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Ferdinand von Quast (* 23. Juni 1807 in Radensleben bei Neuruppin; † 11. März 1877 in Radensleben) war ein deutscher Architekt und Kunsthistoriker.

Er war der Sohn des Gutsbesitzers Wilhelm von Quast. Ab 1825 studierte er an der Allgemeinen Bauschule (der späteren Berliner Bauakademie) Architektur und Feldmeßtechnik, wo er auch Schüler des Baumeisters Karl Friedrich Schinkel war, der sich seit 1815, also dem Ende der Befreiungskriege, für Denkmalpflege einsetzte. 1836 legte von Quast sein Baumeisterexamen ab.

Nach dem Tod seines Vaters übernahm er 1830 das Gut Radensleben und baute 1833 das Herrenhaus samt Nebengebäuden aus. Er war Mitglied im preußischen Abgeordnetenhaus; politisch gesehen war er konservativ und königstreu.

Schon während seines Studiums reiste er durch Deutschland und bis nach Italien, Frankreich und in die Niederlande. 1838/39 hielt es sich fast ein ganzes Jahr in Italien auf und studierte die antiken Stätten. Nachfolgend veröffentlichte er mehrere Bücher und hielt im Alten Museum Vorlesungen über die Geschichte der Baukunst. Bei der ersten Versammlung deutscher Architekten in Leipzig forderte er die Gründung eines allgemeinen Vereins zur Erforschung deutscher Altertümer.

König Friedrich Wilhelm IV., der bereits 1840 Kultusminister Eichhorn beauftragt hatte, Vorschläge für die Organisation der Denkmalpflege in Preußen zu machen, ernannte am 22. Juli 1843 Ferdinand von Quast zum „Konservator der Denkmäler“ in Preußen. Zu seinen Aufgaben gehörte es, zwecks Begutachtung zu den Denkmalen zu reisen, Berichte und Zeichnungen zu den Objekten zu erstellen, mit den zuständigen Beamten vor Ort zu verhandeln und in historischen Gesellschaften mitzuwirken. Da er keinerlei Sachmittel oder gar Hilfskräfte erhielt, ist es überwiegend seinem Enthusiasmus und den Einnahmen aus seinem Gutsbetrieb zu verdanken, dass er diesem Amt bis zu seinem Tode treu blieb.

Ferdinand von Quast setzte sich für die weitgehende Bewahrung der originalen Bausubstanz, Zurückhaltung bei der Rekonstruktion und eine sichtbare Unterscheidung von als und neu ein. Da sein Amtsbereich vom Rheinland bis nach Ostpreußen reichte, konnte er die einzelnen Objekte jedoch leider nur selten und mit großem zeitlichen Abstand besuchen und kontrollieren. Unter anderem entwickelte er einen Fragebogen zur Erfassung der Denkmale in Preußen, der in seinen Grundzügen noch heute verwendet wird.

Der umfangreiche Nachlass Ferdinands von Quast, der sich im Archiv der TU Berlin (über 7000 Zeichnungen) und im Herrenhaus in Radensleben befand, wurde 1945 überwiegend vernichtet. Immerhin sind in den Archiven der ehemaligen preußischen Provinzen viele Unterlagen erhalten geblieben.

Arbeiten


  • 1836 Denkschrift „in Bezug auf die Erhaltung der Altertümer in den Königlichen Landen“ mit konkreten Vorschlägen für die staatliche Organisation des Denkmalschutzes.
  • 1842 veröffentlichte er das reichbebilderte Buch „Die altchristlichen Bauwerke von Ravenna vom fünften bis zum neunten Jahrhundert“.
  • In den 1840er und 1850er Jahren Restaurierung der Doppelkapelle der Neuenburg bei Freyburg.
  • 1842-45 Restaurierung der Franziskaner Klosterkirche in Berlin.
  • 1853-56 restaurierte er auf Wunsch König Friedrich Wilhelms IV. die Klosterkirche in Jerichow.
  • 1854 legte er den Campo Santo in Radensleben an.
  • 1859 Entwurf zur Restaurierung der Stiftskirche St. Cyriakus in Gernrode.
  • Denkmalpflege an der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Dorfkirche von Neuruppin-Radensleben (einschließlich Gestaltung der Kronleuchter, einer Stufenempore und der Wandgemälde sowie Entwurf der Fensterbemalung).
  • Denkmalpflege am mittelalterlichen Wohnturm am Stammsitz derer von Quast in Temnitztal-Garz.
  • Beteiligung an der Restaurierung der Basilika und der Liebfrauenkirche in Trier.
  • Beteiligung an der Restaurierung der Pfalzkapelle in Aachen.
  • Beteiligung an der Restaurierung des Domes in Frankfurt am Main.

Campo Santo

Die Inschrift auf dem Steinkreuz in der Mitte des Campo Santo besagt, daß Ferdinand von Quast diesen Friedhof im Jahre 1854 anlegte.

Die freistehenden Grabsteine (von links): Heinrich von Quast, Oberst a. D. (* 16. Februar 1856 in Radensleben; † 3. Dezember 1928 in Potsdam); Ferdinand von Quast (* 23. Juni 1807; † 11. März 1877), Erbherr auf Radensleben, Konservator der Kunstdenkmale, Domherr zu Brandenburg, und Marie von Quast, geb. von Diest (* 10. Juni 1818 in Berlin; † 17. August 1885 in Wiesbaden); Grabstein mit abgefallenen Buchstaben; Ehrengard von Quast (* 6. Mai 1887 in Radensleben; † 7. Dezember 1926 in Davos). An der Ostwand der Kirche: Florenz von Quast (* 29. April 1884 in Goslar; † 25. März 1886 in Montreux); Adelheid Charlotte Hedwig von Negelein, geb. von Quast (* 24. März 1854 in Radensleben; † 28. April 1938 in Potsdam), und Urne ihrer Tochter Elisabeth Amalie Karoline von Negelein (* 7. Juli 1876 in Neuruppin; † 18. Mai 1943 in Potsdam); Marie Adelheid Charlotte von Quast (* 10. August 1845 in Berlin; † 30. Mai 1854 in Radensleben); Marie von Quast, geb. Hengstenberg (* 11. Juni 1848 in Berlin; † 3. Januar 1875 in Wiesbaden); Siegfried von Quast (* 18. September 1842 in Berlin; † 31. Oktober 1887 in Eskişehir), Erbherr auf Radensleben, Landrat des Kreises Ruppin, Rittmeister a. D.; Wilhelm von Quast (* 25. Juli 1849 in Radensleben; † 28. Mai 1919 in Radensleben), Erbherr auf Radensleben, Major a. D., 1889-1918 Landtagsabgeordneter für den Kreis Ruppin-Templin; Wilhelm von Diest (* 17. April 1828; † 25./26. August 1870 vor Strasburg) und Marie von Diest, geb. Schenckendorff (* 24. September 1832; † 11. April 1885).

An der östlichen Mauer: Anna von Diest, geb. von Thile (* 20. August 1908 in Berlin; † 5. Oktober 1908 in Merseburg) und Gustav von Diest (* 16. August 1826 in Posen; † 27. Februar 1911 in Merseburg), Wirklicher Geheimer Rat, Dechant des Domstiftes Merseburg, Regierungspräsident a. D.

Sonstiges


Es gibt eine Ferdinand-von-Quast-Medaille, die das Land Berlin seit 1987 jährlich an Personen und Institutionen verleiht, die sich in besonderem Maße für den Denkmalschutz einsetzen. Im Jahr 2000 erhielt die Bewag die Ferdinand-von-Quast-Medaille.

Im Mai 1990 wurde die Ferdinand von Quast-Gesellschaft e.V. gegründet.

Mann | Deutscher | Deutscher Architekt | Kunsthistoriker | Geboren 1807 | Gestorben 1877

Кваст, Александр-Фердинанд

 

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