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Der Felsendom im Sinne von Felsenkuppel ist der älteste islamische Sakralbau. Er befindet sich südöstlich der Altstadt von Jerusalem auf dem Tempelberg.

Der Kuppelbau wurde als Schrein über dem Felsen (Sachra), auf welchem Abraham seinen Sohn der Legende nach zu opfern bereit war, und als Andenken an die Himmelfahrt Muhammads, die hier von eben jenem Felsen aus stattgefunden haben soll, errichtet. Der Grundriss bildet ein Achteck (Oktogon), das in einen Kreis mit knapp 55 Meter Durchmesser eingepasst ist. Der Durchmesser des Innenkreises ist 20,37 Meter. Die Kuppel ist mit Blattgold beschichtet. Die Goldbeschichtung wurde 1993 erneuert.

Der Felsendom ist ursprünglich - und auch heute - nicht als Moschee, sondern als ein Schrein bzw. Kuppel verstanden worden. In der Nähe, ebenfalls auf dem Tempelberg, befindet sich die al-Aqsa-Moschee, die erst unter den Umayyaden errichtet wurde. Die irrtümlich verwendete Bezeichnung "Omar-Moschee" geht auf Überlieferungen, deren Authentizität durchaus fraglich ist, zurück, nach welchen der zweite Kalif Omar nach der muslimischen Eroberung von Jerusalem am Palmsonntag, den 2. April 635 auf dem Tempelberg, oder am Mihrab Davids (heute als der Turm Davids am Jaffa-Tor bekannt) gebetet haben soll. Der Felsendom ist gleichzeitig das älteste Zeugnis islamischer Architektur der Welt, sowie hervorragendes Beispiel des frühen Umayyadenstils der Islamischen Kunst. Er ist ein bekanntes Wahrzeichen von Jerusalem, der dritten der heiligen Städte des Islam nach Mekka und Medina.

Baugeschichte


Die Erbauung des Felsendoms wird in der neueren Forschung dem Kalifen Abd al-Malik ibn Marwan (regiert zwischen 685-705) zugeschrieben, dessen Sohn und Nachfolger al-Walid I. ibn Abd al-Malik (regiert zwischen 705-715 ) den Bau der al-Aqsa-Moschee begonnen haben soll. Die Bauinschrift in archaischem kufischen Duktus, die über dem Kranzgesims an der Kuppel erhalten ist, dokumentiert nicht nur den Namen des Erbauers, sondern auch die ursprüngliche Bezeichnung der Anlage, die man lediglich als Kuppel (Qubba) verstanden hat:

Erbaut hat diese Kuppel der Diener Gottes (Abd al-Malik), der Befehlshaber der Gläubigen, im Jahre zweiundsiebzig, möge ihn Gott zu Gnaden annehmen.
(siehe unten: sakrale Inschriften).

Einige Forscher sind der Ansicht, dass Abd al-Malik das Gebäude errichtet hat, um den Sieg der Araber über Byzanz und Persien zu feiern und den Triumph des Islam über Judentum und Christentum zu demonstrieren. Anderen Ansichten zufolge war es bereits der Dynastiegründer Mu'awiya (regiert zwischen 661-680), der als erster den Bau des Felsendoms in Angriff nahm. Den Beginn der Bauarbeiten verbinden andere mit dem Namen von Kaiser Herakleios (regiert zwischen 610-641); der Bau sei mit der Rückführung der von den Persern im Jahre 614 geraubten Kreuzesreliquie in Verbindung zu bringen. Der gallische Bischof Arkulf, der im letzten Viertel des 7. Jahrhunderts Palästina bereist hatte, berichtet im Jahre 679 - also noch während des Kalifats von Mu'awiya - über eine Moschee auf dem Tempelberg und beschreibt sie als einen über Trümmerresten mit dicken Balken und Brettern errichteten Bau. Ob es sich in dieser Beschreibung, die erst Adomnan, der Verfasser des Liber de locis sanctis, schriftlich niedergelegt hatte, in der Tat um einen Vorgänger des Felsendoms handelt, ist unklar.

Die politisch-historischen Hintergründe


Mehrfach ist und wird die Frage aufgeworfen, warum der Umayyadenkalif Abd al-Malik in Jerusalem, an einem geschichtsträchtigen Ort, die "Kuppel" (al-qubba) errichten ließ. Bereits Ignaz Goldziherist in seinen Muhammedanische Studien (Bd. I. S.35-36)dieser Frage nachgegangen; unter Berufung auf z.T. relativ späte Quellen - vor allem nach den Historikern al-Ya'qubi und Ibn al-Faqih al-Hamadani - stellte er eine kausale Verbindung zwischen dem sog. Gegenkalifat des Abd Allah ibn al-Zubair in Mekka und der Errichtung des Felsendoms in Jerusalem her. Er schreibt:

Als der ummejjadische Chalife 'Abdalmalik aus Besorgnis darüber, dass sein in Mekka herrschender Rivale 'Abdallāh b. Zubejr die nach den heiligen Stätten im Ḥigāz pilgernden Syrer zwingen könnte, ihm den Huldigungseid zu leisten, die Wallfahrt nach Mekka hintanhalten wollte, da griff er zu dem Auskunftsmittel der Lehre vom stellvertretenden Hagg zur Kubbat al-sachra in Jerusalem.

Sakrale Inschriften


Die Baudaten ergeben sich aus Inschriften, Papryusurkunden und den Berichten arabischer Historiographen; die Fertigstellung des Felsendoms ist mit der auf das muslimische Jahr 72 (691-692) datierten Bauinschrift eindeutig belegt. Als "Bauherr" nennt sich an dieser Stelle allerdings der Abbaside al-Ma'mun, der es offenbar übersehen hat, bei der Tilgung des Namen Abd al-Malik auch das ursprüngliche Baudatum abzuändern. Diese Bauinschrift ist aus einer Reihe von Koranzitaten - auch in paraphrasierter Form - zusammengesetzt. Auf der Außenseite des inneren Oktogons beginnen die Abschnitte mit der Basmala nebst Glaubensbekenntnis. Auf der Innenseite des inneren Oktogons steht dann die Fortsetzung: Basmala, Glaubensbekenntnis, in der aber als Zusatz die christliche Lehre von der göttlichen Natur Jesu durch Koranverse (Sure 4, Vers 171-172, durch die Paraphrase von Sure 19, Vers 33 und durch Sure 3, Vers 18-20) zurückgewiesen wird. Weiter heißt es:

Er (Gott) hat die Herrschaft über Himmel und Erde. Er macht lebendig und läßt sterben und hat zu allem Macht. Sure 57, Vers 2

gefolgt von einer Aussage über Jesus - als Paraphrase von Sure 19,33: Heil sei über ihn am Tage, da er geboren wurde, am Tage, da er stirbt und am Tage, da er wieder zum Leben erweckt wird.

Die Innendekorationen des Felsendoms sind Darstellungen des Paradieses; sowohl diese als auch die Inschriften erklärt die zeitgenössische Forschung mit dem ursprünglichen Vorhaben des Bauherrn Abd al-Malik: der Bau hat von Anfang an religiöse Bedeutung, die der antichristlichen Polemik nicht entbehrt. Im inneren Teil des Oktogons, dem heiligen Fels gegenüber steht eine Passage aus der Sure4, Vers 171:

Christus (al-masih) Jesus, der Sohn der Maria, ist nur der Gesandte Gottes und sein Wort, das er der Maria entboten hat...

Der Kettendom


Felsendom photo-2.JPG aus dem späten 19. Jhd.]]

Felsendom mit Kettendom 2006.JPG

Der sog. Kettendom steht in unmittelbarer Nähe an der südost-Seite des Felsendoms. Das Baudatum ist genauso wenig bekannt wie die ursprüngliche Funktion des Baus selbst. Aber schon der andalusische Geschichtsschreiber und Jurist Abd al-Malik b. Habib (gest.852) erwähnt, dass der Kettendom vom Kalifen Abd al-Malik errichtet wurde; somit muss die kleine Anlage um seine Zeit, als er den islamischen Osten bereiste,bereits vorhanden gewesen sein. Spätere muslimische Autoren und Geographen wie der Andalusier Ibn Abd Rabbihi und der Perser Nasir-i Khosro knüpfen bei der Beschreibung der Funktion dieses kleinen Baus an die biblische Tradition an; in der Zeit der Kinder Israels hingen hier die Ketten herab,wo Recht gesprochen wurde. Es war der islamischen Überlieferung nach David, der die Ketten aufgehängt hatte, die nur rechtschaffene Menschen mit den Händen fassen konnten. Der arabische Geograph al-Idrisi, der sich während der Kreuzzüge im Jahre 1154 in Jerusalem aufhielt, beschreibt die Stelle als "das heilige unter den heiligen (Stätten)". Anderen Berichten zufolge stand hier angeblich die Schatzkammer (bait al-mal). Archäologische Untersuchungen ergaben, dass die Fundamente des Kettendoms in der Höhe des Felsendoms liegen und die Säulensockel mit denen des Felsendoms identisch sind. Der Bau war - wie es Nasir-i Khosro ausdrücklich erwähnt - zu keinem Zeitpunkt mit einer Mauer umgeben; vielmehr stand dort eine Kanzel (mihrab), die in der Achse auf die Kanzel der gegenüberliegenden al-Aqsa-Moschee ausgerichtet war.

Der Felsendom ist seit seinem Bau nicht wesentlich verändert worden, allerdings stammt die Verkleidung der Fassade mit den charakteristischen blauen Fliesen aus der Zeit des osmanischen Sultans Suleimans des Prächtigen. Nur die Verkleidung des Sockels mit verschiedenfarbigem Marmor stammt aus der Errichtungsphase.

al-mawazin


Al-mawazin mit Brunnenanlage.JPG

Al-mawazin gegenüber der al-Aqsa-Moschee.JPG

Die acht auf die Plattform der Gesamtanlage hinaufführenden Stufen enden in byzantinischen Säulen in der Form einer Arkade, die al-mawazin genannt werden; denn am Tage der Auferstehung, so die islamische Tradition, werden hier alle Dinge,Taten und Sünden des Menschen auf den Wagschalen der Gerechtigkeit Gottes abgewogen. Die Bezeichnung ist zweifelsfrei koranischen Ursprungs, denn es heißt in Sure 23, Vers 102-103:

Denen, die dann schwere Wagschalen haben, wird es wohl ergehen.Diejenigen aber, die leichte Wagschalen haben, sind dann ihrer selbst verlustig gegangen.

Und in Sure 21, Vers 47 heißt es:

Und für den Tag (oder: am Tag) der Auferstehung stellen wir die gerechten Wagen auf. Und dann wird niemand (im mindesten) Unrecht getan. Wenn es (auch nur) das Gewicht eines Senkorns ist, bringen wir es bei. Wir rechnen (genau) genug ab.

Übersetzung Rudi Paret.

Der Überlieferung (Hadith) zufolge ist es der Erzengel Gabriel, der am Tage der Auferstehung wie Wagschalen besitzt: . Durch diese Bezeichnung der Zugänge zum Felsendom wird dessen zentrale Bedeutung im religiösem Leben der Muslime demonstriert.

Die obere Plattform, auf der sich der Felsendom befindet, ist nur durch diese Stufen mit den abschließenden Arkaden, die im 7.-8. Jahrhundert entstanden sind, erreichbar. Der arabische Geograph Ibn al-Faqih al-Hamadani im 10. Jahrhundert berichtet nur über sechs Treppenzugängen; wann die zwei weiteren hinzugefügt worden sind, ist gegenwärtig unbekannt. Die ursprüngliche Gesamtkonzeption der Treppenanordnungen ist auf jeden Fall Teil der umayyadischen Architektur.

Literatur


  • Werner Caskel: Der Felsendom und die Wallfahrt nach Jerusalem. Westdeutscher Verlag,Köln / Opladen 1963.
  • K.A.C. Creswell: Early Muslim Architecture (Oxford 1932)
  • S.D. Goitein: The Historical Background of the Erection of th Dome of the Rock. In: Journal of the American Oriental Society (JAOS) 70 (1950), 104-108
  • O. Grabar: The Umayyad Dome of the Rock of Jerusalem. In: Ars Orientalis 3 (1959), 33-62
  • Max van Berchem: Matériaux pour un Corpus Inscriptionum Arabicarum: Jerusalem: Ville, II/2. Kairo (o.D.)
  • H. Busse: Die arabischen Inschriften im und am Felsendom in Jerusalem. In: Das Heilige Land 109 (197) 8-24
  • H. Busse: 'Omar b. al-Hattab in Jerusalem. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam 5(1984), 73-119
  • H. Busse: 'Omar's image as the conqueror of Jerusalem. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam 8 (1986), 149-169
  • Werner Caskel: Der Felsendom und die Wallfahrt nach Jerusalem. Westdeutscher Verlag, Köln, Opladen 1963.
  • Shlomo D. Goitein: Jerusalem in the Arab Period(638-1099). In: The Jerusalem Chatedra 2 (1982), 168-196
  • Myriam Rosen-Ayalon: The Early Islamic Monuments of al-Ḥaram al-sharīf. An Iconographic Study. In: Qedem. Monographs of the Institute of Archaeology. 23. The Hebrew University. Jerusalem 1989

Bild:Felsendom_small.jpg|Felsendom in Jerusalem Image:CrossPatheeDome.jpg|Achteckiger Grundriss Bild:Detail_felsendom.jpg|Detail der umlaufenden Schrift Image:MosqueOfOmar1914.jpg|Innenansicht Image:Dome of the rock close.jpg|Außenansicht
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