Unter Farbstich versteht man in der Farblehre eine Farbnuance, eine Verschiebung einer Farbe zu einem anderen Farbwert.
Im allgemeinen handelt es sich hierbei um Farbtöne von Grundfarben: Blaustich, ein Farbstich ins Blaue, auch als bläulich bezeichnet, und entsprechend Grün
Die Stichigkeit ist zwar prinzipiell farbmetrisch erfassbar, unterliegt aber persönlichen Schwankungen in der Farbwahrnehmung, etwa im Fall von Türkis (als Blau oder Grün). Trotzdem gehört das Erkennen von Farbstichen zur Grundvoraussetzung im Umgang mit Farben und kann trainiert werden.
In der Farbreproduktion gilt es, eine Abweichung in der Farbnachstellung vom gewünschten Farbmuster zu vermeiden. Dies wird durch Farbstandards wie Normlichtarten, durch Normfarbsysteme (wie die CMYK-Euroskala im Vierfarbdruck, oder Farbkalibration (etwa im EDV-Bereich durch Farbmanagement, bei Monitoren mittels Farbprofilen) zu kompensieren versucht.
Eine zu dunkle oder künstliche Beleuchtung ist eine häufige Ursache für den Farbstich der Farben in einem Foto. Moderne Digitalkameras haben eine integrierte Korrektur der Farben, um einen Farbstich zu vermeiden. Diese automatische Korrektur funktioniert jedoch nicht immer richtig und nicht bei jeder Beleuchtung. Der Farbstich kann mit Hilfe der digitalen Bildbearbeitung nachträglich korrigiert oder beseitigt werden.
Auch eine falsch gewählte Temperatur bei der Entwicklung von Farbfotos, kann eine Veränderung des Farbtones bewirken. Farbstiche können aber auch durch fehlerhafte Ausarbeitungen, Lagerung und Alterung des Filmmaterials, Transport, dem Aussetzen von Röntgenstrahlung oder Alterung des Papierbildes entstehen.
In der Digitalfotografie haben zudem die von der Kamera, dem Monitor und den Belichtern oder Druckern eingesetzten Verfahren und Farbräume eine entscheidenden Einfluss auf die farbrichtige Wiedergabe.
Eine Farbstichkorrektur auf optischem Wege ist mit hohem Aufwand verbunden. Billiganbieter von Papierabzügen lassen daher ihre Maschinen sich automatisch so einstellen, dass der Gesamteindruck des Bildes grau ist. Durch sehr harte Kontraste wird der Farbstich in den hellen und dunklen Bereichen entfernt, stattdessen entstehen grelle Farbflächen ohne Zeichnung. Die Bildinformation ist in einem solchen Falle irreparabel beschädigt und lässt sich auch mittels Bildbearbeitungssoftware nicht mehr wiederherstellen. Statt des Papierabzugs sollte daher das Negativ eingescannt werden.
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