- und Fernsehturm in Peking 405 m
1992 Spanien Barcelona Montjuic Tower 136 m
1992 Spanien Barcelona Collserola-Turm 288 m
1992 Tschechische Republik Prag Prager Fernsehturm 216 m
1992 Deutschland Hannover Telemax 282,2 m
1995 China Shanghai Oriental Pearl Tower 468 m
1996 Malaysia Kuala Lumpur Menara KL 421 m
1996 USA Las Vegas Stratosphere Tower 356 m
1996 Belgien Leeuw-Saint-Pierre Fernsehturm Leeuw-Saint-Pierre 300 m
1998 Brasilien Sao Paulo Torre TV Bandeirantes 212 m Stahlkonstruktion
1997 Neuseeland Auckland La Sky Tower 328 m
2001 SVR Macau Macau Macau Tower 338 m
2003 Iran Teheran Fernsehturm Milad 435 m

Bilder von Fernsehtürmen in Deutschland


Das Datum bezieht sich auf die Fertigstellung. Bild:Fernsehturm Stuttgart (Deutschland)-TV tower Stuttgart (germany).jpg|Stuttgarter Fernsehturm 1956 Bild:Florianturm.jpg|Florianturm Dortmund im Westfalenpark 1959 Bild:Heidelberg fernsehturm.jpg|Fernsehturm Heidelberg 1958 Bild:Olympiaturm 1.jpg|Olympiaturm München 1968 Bild:Heinrich-Hertz-Turm.jpg|Heinrich-Hertz-Turm Hamburg 1968 Bild:Berlin Fernsehturm 2005.jpg|Fernsehturm Berlin 1969 Bild:Mannheimer fernmeldeturm.jpg|Fernmeldeturm Mannheim 1975 Bild:Fernmeldeturm Nuernberg Korb.jpg|Fernmeldeturm Nürnberg 1977 Bild:GinnheimerSpargel.jpg|Europaturm Frankfurt am Main 1979 Bild:Colonius 20050129.jpg|Colonius - Fernmeldeturm Köln 1981 Bild:Fernmeldeturm Bremen.jpg|Fernmeldeturm Bremen 1986 Bild:Telemax Daemmerung.jpg|Telemax in Hannover 1992

Siehe auch: Liste der höchsten Gebäude der Welt - Stahlfachwerkturm - Typenturm

Literatur


  • Erwin Heinle, Fritz Leonhardt: Türme aller Zeiten, aller Kulturen. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart (Deutschland) (1997), ISBN 3-421-02931-8

Weblinks


Sendeturm

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