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Der militärische Dienstgrad Feldwebelleutnant (auch Feldwebel-Leutnant) wurde 1877 bei den Ersatztruppen, dem Seebataillon, der Landwehr und dem Landsturm in der deutschen Armee eingeführt. Der Feldwebelleutnant war ein Reservisten-Dienstgrad, d. h. in Friedenszeiten fand er in der aktiven Truppe keine Verwendung. Zum Feldwebelleutnant konnten diensterfahrene inaktive und nicht mehr dienstpflichtige Unteroffiziere unter besonderen Bedingungen ernannt werden. Im Kriegs- oder Mobilmachungsfall sollten die Feldwebelleutnants im Innendienst oder als Zugführer verwendet werden. Letztere Aufgabe teilten sie sich im Ersten Weltkrieg mit den Offizierstellvertretern.

Zu Feldwebelleutnants befördert wurden bevorzugt Unteroffiziere „des Beurlaubtenstandes“ (Reserve). Der Feldwebelleutnant hatte den Rang eines Leutnants inne, rangierte jedoch stets hinter diesem, da er kein Offizierspatent besaß. In der Zwitterstellung zwischen Unteroffizier und Offizier ähnelte der Feldwebelleutnant dem Warrant Officer in den Streitkräften der USA und Großbritanniens.

Im Kadettenkorps hatte jede Kompanie einen Feldwebelleutnant, der aus dem Kreis der versorgungsberechtigten Armee-Feldwebel (siehe Zivilversorgung) ausgewählt wurde. Dieser besorgte den Schriftverkehr, die Bekleidungsverwaltung und die Beaufsichtigung des Aufwärterpersonals. Auch die Hausverwalter der Kadettenanstalten konnten zu Feldwebelleutnants ernannt werden, insofern sie ehemalige Unteroffiziere waren.

Zum Personal der nur aus Unteroffizieren bestehenden preußischen Schloss-Garde-Kompanie zählte zeitweilig ebenfalls ein Feldwebelleutnant.

Der Feldwebelleutnant trug die Offiziersuniform mit Tressen und Kragenknöpfen des Vizefeldwebels ("Kainszeichen"); hinzu kamen die Leutnantsschulterstücke, nicht aber die silberne Schärpe (Feldbinde). Das Seitengewehr (Offiziersdegen) wurde am Mannschaftskoppel oder am Bandelier getragen.

Der Kadett-Feldwebelleutnant legte die komplette Leutnantsuniform an (ohne die „Kainszeichen“ der ungeliebten Unteroffiziersdistinktionen).

Siehe auch: Dienstgrade im Heer des Deutschen Kaiserreichs

Der historische Vorläufer: Der Wachtmeister-Leutnant


Indirekter historischer Vorläufer des Feldwebelleutnants war der Wachtmeister-Leutnant. Der Wachtmeister-Leutnant fungierte als Adjutant in militärischen Einheiten, Festungen und größeren Städten.

In Österreich ist der Wachtmeister-Leutnant seit 1648 nachzuweisen, zunächst als Regiments-, seit 1769 auch als Bataillonsadjudant. Uniformiert wie ein berittener Offizier, rangierte er gleichwohl nur als ranghöchster Feldwebel. Bis 1752 stand er "unter dem Stocke", d. h. er unterlag dem gleichen Strafsystem wie die übrigen Unteroffiziere. Ab 1759 legte er in der Schlacht eine Schärpe an, die über der rechte Schulter zu tragen war.

In Preußen war die Einrichtung des Wachtmeister-Leutnants ebenfalls bekannt. Seine Aufgaben scheinen aber im 18. Jahrhundert vielfach von den dienstältesten Feldwebeln und von Offizieren übernommen worden zu sein.

Literatur

  • Jany, Curt: Geschichte der Preußischen Armee vom 15. Jahrhundert bis 1914, Neudruck der 2. Auflage, Osnabrück 1967.

  • Kloosterhuis, Jürgen: Legendäre "lange Kerls". Quellen zur Regimentskultur der Königsgrenadiere Friedrich Wilhelms I., 1713-1740, Berlin 2003

Weblinks

  • Feldwebelleutnant in Meyers Konversationslexikon, 4. Aufl., 1888, Band 6, Seite 120

Militär (Deutsches Reich) Unteroffiziersdienstgrad

 

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