Ein Bergsturz ist eine Fels- und Schuttbewegung, die mit hoher Geschwindigkeit aus Bergflanken niedergeht. Bei Bergstürzen verhält sich das Gestein grossräumig "wasserähnlich" und kann sogar an gegenüberliegenden Hängen "aufbranden". Die Ablagerungsgebiete können Volumina von Millionen m³ und Flächenausdehnungen von mehr als 0,1 km² erreichen. Bergstürze sind grossdimensionierte Felsstürze mit teils verheerenden Auswirkungen. In den zurückbleibenden Schuttmassen können sich kleinere Seen bilden.
Bergstürze entstehen in der Regel an der Grenze zweier oder mehrere Gesteinsschichten und an tektonischen Störungen, wenn derartige Grenzflächen durch Erdbeben, extreme Wetterereignisse (heftige Niederschläge oder Temperaturschwankungen) geschwächt werden. Eingriffe des Menschen in die Natur (Hangrodung, Rohstoffabbau) beschleunigen die Vorgänge. Der Absturz der Gesteinsmassen selbst erfolgt einzig durch Einwirkung der Schwerkraft. Zunehmende Steinschlagaktivität kann ein Hinweis auf bevorstehende Bergsturzereignisse sein.
Besonders in dichter besiedelten Gebieten können die Auswirkungen katastrophal sein: Verschüttung von Siedlungsgebieten und Verkehrswegen (Straßen, Eisenbahnlinien), Aufstauung von Flüssen und Bächen, Flutwellen (wenn Gesteinsmassen in größere Gewässer stürzen). Nach längeren Zeiträumen können durch Bergstürze aber auch durchaus reizvolle Landschaften entstehen. Typisch für das Ablagerungsgebiet ist ein kleinhügeliges Relief mit meist deutlicher Abgrenzung zur Umgebung.
Fels- und Bergstürze stellen neben Muren und Lawinen das Hauptgefahrenpotential im Gebirge dar. Solche Ereignisse können auch zu einem Tsunami an Seen und am Meer führen.
Das bei Bergstürzen zurückbleibende Material ist eine Sturzhalde.
Prähistorische Bergstürze
Prähistorische Bergstürze können aufgrund der geologischen Beschaffenheit des Bodens und der Oberflächenformen im Abbruchgebiet und im Ablagerungsgebiet erkannt werden.
- Flimser Bergsturz, Schweiz: 12.000 Mio m³ (12 km³), etwa 8'000 BP (vor heute)
- Storegga, Norwegen: untermeerisch mit Tsunami. Etwa 8'000 BP, Sturzmasse muss 10 mal grösser sein als Flims. Hatte Auswirkungen auch in Schottland und Island.
- Dobratsch, Kärnten: ca. 900 Mio m³ Gesteinsmassen stürzen in das Gailtal.
- Davos, Schweiz: weit über 300 Mio m³ von der Totalp im Parsenngebiet und bildeten so den Wolfgangpass und den Davosersee. Datierung: jünger als 8'000 BP.
- Köfels, Tirol: über 2.000 Mio m³ Gestein stürzen vor etwa 8000 Jahren vom Westhang in das mittlere Ötztal bei Umhausen und blockieren die Ache, die sich später eine Schlucht (Maurach) durch den Schutt fressen muss.
- Tschirgant, Tirol: Gesteinsmassen stürzen vor etwa 4000 Jahren in das Inntal und vordere Ötztal
Historische Bergstürze
- 11. September 1881 Elm/Schweiz: 10 Mio m³: Der Bergsturz von Elm wurde durch den jahrelangen, rücksichtslosen Abbau von Schiefer verursacht. 115 Menschen starben, vorab durch Druckeinwirkungen.
- 31. Mai 1970 Yungay, Peru: Infolge eines Erdbebens Stärke 7.8 Richterskala stürzten vom vom Huascarán etwa 60 Mio m³ Eis und Fels ab, töteten über 60'000 Menschen im Tal, gegen 150'000 wurden verletzt, weit über 500'000 Obdachlose. Yungay wurde zerstört, nur etwa 400 Ueberlebende.
Felsstürze
- 9. Oktober 1963: Katastrophe von Vajont (Longarone), 90 km nördlich Venedig im Friaul/Italien: Felssturz von 260 Mio m³ in Stausee, rund 2'000 Menschen verloren ihr Leben.
- 30.August 1965: Mattmark, Saas-Almagell, Wallis/Schweiz: Eissturz 500'000 m³, 88 Tote. Eine Sonderart von Felssturz mit weit überhöhter Schadensfläche, da Eis (zusammen mit Schutt) weiter transportiert wird.
- 10. Juli 1999: Schwaz in Tirol: Im Bergbaugebiet des Eiblschrofen stürzen etwa 150.000 m³ Gestein in den darunterliegenden Bergwald und bedrohen einen Ortsteil. 250 Einwohner müssen evakuiert werden und können erst nach umfangreichen Sicherungsmaßnahmen nach mehreren Wochen wieder in ihre Häuser zurückkehren.
- 14. Oktober 2000 Gondo: am Simplonpass, Grenzort zu Italien, Wallis/Schweiz: Bergmure mit ungeheurer Geschwindigkeit von etlichen 10'000 m³, 11 Tote und 2 Verschollene (kein eigentlicher Felssturz).
Siehe auch
Bergrutsch
Weblinks
Naturkatastrophe | Berg | Geomorphologie