Fasten ist eine Form menschlicher Kultur mit verminderter Nahrungsaufnahme und Elementen der Askese. Das Wort kommt vom gotischen fastan = (fest)halten, beobachten, bewachen; bzw. althochdt.: fasten = fest (an den Geboten der Enthaltsamkeit festhalten). Im englischen hat sich dieser Wortsinn z.B. im fasten seat belts erhalten.
Allgemein soll das Fasten mittels reduzierter Nahrungsaufnahme mehreren Zwecken dienen:
Wird nur eine bestimmte Art der Nahrung - beispielsweise Fleisch - oder ein Suchtmittel weggelassen oder eingeschränkt, spricht man von Enthaltung oder einem Abstinenztag.
Leitete sich das Fasten ursprünglich religiös her (Reinigung der Seele, Abwehr des Bösen, Trauer, Buße, Streben nach Konzentration, Erleuchtung oder Erlösung), finden sich in der Neuzeit verstärkt Formen des therapeutischen Fastens (siehe auch Diät) bis hin zum politischen Fasten eines Mahatma Gandhi oder dem Hungerstreik.
Es gab und gibt Menschen, die in ihrem Leben Zeiten der Askese mit Zeiten der Lebensfreude und des Genusses verbinden können. Von der Mystikerin und Kirchenlehrerin Theresa von Ávila (1515-1582) ist der Ausspruch überliefert: „Wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn - wenn Fasten, dann Fasten.“
Auch ein anderer Spruch wird Teresa zugeschrieben: „Sei freundlich zu Deinem Leib, damit Deine Seele Lust hat, darin zu wohnen.“ Er dient dem traditionellen Heilfasten als Richtschnur, z.B. durch geeignete Getränke dem fastenden Körper zu Wohlbefinden zu verhelfen.
Der Islam nennt das Fasten eine der „fünf Säulen“. Er schreibt das Tagesfasten für den Monat Ramadan vor - der allerdings wegen des Mondkalenders allmählich durch die Jahreszeiten wandert. Auch die Baha'i-Religion kennt eine Fastenzeit im Monat Ala (2. bis 20. März). In der Askese-Kultur Ostasiens und im Hinduismus spielt im Zusammenhang mit der Enthaltsamkeit auch Yoga eine Rolle.
Das Judentum kennt mehrere Zeiten des Fastens - zum Beispiel zu Jom Kippur, dem „Großen Versöhnungstag“, an dem der Priester im Heiligtum für die Sünden des ganzen Volkes sühnte (siehe 3. Buch Mose 16, 29-31). Ferner entwickelte sich eine jüdische Praxis, dass man zweimal pro Woche (teil)fastete.
Dies wurde zunächst von den Christen übernommen, allerdings von Dienstag und Donnerstag auf Mittwoch und Freitag verlegt. Das Fasten vor der Taufe gab es schon im Frühchristentum, jenes vor Ostern oder im Advent kam später hinzu. Die Evangelischen standen dieser religiösen Praxis allerdings seit Zwinglis Wurstessen (1522) skeptischer gegenüber und gaben anderen Formen den Vorzug.
Darüber hinaus gibt es auch heute im Christentum den religiös motivierten Verzicht über eine längere Zeit: die Orthodoxe Kirche kennt einige mehrwöchige Fastenperioden pro Jahr, teilweise mit völligem Verzicht auf tierische Nahrungsmittel sowie Fett und Öl. In vielen Pfarren Westeuropas bilden sich Gruppen, die sich durch eine bewusster gelebte Fastenzeit spirituell auf Ostern vorbereiten.
Jesus äußert sich dazu in der Bergpredigt ( Matth.6,16-18) klar: Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht ...
In den vergangenen Jahren haben neben den großen christlichen Kirchen insbesondere Evangelikale und charismatische Kreise das Fasten neu entdeckt und praktizieren oft auch bewussten Verzicht (auf Schlaf zugunsten von Gebet, auf einzelne Mahlzeiten zugunsten von Hungernden usw.), allerdings nicht als Kirchengebote, sondern als freiwillige spirituelle Erfahrung. Ähnlichen Zwecken dient die in vielen Pfarreien praktizierte Fastensuppe statt des üblichen Mittagessens.
Als Heilfasten wird ein Fasten verstanden, das zu einem höheren Wohlbefinden oder verbesserter Gesundheit führen soll. Dazu sagt Hippokrates: "Sei mäßig in allem, atme reine Luft, treibe täglich Hautpflege und Körperübung ... und heile ein kleines Weh eher durch Fasten als durch Arznei."
Neben einigen traditionellen Kur- und Fastenformen (siehe Pfarrer Kneipp) haben sich im 20. Jahrhundert zahlreiche ärztlich begleitete Therapien zur „Entschlackung“ oder Regeneration von Körper und Seele etabliert.
Gemeinsam ist diesen Formen, dass sie einige Tage der Vorbereitung erfordern, eine gezielte Darmentleerung anstreben und täglich etwa drei Liter zu trinken sind. Mögliche Risiken werden durch vorherige oder begleitende ärztliche Untersuchungen minimiert, und das Ende des Heilfastens (früher Fastenbrechen genannt) wird behutsam gestaltet. Dadurch soll der bei erstrebter Gewichtsabnahme oft eintretende Jojo-Effekt weitgehend vermieden werden.
Während einer Fasten- oder Hungerzeit kommt es zu einer Anpassung an den Nährstoffmangel. Dieser Vorgang wird als Hungeradaptation bezeichnet. Der Stoffwechsel kann auf etwa die Hälfte reduziert werden und der Glukoseverbrauch des Gehirns verringert sich auf etwa ein Drittel des Ausgangswertes.
Generell empfiehlt sich vor jeder Fastenkur eine ärztliche Kontrolle, da es beim Fasten bei vorerkrankten Menschen, und bei längererem Fasten auch bei gesunden Menschen zu behandlungsbedürftigen Komplikationen kommen kann. Unter anderem sinkt beim Fasten der Blutdruck.
Mit der Ernährung zusammenhängenden Krankheiten können sich unter dem Fasten bessern, mittelfristig auch Beschwerden an Gelenken. Wichtig sollen bei Fastenkuren eine geeignete Vorbereitung (evtl. durch Bittersalz oder einen Einlauf ergänzt) sein und ein behutsames Ende des Fastens nach 1 bis spätestens 3 Wochen. Zu den möglichen Risikogruppen siehe den Spezialartikel Heilfasten.
Mehrfach berichtet das AT vom Fasten aus Trauer, was beispielsweise von König David nach dem Tod eines Sohnes überliefert ist. Als Zeichen der Demütigung vor Gott - wie im Buch Ijob - versteht vielfach auch der Islam das Fasten.
Auch im alten Ägypten soll gefastet worden sein. Die Fastenzeit beinhaltete den Verzicht auf Fischgerichte, da Fische in dieser Periode Laichzeit hatten. Diese 40-tägige Fastenzeit vor Ostern sollen die Kopten von ihren Vorfahren übernommen haben.
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