Ferdinand Stadler.jpg Ferdinand Stadler (* 23. Februar 1813 in Zürich, † 24. März 1870 ebenda) war ein Schweizer Architekt.
Stadler war ein wichtiger Architekt, einer der ersten Architekten in Zürich, die vom Zeichnen von Plänen leben konnten, aber er gehörte nicht zu den herausragendsten Persönlichkeiten seiner Zeit. Ein wirklich grosser weltlicher Bau (Bundeshaus, Bahnhof Zürich) blieb ihm verwehrt. Dafür war Stadler ein arbeitsfreudiger Architekt: Das Werkverzeichnis von Andreas Hauser listet 197 Werke, von denen viele auch gebaut wurden. Im Laufe der Zeit wurden jedoch vor allem die Profanbauten abgebrochen. Von den Kirchen hingegen wurden nur wenige abgebrochen.
Stadlers Konkurrenten (Leonhard Zeugheer, Gustav Albert Wegmann, Joseph Caspar Jeuch), welche vor allem profan bauten, wurden rückblickend Opfer dieser Entwicklung. Misst man die Bedeutung anhand der Anzahl heute erhaltener Bauten, gehört Stadler zu den wichtigsten historistischen Architekten der Schweiz.
Luzern_Matthaeuskirche_ost.jpg Ferdinand Stadler verdanken wir den Bahnhof Baden, die Stadtkirche Glarus, die Matthäuskirche Luzern, die Elisabethenkirche (Basel) und den Umbau der Augustinerkirche in Zürich.
Bereits im Alter von zehn Jahren zeichnete er im Atelier seines Vaters unter Anleitung von Angestellten. Im Mai 1825 trat er in das „Hünische Privatinstitut Horgen“ ein, eine vorwiegend kaufmännisch orientierte Schule. Mit 15 schickte ihn der Vater kurze Zeit nach Genf zu Ferdinands Vetter Carl Wilhelm Hirschgartner (1806–1840), einem Architekten.
Bevor er auf väterliche Anweisung gegen seinen Willen eine Zimmermannslehre machen musste, arbeitete er bis im Mai 1829 bei einem Ingenieuren Mayer. Dem pubertierenden Stadler erwuchs ein Selbstvertrauen, er schlug dem Vater nach dem ersten Lehrjahr 1830 vor, doch Künstler zu werden. Unter den Umständen war dieser Vorschlag jedoch chancenlos. Ferdinand beendet seine Lehre nach drei Jahren 1832 erfolgreich.
Von Karlsruhe aus bereiste Ferdinand Mainz, Speyer, Worms und Oppenheim, wo er die Dome studierte. Die Begeisterung für Sakralbauten sollte sein Leben lang andauern.
Stadler war als Jüngling vermutlich ein Turner wie sein Freund, der Biograf Wegmanns berichtet: „Die rüstigen Turner scheuten die luftigen Wendeltreppen nicht (...).“ Sie erklammen gerne die Türme in den Städten, die sie besuchten, um die Architektur zu bewundern.
1835 trennte sich Stadler von Wegmann und bereiste München, Wien, Prag und Dresden, wo er den damals sehr bekannten Architekten Karl Friedrich Schinkel traf. Dieser empfahl ihn auch bei Gottfried Semper, mit dem jedoch kein freundschaftliches Verhältnis entstand. Dieser Bruch sollte sich durch Stadlers ganzes Leben ziehen, Semper gehörte einer neuen Schule an und äusserte sich später abschätzig über Stadler und seine historistischen Bauten. In Jurys sollte er die Entwürfe Stadlers konsequent und erfolgreich ablehnen. In diesem Jahr gewann Stadler seinen ersten Preis an einem Architekturwettbewerb, die Pläne für die Neumünsterkirche in Zürich wurden mit dem dritten Rang von 14 Einsendungen ausgezeichnet.
Zuerich_Poststrasse_Post.jpg | 1838 durfte Stadler ein Wohnhaus mit Eckturm für die Familie Baur an der Bahnhofstrasse bauen. Hauptamtlich arbeitete er als Zimmermann im väterlichen Betrieb.
Zuerich_zum_Grabenegg.jpg Trotz beschränkter Transportmöglichkeiten in der damaligen Zeit nahm Stadler 1840 an einem Wettbewerb für ein Börsengebäude in Frankfurt am Main teil. Von 37 Einsendungen gewann sein Beitrag den zweiten Preis. Ab 1842 widmete sich Stadler nur noch der Architektur. Was mit dem väterlichen Betrieb geschah, ist nicht bekannt.
Lengnau Synagoge.jpg]] 1845 baute Stadler eine Synagoge in Lengnau, einem der wenigen Orte, wo sich zu der Zeit Juden niederlassen durften.
Als 1846 die Schweizerische Nordbahn von Zürich nach Baden gebaut wurde, lieferte Stadler Pläne für den Bahnhof Baden (der erste) und einige Holzbrücken, nebenbei wurden verschiedene Villen gebaut.
In diesem Jahr stirbt sein Onkel Hans Conrad Stadler und hinterlässt eine nicht fertiggestellte gotische Abdankungskapelle an der Promenadengasse 13. Ferdinand führt den Auftrag für ihn zu Ende.
Ein weiteres wichtiges Werk in Stadlers Leben ist die Kirche in Obfelden mit Plänen von 1847.
Ein anderes Thema sollte Stadler jahrelang beschäftigen: Die junge Eidgenossenschaft brauchte ein Gebäude für ihre Bundesräte, ja erst einmal eine Hauptstadt. Um die Kandidatur Zürichs zu stärken, liess die Stadt Pläne für ein Bundeshaus in der Nähe des bestehenden Stadthauses erarbeiten; Stadler war beim Wettbewerb dabei.
Als Ferdinand Stadler 1848 München besucht, ist die Villa der Familie Rothpelz in Neustadt an der Weinstraße, damals zu Bayern gehörend, nach seinen Plänen fertig gebaut. König Ludwig von Bayern soll voll des Lobes über den Bau gewesen sein.
1850 findet erneut ein Wettbewerb für ein Bundeshaus statt, nachdem in der Frage nach der Hauptstadt die Würfel für Bern gefallen sind. In den Augen der Jury des Architektenvereins ist Stadler der Gewinner, in den Augen der Jury des Gemeinderates ist er dies nicht. Erwartungsgemäss setzte sich der Gemeinderat durch.
Stadler hatte zeitlebens eine Abneigung gegen Vorgesetzte, vielleicht liebte er die Unabhängigkeit so sehr, weil er sie in Kindesjahren nicht geniessen konnte. Jedenfalls stellte die Anstellung ab 1853 als Hochbauarchitekt für die Schweizerische Nordostbahn Stadler nicht zufrieden, ständig nahm er an neuen Architekturwettbewerben teil. Hier fühlte er sich im Element und unabhängig, trotzdem brachten die Wettbewerbe genügend Geld. In der NOB-Zeit entstand ein neuer Kirchturm für Cham, das Fraumünster wurde restauriert. Hier kam Stadler die profunde Kenntnis des gotischen Stils zugute.
Im Verlaufe des Jahres 1855 erfolgte der Ruf an das in diesem Jahr frisch eröffnete Poly, die heutige ETH Zürich. Stadler hielt ab dem Frühjahr 1856 Vorlesungen, als einer der ersten Architekturprofessoren. Allerdings fühlte er sich zu stark eingeschränkt, um weiterhin an Wettbewerben teilzunehmen, daher verliess er das Polytechnikum bereits im Juni 57 wieder. Inzwischen liess es sich Stadler nicht nehmen, ein anderes grosses Bauwerk durchzuprojektieren: die Kirche in Unterägeri.
Glarus_Stadtkirche.jpg Dass Stadler nicht nur im neugotischen Stil baute, zeigt die Stadtkirche Glarus. Sie ist als neuromanische Basilika 1864–1866 gebaut. Die Ausführung wurde allerdings einem Generalunternehmer übertragen, da Stadlers Kostenvoranschlag angezweifelt wurde. Eine genaue Kostenkontrolle gehörte auch bei anderen Bauten nicht zu den Strärken des Architekten. Seinerzeit wurde die Kirche von Katholiken und Protestanten genutzt, heute ist es eine rein protestantische Kirche.
Zuerich_Windegg.jpg Mittlerweile wurde man auch im Ausland auf Ferdinand Stadler aufmerksam, seine Projekte hatten in Amsterdam Anerkennung und Anhänger gefunden, wie die Aufnahme als Mitglied in die „Königliche Akademie der feinen Künste“ in Amsterdam 1863 bezeugt. Dies half nur zum kleinen Teil über den Verlust seiner Gattin Barbara (geborene Waser) im März und kurz darauf seiner Mutter hinweg. Barbara, mit der er sich bereits 1839 verlobt hatte, gebar ihm einen Sohn und eine Tochter. Der Sohn Ferdinand (*1842), welcher später das Büro des Vaters übernehmen sollte, verstarb allerdings zu Ferdinand seniors Lebzeiten 1865 während seines Architekturstudiums. Damit verlor Ferdinand nicht nur seinen Sohn, sondern auch seinen Nachfolger im Architekturbüro.
Stadler baute die für das original Gotische typischen Kreuzrippengewölbe statt aus Stein aus Holz. Damit handelte sich Stadler viele Feinde ein, die Gewölbe seien unecht. Die Kirchen Unterägeri und die Augustinerkirche wurden mit nicht tragenden Gewölben verziert.
Aber auch bei den neuromanischen Bauten, beispielsweise der Stadtkirche Glarus, griff Stadler gerne zur Deckenkonstruktion aus Holz. In diesem Beispiel verleiht das naturbelassene Holz der Kirche eine warmes, schlichtes und auch heute noch modernes Aussehen.
Während im Mittelalter mit Stein gebaut wurde, versuchte Stadler, seine Bauten mit dem damals modernen Backstein kostengünstiger zu bauen. Die im Entstehen begriffene Eidgenossenschaft war damals arm. In Ermangelung einer Ziegelfabrik entstanden die Häuser dennoch meist in Sandstein.
Das Kapitell wurde in Stadlers Bauten häufig reduziert oder ganz weggelassen.
Der Stadtkirche in Glarus war eine bessere Vergangenheit beschieden: Zwar brannte sie 1940 nieder, doch wurde sie damals fachmännisch wieder restauriert. Nach einer zweiten grösseren Restaurierung 1995-1999 erhielt sie die Europa-Nostra-Medaille.
Das Landhaus in Rifferswil wird auch heute noch als solches genutzt. Daher erfuhr es nur wenige Änderungen.
Die Villa Rosau sollte in den nächsten Jahren zugunsten eines neuen Kongresszentrums abgebrochen werden. Beschlossen ist dies jedoch noch nicht.
Mann | Schweizer | Schweizerischer Architekt | Geboren 1813 | Gestorben 1870
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