Fermentation oder Fermentierung (lat. fermentum: „Sauerteig“) bezeichnet in der Biotechnologie die Umsetzung von biologischen Materialien mit Hilfe von Bakterien-, Pilz-, oder Zellkulturen oder aber durch Zusatz von Enzymen (Fermenten). Dabei beschreibt die ursprüngliche Begrifflichkeit die biologische Reaktion unter Ausschluss von Luft ().
Begriffserweiterung
Heutzutage versteht man unter Fermentation jegliche technische Bioreaktion. So lassen sich medizinisch interessante Produkte wie beispielsweise
Insulin,
Hyaluronsäure,
Streptokinase und eine Vielzahl von
Antibiotika (z. B.
Penicillin) mit Hilfe von
Mikroorganismen großtechnisch in
Bioreaktoren synthetisieren. Mikroorganismen sind in der Lage, Stoffe zu bilden, die sich auf rein chemischem Wege nur sehr schwer bzw. gar nicht herstellen lassen.
Einsatzgebiete
Außerhalb der Biotechnologie spielt die Fermentierung eine zentrale Rolle bei der Haltbarmachung von Lebensmitteln (z. B. Sauerkraut), Entwicklung von
Aromastoffen (z. B.
Sojasoße) und Abbau von
Gerbstoffen von
Tee,
Kakao,
Kaffee,
Marihuana und
Tabak sowie der Herstellung von
Milchprodukten (
Käse,
Joghurt),
Tofu,
Rohwurst (z. B.
Salami) und alkoholischen Getränken wie
Bier und
Wein. Ein Grenzfall ist die Fermentation durch die eigenen Enzyme eines Lebensmittels, wie sie etwa beim
Matjes-Hering oder Tee stattfindet.
Fermentierung von Tee
Unter dem Fermentieren eines Tees versteht man das Aufschließen und
Oxidieren der Teeblätter in einer feuchten Umgebung. Die Teeblätter werden hierzu gerollt, wobei die Pflanzenzellen teilweise zerstört werden. Dadurch können Enzyme (v. a.
Phenoloxidasen) und andere Inhaltsstoffe der Teepflanze (v. a.
Polyphenole), die in der intakten Zelle streng von einander getrennt vorkommen, zusammen kommen und miteinander zu dunkel gefärbten Polyphenolen und Aromastoffen reagieren. Der Vorgang dauert ca. 3 Stunden. Er läuft im Gegensatz zu den meisten Fermentationen ohne Beteiligung von Mikroorganismen ab. Im Gegensatz zum
schwarzen Tee wird der
Oolong-Tee nur kurz und der
grüne Tee gar nicht fermentiert.
Siehe auch
Literatur
- Rainer Stürmer, Michael Breuer: Enzyme als Katalysatoren. Chemie und Biologie Hand in Hand. In: Chemie in unserer Zeit. 2/40/2006, S. 104–111,
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