Ferdinand Friedensburg (* 17. November 1886 in Schweidnitz; † 11. März 1972 in Berlin) war ein deutscher Politiker.
Ferdinand Friedensburg wurde am 17. November 1886 im schlesischen Schweidnitz als Sohn eines Richters geboren. Schon früh kam Friedensburg, der in einem liberal-konservativen Elternhaus aufwuchs, mit Politik in Berührung, sein Großvater war Bürgermeister von Breslau. Im Jahre 1889 siedelte die Familie nach Berlin über. Dort besuchte Friedensburg das Gymnasium in Steglitz und begann nach dem Abitur und einjähriger praktischer Ausbildung ein Studium an der preußischen Bergakademie in Berlin. Dort wurde ihm eine umfassende akademische Ausbildung zuteil, sowohl in Naturwissenschaften wie auch in Geistes- und Rechtswissenschaften. Er war zunächst Bergreferendar; weitere Studien führten ihn nach Marburg und in seine schlesische Heimat nach Breslau. Nach der Promotion in Geologie legte er 1914 sein Examen als Bergassessor ab. Während seines Studiums trat Friedensburg dem Verein Deutscher Studenten bei. Zwischenzeitlich leistete Friedensburg seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger bei einem Feldartillerie-Regiment in Schweidnitz ab.
Auf der Rückreise von einem Amerika-Aufenthalt 1914 wurde Friedensburg (der inzwischen den Dienstgrad eines Leutnants der Reserve erreicht hatte), bei Gibraltar von den Briten interniert. Er unternahm einen Fluchtversuch, bei dem er sich beide Beine brach. Damit hatten sich jegliche Berufsaussichten im Bereich des Bergbaus zerschlagen. 1916 wurde er als nicht mehr kriegsverwendungsfähig entlassen und zur medizinischen Behandlung in die Schweiz gebracht. Dort blieb er bis Kriegsende und war für die deutsche Botschaft in Bern tätig.
Nach Kriegsende kehrte Friedensburg nach Berlin zurück und widmete sich zunächst dem Journalismus. Friedensburg wurde Mitglied der liberalen DDP. 1920 begann er eine Laufbahn in der allgemeinen Verwaltung und wurde Landrat des Landkreis Rosenberg. Mit viel Umsicht löste er seine Aufgaben gegen den massiven Widerstand der dort ansässigen Großagrarier. In Berlin wurde man so auf ihn aufmerksam und betraute ihn mit dem Amt des Polizeivizepräsidenten der Hauptstadt. Die Unbeugsamkeit, mit der er in seinem Amt für die rechtsstaatlichen Prinzipien der Weimarer Republik und gegen jeglichen Extremismus von rechts und links eintrat, machte den Namen Ferdinand Friedensburg bald in ganz Deutschland zu einem Begriff. Immer häufiger geriet er dabei ins Visier der extrem-reaktionären Kräfte, die unverhohlen auf eine Gelegenheit hinarbeiteten, die junge Demokratie auszulöschen und eine Diktatur von ihren Gnaden zu errichten. Die Attacken waren erfolgreich; Ferdinand Friedensburg wurde aus Berlin "weggelobt" und im März 1927 zum Regierungspräsidenten von Kassel "befördert". Auch der Kyffhäuserverband der Vereine Deutscher Studenten schloss Friedensburg wegen seiner liberalen republikanischen Haltung bereits 1926 aus. In seiner Funktion als Regierungspräsident trat er ebenfalls unerschütterlich für die Ideale der Weimarer Republik ein und unternahm viele Anstrengungen, durch eine Sammlung der bürgerlichen Mitte die Machtübernahme der NSDAP zu verhindern. Darüber hinaus engagierte er sich im republiktreuen Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Der Konflikt mit den neuen Herren, die 1933 die Macht übernommen hatten, war unausweichlich. Friedensburg wurde zunächst beurlaubt und schließlich im September 1933 aus dem Staatsdienst entlassen. In der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft sicherte er mit wissenschaftlicher Forschungsarbeit auf seinem alten Fachgebiet, dem Bergbau, sein Überleben. 1935 war er für kurze Zeit in Gestapo-Haft.
Ferdinand Friedensburg blieb der Politik verbunden, wenn auch nicht mehr in exponierter Stellung. Er zog als Abgeordneter in den Deutschen Bundestag (1. Februar 1952 - 1965) und ins Europäische Parlament (27. Februar 1958 - 21. Dezember 1965) ein. 1953 bis 1957 war er stellvertretender Vorsitzender des Bundestagsausschusses zum Schutze der Verfassung und 1957 bis 1961 Vorsitzender des "Wahlmännerausschusses gemäß § 6 des Gesetzes über das Bundesverfassungsgericht vom 12. März 1951". Verstärkt widmete er sich nun wieder seiner Arbeit als Wissenschaftler. Seine ganze Kraft galt dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, dem er als Leiter vorstand und das er zu einem profilierten Institut für die wirtschaftswissenschaftliche Grundlagenforschung ausbaute. Auch seine wissenschaftliche und akademische Tätigkeit auf dem Gebiet des Bergbaus kam nicht zu kurz. Als ein international anerkannter Fachmann und Verfasser zahlreicher Standardwerke übernahm er Lehraufträge und verfasste wissenschaftliche Arbeiten zu berg- und hüttenmännischen Themen. Dem Kyffhäuserverband trat Friedensburg nach dessen Wiedergründung 1953 wieder bei. Am 20. Oktober 1971 wurde Ferdinand Friedensburg zum Ehrenbürger West-Berlins ernannt. Ferdinand Friedensburg verstarb im Alter von fast 86 Jahren am 11. März 1972 in Berlin.
Mann | DDP-Mitglied | Bundestagsabgeordneter | MdEP für Deutschland | CDU-Mitglied | Ehrenbürger | Träger des Bundesverdienstkreuzes | Bürgermeister (Berlin) | Korporierter im VVDSt | Geboren 1886 | Gestorben 1972
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